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Rezension: Intrigenopfer- Barbara Beck

Die Historikerin Dr. Barbara Beck befasst sich im vorliegenden Buch mit dem Aufstieg und Fall sogenannter großer Männer. Die Rede ist von: Giuliano de`Medici, Kaiser Rudolf II., Georg Haan, Albrecht Wallenstein, Gaspar de Guzmán Olivares, Joseph Süß Oppenheimer, Anton Ulrich von Braunschweig-Bevern, Gustav III. von Schweden, Georg -Jaques Danton, Joseph Fouché, Maximilian Joseph von Montgelas, Harry von Arnim -Suckow, Ludwig der II. von Bayern, Alfred Dreyfus, Alexander I. Obrenovic, Philipp zu Eulenberg von Hertefeld, Wilhelm zu Wied, Mathias Erzberger, Michael Nikolajewitsch Tuchatschewskij und Galeazzo Ciano.

Am 15.3.2011 habe ich das Buch Intrige: Machtspiele - wie sie funktionieren - wie man sie durchschaut - was man dagegen tun kann rezensiert und nun beim Lesen des Buches "Intrigenopfer" immer wieder darauf geachtet, ob die Merkmale einer Intrige, die Michalik nennt, nachvollziehbar sind. Zumeist bestehen die Intrigen gegen ein ins Visier genommenes Opfer aus einer Kette von Einzelintrigen, schreibt Dr. Beck und unterstreicht, dass die klassischen Bestandteile der Intrige arglistige Täuschung, Fälschung, Verleumdung, Lüge und Rufmord sind.

Nur selten wollen Intriganten als die entscheidenden Strippenzieher im Hintergrund enttarnt werden, doch es gibt auch andere Fälle, wie im Buch an einem Beispiel sehr gut gezeigt wird. Dass Geheimhaltung ein sehr wichtiger Bestandteil von Intrigen und Komplotten ist, um so aus der sicheren Deckung heraus, das ins Auge gefasste Opfer zu Fall zu bringen, schreibt auch Regina Michalik und dass nicht immer zu Unrecht verfolgte Personen Opfer einer Intrige werden, wird am Beispiel Joseph Fouches verdeutlicht, der ein Fiesling erster Ordnung war, wie jeder weiß, der Stephan Zweigs "Joseph Fouche" gelesen hat.

Dr. Beck bringt es in ihren Titeln zu den Kurzbiographien inclusive Intrigenbeschreibungen auf den Punkt, wenn sie schreibt "Im Sog der Hexenverfolgung", "Von der Revolution gefressen", "Zum Sündenbock gestempelt", "Unfreiwilliger Mittelpunkt einer Staatsaffäre", "Verratener Verräter" etc..

Um die Spannung nicht zu mindern, sehe ich davon ab, Michaliks Intrigenbeschreibung akribisch in jeder Geschichte öffentlich auszuloten, sondern fasse bloß zusammen, dass es sich in allen Fällen um wirklich abgefeimte Intrigen handelt. Von einigen Intrigen wird der ein oder andere sicher gehört haben. "Die Affaire Dreyfuß" und Dantos Ableben dürften jedem halbwegs gebildeten Menschen bekannt sein.

Den Namen Georg Haan kennen gewiss nur wenige. Er erlangte traurige Berühmtheit in einer der Hochburgen der Hexenverfolgung und zwar in Bamberg. Dort nämlich wurden in den Jahren 1595 bis 1631 etwa 1000 Menschen als Hexen verbrannt. Als "Hexenbrenner" ging der damals regierende Bamberger Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim in die Geschichte ein. Verfolgt wurden Mitglieder der Oberschicht und so auch der damals höchste weltliche Beamte, der Kanzler Dr. Georg Haan. Nicht nur er, sondern auch der größte Teil seiner Familie wurde durch gezielte Denunziation durch seine Gegner und Neider um ihr Leben gebracht, indem man die Haans der Hexerei bezichtigte. Was in Bamberg geschah war ein Skandal, (vgl.: S. 37ff). Ob junge Menschen in Schulen dort heute von den üblen Intrigen ihrer Vorfahren in Kenntnis gesetzt werden? Sind Bamberginnen heute zurückhaltender, wenn es um Boshaftigkeiten und Verleumdungen geht? Immerhin haben sie die Schuld ihrer Vorfahren abzutragen. Lernen die Menschen dazu oder würden sie nach wie vor am liebsten rufen: "Lasst die Hexe oder den Hexenmeister brennen?"

Die Verleumdungen, die mit Intrigen immer einhergehen, werden am Falle Dr. Haans und seiner Familie am augenscheinlichsten. Ich sehe Bamberg in jenen Tagen bildlich vor mir und ich sehe die Scheiterhaufen brennen, direkt vor dem Bamberger Dom und ich sehe wie der Hexenbrenner sich die Hände reibt....

Das Muster der Intrige gleicht sich stets und immer auch werden Helfer eingesetzt. Der Drahtzieher bleibt zumeist im Dunkeln. Ihn gilt es aufzuspüren und der Lächerlichkeit preiszugeben. Das allerdings ist nicht immer einfach.

Klar muss sein, dass Bamberg sich überall immer und immer wieder zutragen kann, wenn man Intriganten ihr Spiel spielen lässt.
Empfehlenswert.


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Rezension: Gallia Lugdunensis

Autor dieses Buches ist Professor Alain Ferdiére, einer der berühmtsten Altertumswissenschaftler Frankreichs. Er thematisiert hier die römische Provinz Gallia Lugdunensis, die im Herzen Frankreichs gelegen ist. Zwischen Nordseeküste, Atlantik und Rhone gab es in römischer Zeit eine Kulturlandschaft mit dem Zentrum Lugdunum (dem heutigen Lyon). In dem vorliegenden reich bebilderten Buch wird man zunächst über die Entstehung dieser Provinz aufgeklärt. Besonders interessant finde ich hier die Abhandlung über die einheimische Kultur und die Romanisierung.

Diese Romanisierung soll in mehreren Wellen verlaufen sein, von denen die wichtigste die Urbanisierung darstellte. Das markanteste Charakteristikum jener Zeit stellt die Schaffung städtischer Infrastruktur dar. In Städten wie Lyon ist eine Urbanisierung schon im 1. Jahrhundert v. Chr. festzustellen. Die Akkulturation kann man am besten an Gebäuden ablesen, die typisch für die römische Kultur sind. Der Autor nennt Thermen und Aquädukte, aber auch Theater und Amphitheater, (vgl.: S. 24). Auf dem Gebiet der Technik und des Handwerks manifestierte sich die Romanisierung in der Praxis, speziell in der Rationalisierung und Systematisierung der Arbeitsabläufe für den optimalen Betrieb und maximalen Profit, (vgl.: S.26).

