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Rezension:Bürger. Macht. Politik. (Taschenbuch)

Der Autor Christoph Giesa, ein einunddreißigjähriger junger Mann, zeigt in seinem Buch "Bürger. Macht. Politik." ein großes Gespür für die aktuellen Probleme der politischen Situation in Deutschland. Dies kommt nicht von ungefähr, denn bereits als Heranwachsender hat er sich nicht nur für Politik interessiert, er hat sich auch aktiv am politischen Geschehen beteiligt und ist einer Partei beigetreten, um so die politische Willensbildung in Deutschland von innen kennenzulernen.

Überregional wurde er bekannt, als er als Aktiver den Wahlkampf von Joachim Gauck zum Bundespräsidenten im Internet organisierte. Seine diesbezüglichen Erfahrungen hat er in dieses Buch einfließen lassen. Aufgezeigt hat er, wie Parteienpolitik in Deutschland funktioniert.

Joachim Gauck hat das Vorwort geschrieben und dem Verfasser ein großes politisches Talent bescheinigt. Im Zuge seiner Unterstützerarbeit für Herrn Gauck erkennt Christoph Giesa, welche erheblichen Mängel in der repräsentativen Politik unseres Landes schlummern. Die Folgen sieht er in der Verdrossenheit der Bürger gegenüber allem Politischen.

Für ihn wird Politik durch die Parteien über die Köpfe der Bürger hinweg gemacht. Folglich fordert er mehr Bürgerbeteiligung an politischen Entscheidungsprozessen, um das Interesse der Regierten wiederzuerwecken.

Wie groß die Bereitschaft eigentlich ist, wird durch das Bürgerengagement bei "Stuttgart 21" dokumentiert, so Giesa. Die Zeit der Hinterzimmerentscheidungen oder des politischen Kungelns muss vorbei sein. Transparentere Meinungsbildung durch die neuen technischen Möglichkeiten wie dem Internet erlauben neue Möglichkeiten der Basisdemokratie.

Fehlentwicklungen wie Ende der Weimarer Republik sieht der Autor heutzutage nicht mehr gegeben, dazu ruht die Bundesrepublik mittlerweile zu sehr auf einem demokratischen Fundament. Gerade darin sieht der Verfasser die notwendige Chance sich jetzt mehr der Bürgerbeteiligung in Form von plebiszitären Entscheidungen zu öffnen. Dass sich dies durchaus positiv auf das politische Interesse, ja sogar auf die politische Kultur und Stabilität auswirkt, zeigt er anhand von Beispielen aus Brasilien oder der Schweiz.

Das Buch stellt nicht zuletzt darum einen gelungenen Beitrag zur politischen Kultur in unserem Lande dar, weil es versucht neue Wege aufzuzeigen: Raus aus den verkrusteten Strukturen unseres müden politischen Alltags, weg von der Politshow, hin zu mehr Eigenverantwortung des einzelnen Bürgers. Dies ist allemal besser als weiterhin vor sich hin zu dümpeln. Dazu leistet Christoph Giesa einen bemerkenswerten Denkansatz.

Empfehlenswert.

Rezension:Das Gesicht der Diktatur: Das Dritte Reich in 3D-Photos (Gebundene Ausgabe)

Der Herausgeber dieses Bildbandes ist Ralf Georg Reuth. Er auch hat den Essay "Fotografie und Stereofotografie im Dienst der nationalsozialistischen Propaganda" verfasst. Der Bildband enthält eine Fülle von Propagandabildern aus der NS-Zeit, die damals mit dem Verfahren der "Stetoskopie" realisiert wurden und heute durch Computer im 3 D-Verfahren rekonstruiert, erstmals an die Öffentlichkeit gelangen, so erfährt man. Professor Michael Wolffsohn erklärt in seinem Text, der dem Essay von Reuth vorangeht, weshalb man sich die Bilder ansehen sollte.

Die Bilder zeigen die Selbstüberhebung und Selbstästhetisierung des "Dritten Reichs". Sie erzählen eine Geschichte und eine kleine Geschichte in der großen, vermag sich der Betrachter selbst erzählen. Jedes Foto visualisiert einen Abschnitt auf dem Weg zum Untergang,(vgl.: S.10). Dies kann ich soweit bestätigen.

Die Bilder werden jeweils kurz erläutert. Der Sachverhalt mit den vielen Fahnen und den Massenkundgebungen zeigt mittels der Bilder, welche Wirkung damit erzielt werden sollte. Alles, wirklich alles wurde zur Machtdemonstration eingesetzt. Die Fotos des Psychopathen Hitler lohnt es sich besonders genau anzusehen. Er war ein selbstverliebter Geisteskranker, der es schaffte die Massen zu blenden, die offenbar einen Pseudo- Messias brauchten, um sich selbstsicherer zu fühlen. Jedes einzelne Bild, jede Pose Hitlers outet ihn als Scharlatan und als miesen kleinen Rattenfänger.

Ich möchte davon absehen, einzelne Bilder zu beschreiben. Bestätigen möchte ich, dass die Ablichtungen meisterlich realisiert worden sind und verdeutlichen, wie Hitler und seine Schergen es schafften, das Volk für einen totalen Krieg zu begeistern. In Russland allein starben 15,2 Millionen Zivilisten, den Psychopathen Hitler störte das nicht. Das ist klar.

Weshalb sich die Masse nicht rechtzeitig gegen ihn wandte, wird durch die Bilder ebenfalls deutlich. Die fixe Idee der "Überlegenheit der arischen Rasse", die Hitler vielen Deutschen in den Kopf klopfte, zeigt sich auf dem Foto von Seite 43 besonders deutlich. Hier scheint nämlich die Turmspringerin im olympischen Stadion übermenschengleich zu fliegen. Das Wasserbecken ist ausgeblendet.

Das war 1936. Im Mai 1945 sind dann alle auf dem Boden der Tatsachen gelandet und die offenbarten sich in verbrannter Erde, in 50 Millionen Toten und einer Schuld, die selbst nach Generationen nicht abgetragen werden kann.

Empfehlenswert.

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Rezension:Der Angriff: Wie der islamistische Terror unseren Wohlstand sprengt (Broschiert)

Der Autor Ulrich Schäfer, ein anerkannter Wirtschaftsjournalist, er ist jetzt als Ressortleiter bei der Süddeutschen Zeitung tätig, hat in seinem Buch "Der Angriff - Wie der islamistische Terror unseren Wohlstand sprengt" sehr akribisch recherchiert und dargelegt, wie einschneidend der islamistische Terror auf die Entwicklung unserer immer weiter vernetzten Welt einwirkt.

Wie schnelllebig die Geschehnisse, speziell im Vorderen Orient momentan sich bewegen, zeigt die Tatsache, dass das Buch gerade erst veröffentlicht, schon wieder den Geschehnissen nachhinkt.

Im Buch noch auf die Aufstände in Libyen verwiesen, weiß man seit dem Einmarsch der aufständischen Freiheitskämpfer in Tripolis, dass das Regime Gaddafi seit drei Tagen Vergangenheit ist. Nur so viel zur aktuellen Lage.
Anschaulich verdeutlicht der Autor die Zusammenhänge, wie die Terrororganisation Al Qaida mit seinem Gründer Osama bin Laden unmittelbar auf die Entwicklung nicht nur der westlichen Staaten, sondern auch auf die wirtschaftliche Entwicklung des gesamten Planeten einwirkt.

Ulrich Schäfer hat anschaulich dargestellt, weshalb Bin Laden, ein junger Saudi, gut ausgebildet und aus reicher Familie sich dem Terror verschrieben hat. Dazu erfährt man, dass das Öl in der Region am Persischen Golf eine unendliche Anziehungskraft auf alle Industrienationen ausübt und welche Aktivitäten im Laufe der Jahrzehnte unternommen wurden, um den unermesslichen Ölfunden habhaft zu werden.

Es wird aufgezeigt, wie al Qaida weltweit versucht mit immer größeren Terroraktionen diese Entwicklung zu unterbinden, indem sie die Wirtschaft versucht lahmzulegen oder zumindest so zu belasten, dass Prosperität nicht mehr möglich ist. Dies soll der Weg sein, die Ungläubigen von den islamischen Gebieten zu vertreiben. Dabei handelt es sich keineswegs nur um religiösen Fundamentalismus, sondern in erster Linie sind es wirtschaftliche Interessen, die hinter dem System al Qaida stecken.