Man liest von den ersten Metzgereien und Bäckereien als spezifisch städtisches Phänomen, aber auch von der Verbreitung der Literalität in den oberen Gesellschaftsschichten, die mit der Übernahme der lateinischen Sprache einherging. Die soziale Hierarchie soll innerhalb der gallo-römischen Gesellschaft sehr komplex gewesen sein. Die städtischen Eliten besaßen nicht selten römische Bürgerrechte, (vgl.: S.31). Die Geldgeschenke, die sie machten, um öffentliche Ämter bekleiden zu dürfen, wurden nicht als Bestechung, sondern als Ausdruck der Großzügigkeit gegenüber der Gemeinschaft empfunden. Auch die Etablierung des Arztberufes ist ein Zeugnis der Akkulturation, (vgl.: S. 32).

Ausführlich wird man über die Urbanisierung in Kenntnis gesetzt. Das wichtigste urbane Kennzeichen der neugegründeten Städte war immer das Zentrum, das gleichzeitig für die Stadt und das Territorium der "civitas" zuständig war. Woraus es im einzelnen bestand, wird ausführlich dargestellt. Interessant sind in diesem Zusammenhang Querschnittsrekonstruktionen von Gebäuden, die der Unterhaltung der Bürger dienten.

Die Gründung von Lyon wird thematsiert und in diesem Zusammenhang über Handel und Handwerk dort in jener Zeit, über Religion, über das Bundesheiligtum, die Großbauten, das Theater, das Odeon, den Circus, das Forum, die Thermen, die Aquädukte, die Nekropolen und anders mehr aufgeklärt. Über Caesarodorum (Tours) einer Stadt im Westen der Lugdunensis, aber auch über sekundäre Orte erfährt man Näheres und über zwei bemerkenswerte Siedlungen, nämlich Cenabum (Orléans) und Cabillonum (Chalon-sur-Saone). Es führt zu weit hier alle im Buch genannten Siedlungen aufzuführen. Interessant finde ich die Beschreibung der Wohnbereiche der Grundherren auf dem Lande und die Thematisierung der Erwirtschaftung von Vermögen in nicht urbanen Gebieten, d.h. die Produktion und Organisation von Landwirtschaft.

Zur Sprache kommen das Münzsystem und auch das Abgaben und Steuersystem, der Handel, das Handwerk und die Geschäfte in jener Zeit, wie auch das Kunsthandwerk. Aufgeklärt wird man fernerhin über die Kulte und Heiligtümer. Offenbar waren sowohl Gottheiten mit römischen Namen als auch solche mit eindeutig lokalem oder gemischtem Namen von Bedeutung. Die Integration führte durch die sogenannte "Interpretatio Romana" zu einer Neuordnung und Neuinterpretation der bestehenden religiösen Vorstellungen, (vgl.: S.194). In Lugdunum fand ein Madronenkult in Privathaushalten statt und im häuslichen Pantheon existierte nicht selten eine Venus, deren Kult mit familiärer Eintracht verbunden war, (vgl.: S.11).

Über Tempel und Gräber wird man gut informiert, bevor man sich mit der spätantiken Situation der beschriebenen römischen Provinz ausführlich befassen kann. Einen sehr bedeutenden Einschnitt für die Lugdunensis stellt die "Konstantinische Wende" des Jahres 312 n. Chr. dar, welche zur Duldung und Priviligierung der christlichen Religion im Römischen Reich führte, (vgl.: S.155).

Für kulturinteressierte Frankreichliebhaber ein sehr aufschlussreiches Buch, das ich gerne empfehle.

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Rezension: Eichmann war von empörender Dummheit

Herausgeber dieses bemerkenswerten, erhellenden Buches sind Ursula Ludz und Thomas Wild. Nachzulesen ist ein bislang unbekannter Briefwechsel zwischen der Jüdin Hanna Arendt (1906-1975) und Joachim Fest (1926-2006). Thema ist ihr viel diskutiertes Buch "Eichmann in Jerusalem", dass ihre Kritiker verwarfen, mit dem Vorwurf sie habe die Schuld Adolf Eichmanns verharmlost. Fest schickte Arendt einen Fragekatalog. Dass man Arendt missverstanden hatte, macht dieses  Buch unmissverständlich deutlich.

Das Buch ist untergliedert in:
"Eichmann war von empörender Dummheit"
Hannah Arendt-Joachim Fest:
Die Rundfuksendung vom 9. November 1964

"Wir haben sehr viel zu erörtern...."
Hannah Arendt- Joachim Fest:
Briefe 1964 bis 1973

Zur Kontroverse um Hanna Arendts
Eichmann in Jerusalem
Vier Dokumente aus den Jahren 1963 bis 1965

Gleich zu Beginn liest man, dass der international gesuchte NS-Verbrecher Adolf Eichmann im Frühling 1960 in Argentinien vom israelischen Geheimdienst aufgespürt und nach Israel entführt wurde. Zwischen April und Dezember 1961 stand der ehemalige SS-Obersturmbannführer in Jerusalem vor Gericht. 1962 wurde er hingerichtet. Hannah Arendt war Prozessbeobachterin und Berichterstatterin für die Zeitschrift "The New Yorker". Für Arendt war die Erfahrung der "leibhaftigen" Anschauung eine Voraussetzung des Denkens und Urteilens. Sie erkennt während der Prozessbeobachtung, dass Eichmann kein Judenhasser oder ideologischer Fanatiker war, sondern ein "Hanswurst", der unreflektiert in der NS-Vernichtungsmaschinerie funktionierte. Für sie ist klar, dass sich Eichmann gegen die Wirklichkeit abgedichtet hatte, indem er für jede Erfahrung ein Klischee oder eine Sprachschablone bereithielt. Für Eichmann war Amtssprache seine einzige Sprache. Arendt erkannte in dessen Unfähigkeit sich zu verbalisieren, seine Unfähigkeit zu denken und zu urteilen. Im Gespräch mit Fest gehen beide der Frage nach, ob sich hier ein neuer Tätertyp zeigt. Eine der Überlegungen ist die, ob eine Kombination aus Wirklichkeitsverweigerung, Erfahrungsverlust, Pflichttreue und Verantwortungslosigkeit ein Paradigma der Moderne abbildet. Auch wird in diesem Zusammenhang das Verhältnis von Eichmann, Hitler und Speer hinterfragt, siehe Seite 13 ff.)

Hannah Arendt exkulpiert Eichmann, der für sie von empörender Dummheit war, keineswegs, denn für sie hat, ähnlich wie für Kant kein Mensch das Recht zu gehorchen. Spezifisch für das deutsche Volk sei, das Unvermögen selbst zu denken. "Die Art von Dummheit, das ist, als ob man gegen eine Wand spricht."(Zitat: S.45).

Gehorsam ist für sie kein Exkulpationsgrund. "Gehorchen in diesem Sinne tun wir, solange wir Kinder sind, da ist es notwendig (...) Aber die Sache sollte im vierzehnten, fünfzehnten Lebensjahr spätestens ein Ende haben", (Zitat: S. 45).

Spätestens nach den Briefen mit Fest ist klar, dass Arendt von ihren Kritikern missverstanden wurde. Interessant ist übrigens die Anlage zum Brief Nr. 17, ein Gedicht von Gottfried Keller, "Die öffentlichen Verleumder":

"...Erst log allein der Hund,
Nun lügen ihrer tausend; ....

Die Guten sind verschwunden,
Die Schlechten stehn geschart."

(Textstellen aus diesem Gedicht, Seite 105). Verleumdungen funktionieren offenbar nicht erst seit dem letzten Jahrhundert auf diese Art und Weise.

Es ist sehr aufschlussreich die vier Beiträge der Kontroverse um das Buch "Eichmann in Jerusalem" in der Folge zu lesen. In meinen Augen ist es nicht schwierig, Arendt zu begreifen und ich kann nicht verstehen, weshalb man sie so extrem missverstehen konnte. Besonders lesenswert ist Golo Manns Text "Der verdrehte Eichmann". Kritiker scheinen nicht selten dazu zu neigen, die Persönlichkeit des Autors anzugreifen, wenn sie ein Problem damit haben, dessen kluge Sichtweise zu begreifen. Diesbezüglich sollten Kritiker an sich arbeiten.

Lesenswert.


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Rezension: Kaiser Friedrich II.- Welt und Kultur des Mittelmeerraumes.

Dieses reich bebilderte Buch ist der Katalog zu einer gleichnamigen Ausstellung, die im Landesmuseum für Natur und Mensch in Oldenburg gezeigt wurde und die ich leider nicht besucht habe.

Thematisiert wird Kaiser Friedrich II. (1194-1250), der auf Sizilien am dortigen Königshof mit arabisch-jüdisch-byzantinisch-normanischer Mischkultur seine Kindheit verbrachte. Dort schulte er einst sein diplomatisches Talent. Er besaß vielseitige kulturelle Interessen, auch Fremdsprachenkenntnisse und ein universelles Denken. Durch sein Falkenbuch, das in einem Essay von Michael Menzel näher beleuchtet wird, setzte er sich ein literarisches Denkmal. Friedrich II. schätzte philosophische Dispute und gründete die Universität Neapel. Im Rahmen von insgesamt 23 Essays lernt man diesen Herrscher näher kennen, der, wie man dem Klappentext bereits entnehmen kann, für die einen ein skrupelloser Politiker, ein Ketzer und Verräter der Christenheit und für die anderen ein aufgeklärter Regent und Vertreter der Reformation war.

Es ist unmöglich auf all die komplexen Inhalte der Essays im Rahmen der Rezension näher einzugehen, weil diese Essays nämlich wirklich alle Facetten Friedrichs, seiner Politik, der Kultur in jener Zeit und seiner individuellen Gepflogenheiten thematisieren. Besonders interessant ist der Essay, der sich mit Friedrichs Weltherrschaftsgedanken befasst und jener, der ihn als Freund der Muslimen thematisiert. Man erfährt übrigens auch Näheres zu seinen Ehefrauen. Friedrich II. war insgesamt viermal verheiratet und wurde viermal Witwer. Demnach hatte er wenig Glück in diesem Zusammenhang. Seine vierte Frau verstarb am Tag der Eheschließung.

Sehr lesenswert ist der Essay von Dankeart Leistikow mit dem Titel "Castel del Monte im Lichte der Forschung", dessen Geheimnisse noch immer nicht restlos entschlüsselt zu sein scheinen. Friedrichs Falkenbuch, sein berühmtes Werk über die Beizjagd, ist Gegenstand eines anderen Essays. Der Kaiser beschreibt in diesem Buch die Beitz als Paradebeispiel zwischen Mensch und Natur, (vgl.: S.260).

Der Katalogteil enthält viele Dokumente und Gegenstände aller Art, die auf der Ausstellung zu sehen waren. Alle Objekte werden ausführlich erläutert. Am meisten beeindrucken mich die Astrolabien, deren Handhabung mir nicht ganz klar ist, von denen ich aber weiß, das es Multifunktionswerkzeuge sind, die man schon in der Spätantike kannte und mittels derer man u.a. Himmelskörper bestimmen kann. Friedrich wird sie sich sicher schon früh haben erklären lassen. Das schließe ich aus seinem unbändigen Wissendurst, der diesen Kaiser mir so sympathisch macht.



Ein Buch, dass ich historisch Interessierten gerne empfehle.





Rezension: Das Amt und die Vergangenheit

Dieses Buch, das auf Betreiben des damaligen Außenministers Joschka Fischer durch die vier Autoren Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes, Moshe Zimmermann in mehrjähriger, wissenschaftlicher Arbeit entstanden ist, räumt endlich mit dem Mythos auf, dass das "Auswärtige Amt" und dessen Diplomaten in der Zeit der Hitler-Diktatur mit den verbrecherischen Machenschaften der Nationalsozialisten und ihrer Organisationen SS und SA nichts zu tun gehabt hätten. Diese Geschichtsklitterung wurde von dem "Diplomatischen Korps" in der neugegründeten Bundesrepublik intensiv propagiert, aufgrund der Tatsache, das die neuen Diplomaten eigentlich die alten waren. Dies bedeutet, dass das "Diplomatische Korps" der Bundesrepublik Deutschland überwiegend aus Beamten bestand, die auch schon zu Zeiten des Dritten Reiches Funktionsträger im "Auswärtigen Amt" waren.

Die Nazi-Diplomaten gingen nach dem Kriege noch einen Schritt weiter, denn sie versuchten das Bild des "sauberen Beamten" darzustellen, der nichts mit Judenverfolgungen und Deportationen zu tun hatte, der vom Holocaust nie etwas Konkretes gehört hatte und der allein mit den außenpolitischen Aufgaben betraut war, um Deutschland zu repräsentieren, weit entfernt von der Ideologie der verbrecherischen Nazischergen.

Dieser Mär setzt das Buch auf 880 Seiten endgültig ein Ende. Wissenschaftlich exakt wird anhand von einer Vielzahl von Dokumenten (Protokolle, Weisungen und Erlasse) nachgewiesen, dass das "Auswärtige Amt" ab 1933 Zielscheibe der nationalsozialistischen Einverleibungstaktik war.

Diplomaten jüdischer Herkunft wurden kurzerhand entlassen, allen anderen empfahl man der SS oder der SA beizutreten, wenn diese nicht schon freiwillig aus Karrieresüchten entsprechende Anträge gestellt hatten. So sollte die Nähe zum nationalsozialistischen Gedankengut dokumentiert werden.

Der Wahrheit halber zeigt das Buch auch auf, dass es nur einige wenige Diplomaten waren, die freiwillig den Dienst aus politischer Überzeugung oder ethischen Gründen quittierten, das Gros der Beamten jedoch sich bereit erklärte, alle Verbrechen der Nazis mit durchzuführen. Dieses bedeutet: sie beteiligten sich aktiv in allen besetzten Gebieten bei Deportationen verfolgter Menschen. Sie wurden freiwillig zu Handlangern der NS-Rassenpolitik.