Ist Deutschland bislang von großen Terroraktionen verschont geblieben, so hat das für die Zukunft keine Gültigkeit mehr. Der 11. September 2001 hat gezeigt, dass nirgendwo auf der Welt man vor den Gräueltaten der Islamisten sicher sein kann. Die Industriestaaten sind herausgefordert.
Allein die Verschuldung, die die USA in wenigen Jahren erreicht hat, ist nicht zuletzt auf die Terror-Strategien von al Qaida zurückzuführen.
Die Bekämpfung der Extremisten seitens der USA und anderer westlicher Staaten verschlingt Billionen von Dollar und destabilisiert die Wirtschaft durch enorme Verschuldung. Diese Herausforderungen stellen tatsächlich eine Bedrohung für unser Wirtschaftssystem dar, unser Wohlstand könnte davon abhängen. Eine erfolgreiche Bekämpfung ist nicht in Sicht. Vielleicht sind es die Thesen, die der Autor in seinem Buch darlegt, die Lösungsansätze in diesem weltweiten Konflikt, der nach Auflösung der Ost-Westblöcke sich aufgetan, anbieten.
Das Buch ist hervorragend recherchiert. Wer wirklich die Hintergründe zum aktuellen Weltgeschehen erfahren möchte, wird hier bestens informiert.
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Rezension:Über die Kriegskunst: Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft (Gebundene Ausgabe)

Dieses Buch enthält so genannte Kriegsweisheiten des Generals Sun Tsu aus der chinesischen Provinz Ghi. Wie man erfährt, werden heute, rund 2500 Jahre nach seinem Ableben, seine Gedanken immer noch gelesen und zwar erfreuen sie sich an der Wallstreet großer Beliebtheit. Nicht uninteressant.

Sun Tsu hat die Gedanken für seinen Kaiser zu Papier gebracht. Es handelt sich hierbei um eine philosophische und zeitgleich wissenschaftliche Abhandlung über die Kriegskunst. Seinen Text gliederte er in 13 Kapitel und schreibt pro Kapitel zwischen 14 und 68 Thesen, die, sofern man sie in Auseinandersetzungen einhält, nach seiner Meinung zu einem erfolgreichen Ergebnis führen.

Sun Tsu war kein Kriegstreiber, wohlgemerkt. Für ihn ist Krieg nicht erstrebenswert, sondern er ist der Ansicht, dass man einen Krieg nur führen sollte, wenn man sich selbst schützen möchte, sein Überleben sichern oder aber größere Ziele verwirklichen möchte. Über die größeren Ziele könnte man natürlich diskutieren. Ist es ethisch gesehen legitim, ein Land anzugreifen, das von einem Despoten beherrscht wird? Ist es legitim für die Einführung demokratischer Strukturen, das Leben von Hunderttausenden von Menschen zu opfern? Solche Fragen zu beantworten, scheint mir alles andere als einfach.

Sun Tsu erkennt, dass man seine Mannen manipulieren muss, um sie zu veranlassen, den Feind zu töten und wirbt dafür, deren Zorn zu entfachen und man muss ihnen des Weiteren Belohnungen versprechen. Sun Tsu appelliert also die niederen Instinkte Wut, Zorn, Gier und dergleichen mehr bei den Truppen hervorzukitzeln, um auf diese Weise seine Ziele durch den Krieg erfolgreich durchzusetzen. Der Nutzen des besiegten Feindes besteht in der Vergrößerung der eigenen Stärke, (vgl.: S.33).

Der chinesische General reflektiert den überlegten Angriff und stellt selbstverständlich auch taktische Überlegungen an. Dabei stellt er die These auf: "Es liegt in unserer Hand, uns vor einer Niederlage zu bewahren. Die Gelegenheit jedoch, den Feind niederzuwerfen, gibt uns der Feind selbst",(Zitat. S.49)

Sun Tsu warnt vor Überheblichkeit und weiß, dass derjenige obsiegen wird, der Fehler meidet und den anderen erkennt. Was heißt das? Der andere muss ausgelotet, muss abgecheckt, in seinen Handlungen studiert werden. Man selbst muss in pausenloser Selbstbeobachtung leben und sehr streng in der Eigenbeurteilung sein. Dies erfordert viel Disziplin und zeigt, dass erfolgreiches Kriegsführen auch in der Wirtschaft ein sehr anstrengendes, unangenehmes, moralisch letztlich verwerfliches Tun darstellt, bei dem man sich fragt, ob die Ergebnisse den ganzen Stress und das Leid überhaupt rechtfertigen.

Wer den Feind besiegen will, muss ihn Angreifen, lautet das Credo von Sun Tsu und nur wer Geduld, Ausdauer, Klugheit und die Fähigkeit besitzt, die eigenen und die gegnerischen Leistungen und Möglichkeiten abzuwägen, wird den Sieg davon tragen, (vgl.: S.55). Geistige Reife also ist auch bei Kriegsführen ein Vorteil. Mir stellt sich allerdings die Frage, ob ein wirklich kluger Mensch, nicht erkennt, wie sinnlos Kriege sind, um zu langfristig positiven Ergebnissen zu gelangen.

In der Folge lernt man den Sinn von Tatkraft, auch von Schlauheit kennen:"Der erfahrene Kämpfer wird also den Feind zur planlosen Jagd nach Trugbildern bewegen, die den Gegner zum Handeln veranlassen. Er opfert etwas, nach dem der Feind schnappen wird", (Zitat: S.66).

Schwachpunkt und Stärke, die Manöver des Kampfes auch verschiedene Manövertaktiken kommen zu Sprache und man erfährt die fünf Fehler, die einen General straucheln lassen. Die fünf genannten Punkte sollte man sich bewusst machen, wenn jemand sich anschickt, Krieg gegen uns führen zu wollen. Er wird beispielweise immer versuchen, durch Beleidigungen und Appelle an die Schamgefühle uns aus dem Feld zu schlagen. Das jedoch sollte uns kalt lassen. Man muss sich ein dickes Fell anschaffen, um unangreifbar zu werden.

Ein erfolgreicher General wird stets Spione einsetzen. Deshalb sollte man sich davor hüten vertrauensselig zu sein, wenn man sich im Krieg befindet.

Ich habe dieses Buch mit großem Interesse gelesen, weil es mir verdeutlicht, wie Männer ticken, die Kriege, auch solche in denen kein Blut fließt, führen und wie man mit dem Verhalten sinnvollerweise umzugehen hat. Cool bleiben, sich nicht provozieren lassen lautet die Devise.

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Rezension: Lüge - Vom Wert der Unwahrheit (Gebundene Ausgabe)

John J. Mearsheimer konstatiert gleich zu Beginn seines Buches, dass es eine Vielzahl von Büchern über das Lügen gibt, aber kaum eines, das sich explizit mit der Lüge in der internationalen Politik beschäftigt. Damit dies nicht länger so bleibt, hat der Autor im vorliegenden Text sich genau mit diesem Phänomen auseinandergesetzt.


Nach Kant ist die Lüge die "größte Verletzung der Pflicht des Menschen gegen sich selbst." Utilitaristen sind da etwas anderer Meinung und halten fest, dass Lügen durchaus sinnvoll sein kann, wenn sie einem nützlichen sozialen Zweck dienen, (vgl.: S,16).


Mearsheimer beurteilt die internationale Lüge aus einem strikt utilitaristischen Blickwinkel, primär, weil zwingende Rechtfertigungsgründe für sie vorliegen, wie man historisch nachweisen kann, (vgl.:S.16).
Der Autor hält zunächst fest, dass Regierungen in auswärtigen Angelegenheiten sowohl strategisch als auch aus egoistischen Motiven lügen. Mearsheimer interessieren im Buch allerdings nur die strategischen Lügen, auf die er in der Folge dann näher eingeht.


Das Buch setzt sich aus neun Kapiteln zusammen und beginnt mit einer Definition der Lüge und der beiden anderen Formen der Täuschung: der Verheimlichung und der Schönfärberei. Anschließend breitet er das Inventar internationale Lügen aus und unterzieht dann in 5 Kapiteln jede Art des strategischen Lügens einer genaueren Untersuchung, thematisiert dann die Fallstricke internationaler Lügen und wartet schlussendlich mit einer Einschätzung auf, welche Arten von Lügen am wahrscheinlichsten das Gegenteil des Bezweckten erreichen, die Außenpolitik des Landes aushebeln und welche Lügen am ehesten innenpolitischen Schaden anrichten, (vgl.:18ff).


Mearsheimer hält fest, dass die Wahrheit zu sagen bedeutet, die Fakten nach bestem Wissen und Gewissen ehrlich und offen zu artikulieren. Lügen bedeutet, wenn jemand etwas äußert, von dem man weiß oder vermutet, dass es falsch ist, in der Hoffnung der andere werde es als bare Münze nehmen. Lügen kann heißen, Fakten zu erfinden, von denen man weiß, dass sie falsch sind, oder Fakten zu leugnen, von denen man weiß, dass sie wahr sind, (vgl.: 21ff).


Der Autor bringt zum Ausdruck, dass Schönfärberei nicht gleich Lüge sei, sondern es sich um eine Übertreibung oder Verzerrung, so doch keine Verdrehung der Wahrheit handele. Dennoch, Lüge, Schönfärberei und die Unterschlagung von Informationen sind allesamt Formen der Täuschung. Dabei gehören in der Praxis zu Täuschungskampagnen neben Lügen immer auch Schönfärberei und Verheimlichung, (vgl.:S.27).


Zum Inventar der internationalen Lüge listet Mearsheimer nachstehende Kriterien auf und erläutert diese jeweils ausführlich und gut nachvollziehbar:

-Zwischenstaatliche Lügen

-Die strategische Vertuschung

-Nationalstaatliche Mythen

-Völkerrechtslügen

-Sozialer Imperialismus

-Schändliche Vertuschungen

Vertuschungen werden dann vorgenommen, wenn Regierungen ihrer Unfähigkeit, die für das Scheitern von Politik verantwortlich ist, nicht zugeben wollen, weil sie aus strategischen Erwägungen feindlichen Ländern keine Gelegenheit bieten möchten, die Schwäche auszunützen oder aber weil verhindert werden soll, dass die Beziehungen zu anderen Ländern Schaden nehmen, (vgl.: S.81).