Mit das Interessanteste an diesem aufklärerischen Werk ist nicht alleine die sehr umfangreiche Darstellung der Handlungsmuster der meisten Diplomaten, die oft namentlich genannt werden, im Hinblick auf ihre aktiven Beteiligungen als auch die Darstellung ihrer jeweiligen Schicksale nach dem Kriege, sondern was mich zutiefst berührt hat, ist die Tatsache, dass in sehr anschaulicher Form dem Leser erkenntlich gemacht wird, welche menschenverachtende Ideologie in den Köpfen dieser selbsternannten Herrenmenschen zementiert war. Nicht nur, dass Millionen von unschuldigen Menschen auf grausamste Art und Weise ihr Leben verloren haben wird zweifelsfrei dokumentiert, sondern die Niedertracht dieses geisteskranken Denkens sollte auch die Würde all dieser Menschen vernichten und selbstverständlich war auch das Eigentum eine willkommene Beigabe auf diesem zynischen Vernichtungsfeldzug.

Was geschah mit diesen "diplomatischen Herrschaften" nach dem Kriege? Auch darauf gibt dieses Buch eine dezidierte Antwort, denn es galt ja nach 1945 durch die Entnazifizierungsaktionen zu schlüpfen, um schnellstmöglich wieder eine exponierte Stellung in der deutschen Gesellschaft einzunehmen. Das Buch beschreibt genau wie sich die Diplomaten jeweils gegenseitig "Persilscheine" ausstellten, um so nachzuweisen, dass jeder von ihnen mehr oder weniger ein Widerstandskämpfer war und dass sie selbstverständlich die Eignung besaßen, erneut die diplomatische Laufbahn einzunehmen. Dieses erklärt auch weshalb so viele der Alten auch die Neuen waren. Dieses erklärt ferner, weshalb jahrzehntelang das Märchen vom "sauberen Amt" Bestand haben konnte.

Mit dem vorliegenden Buch ist nun endlich die Wahrheit auf dem Tisch. Viele Jahrzehnte jedoch zu spät, aber nicht spät genug, um die Geschichte aufzuarbeiten. Endlich verstummen die geschichtsfälschenden Lobeshymnen auf verstorbene Diplomaten im amtseigenen Presseorgan und endlich kann mit der wirklichen Aufarbeitung der Geschichte des "Auswärtigen Amtes" während des Dritten Reiches begonnen werden.

Freilich zeigt das Buch auch auf, dass der Geist der jungen Diplomatie der Bundesrepublik Deutschland ein anderer geworden ist. So zeigt es, dass der Geschichtsunterricht den junge Männer und Frauen, die nach dem Krieg geboren wurden und die sich für den diplomatischen Dienst entschieden haben, die eigentliche Aufklärung gebracht hat.

Zusammenfassend sei gesagt, dass dieses Buch einen notwendigen Beitrag dazu leistet, mit einer Geschichtsfälschung aufzuräumen.

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Rezension: Empört Euch! Stéphane Hessel

Am kommenden Montag werde ich in Frankfurt eine Veranstaltung besuchen, die die Rechte der Menschen zum Thema hat. Stéphane Hessel, der Autor des vor mir liegenden Büchleins war Mitglied der Kommission, die eine allgemeine Erklärung der Menschenrechte ausarbeitete, die am 10.Dezember 1948 von den Vereinten Nationen in Palais de Chaillot in Paris verabschiedet wurde. Hessel war einer der Mitunterzeichner der Charta der Menschenrechte.
Geboren wurde Stephan Hessel in Berlin im Jahre 1917. 7 Jahre später zogen seine Eltern mit ihm nach Paris. Französischer Staatsbürger ist er seit 1939. Im Nachwort seiner französischen Verlegerin erfährt man Näheres zu seinem widerständigen Leben, erfährt aber auch, dass er schon in jungen Jahren mit der Pariser Avantgarde in Berührung kam, liest an anderer Stelle im Buch, dass er sich intensiv mit Sartre und Hegel auseinander setzte und mit viel Herzblut in der Résistance engagiert war. Hessel wurde von den Nazis gefoltert, nachdem sie ihn in Paris verhaftet hatten.
Wenige Tage vor der Befreiung von Paris, am 8.8.1944 wurde er in das deutsche Konzentrationslager Buchenwald verbracht. Er floh schließlich mehrmals und konnte sich bis zu den alliierten Truppen durchschlagen, (vgl.: 28).
Engagiert war Hessel in all den Jahren nach 1945, nicht zuletzt war er Vertreter Frankreichs bei den Vereinigten Nationen in New York. Mit seinem von Michael Kohon ins Deutsche übersetzen Text redet der 93 jährige uns allen (nicht nur den Franzosen) ins Gewissen, uns gegen Unrecht zu empören und zwar, weil Empörung die Voraussetzung für Widerstand ist. Das Grundmotiv der Résistance sei Empörung gewesen. Nicht nur damals gab es Grund sich über die untragbaren Zustände zu empören, auch heute ist Empörung angesagt. Hessel meint: "Die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft, die Intellektuellen, die ganze Gesellschaft dürfen sich nicht klein machen lassen von der internationalen Diktatur der Finanzmärkte, die es so weit gebracht hat, Frieden und Demokratie zu gefährden", (Zitat: S.10).
Hessel weiß, dass man sich in seinem Tun nie von der Angst leiten lassen darf, sondern alles unternehmen muss, um sich engagiert einzubringen, damit, wie in Hegels philosophischen Vorstellungen dargelegt, die Freiheit des Menschen stufenweise voranschreitet, eine Freiheit, die dort endet, wo die Freiheit des anderen beginnt.

Hessel stellt Hegels Vorstellung der Freiheit in knappen Sätzen den Vorstellungen von Freiheit von Walter Benjamin gegenüber. Ähnlich wie Hessel stehe auch ich Hegel näher. Ich bin mir auch sicher, dass in nicht allzu ferner Zukunft der Mensch seine vollständige Freiheit erlangen wird, nicht zuletzt, weil durch die Internetvernetzung es für Diktatoren immer schwerer wird, die Menschen in Unfreiheit zu halten. Jüngste politische Entwicklungen machen dies deutlich.

Mit Hessel bin ich der Meinung, dass man sich über unfaire Strukturen immer wieder empören muss, um Widerstand diesbezüglich herbeizuführen. Mit ihm teile ich auch die Ansicht, dass die Zukunft der Gewaltlosigkeit und der Versöhnung der Kulturen gilt. Es stimmt: "Wir müssen begreifen, dass Gewalt von Hoffnung nichts wissen will. Die Hoffnung ist ihr vorzuziehen - die Hoffnung auf Gewaltlosigkeit."(Zitat: S.19).

Es ist gut, wenn Hessel uns allen ins Gewissen redet (er ließ ja bewusst den Text vom Französischen ins Deutsche übersetzen) und anmahnt, dass es höchste Zeit sei, dass Ethik, Gerechtigkeit und nachhaltiges Gleichgewicht unser Anliegen werden, (vgl.:S.20) und es ist auch gut, dass Hessel der Jugend andere Perspektiven bieten möchte, als bloßen Massenkonsum. Wir alle stehen in Verantwortung für die Menschenrechte ernsthaft einzutreten. Das dürfte dem letzten einsichtig werden, wenn er sich bewusst macht, was es eigentlich bedeutet, solche universellen Rechte festgeschrieben zu wissen und was es bedeutet diese Rechte auch einklagen zu können.

Ein aufrüttelnder, wichtiger Text.



Rezension: Das Leben auf der Burg.

Dr. Manfred Reitz beleuchtet in diesem aufschlussreichen Buch nicht nur das Leben auf der Burg und in deren Umfeld zu Zeiten des Mittelalters, sondern geht auch der Frage nach, was es bedeutete, ein Ritter zu sein und was man unter einem Turnier unter Ritterfahrten und Kriegszügen der Ritter verstand. Das Buch ist reich bebildert und lässt den Leser dadurch auch visuell in längst vergangene Zeiten eintauchen.


Der Begriff "Burg" wird in Deutschland mit "Berg" und "bergen" in Verbindung gebracht. In der altindischen Gelehrtensprache Sanskrit wird Burg als "pura" bezeichnet. Das erklärt, weshalb nicht wenige indische Städtenamen mit "-pur" enden. Burgen waren in feudalen Systemen Herrensitze sowie Herrschaftszeichen und zwar auch im Orient, in Indien, in China und in Japan. In Mitteleuropa fing die Geschichte der Burgen mit Wehrbauten zum Schutz von Menschen, Vieh und Sachwerten in Kriegszeiten an. Schon in der Bronzezeit gab es so genannte Fluchtburgen. Mittelalterliche Städte wurden mit einer Burg gegründet, dabei gingen wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen von besagten Burgen aus, die die Grundlage für eine Stadt legten, (vgl: S.13).


Wie man liest, erlernten die germanischen Völker die Techniken der römischen Baukunst mit Steinen erst allmählich und entwickelten sie dann aber weiter. So glichen die Pfalzen der Karolinger lange Zeit eher römischen Landgütern als massiven Burgen. In Klosterbibliotheken konnte man sich über die "Zehn Büchern über Architektur" des römischen Baufachmannes Vitruv kundig machen, (vgl.: S.15), wenn man ein Burgprojekt plante. Man erfährt in der Folge, wie sich die typisch deutsche Burg entwickelte und auch, dass die große Zeit des Burgbaus in die Zeit der Staufer fiel. Die Zeit des große Burgbaus endete im 15. Jahrhundert. Ursache war die Erfindung des Schießpulvers, das der Artillerie entscheidende Impulse gab. Dadurch waren die Burgen vor Angriffen nicht mehr sicher und man musste aufwendige Festungen mit gewaltigen Wallanlagen errichten, (vgl.: S.16).


Der Autor informiert ausgiebig über die Aufgaben der Burgen und verdeutlicht, dass Burgen auch stets Zeichen der Macht waren. In diesem Zusammenhang wird man u.a. auch über die Burg Krak- des- Chevaliers in Syrien aufgeklärt, die im frühen 13.Jahrhundert etwa 2000 Mann Besatzung gehabt haben soll.

Sehr gut belehrt wird man über die Bevölkerungsstrukturen im Mittelalter, die Landwirtschaft und Technik und über die Machtverhältnisse während dieser Epoche. Beleuchtet werden die drei mächtigen Parteien: Kaiser, Fürsten und Papst, deren Bedeutung immer wieder wechselte. Fokussiert wird auch die Stellung der Kirche im Mittelalter. Hierzu sollte man wissen, dass das gesamte Mittelalter eine überaus religiöse Zeit war und die Menschen damals ihren Blick besonders stark auf das Jenseits gerichtet hatten.

Thematisiert wird die Stellung der Fürsten, Ritter, Bauern und Leibeigenen im mittelalterlichen Gesellschaftssystem und es werden die germanischen Wurzeln in der damaligen Gesellschaftordnung aufgezeigt. Des Weiteren kommt das Verhältnis zwischen Lehensherren und Vasallen zur Sprache. Hier auch liest man von bestimmten Ritualen, z.B. jenen bei der Verleihung eines Lehens, (vgl.: S. 37).

Die mittelalterliche Feudalgesellschaft entwickelte sich aus dem Lehenswesen. Sie war streng nach Schichten aufgeteilt und für den einzelnen nicht durchlässig, (vg.: S.38). Der Feudalstaat, der im Buch sehr gut erläutert wird, bildete die Vorstufe des späteren Ständestaates mit dessen Aristokratie, den bürgerlichen Schichten als auch den Arbeitern, (vgl.: S. 39).

Äußert interessant ist das Kapitel, in welchem man über das Alltagsleben der mittelalterlichen Bevölkerung unterrichtet wird. Zur Sprache kommen Bauern und andere Berufe, der Alltag der leibeigenen Bauern, der Tagesablauf und die Kleidung der Bauern (sie trugen übrigens zumeist Holzschuhe), das Verhältnis Bauer zu Ritter, die Ernährung der Bauern, (sie ernährten sich fast immer von Getreidebreien und Brot) und die Kinder der Bauern, (Näheres dazu: S. 40-49).

Der Handel und die Städte werden beleuchtet, zu denen Ritter ein gespaltenes Verhältnis hatten und auch die Kirchen und Klöster im Mittelalter und zwar deshalb, weil viele Ritter Vermögenswerte für "ihr" Kloster zur Verfügung stellten und in der Verwandtschaft eines jeden Ritters sich stets auch geistliche Herren, Nonnen und Mönche befanden.

Ausgelotet wird in einem Kapitel des Buches, was man eigentlich unter einem Ritter zu verstehen hat. Das Kapitel beginnt mit dem Satz: "Ritter waren Berufskrieger, die gleichzeitig so vermögend sein mussten, dass sie ihre gesamte Ausrüstung finanzieren konnten." (Zitat. S.54) Aufgeklärt wird man in diesem Zusammenhang über die Basis des Rittertums. In Verbindung mit den Kreuzzügen wurde das Rittertum immer stärker christlich gedeutet. Hinzu kam, dass längst verschüttete antike Fundamente nun hervortraten, aufgrund dessen sich der Begriff der Ritterehre und Ritterlichkeit herausbildete. Die Rittertugenden machten erforderlich, dass man bis zum Äußersten kämpfte. Dr. Reitz erinnert diesbezüglich an die extreme Kampfmoral der Tempelritter. Man wird über die Rituale der "Schwertleite" und des "Ritterschlages" bestens in Kenntnis gesetzt und liest auch von den Idealen der Ritter, für den Ehre, Treue, Maß und Zucht absolut prägend waren. Die Aufgaben der Ritters werden breitgefächert erörtert und man wird in Kenntnis gesetzt, was es mit dem Wappen, der Vititenkarte eines Ritters, auf sich hatte. Die Ausrüstung des Ritters, darunter das Schwert,der Helm und das Schild, lernt man näher kennen und wird über Ritterpferde, sprich Schlachtrösser, informiert.

Anschließend widmet sich der Autor der Architektur der Burgen. In diesem Zusammenhang lernt man den Inhalt der Fachbegriffe Abtrittserker, Bergfried, Donjon, Gußerker, Halsgraben, Rittersaal, Palas, Schießscharte, Schildmauer, Vorburg, Wasserburg und Wehrgang kennen. Aufgeklärt wird man über die Beschaffenheit der Kemenaten, der Badestuben, der Burgkapelle, der Küche etc. und man liest, was man unter so genannten "Bauhütten" zu verstehen hat, die bei großen Burgen mit dem Bau beauftragt wurden, auch wird man gut über Burgbautechniken informiert.