Der Autor zeigt an Beispielen, dass Regierungen auch lügen, um kontroverse Politik zu verschleiern, die sie zwar für strategisch geboten erachten, allerdings vor ihrer eigenen Öffentlichkeit und aus bestimmten Gründen von anderen Staaten verborgen halten möchten, (vgl.: 84).

Nachdenklich sollten Politiker die Reflektionen über die Nachteile internationaler Lügen, die Risiken nationaler Mythenbildung, die potentiellen Kosten von Völkerrechtslügen, die Fallstricke strategischer Vertuschung und dergleichen mehr stimmen. Lügen ist immer eine Schwäche, dessen sollten sich Politiker bewusst sein.

Dennoch, lügen scheint mitunter als Mittel der Staatskunst unumgänglich zu sein. Sie als strategisches Mittel einzusetzen, bedarf einer wirklich hohen Verantwortung, zur der nur die wenigsten utilitaristischen Politiker wirklich in der Lage sind.

Ein Text, der sehr nachdenklich macht.

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Rezension: Die Ostsee: 2000 Jahre Seefahrt, Handel und Kultur (Gebundene Ausgabe)

Ulla Ehrensvärd, Pellervo Kokkonen und Juha Nurminen thematisieren in diesem reich bebilderten Buch 200 Jahre Seefahrt, Handel und Kultur auf der Ostsee über die man eingangs zunächst allgemein Wissenswertes liest. Bereits in der Steinzeit übrigens gab es Seefahrt im Ostseeraum. Dokumentiert wird dies durch Felsritzungen an vielen Orten Skandinaviens.

Über das Weltbild und Koordinatensystem des Ptolemäus wird man aufgeklärt, erfährt Näheres zu Kompass und Windrose, um sich weniger später mit den Wikingern auf Ostseefahrt auseinandersetzen zu können. Zuvor allerdings schon hatten im 3. Jahrhundert griechische und römische Schiffe den Weg in die Ostsee gefunden und transportierten, wie zuvor schon einige Jahrtausende auf dem Landwege, das kostbare Bernstein in den Süden.

Über die Wikinger und deren Schiffe wird man gut unterrichtet, liest später dann über christliche Mission, Handel und Seeräuberei. Die Wikinger kamen auf ihren Fahrten in Kiew und Novgorod mit dem Christentum in Kontakt. Im Zuge des vermehrten Handels in der Wikingerzeit hatte auch die Seeräuberei zugenommen. Sah man früher in den Wikingern Krieger und Räuber, werden diese heute von den Forschern eher als Handelsleute wahrgenommen, (vgl.: 41).

Aufgeklärt wird man in der Folge über die Kaufmannsgilde der "Schwarzhäupter", die 1339 erstmals erwähnt wurde. Ihr Schutzheiliger war der äthiopische St. Mauritius. Diese Gilde, die in Reval, Narva, Dorpat, Hapsal und Riga, sogar im deutschen Wismar tätig war, bestand aus Kaufleuten, allerdings auch aus Repräsentanten anderer wohlangesehener Berufsgruppen, die Zugang zum großen Gildesaal hatten, in dem ihre Zusammenkünfte stattfanden.

Einen breiten Rahmen im Buch nehmen die Hanse und der Deutsche Orden ein. Ich habe mich als Schülerin einst aufgrund einer Jahresarbeit sehr intensiv mit der Hanse auseinandergesetzt und meine beurteilen zu können, dass hier im Buch alle wichtigen Punkte zum Thema Hanse abgehandelt worden sind. Gelungen ist im Speziellen das Porträt Lübecks, die als Königin der Hanse bezeichnet wird.

Zur Sprache gebracht werden alsdann See- und Inselbücher und in diesem Zusammenhang mittelalterliche Segelrouten in der Ostsee. Beleuchtet wird auch das Loten als Methode und zentrales Hilfsmittel für das Navigieren der Schiffe.

Über die Lotsenwesen erfährt man Näheres und liest in diesem Zusammenhang auch, dass man kaum etwas über die Tätigkeit der Lotsen bei den Wikingern und im Mittelalter weiß. In Visby wurden bereits im 14. Jahrhundert Lotsen für den Handelsverkehr eingesetzt. Zur Hansezeit gab es Lotsentätigkeit auf hoher See, später dann wurde ihnen auch das Leuchtfeuerwesen übertragen.

In Kenntnis gesetzt wird man von den Arbeitsgeräten der Seefahrer, z. B. vom Astrolabium. Die Navigationskunst in der Ostsee, und der Kompass werden thematisiert und schließlich der Schiffsbau, sowie der Beginn der Seekartierung.

Sehr spannend zu lesen ist die chronologische Auflistung des Kampfes der Schweden um die Vorherrschaft über die Ostsee und die wichtigsten Seegefechte. Am meisten fasziniert mich das Bild eines Taucheranzugs aus den 1790er Jahren. Zuvor hatte man Taucherglocken verwandt, wenn man unter Wasser musste, um Schiffe wieder flott zu machen.

Das Buch verdeutlicht, dass die Menschen sich im Laufe der Geschichte auch an und auf der Ostsee viel haben einfallen lassen, um blühenden Seehandel zu bertreiben und Vormachtstellungen auszubauen.

Empfehlenswert.

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Rezension:Die große Geschichte der Seefahrt: 3000 Jahre Expeditionen, Handel und Navigation (Gebundene Ausgabe)

Donald S. Johnson und Juha Nurminen haben dieses reich bebilderte Buch auf den Weg gebracht, das 3000 Jahre Expeditionen, Handel und Navigation zum Thema hat.

Zur Sprache gebracht wird zunächst die Frühzeit der Navigation. Man liest von arktischen Seefahrern und den Kajaks der Inuit, der Erfindung des Segels durch die Ägypter, dem Segeln nach Breitengrad und einer Fülle von Naturerscheinungen, bevor man mit antiken Segelrouten vertraut gemacht wird. Hier lernt beispielsweise Routen der Phönizier kennen und liest Wissenwertes über Phytheas von Massalia, dem ersten wissenschaftlichen Navigator, der um 350 v. Chr. die Britischen Inseln umsegelte und zu großen Teilen des Landesinneren vorstieß. Man liest im Zusammenhang mit diesem Navigator auch von "Thule", das er sich möglicherweise nie als reales Gebiet vorgestellt hat. Erst 13 Jahrhunderte danach gab es eine literarische Verbindung zwischen Thule und Island, (vgl.: 47).

Man wird über die phönizischen, griechischen und römischen Handelsschiffe in Kenntnis gesetzt und erfährt Näheres über das Weltbild nach Homer, nach Herodot u.a. und hat Gelegenheit sich mit der Alexandrinischen Schule und mit der neuzeitlichen Weltkarte von Martin Waldseemüller zu befassen.

Die Navigation im Mittelalter, die mittelalterliche Kosmographie und Kartographie werden thematisiert, auch die Handelsrouten im Mittelmeer in jener Epoche. Man lernt die Handelsschiffe aus jener Zeit kennen und den Hauptunterschied zwischen mediterraner und nordeuropäischer Schiffsbautechnik, wird mit dem "Katalanischen Weltatlas" von Cresques aus dem Jahre 1375 vertraut gemacht, lernt ferner verschiedene Astrolabien und deren Funktion kennen und auch die Dhau, das klassische arabische Segelschiff. Man liest weiter über die frühen Seefahrten in nördlichen Gewässern, den Wikingerrouten und Langstreckennavigationen, den Wikingerschiffen u.a.m.

Die Geschichte des Kompasses und das Geheimnis des Magnetismus sind ein Thema, bevor die iberischen Vorstöße in den Atlantik fokussiert werden. Persönlichkeiten, wie Prinz Heinrich dem Seefahrer oder auch Vasco da Gama, Christoph Kolumbus und wie sie alle hießen, die in die Geschichte der Navigation als Meister ihres Faches eingingen, bleiben auch nicht ausgespart.

Man lernt unterschiedliche Schiffe aus dem Zeitalter der Entdeckungen kennen, kann sich auch mit führenden Theoretikern der nautischen Wissenschaft vertraut machen, so etwa mit William Bourne und John Dee, lernt berühmte historische Weltkarten wie jene von Gerhard Mercator kennen und wird mit den Fahrten über das eisige Meer zum großen Reich von Cathay konfrontiert.

Über Magellan und dessen erfolgreiche Weltumseglung wird man in Kenntnis gesetzt und über die "Niederländische Ostindienkompanie".

Mich begeistern neben den Texten die beeindruckenden Bilder von Segelschiffen, speziell jene, die ins Nordpolarmeer einst vorstießen. Die "Fram", das Schiff Fridtjof Nansens soll das beste Polarschiff seiner Zeit gewesen sein.

Das Buch bietet eine Fülle von Informationen. Nur einige konnte ich in der Rezension anreißen. Ein Buch, das alle, die sich für die Geschichte der Seefahrt interessieren unbedingt lesen sollten.


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Rezension:9 Bücher zur Geschichte: Mit einem Vorwort von Lars Hoffmann (Gebundene Ausgabe)

Der griechische Geschichtsschreiber Herodot (490 v. Chr. - 425 v. Chr.) ist der Autor der neun Bücher zur Geschichte, die in dem vorliegenden Buch als vollständige Ausgabe darauf warten, vom geneigten Leser studiert zu werden. Herodot war in den Augen Ciceros der Vater der Geschichtsschreibung, weil sich bei ihm erstmals ein klarer Erzählstrang festmachen lässt.

Das Werk entstand in jener Phase der griechischen Kultur, welcher erst durch die Auseinandersetzung zwischen Athen und Sparta im Peloponnesischen Krieg ein Ende gesetzt wurde. Das Buch besteht, wie schon erwähnt, formal aus neun Büchern, an deren Anfang das steht, womit Herodot die Perserkriege ursprünglich verband. Im ersten Buch findet man einen ausführlichen Bericht über die Lyder und ihren König Kroisos, auch werden die Perser als künftige Gegner des Kroisos und ebenfalls der Griechen vorgestellt. Die Bücher II und III sind der Westexpansion des persischen Reiches gewidmet. Die Erfolge gegen die skythischen Völker im nordwestlichen Bereich des Schwarzen Meeres, sowie gegen die Libyer in Kyrenaika sind im Buch IV aufgeführt. Die Bücher V und VI befassen sich mit dem Ionischen Aufstand. Buch VII leitet bereits zu den ersten Feldzügen des Dareios gegen Griechenland über. Die Bücher VIII und IX haben die Griechenlandfeldzüge des persischen Herrschers Xerxes I. zum Thema.

Das Weltbild Herodots beruhte auf der Vorstellung, dass sich der Himmel wie eine Halbkugel aus Kristall über der Erde befände. Formal handelt es sich bei den neun Büchern um das erste größere Prosawerk der griechischen Literatur. Die vorliegende kommentierte Übersetzung des früheren Direktors der Heidelberger Universitätsbibliothek Johann Christian Bähr (1798-1872) wurde 1861 in der zweiten überarbeiteten Auflage publiziert.
Es ist eine andere Welt, in die man hier eintaucht und doch sind die Menschen wie immer:"Die Feldherren aber, welche zu Salamis waren, zankten sich gewaltig untereinander; sie wussten nämlich noch nicht, dass die Barbaren sie mit ihren Schiffen umzingelt hatten..." (Zitat: S. 670).:-))

Es ist unmöglich, im Rahmen einer Rezension auf den faktenreichen Inhalt der Bücher einzugehen. Wer historisch interessiert ist und Einblicke in die antike Welt gewinnen möchte, wird das Buch mit Interesse lesen. Ich selbst ziehe eigentlich philosophische Texte aus jenen Tagen denen Herodots vor. Jedoch es ist wichtig, zu wissen, in welchem historischen Umfeld besagte philosophische Texte entstanden sind, von daher schien mir die Lektüre notwendig.
Lesenswert.

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Rezension:Brasilien: Historia von den nackten, wilden Menschenfressern (Gebundene Ausgabe)

Hans Staden, der Autor dieses Buches, wurde 1525 in der Wetterau geboren. Er beschreibt in der Form eines Schelmenromans seine Reisen nach Brasilien in den Jahren 1548-1555. Der Text erschien erstmals 1557 in Marburg und besticht durch die ungekünstelte Darstellung der Fahrten und Abenteuer in die Neue Welt, die Staden nicht selten in Todesnähe brachten.

Der Wert des Buches liegt nicht nur in dem Text, dem man Näheres über die Bewohner Brasiliens und über die dortige Fauna und Flora entnehmen kann, sondern auch in der Abbildung der einstmals der Reisebeschreibung beigefügten Holzschnitte, die in ihrer bildlichen Aussage dem Holzschnittartig-Naiven der Erzählweise genau entsprechen.

Hans Staden war ein Haudegen, der an der türkischen Front und im Schmalkaldischen Krieg das Kriegshandwerk erlernt hatte, ein Mann, der alles andere als zimperlich war. Er heuerte auf einem Kapernschiff an, war an den Plünderungen in La Plata beteiligt und erlebte die Zerstörung der Inkakultur hautnah mit. Staden war also ein Augenzeuge, den, obschon er alles andere als zart besaitet war, die kannibalischen Sitten der Eingeborenen entsetzten.

Ich versuche mir vorzustellen, wie dieses Buch auf Leser aus dem 16. Jahrhundert gewirkt haben muss. Bei den einen wird es gewiss Grund zum Gruseln gewesen sein, andere jedoch dürfte die Neugierde gepackt haben. Gab es eine solche Realität auf Erden, wie Staden sie beschrieb?

Gewiss war das Buch für einige mutige Männer, die lesen konnten, Anlass auf einem Schiff anzuheuern, um sich zu vergewissern, ob Staden keine Ammenmärchen erzählt hatte. Allerdings dürfte auch für diese Mutigen das 21. Kapitel abschreckend gewirkt haben.

"Als Ehre gilt bei ihren, viele Feinde gefangen und getötet zu haben, denn das ist bei ihnen Sitte. So viele Feinde ein Mann getötet hat, so viele Namen gibt er sich. Diejenigen mit den meisten Namen gelten bei ihnen als die vornehmsten."(Zitat S.241).

Lesenswert, nicht zuletzt weil Zeitgeist und Vorurteile sichtbar werden.

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Rezension:Die Entdeckung der alten Mayastätten: Ein Urwald gibt seine Geheimnisse preis (Gebundene Ausgabe)

Der New Yorker Anwalt John L. Stephans und der Londoner Architekt und Zeichner Frederick Catherwood brachen im Oktober 1839 zu ihrer Forschungsreise nach Mittelamerika auf. Sie entdeckten die im Dschungel verborgene Monomentalarchitektur und Reliefkunst der Maya. Den Text habe ich mit großem Interesse gelesen, nicht zuletzt, weil ich einige der beschriebenen Orte bereits besucht habe.

Stephans berichtet sehr packend von den Erfahrungen, die er und Catherwood sammeln konnten. Letztgenannter dokumentiert die Eindrücke durch seine Zeichnungen, die im Buch abgebildet sind.
Stationen der Beschreibung sind die Ruinenstädte Copán in Honduras, Tecpán und Utatlán in Guatemala, sowie Palenque und Uxmal in Mexiko.

Stephans schreibt im Hinblick auf die Gebäude in Uxmal, die mich auf meiner Reise durch Yucatán persönlich am meisten fasziniert haben, dass die Indianer, die er dort traf, die Ruinen mit abergläubischer Ehrfurcht betrachteten. Sie hatten Bedenken sie nachts aufzusuchen. Die Indianer gaben den Gebäuden, von denen sie vermuteten, dass sie ungeheure Schätze bargen, jedem einen Namen. Diese kann man im Buch nachlesen.

Bemerkenswert, dass sie das Gebäude, das am höchsten Punkt angesiedelt und nur über viele sehr steile Treppen erreichbar ist, das "Haus des Zwerges" nennen. Die Indianer scheinen die Psyche der Menschen gut zu kennen.
Lesenswert ist dieses Buch noch heute wegen der beschriebenen Abenteuer auf der Reise, der Landschaftsschilderungen, der Skizzierung der Alltagswelt der Indianer und der faszinierenden Beschreibungen Entdeckungen natürlich.

Für Reisende nach Mittelamerika ein Muss.

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Rezension: Die Mauer: Fakten, Bilder, Schicksale (Gebundene Ausgabe)


Die kaltblütigen Methoden zur Machtsicherung in einem Unterdrückersysthem.

Als die Mauer 1961 erbaut wurde, war ich ein kleines Mädchen, das zwar intellektuell noch nicht erfasste was am 13. August vor 50 Jahren geschah, aber sehr wohl fühlte, dass man hier Menschen die Freiheit, das kostbarste Gut, das Menschen besitzen, stahl.

Die "Ostzone" empfand ich von diesem Tag an als großes Gefängnis. Als ich zu begreifen lernte, war mir klar, dass hier ein Volk von machtbesessenen Ideologen unter dem Deckmantel des Sozialismus ihres zentralen Menschenrechtes - der Freiheit- beraubt wurde und des Weiteren, dass zwischen der Stasi und der Gestapo kein wirklicher Unterschied bestand. Die Bespitzelung der Bevölkerung war ein Skandal und es ist gut, dass diesbezüglich Aufbereitung betrieben wird. Alle Täter müssen der gerechten Strafe zugeführt werden.

Die DDR war eine große Haftanstalt, in der unschuldige Menschen festsaßen und bei Fluchtversuchen kaltblütig ermordet wurden. Wie menschenverachtend die Nomenklatura und ihre Schergen mit der Bevölkerung umgingen, wird im vorliegenden Buch der Bundesstiftung für Aufarbeitung deutlich. Die Dimensionen der Niedertracht sind mir seit gestern Abend noch bewusster geworden, seit ich mich in Einzelschicksale vertiefte. Mein ganze emotionale Anteilnahme gilt denen, die in der ehemaligen DDR unter dem Stasiterror gelitten haben und jenen mutigen Menschen, die für die Freiheit ihr Leben riskierten.