Burgherr war übrigens stets der Ritter. Über dessen Bedienstete und Kriegsknechte erfährt man Wissenswertes, auch über das Hauspersonal, über die Knappen und Pagen, die unter den Bediensteten eine Sonderstellung inne hatten und schließlich liest man auch etwas über die Familie des Burgherren. Thematisiert werden hier Verlobung, Hochzeit und Scheidung. Nicht unerwähnt lässt der Autor, dass beim Standesdenken der Ritter eine Ehefrau noch zwingend Jungfrau sein musste, wenn sie heiratete, (vgl.: S.107). Wenn dies nicht der Fall war, wusste man Abhilfe. Wie diese aussah, können Sie auf Seite 107 nachlesen.


Geburt, Taufe und Kindheit werden beleuchtet, auch die Erziehung und Kampfesübungen. Die höfische Bildung soll aus diversen Fächern bestanden haben. Von Bedeutung waren gutes Benehmen, Grundkenntnisse in der Musik, eventuell in der Literatur, auch sollte man ein Musikinstrument zumindest in Ansätzen spielen können. Lesen und Schreiben hielt man nicht für so wichtig wie eine Fremdsprache zu beherrschen, (vgl.: S. 116).

Das Kampftraining kommt auch zur Sprache und die Medizin und Krankenversorgung. Chirugenschulen gab es damals zwar in Italien und Frankreich, jedoch nicht in Deutschland. Die mittelalterliche Medizin war nicht besonders wissenschaftlich orientiert, sondern wohl eher eine Volksmedizin. Gemischt wurden Mystik und tatsächliche Erfahrungen. Neben den Behandlungen gab es immer auch Zauberformeln, (vgl.: S. 121).

Spannend zu lesen ist das Kapitel "Alltagsleben auf der Burg". Hier wird man über die Reinlichkeit (Dampfbäder waren überaus beliebt), die Haartracht, die Schönheitspflege, über Kochen und Mahlzeiten (zum Dessert gab es Honigkuchen, Gewürzkuchen und sogar gefüllte Torten), (vgl.: S. 130), über Tischgeschirr und Tischsitten (bei einem guten Festmahl wurden bis zu acht Gänge auf den Tisch gebracht und bei einem Festmahl zu Ehren des deutschen Kaisers im Jahre 1473 sogar 33 Gänge (vgl.: S.135), breitgefächert informiert.

Mode, Tracht und Bekleidung werden fokussiert. Auf Bildern erhält man hierzu auch einen guten visuellen Eindruck. Auf Hüte und Schuhe wurde großen Wert gelegt. Um ungestört über schmutzige Straßen gehen zu können, schnallte man sich unter die langen Schnabelschuhe Holzsandalen.

Die Jagd ist ein Thema. Sie war die Lieblingsbeschäftigung des Adels. Man erfährt Näheres zu Jagdrechten, zum Jagdmeister, zur Parforcejagd, zur Pirschjagd und auch zur Falkenjagd. Dies war die edelste aller Jagdformen. In diesem Zusammenhang bleibt Friedrich II. und dessen Falkenbuch nicht unerwähnt.

Im Rahmen der Betrachtungen des kulturellen Lebens auf der Burg kann man sich ausführlich und sehr gut mit der Minne, den Minnesängern und dem Minnegesang auseinandersetzen. Der Gesang der Troubadoure trat übrigens von Südfrankreich aus seines Siegeszug im Abendland an. Ritter sollen durch ihr Ethos freien Frauen gegenüber stets sehr galant gewesen sein und sie waren auch immer von deren Schönheit begeistert. Differenziert wird zwischen hoher und niederer Minne. Was dies im einzelnen bedeutet, erfährt man im Buch ab S. 149ff. Erläutert werden in der Folge die Stufen der Minne, man liest auch über eifersüchtige Ritter und den Keuschheitsgürtel als Dokument für krankhafter Eifersucht.

Des Weiteren wird man über Gaukler und das fahrende Volk informiert und auch über Sport und Freizeitvergnügungen, wie etwa Ballspiele, Tanzen, Brett- und Würfelspiele. Schach hieß einst übrigens "Schachzabel", kam ursprünglich aus Indien und ist in Mitteleuropa seit dem 10. Jahrhundert bekannt.

Das große Turnier auf dem Mainzer Hoffest kommt zur Sprache. Darüber wurde in einem Heft der Geo-Epoche auch schon sehr gut berichtet. Man erfährt Wissenswertes über die Zugangsbedingungen zur Teilnahme am Turnier, über den Tag des Turniers und über Sieger und Besiegte. Das letzte Turnier der Weltgeschichte wurde zu Ehren von Königin Viktoria im Jahre 1839 vom Earl of Eglington veranstaltet, (vgl.: S. 172).

Ganz zum Schluss des Buches werden die Ritterfahrten und Kreuzzüge abgehandelt. Hier auch wird der Begriff der Fehde thematisiert, über so nannte Femegerichte wird man in Kenntnis gesetzt, auch über Zweikämpfe und über die Schlachten. Hier erhält man einen Eindruck über die Burg im Krieg und bei Belagerungen und kann sich eine Vorstellung von den Ängsten und Nöten der Burgbewohner in solchen Zeiten machen.
Das Ende der Burgen setze mit den Feueraffen ein. Vom 15. Jahrhundert an gab es keine uneinnehmbaren Burgen mehr. Der Autor lässt sein hoch informatives Buch mit dem Satz enden: "Wer heute eine Burg besucht, findet dort Spuren der Ritterzeit ebenso der Träume der Romantik und der Mittelalterbegeisterung unserer eigenen Zeit- die Burg bleibt ein beeindruckendes Zeugnis der Vergangenheit."(Zitat. S. 207)

Dieser Meinung schließe ich mich nach der Lektüre dieses sehr guten Buches ohne Einwände an.

Sehr empfehlenswert.



Rezension: Das Strategiebuch- Prof. Dr. Rainer Zimmermann

Der Autor dieses Buches ist Prof. Dr. phil. Rainer Zimmermann. Er lehrt Strategie, Design und Kommunikation an der FH Düsseldorf. In seinem überaus erhellenden Buch erörtert er 72 strategische Handlungsmuster, deren Nutzen darin liegt, einen Mehrwert gegenüber dem üblichen Nutzen zu schaffen. Dabei ist strategischer Nutzen auch stets Differenzierungsnutzen, weil er niemals allein zählt, sondern nur im Verhältnis zur Nutzungsausbeute der anderen. Der Autor konstatiert, dass strategischer Nutzen die Zeit zur Erreichung eines Ziels verkürzt, den Aufwand und das Risiko minimiert und die Ausbeute erhöht, (vgl.: S.6).