Herausgeber dieses reich bebilderten Buches ist Kai Diekmann, als Autoren werden Ulrich Mählert, Ralf Georg Reuth und Hans-Wilhelm Saure genannt. Das Buch enthält insgesamt 14 Kapitel. Zunächst wird der Weg zur Mauer thematisiert. Hier auch erfährt man, dass die DDR-Mangelwirtschaft und die ideologische Gängelung in den 1950er Jahren dazu führten, dass jährlich rund 150 000 zumeist junge Menschen das Land verließen. Hätten sich die Genossen nicht dazu entschieden ihr Volk 1961 einzukerkern, hätten außer einigen zugebretterten Ideologen und mitlaufenden Leisetretern vermutlich schon zu Beginn der 1970er Jahre keine Menschen mehr im Osten gewohnt. Wer will sich schon dauerunterdrücken lassen?

Ausführlich wird über die Geschehnisse des 13. August berichtet. Ein ehemaliger, damals noch junger Panzerfahrer, der nach Berlin abkommandiert war, fühlt sich noch heute von der SED missbraucht und sagt "Ich bin nicht stolz darauf, als Soldat am 13. August 1961 in Berlin dabei gewesen zu sein. Ich habe oft gesagt, ich trage Mitschuld daran, dass die Mauer gebaut wurde- zum Glück ist sie längst Geschichte",(Zitat: S.22).

Stefan Heyde, damals ein 14 jähriger Junge in Berlin, schreibt:"Doch als wir im August eingemauert wurden, konnte ich das einfach nicht verstehen. Ich war fassungslos und fühlte mich umzingelt. Ich hatte Angst", (Zitat: S.25).

Berichte von Zeitzeugen decken sich zumeist im Gefühl in einem großen Gefängnis gelebt zu haben. Die Gefängniswärter bereicherten sich an ihren Gefangenen, das muss jedem klar sein und ich frage mich auf welche Weise deren erbeutete Gelder noch heute weiß gewaschen werden.

Man liest von den Reaktionen auf den Mauerbau, von den Protestdemonstrationen am Schöneberger Rathaus, wo der damals regierende Berliner Bürgermeister, enttäuscht von den Schutzmächten, am 16.8.1961 vor dem Schöneberger Rathaus vor 300000 Menschen sprach. Die Situation in Berlin, wo sich amerikanische und russische Panzer gegenüberstanden, war mehr als nur bedenklich. Immerhin wurde der SED-Führung von sowjetischer Seite untersagt, durch provozierende Maßnahmen die alliierten Rechte in Berlin zu demontieren.

Das Kapitel IV ist der Repression und Flucht gewidmet. Hier auch erfährt man, dass trotz der Propaganda der SED in Ost-Berlin und in der DDR überall Protest und Widerstand gegen die Abriegelung der Grenzen zu West-Berlin aufkam. An den Hauswänden sollen Losungen zu lesen gewesen sein wie "Weg mit Ulbricht" und "Russen raus", (Zitat: S.43).

Am 24. August 1961 dann fielen die ersten tödlichen Schüsse an der Mauer und bis Ende Oktober des gleichen Jahres sterben 15 Menschen beim Versuch in die andere Hälfte Berlins zu gelangen. Am 31. Dezember 1961 sind es bereits 27 Todesopfer, 23 davon allein in Berlin, (vgl.: S.50). Es war eine Farce, dass sich die Ostzone demokratisch nannte. Die SED hat demokratische Grundüberzeugungen mit ihrem rücksichtslosen Vorgehen an der Sektoren und Zonengrenze bis zu ihrem Ende mit Füßen getreten.

Informiert wird man in der Folge über den Grenzausbau 1961-69, auch hier gibt es wieder erschütternde Zeitzeugenberichte. Man liest von Zwangsumsiedungen im Grenzgebiet (12 000 Menschen sind ihrer Heimat beraubt worden, vgl.: S. 64) und der perversen Verminung des so genannten Schutzstreifens. Menschenverachtung pur.

In einem der Folgekapitel erfährt man, dass der Druck auf die Bevölkerung im SED-Staat seit dem Mauerbau wuchs. Aufgrund der Rund-um- die Uhr- Bespitzelung war es nur möglich im Alleingang aus dem Kerker zu fliehen. Man liest von der Fluchthelferszene, die sich entwickelte und von all den Flüchtenden, die die Demarkationslinie auf direktem Weg zu überqueren suchten. Auch hier hat man Gelegenheit Zeitzeugenberichte zu lesen. Vom 13. August 1961 bis zum 13. August 1989 gelang es immerhin 40 133 Menschen aus dem Unterdrückungsstaat zu fliehen.

Das traurigste Kapitel im Buch ist das VIII. Dieses Kapitel nämlich ist den Toten an der Grenze gewidmet, allein an der Berliner Mauer starben mindestens 136 Menschen. Irmgard Bittner berichtet von ihrem Sohn, der an der Mauer von zwei Kugeln in den Rücken getroffen wurde. Heimtücke, Hinterhalt und Bespitzlung waren Methoden der SED, die kaltblütig angewandt wurden, um ihre Macht zu sichern.

Die Verfolgung von Regimegegnern wie den Bürgerrechtler Roland Jahn wird ausführlich dargelegt. Es steht außer Frage, dass es sich bei dem SED-Regime um ein Terrorregime handelte, das sein Volk ausbeutete und die gleichen Unterdrückungsstrategien anwandte wie einst die Nazis.

Wie die armen, gefangen gehaltenen Bürger dieses Staates mit der Mauer lebten und sich 1989 endlich aus dem Joch des SED-Regimes befreiten, wird im Buch ebenfalls sehr gut aufgezeigt.

Ein Buch, das ich jedem empfehle, speziell auch jenen Leisetretern im SED-Regime, die als IM ihre Arbeitskollegen und Nachbarn bespitzelten, um sich einen kleinen Vorteil zu verschaffen. Scham scheinen diese Egomanen nicht gekannt zu haben.

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Rezension:Atlas der Völkerwanderungen: Suche, Flucht, Verschleppung, Vertreibung (Gebundene Ausgabe)

Professor Russell King ist der Herausgeber dieses lesenswerten Buches, das übrigens vom Rezensenten "timediver" vortrefflich rezensiert worden ist. Im Grunde gibt es dieser Rezension nichts hinzuzufügen.

Das vorliegende Buch thematisiert die Geschichte der Zivilisation und ihrer Wanderungen, die sich durch die Geschichte der Menschheit wie ein roter Faden zieht. Man hat Gelegenheit von Einzelmigrantenschicksalen zu lesen, wie sie auf dieser Welt zu Hauf vorkommen. Berichtet wird von den Reisen der Ideen und der Kulturen aber eben auch von den Menschen, die ihre Heimat verließen auf der Suche nach einem besseren Leben.

Obschon es Migration seit Anbeginn der Menschheit gibt, hat sie sich in den letzten sehr beschleunigt. Von daher auch wird das 20. Jahrhundert das Zeitalter der Migration bezeichnet. Heute unterscheidet man zwischen interner und internationaler Migration, zwischen erzwungener und freiwilliger sowie zwischen permanenter und vorübergehender Migration, (vgl. S.8). Interne Migration ist genau wie die internationale Migration primär ökonomisch bedingt. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass 50% der Migranten Frauen sind und demnach Migration keineswegs ein vorwiegend männliches Phänomen ist, wie immer wieder behauptet wird. Leider ist Migration nicht immer eine Sache, bei der Immigrationsland, Emigrationsland und Migrant in gleicher Weise gewinnen. Das geschieht nur dann wenn die Sicherheitsmaßnahmen greifen und hierdurch die Würde, die Menschenrechte und das Wohlergehen der Migranten geschützt werden.

Man liest in der Folge von der Geschichte der Völkerwanderung, die begann als sich der "Homo erectus" entwickelte, am aufrechten Gang Gefallen fand und sich von da an auf Wanderschaft begab.

Im Buch hat man immer wieder Gelegenheit aufgrund von sehr brauchbarem Kartenmaterial sich ein Bild von den Bewegungsabläufen, sprich den Völkerwanderungen, zu machen. Zu Sprache kommen stets neue Welten, die besiedelt wurden. Man lernt Kunstwerke unserer frühen Vorfahren kennen, wie etwa die Venus von Willendorf, auch die Tierzeichnungen in den französischen Höhlen von Lascaux und wird in Kenntnis gesetzt, dass nachdem sich die Menschheit um den Globus verbreitet hatte, das Phänomen der Migration keineswegs verschwand.

Das Wissen über die Völkerwanderungen der alten Griechen und Römer soll lückenhaft sein.

Sehr lesenswert ist das Kapitel, das sich mit Sprache und hier mit der Ausbreitung der indogermanischen Sprache befasst. Woher die sogenannten Indogermanen stammen, weiß man noch immer nicht, aber man weiß, dass sie sich immer mehr nach Westen bewegten.

Man liest des Weiteren von der immerwährenden Wanderschaft und dem stets unsicheren Exil der Juden und den Wanderungen des polynesischen Volkes vor 3500 in der Inselwelt des Pazifik, den Wanderbewegungen der Griechen, der Römer, der Barbaren und der Besiedlung Amerikas durch die Europäer, die letztlich auch als Völkerwanderung zu werten ist. Migrationen gab und gibt demnach aller Orten. Sie ist der Normalzustand. Grund genug sich bewusst zu machen, dass Weltgesellschaft nichts anders als eine multikulturelle Gesellschaft sein kann. Blickt man dieser Tage auf Norwegen und den Migrantenhasser Breivik, ist man entsetzt, wozu ein Mensch fähig ist, die rechtsradikale Verblendung lebt und diese Normalität nicht anerkennen will.

Ein empfehlenswertes Buch.

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Rezension:Die Pharaonen: Ägyptens bedeutendste Herrscher in 30 Dynastien (Gebundene Ausgabe)

"Ihre Schönheit selbst war nicht unvergleichlich, auch fiel sie nicht jedem auf den ersten Blick ins Auge. Im Gespräch jedoch entfaltete sie einen unwiderstehlichen Reiz, und ihre Präsenz, verbunden mit der gewinnenden Art ihrer Unterhaltung und ihrem Charakter..., hatte etwas Anregendes. Ihre Stimme war angenehm und wie ein Musikinstrument mit vielen Seiten konnte ihre Zunge in andere Sprachen wechseln wie es ihr beliebte, so dass sie in Gesprächen mit Barbaren kaum jemals einen Dolmetscher benötigte, sondern den meisten von ihnen selbstständig ohne Hilfe anwortete,"(Plutarch über Kleoptrata, Zitat: S. 210)

Wer sich einen Überblick über Ägyptens bedeutendste Herrscher in 30 Dynastien während der Pharaonenzeit beschaffen möchte, ist gut beraten sich mittels dieses reich bebilderten Buches kundig zu machen.

Länger als 3000 Jahre herrschten die Pharaonen über Ägypten. Ihre Hauptaufgabe, so erfährt man gleich zu Beginn des Buches, war die Erhaltung der "maat", der vorgegebenen Weltordnung, mit der die Prinzipien der Wahrheit, Gerechtigkeit und Ausgewogenheit verbunden waren. Als Gegensatz zur "Maat" wurde das Chaos betrachtet, das die natürliche Harmonie zunichte zu machen sucht.

Zunächst lernt man die prädynastische Zeit um 5300-3050 v.Chr. näher kennen und erfährt hier, dass die regelmäßige Nilschwemme und das Wiederauftauchen des fruchtbaren Landes aus den sinkenden Fluten in die die Schöpfungsgeschichte des Sonnengottes Re im uralten Kulturzentrum Heliopolis (nähe Kairo) verbreitet wurde.

Anschließend werden dann die einzelnen Dynastien näher beleuchtet. Anhand von Schaukästen erhält man eine Fülle von Sonderinformationen, wie etwa, dass im alten Ägypten sämtliche Königstitel die Beziehung der Person zum Pharao hervorhoben oder aber aufschlussreiche Erläuterungen zur Mumifizierung, zu Re von Heliopolis, zum Tempel des Sethos in Abydos, zum Leuchtturm von Alexandria, zu den Tempel von Abu Simpel, zu den Königsgräber von Tanis, zu der Göttin Isis und vieles, vieles andere mehr. Das Hintergrundwissen, das man hier entgegengebracht bekommt, ist gewaltig, besonders im Hinblick auf die archäologische Entwicklungsgeschichte.

Es ist müßig an dieser Stelle alle Dynastien skizzieren zu wollen. Interessant finde ich das Auf und Ab in den Zeitläuften und die Darstellung gesellschaftlicher Gepflogenheiten. Natürlich ist es auch interessant Wissenswertes über einzelne Pharaonen und deren Baudenkmäler zu erfahren und genau diese Mixtur macht das Buch so kurzweilig.

Besonders sympathisch ist mir die Königin Hatschepsut aus der 18. Dynastie, eine vergleichsweise friedliebende Pharaonin, die den Schwerpunkt auf die Förderung von Handel und Wissenschaft legte und nicht auf militärische Maßnahmen wie die meisten männlichen Pharaonen, (vgl. S.107).

In welcher Weise Herrscher und Herrscherinnen mit ihrer Macht umgehen, das lässt der Blick in die Geschichte gut erkennen, hängt letztlich stets mit der Persönlichkeitsstruktur zusammen, selbst in unseren heutigen Demokratien. Dennoch zeigt sich, dass Herrscherinnen andere Schwerpunkte setzen als Herrscher. Zumeist reiben Herrscherinnen sich nicht im Kriegführen auf, weil dies nämlich ihrer Natur widerspricht. Hatschepsut und Elisabeth I. von England sind gedanklich nicht weit voneinander entfernt und zwar genau aus ihrem Frausein heraus.

Neben den vielen aufschlussreichen Texten beeindruckt mich im Buch das umfangreiche Bildmaterial durch die dem Betrachter zahllose Kunstschätze entgegengebracht werden.

Empfehlenswert.

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Rezension: National Geographic History: Mythos Babylon: Die Wiege unserer Zivilisation [Gebundene Ausgabe]

Anton Gill bringt in diesem reich bebilderten Buch dem Leser die Wiege der Menschheit nahe. Dabei handelt es sich um eine geschichtliche Landschaft in Irak, am Unterlauf der Flüsse Euphrat und Tigris. Das Zweistromland oder Mesopotamien machte schon früh eine Besiedlung möglich, damit einher ging der schnelle Übergang von der Lebensweise als Jäger und Sammler über viehzüchtende Nomaden zu Sesshaftigkeit und Ackerbau.

Thematisiert werden zunächst die Frühkulturen in jener Gegend, in der bereits 6500 v. Chr. Stoffe aus Flachs gewebt worden sind und Keramik in Gebrauch kam und man kann sich hier schon kundig machen wie diverse damalige Erfindungen die Welt veränderten. So benutzten bereits 4500 v. Chr. die Menschen einen Pflug, der eine schnellere und effizientere Bearbeitung der Felder ermöglichte, auch gab es schon ein Bewässerungssystem, das aus verschiedenen Arten von Kanälen bestand, (vgl.:S.16).

Über die Völker Mesopotamiens wird man sehr gut unterrichtet, so etwa über die Sumerer, die die frühere Obeid-Kultur verdrängten und erste Städte wie Uruk, Ur und Lagasch gründeten. Die Uruk-Zeit dauerte übrigens 1000 Jahre, von 4000 bis 3000 v. Chr. Man erfährt, dass die Uruk-Kultur die ersten Schriftzeichen hervorbrachte und auch wie in der Folge die erste Bürokratie entstand. Eine einfache Form der Buchführung wurde möglich, indem durch Symbole dargestellte Gegenstände mit einer Zahl oder einem Zahlenwert kombiniert wurden, (vgl.: S.23).

Gut aufgeklärt wird man über die frühen Könige, nicht zuletzt auch über Sargon dem Großen (Regierungszeit 2334- 2279 v.Chr.) und dem Aufstieg rivalisierender Städte in jener Zeit. Man wird mit dem Zerfall des Akkadischen Reiches vertraut gemacht, der Vertreibung der Gutäer und der langen Regentschaft Schulgis und hat Gelegenheit eine Textstelle aus dem Gesetzeskodex der UR-Nammu zu lesen, die ich an dieser Stelle zitieren möchte:

"Wenn die Ehefrau eines Mannes mit einem anderen Mann gegangen ist und er ihr beigewohnt hat, ist diese Frau zu töten, aber der Mann soll freigelassen werden." (Zitat: S. 44).

Anschließend lernt man auch die Götter und die Religion in damaliger Zeit näher kennen und wird über Babylonien und Assyrien unterrichtet. Unter Hammurabi erfolgte nach einem Zerfall des Staatswesens um 1700 die Vereinigung Babyloniens und des gesamten Gebietes bis nach Assyrien, (siehe S.60ff). Anhand einer Karte kann man sich eine Vorstellung davon machen wie groß dieses Reich war. Über Hammurabi, den Gesetzgeber (er regierte 1792- 1750 vor Chr.) wird ausführlich berichtet Sein bedeutendstes Vermächtnis ist sein Gesetzeskodex, der alle Aspekte des Lebens regelt und ein besonderes Gewicht auf den Erhalt des Landes und der Bewässerungssysteme, private Geschäftsabschlüsse und Verträge, sozialen Umgang, Eigentumsrechte und Schuldwesen legt, (vgl.: S.65).

Nachdem die Kassitenzeit ausführlich abgehandelt worden ist, hat man die Chance, sich mit dem Assyrischen Reich und deren Herrscher näher zu befassen, um schließlich Babylons "Goldenes Zeitalter" kennenzulernen. Beeindruckendes liest man über Nebukadnezar II, (er regierte von 605- 562 v. Chr.), dessen Herrschaftsgebiet das alte Herrschaftsgebiet der Assyrer, einen Teil Nordarabiens sowie die Nordostküste des Roten Meers umfasste, (vgl.: 106). Man lernt ihn im Buch auch als Bauherren kennen, der mit seinen architektonischen Prachtbauten Wohlstand und unvorstellbare Macht demonstrieren wollte.