Sobald eine Strategie von vielen angewandt wird, verliert sie ihren Differenzierungsnutzen und Mehrwert gegenüber anderen, (vgl.: S.7). Prof. Dr. Zimmermann merkt gleich zu Beginn an, dass der Begriff Strategie seit etlichen Jahren schon inflationär genutzt wird, letztlich weil man mit dem Begriff blenden kann, da strategisches Wissen allgemein als Herrschaftswissen gilt, (vgl.: S. 8). In der Wirtschaft ist strategisches Denken deshalb so attraktiv, weil man sich von ihr systematische Stabilisierung, Maximierung oder Rückgewinnung von Erfolg unter den Bedingungen von Zwängen und Zielen, einzusetzenden Mitteln und Erfolgsfaktoren der Umwelt erhofft, (vgl.: S. 10).

Wie man in der Folge erfährt, stellte der Soziologe Jürgen Habermas diesem strategischen Handeln als Modell der Erfolgsmaximierung das verständnisorientierte kommunikative Handeln als Idee einer besseren Welt entgegen und förderte damit eine "gewisse Strategievergessenheit" (O-Ton Prof. Dr. Zimmermann) primär in der Sozialwissenschaft, (vgl.: S.10).

Der Autor lässt den Leser nicht im Ungewissen, dass viele Strategien nur funktionieren, wenn sie verdeckt angewendet werden und insofern von den Prozessbeteiligten nicht durchschaut werden, (vgl.: 11). Hat eigentlich eine Offenlegung bereits vorhandener strategischer Möglichkeiten wie hier im Buch im Grunde nicht zur Folge, dass jetzt ein Mehr an Kreativität bei den Alphatieren unserer Gesellschaft gefragt ist und man mit den genannten Strategien nur noch bauernschlau über die Dörfer ziehen kann? :-))

Spaß beiseite, wenn man sich in die einzelnen Strategien vertieft, wird man sehen, wie wichtig es ist, diese ganz genau zu kennen, denn nur so ist es möglich, die strategischen Finessen seiner Konkurrenten zu durchschauen und kreativ zu reagieren. Eine Theorie der Strategie ist im Rahmen der Ökonomie lt. dem Autor noch nicht vorhanden, von daher kann nach wie vor nicht beantwortet werden, wie viele Strategien es gibt und auch nicht, ob zwischen großen und kleinen Strategien unterschieden werden kann. Unklar bleibt, ob unterschiedliche Strategien für das Berufsleben und das Privatleben und für Individuen sowie für andere Organisationen existieren, ob es strategische Möglichkeiten gibt, die von allen und in allen Bereichen angewandt werden können und wie sich der einzelne Mensch strategisch bilden kann, (vgl.: S.12)

Für Prof. Dr. Zimmermann steht aufgrund seiner Studien und seiner Eigenerfahrung fest, dass der allgemeine Anwendungsnutzen eines vorhandenen strategischen Repertoires nicht als willkürliche Selektion und Empfehlung eines Ratgebers, sondern durch eigene Auseinandersetzung mit und Adaption objektivierbarer strategischer Praxis entsteht, (vgl.: S.16).

Folgende Strategien werden im Buch ausführlich erörtert: Abschreckung, Allianz, Anthropomorphisierung, Appeasement, Askese, Assimilation, Auf den Busch klopfen, Aussitzen, Aussparen, Benchmarking, Bluff, Boyott, Brot und Spiele, Dachmarke, Produktmarke, Defensive, Offensive, Dekonstruktion, Diversifikation, Doppelstrategie, Durchstechen, Entspannung, Eskalation, Deeskalation, Faust in der Tasche, First Mover, Fokus, Fördern und Fordern, Form Follows Function, Furcht und Mitleid, Guerilla, Häutung, Institutionalisierung, Integration, Kleine Schritte, Konfusion, Lizenzierung, Make Buy, Marginalisierung, Metamorphose, Mystifikation, Nachahmung, Nebenkriegsschauplatz, Newsvalue, Nische, Partizipation, Personalisierung, Positionierung, Prophezeiung, Provokation, Push Pull, Redundanz, Reform, Revolution, Schock, Segmentierung, Selbstähnlichkeit, Selbstfesselung, Separation, Steter Tropfen, Stigmatisierung, Stretch Goal, Subsidiarität, Symbolische Handlung, Tabubruch, Teile und herrsche, Tit for tat, U-Boot, Ultimatum, Umarmung, Unschärfe, Verfremdung, Verknappung und zwei Fronten.

Der Autor ordnet die strategischen Handlungsmuster verschiedenen Wissens- Anwendungsbereichen zu. Er differenziert zwischen:

Positionen- sichern-entwickeln-vermitteln

Potential-sichern-entwickeln-vermitteln

Bei seinem Modell geht er von nachstehenden Annahmen aus:

"- Strategien werden eingesetzt, um die Erfolgswahrscheinlichkeit und Erfolgsausbeute einer Zielreichung zu erhöhen oder die Zeit zu Erreichung dieses Ziels zu verkürzen

- Ziele beziehen sich entweder auf Positionen oder auf Besitzstände oder auf Potenziale und Wachstum

- Positionen und Potenzial sollen mit Hilfe von Strategien gesichert, entwickelt oder gegenüber anderen vermittelt werden."( Zitat S. 17)

Das Modell klassifiziert demnach 6 verschiedene Strategietypen und 72 Handlungsmuster. Die strategische Relevanz der Handlungsmuster kommt immer in mindestens drei von fünf Anwendungsgebieten zum Tragen. Es handelt hierbei um: Politik, Ökonomie, Natur, Alltag und Vermittlung.

Viele der Strategien sind im Grunde ein alte Hut, aber dennoch nach Jahrhunderten noch erstaunlich wirksam, wie der Autor an seinen Beispielen deutlich macht. Man denke nur an die "Appeasementstrategie" Heinrichs IV. bei seinem Gang nach Canossa, die "Abschreckungsstrategie", die in der "Chinesischen Mauer" sichtbar wird und all die "Entspannungsstrategien", die schon bei den alten Griechen Anwendung fanden. Sehr effektiv finde ich in der Wirtschaft "Nischenstrategien", die natürlich viel kreatives Engagement voraussetzen, um immer wieder neue Nischen zu finden. Aber die strategische Leistung des Handlungsmusters überzeugt mich, weil sie zur Reduktion von Wettbewerbsdruck führt, (vgl.: S.108).

Dass Provokation ein strategisches Ziel ist, um den Gegner zu unüberlegtem Handeln zu verleiten, ist auch ein alter Hut, der leider immer noch sehr erfolgversprechend ist, wenn an emotionalen Schwachstellen gekitzelt wird und dass "Tabubrüche" und "Bluffs" strategisch sehr wirksam sein können, weiß jeder, der sich kritisch mit Werbung befasst.

Meine Lieblingsstrategie im Buch ist "Deeskalation", weil diese höhere Konfliktstufen verhindert und Konflikte im Idealfall sogar löst. Alle aggressiven, strategischen Handlungsmuster, wie etwa "Teile und herrsche" führen langfristig zu verbrannter Erde und einem frustrierten, aufgebrachten Umfeld, insbesondere wenn das strategische Mittel der Intrige eingesetzt wird. "Divide et impera" ist meines Erachtens eine Strategie der Ewig- Gestrigen, die nicht vermitteln und entwickeln, sondern nur drauf hocken wollen.