Sehr gut finde ich die detailreichen Informationen des 10. und 11. Kapitels über Bildung und Sprache, sowie über die Künste. Es gab in Mesopotamien vier verschiedene Kunstformen: Musik, Tanz, Literatur und Bildhauerei, (vgl.: S.122). Zur Sprache gebracht wird in diesem Zusammenhang nicht zuletzt das "Gilgamesch-Epos". Hier hat man Gelegenheit einzelne Originaltextstellen nachzulesen.

Sehr gut aufgeklärt wird man im 12. Kapitel über den Stand der Wissenschaften in Babylonien und liest zunächst, dass die Babylonier fest an Astrologie und an göttliche Omen glaubten, (vgl.:S.134). Astronomie und die Mathematik sollen damals große Fortschritte gemacht haben und es entstand u.a. Kalender neben dem Tierkreis in jener Region.

Geschäfte und Handel, aber auch Feste und Rituale sind ein weiteres Thema, über das man bestens informiert wird und schließlich hat man die Möglichkeit, sich eine Vorstellung vom damaligen täglichen Leben zu machen, bevor man vom Niedergang des Reiches liest.

Der Autor vergisst lobenswerter Weise nicht an berühmte Archäologen zu erinnern, die im Gebiet des alten Mesopotamiens geforscht haben. Unter diesen Forschern ist auch Gertrude Bell, deren Verdienst u.a. der Aufbau des Archäologischen Museums in Bagdad ist.

Ein sehr empfehlenswertes, faktenreiches und dabei kurzweilig geschriebenes Buch.

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Rezension:Scott und Amundsen: Der tödliche Wettlauf zum Pol (Gebundene Ausgabe)

Peter Laufmann befasst sich in diesem Buch mit dem norwegischen Polarforscher Roald Amundsen (1872-1928) und dem britischen Polarforscher Robert Falcon Scott (1868- 1912). Scott nahm übrigens 1901-1904 an der ersten Expedition teil, die auf das Polarplateau der Antarktis vorstieß.

Im Buch geht es um den tödlichen Wettlauf zwischen den beiden Polarforschern im Jahre 1912. 34 Tage nach Amundsen erreichte Scott den Südpol und kam mit seinen vier Begleitern beim Rückmarsch ums Leben. Amundsen, der 1903-1906 als erster die Nordwestpassage durchfuhr und den nördlichen Magnetpol neu bestimmte, kam 1928 vermutlich bei einem Flugzeugabsturz ebenfalls im Eis ums Leben.

Das Buch ist reich bebildert und zeigt eine Welt, die ich mir an heißen Sommertagen besonders gerne ansehe: das so genannte ewige Eis.

Neben der spannenden Geschichte der beiden Männer, hat man die Möglichkeit in Sonderbeiträgen u.a. eine Reportage über die Nordpolexpedition des amerikanischen Polarforschers Robert E. Peary von 1910 zu lesen und sich in die letzte Nachricht der Franklinexpedition zu vertiefen, aus der auch hervorgeht, dass Sir John Franklin am 11.6.1847 während der Expedition verstarb.

Über das Leben der beiden Protagonisten des Buches erfährt man Wissenswertes und kann sie auf Bildern näher kennenzulernen. Man liest Aufschlussreiches über die Natur der Eisberge, die in einem Sonderbeitrag als "Kinder der Kälte" bezeichnet werden und man erfährt auch, was deren Farbe über ihre Vergangenheit aussagt.
Das Wesen der beiden Männer war sehr verschieden, wie das Buch deutlich macht. Dass Amundsen den Wettlauf gewann, hing vermutlich damit zusammen, dass er besser vorbereitet war und sein Leben schon früh darauf ausgerichtet hat, die Polarregionen zu erobern und dadurch Ruhm und Anerkennung zu ernten.

Das unbedingte Siegenwollen und der Glaube an einen Sieg sind bei Wettkämpfen, welcher Art auch immer, oberste Voraussetzung. Alle Wettkampfsportler wissen das.
Vielleicht brauchen wir "Helden" wie Scott und Amundsen, einerseits um den Irrsinn des Heldentums zu verstehen und andererseits um zu begreifen, dass man auch durch eine Niederlage unsterblich werden kann. Aber wollen wir tatsächlich unsterblich sein?

Empfehlenswert.

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Rezension:Die ZEIT-Welt- und Kulturgeschichte in 20 Bänden. 10. Epochen, Fakten, Hintergründe. Zeitalter der Revolutionen

Band 10 der "Welt- und Kulturgeschichte- Die Zeit" der insgesamt 20 bändigen Ausgabe befasst sich ausführlich mit Fakten und Hintergründen des Zeitalters der Revolutionen. Untergliedert ist dieses Buch in drei große Abschnitte:

Europa im Zeitalter des Absolutismus

Europa im Zeitalter der Revolutionen

Amerika

Im Rahmen vieler eloquenter Beiträge unterschiedlicher Verfasser wird man zunächst mit Russland von Katharina II. bis zu Nikolaus I. vertraut gemacht, liest hier in Infoboxen, die in die Beiträge eingebunden sind, über das Wesen der Kosaken, den Pugatschow-Aufstand und auch über den Erbauer der der "potemkinschen Dörfer" Wissenswertes und erfährt schließlich wer die Stroganows waren, bevor man sich mit der Erschließung Sibiriens näher befassen kann. Die Orientpläne Katharina II. kommen zu Sprache und auch der Große Türkenkrieg (1683-99). Alle wesentlichen Punkte der Gesamtthematik werden abgehandelt und zwar so, dass man einen guten Überblick über Russland in jenen Tagen erhält.

Anschließend kann man sich ausgiebig mit dem Adel befassen, zunächst mit dem Erscheinungsbild des europäischen Adels, der Entstehung des Adels, dann erst mit dem Adel der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit. Nicht unwichtig zu wissen, dass der Adel in den meisten europäischen Staaten bis in das 20. Jahrhundert hinein politischen Einfluss hatte und Führungspositionen zu behaupten vermochte. Möglich war dies u.a. durch die Nutzung seit langem ausgeprägter Fähigkeiten und Talente, durch von Familienverbänden getragene Projektion, durch Anpassung an die neue kapitalistische Wirtschaftsweise und durch die Verschmelzung mit dem Großbürgertum. In den Ländern, die am Ende des Ersten Weltkrieges von Revolutionen erfasst wurden, erfolgte zumeist die Aufhebung des Adels als Stand, (vgl.: S.127).

Im nächsten Kapitel wird man über die Wurzeln der Aufklärung und deren Anfänge in England, Frankreich und Deutschland in Kenntnis gesetzt und lernt den frühen deutschen Aufklärer Christian Thomasius (1655-1728) kennen. Dass man auf ihn hinweist, finde ich sehr lobenswert. Wir haben ihm viel zu verdanken.

Das Zeitalter der Aufklärung wird alsdann sehr gut skizziert und die Leitbegriffe sowie die Wirkungsgeschichte ausgiebig thematisiert. Denis Diderot, Immanuel Kant auch John Locke kommen zur Sprache und man erfährt, das "Selbstdenken" im Sinne von Kant nicht im Verzicht auf die Berücksichtigung fremder Urteile besteht, sondern diese sehr wohl als Mittel zur Überprüfung der eigenen mit einschließt. "Aufklärung" bedarf des freien öffentlichen Meinungsaustausches, der ungehinderten wechselseitigen Mitteilung und sie zielt auf die allgemeine Verbreitung von Erkenntnissen ab, (vgl.: S.141).

Voltaire kommt zur Sprache und Kants kategorischer Imperativ, zudem kann man sich mit dem Liberalismus und Konservatismus, dem Nationalismus sowie dem Frühsozialismus befassen und lernt die wichtigsten Frühsozialisten näher kennen. Wirtschaftliche Veränderungen wie die Gewerbefreiheit werden bestens thematisiert. Die Gewerbefreiheit ermöglichte es den Handwerkern leichter Betriebe zu gründen. Neben dieser positiven Facette kommen auch negative zur Sprache, nämlich u.a. der radikale Wirtschaftsliberalismus. Dieser wird dann in den Zeitaspekten zum Ende des Buches durch Richard Herzberger in seinem Beitrag "Gerecht ist nur die Freiheit" vortrefflich ausgelotet.

Die "Stein-Hardenberg`schen Reformen" bleiben nicht ausgespart, bevor ausführlich (wieder ein Stückchen das Zeitrad zurückdrehend) auf die Französische Revolution eingegangen wird. Dabei wird dankenswerter Weise nicht vergessen auch auf Olympe de Gouges hinzuweisen, die damals konstatierte:"Die Revolution wird nur Wirklichkeit werden, wenn alle Frauen von ihren beklagenswerten Geschick und von den Rechten, die sie in der Gesellschaft verloren haben, durchdrungen sind, "(Zitat: S. 247). Natürlich wurde Gouges damals von Männern hingerichtet, wie sollte es auch anders sein.

Es ist unmöglich im Rahmen der Rezension auf alle Kapitel des Buches einzugehen. Bemerkenswert finde ich allerdings, dass man der Guillotine eine Infobox gewidmet hat. Sich mit ihr näher auseinanderzusetzen, halte ich für überaus wichtig, weil sie das Hinrichtungsgerät der Revolution war, mittels dem der französische Adel zur Strecke gebracht wurde. Revolutionen, das machen auch die Folgeseiten des Buches deutlich, sind stets mit ungeheurer Brutalität verbunden. 1989 scheinen die Menschen endlich begriffen zu haben, dass es auch anders geht. Haben wir eventuell dazugelernt?

Fast meine ich, dass die Zeitläufte, die in diesem Buch ganz hervorragend beschrieben werden, weil sie keine Meinungen vorwegnehmen, sondern in erster Linie Sachverhalte darstellen, den Menschen zu einem Mehr an Erkenntnissen verholfen haben.

Der Wunsch eigenständig zu denken, ist im Menschen so tief verankert wie sein Streben nach Glück. Bücher wie das vorliegende machen das begreifbar. Menschen, die mit Vorliebe andere zu manipulieren suchen oder ihnen ihr gedankliches Ding aufzwingen wollen, kann das natürlich nicht schmecken.

Empfehlenswert.
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Rezension:Germanische Mythologie (Gebundene Ausgabe)

Prof. Dr. Wolfgang Golther (1863-1945) hat dieses klassische Handbuch der germanischen Mythologie im Jahre 1895 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Vorwort von Dr. Hans Huber erfährt man, dass es noch immer ein verlässliches Nachschlagewerk für alle sei, die sich mit der Gedankenwelt und den Göttern unserer germanischen Vorfahren vertraut machen möchten.

Das Buch enthält eine rund 70 Seiten umfassende Einleitung, die sich breitgefächert mit den Schriften zur germanischen Mythologie auseinandersetzt. Zur Sprache gebracht wird hier u.a. die wissenschaftliche Bearbeitung der Mythologie durch Uhland und J. Grimm, die Verschiedenheit der einzelnen germanischen Kulte, die nordische Mythologie, ihr Verhältnis zur deutschen und gemeingermanischen, auch die neueste Darstellung germanischer Mythologie und eine kurze Erläuterung der Ziele des vorliegenden Handbuches.

Anschließend werden die Quellen der Mythologie thematisiert und alsdann kann man sich mit dem Inhalt des vor über hundert Jahren verfassten Handbuches näher befassen.

Untergliedert ist das Buch in vier Teile, der Verfasser nennt diese "Hauptstücke".

Im ersten Hauptstück werden die Gestalten des Volksglaubens abgehandelt. Thematisiert wird u.a. der Geisterglaube, der Seelen-u. Ahnenkult sowie auch der Glaube an Wiedergeburt. Die Germanen glaubten an eine Wiedergeburt im Sinne der Seelenwanderung, dass die Seele eines Toten im Leibe eines neugeborenen Kindes wieder erscheint, (vgl.S.131).

Zur Sprache kommen des Weiteren übermenschliche Wesen, die aus "Maren" und "Seelen" hervorgingen. Hier erfährt man u.a., was die Germanen unter Werwölfen, Berserkern, Schicksalsfrauen, Walküren und Hexen verstanden haben. Allen Germanen gemeinsam war die Idee der Kampfgöttinnen. In der Realität kämpften nicht selten germanische Frauen in Waffen in Heeren. Das wird an zahlreichen Frauennamen deutlich, die das Bild der kampflich ausgerüsteten Frau vorführen, (vgl.:S.145) Die Walküren wählten die Männer aus, die dem Tode erliegen sollten,(vgl. S.146). Diese kampf- und siegbetreibenden Frauen waren im Stande mittels eines Hexenschusses den auserwählten Männern gewissermaßen den Garaus zu machen.

Neben den übermenschlichen Wesen, wie etwa den Walküren erfährt man auch, was man unter Elben und Wichten zu verstehen hat. Hier geht es um Zwerge, Kobolde, Nixen sowie Wald- und Feldgeister, bevor man schlussendlich mit der germanischen Vorstellung von Riesen konfrontiert wird.

Das zweite Hauptstück behandelt den germanischen Götterglauben. Nun lernt man sowohl germanische Götter als auch Göttinnen kennen. Diese alle aufzuzählen oder gar zu charakterisieren, führt zu weit.

Im dritten Hauptstück wird die nordische Schöpfungslehre thematisiert, auch vom Weltuntergang ist die Rede. Dann schließlich erfährt man im vierten Hauptstück Näheres zum Gottesdienst unserer germanischen Vorfahren. Die Tatsache, dass es auch Priesterinnen gab, macht deutlich, dass der Stellenwert der Frauen bei den Germanen offenbar ein höherer war als in späteren Jahrhunderten.

Ein brauchbares Nachschlagewerk. Deutlich wird, dass manches scheinbar christliche Ritual eigentlich einen heidnisch-germanischen Ursprung hat.

Schade, dass die Nazis die germanische Mythologie für ihre Zwecke genutzt haben, denn seither fällt es schwer wertfrei mit ihr umzugehen.

Golthers Nachschlagwerk gibt die Möglichkeit sich völlig unideologisch mit der germanisches Mythologie auseinander zu setzen. Vieles spricht dafür es zu tun.

Empfehlenswert.
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Rezension:Geld in der Antiken Welt: Eine Einführung (Gebundene Ausgabe)

Christopher Howgego thematisiert in diesem Buch das Geld in der antiken Welt. Zunächst kommt die Geschichte des Münzgeldes zur Sprache, gemeint ist ein aus Metall gefertigtes Geldstück, das sich nach einem Standard richtet und eine bildliche Gestaltung aufweist. Das Buch behandelt die griechische Münzprägung, die sich im Altertum bis nach Indien und Britannien ausweitete. Münzprägung ist eine griechische Erscheinung, wo auch immer die ersten Münzen geschlagen worden sind, (vgl.: S.1).

Man erfährt in der Folge wie das Münzgeld die Gesellschaft veränderte. Klar machen muss man sich in diesem Zusammenhang, dass Geld im Hinblick auf seine verschiedenen Funktionen als Hortung von Reichtum, als Wertmaß, und als Zahlungs- und Tauschmittel definiert wird, (vgl.: S.14) und die Ausbreitung der Münzprägung in einem komplexen Verhältnis zu der wachsenden Bedeutung des Marktaustausches stand. Die Ausbreitung der Münzprägung förderte den Prozess der Güteranhäufung, sowie den sozialen und politischen Umbruch, durch den sie erneut weiteren Antrieb erhielt, (vgl.: S.21).

Aufgeklärt wird man über den Gebrauch des Münzgeldes in Athen und in Rom und über das Prägen von Münzen. Man erfährt, woher das Metall kam und was man unter einer Münzstätte zu verstehen hat, auch wie umfangreich die Emissionen waren und weshalb Münzen überhaupt geprägt wurden.

Ein weiteres Thema im Buch, das ausführlich abgehandelt wird, ist Münzprägung und Imperialismus am Beispiel einstiger Großreiche und man darf sich mit der Schlussfolgerung auseinandersetzen, dass Geldsysteme genau dem Charakter von Großreichen entsprechen. Howgego konfrontiert den Leser hier mit hochinteressanten Fragen.

Münztypen und Politik kommen zur Sprache. Hier geht es um die Formen politischer Repräsentation in Griechenland und Rom und um die Intentionen, die hinter der Auswahl der Münztypen standen. Man erfährt, dass das Wesen und die potentielle Kraft der Ideologie, die auf den Münzen zum Ausdruck kommt, noch klarer werden, wenn man das Vorkommen bestimmter Themen, die sich direkt auf Macht beziehen, verfolge. Deshalb lernt man Ansprüche von Herrschern auf Göttlichkeit, Legitimität und rechtmäßige Nachfolge, Ausdrucksformen des römischen Anspruchs auf Herrschaft und Wohltätigkeitsideologie, die von provinzialen, Eliten ausgebildet wurden, näher kennen, (vgl. 88).

Die Gründe für die Wanderung des Münzgeldes werden auch genannt und auch jene für Geldmanipulationen in der römischen Welt sowie jene für Inflation. Offenbar können die komplexen Beziehungen zwischen Münzverschlechterung, Geldreform und Preissteigerung in der römischen Welt noch immer nicht durchschaut werden, (vgl.: S. 154).

Die Krise des 3. Jahrhunderts wird auf den letzten Seiten des Buches thematisiert und man erfährt, dass die Gründe des Absterbens der städtischen Münzprägung letztlich mit der Umgestaltung der "polis" zu tun haben, (vgl.: S.162)

Das Buch enthält ein ellenlanges Literaturverzeichnis und zum Schluss viele Abbildungen alter Münzen, darunter eine sehr schöne, auf der eine Eule abgebildet ist. Was will uns die Eule sagen? Vielleicht nachstehenden Satz: "Wer der Meinung ist, daß man für Geld alles haben kann, gerät leicht in den Verdacht, dass er für Geld alles zu tun bereit ist." (Benjamin Franklin)

Empfehlenswert.

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