Ein sehr gutes Buch, das ich gerne empfehle. "Häutungsstrategien" halte ich übrigens für sehr interessant, weil sie für mich der Ausdruck von Selbstkritik, Erkenntnisfähigkeit und Kreativität sind, auch wenn der Nutzen zu wünschen übrig lässt.

Empfehlenswert.

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Rezension: Mainz: Menschen - Bauten - Ereignisse. Eine Stadtgeschichte

"Frost klirre Glas! Eisblumen blühen. Rauhreif im welken Gras sprüht feurig Grün. (Carl Zuckmayer),
Mit großen Interesse lese ich immer wieder einzelne Kapitel dieses Buches, denn ich habe u.a. in Mainz studiert und dort auch noch nach meinem Examen einige Jahre gelebt. Da ich mich schon immer für Geschichte interessiert habe, besuchte ich natürlich dort auch die entsprechenden Museen, um mich ein wenig mit der Stadthistorie zu befassen. Nach dem Lesen des vorliegenden Buches ist mir allerdings klar geworden, dass ich über die Geschichte der Stadt, in der ich einst lebte, geradezu peinlich wenig wusste.

Mainz war einst das Basislager der römischen Soldaten und wurde zu Beginn der Okkupationsphase gegründet. Der Ort war damals eine aufstrebende Garnisonsstadt, die sich nach der neu bewerteten römischen Germanienpolitik unter Augustus architektonisch zu verändern begann. Die Siedlung sollte ein urbanes Antlitz erhalten durch die Verbesserung der Infrastruktur, den Straßen-und Brückenbau, die Errichtung von Großbauten, wie dem Theater und der Großen Therme, (vgl.: S.34). Man liest von den römischen Gefällwasserleitungen, deren Ausgangspunkt die Quellgebiete bei Finthen waren, vom römischen Theater, das mit dem nur 340 m entfernten Drususstein zur Monumentalenkulturbauausstattung von Mogontiacum Mainz zählt. Interessant finde ich die Fotos im Zusammenhang mit dieser entwicklungsgeschichtlichen Phase der Stadt und hier im Besonderen den Blick auf das Römische Theater. Eine gelungene Perspektive.

Zwischen 450 und 650 n. Chr. wurde es ruhig um Mainz, bis die Stadt dann Ende des 5. Jahrhunderts als fränkisch galt. Die Merowingerherrscher besuchten die Stadt sehr selten und die karolingischen Herrscher residierten während ihrer Aufenthalte im Albanskloster. Die zentrale Figur im fränkischen Mainz war der Bischof. Der hl. Martin und Bonifatius wurden zu Gründergestalten von Mainz und seiner Kirche. Bonifatius, der ab 744 kommissarisch die Leitung des Bistums übernommen hatte, wurde 754 bei einem Raubüberfall erschlagen. Obschon seine sterblichen Überreste in Fulda Ruhe fanden, gilt er noch heute den künftigen Mainzer Erzbischöfen als Vorbild.

Ernst Dieter Hehl wartet mit einer Kurzbiographie von Bonifatius (672/675-754) auf, auch über Hrabanus Maurus (780/784-856) wird man informiert. Der bleibende Ruhm dieses Erzbischofs und seine europäische Bedeutung hat er als Wissenschaftler und Lehrer gewonnen. Berichtet wird auch von Eberhard Windecke (um 1380-140), der weit in Europa herumgekommen war. Er ist der Autor des Werkes "Keiser-Sigesmundes-Buch". Es handelt sich um eine Lebensbeschreibung des römisch-deutschen Königs und Kaisers Sigismund (1410-1437).

Der Buchdrucker Johannes Gutenberg gilt als der berühmteste Sohn der Stadt. Ihm widmet Christoph Reske ein ganzes Kapitel. Der berühmteste Druck in der neuen Technik ist bekanntermaßen die Gutenberg-Bibel. Produziert wurde sie mit großer Wahrscheinlichkeit im Hof zu Humbrecht in der Schusterstraße unweit vom Franziskanerkloster.

Dass es in Mainz eine Zwingburg, die Martinsburg gab, war mir bislang unbekannt. Erbaut wurde diese, weil der Erzbischhof seinen Machtanspruch und seinen Willen Mainz zur Residenz auszubauen festigen wollte. Man liest von der Reformationszeit und den Bauernkriegen, sowie der Niederschlagung des Aufstandes der Mainzer Bürger und vom Bauboom in der Stadt selbst während des 30 jährigen Krieges.

Sehr gut beschrieben ist das Kapitel "Barock und Aufklärung, 1648-1792" von Gernot Frankhäuser. Hier las ich mit besonderem Interesse die Informationen zu dem Architekten Maximilian von Welsch, der das "Neue Zeughaus" konzipiert hat. Neugierig gemacht hat mich auch das Wirken der einzelnen Kurfürsten während jener Tage und das Leben der Maria Barbara Schultheiß, die im 17. Jahrhundert in Mainz eine Schule für Mädchen gründete, zunächst für 30 Mägdelein aller Stände.

Thematisiert werden auch die Persönlichkeiten Georg Forster und Samuel Thomas Semmering, deren Name auf immer mit Mainz verbunden bleiben wird.

Mayence, das französische Mainz (1792-1814) wird ausgiebig thematisiert. Hier entstand 1792 ein Jakobinerclub, die erste und einzige Bewegung dieser Art in Deutschand. Die "Klubisten" versuchten durch Reden, Zeitungen, Flugschriften und mittels Theaterstücken die Mainzer zu einer (gewaltlosen) Revolution zu bewegen. Der bekannteste Mainzer Jakobiner war der Naturforscher und Weltumsegler Georg Forster. Professoren und Studenten, sogar kurfürstliche Beamte verbreiteten in Stadt und Land ihr demokratisches Gedankengut, (vgl.: S.118). Was sich in der Folge ereignete, liest sich ganz ungemein spannend. Die 16 Jahre "Franzosenzeit und neun Monate Mainzer Republik hatte die Stadt verändert. Aus der beinahe geschossenen katholischen, vom Adel geprägten geistlichen Residenzstadt war eine mehrkonfessionelle, verweltlichte und früh politisierte Bürgerstadt geworden, (vgl.: S. 129).

Franz Dumont schreibt über die Demokratische Festkultur im französischen Mainz und die Bedeutung der Freiheitsbäume im Umfeld. Diese wurden fast immer während der Kerb gepflanzt. Insofern war das Volksfest und die politische Sektion oft nicht voneinander zu trennen.

Im Rahmen der Skizzen der Stadt Mainz im 19. Jahrhundert lernt man auch den Musiker Peter Cornelius (1824-1874) näher kennen, liest von der Revolution von 1848 und verschiedenen Persönlichkeiten in jenen Tagen, die in der Stadt eine herausragende Bedeutung haben.
Mainz in der Weimarer Republik und während des "Dritten Reichs" waren keine Sternestunden für die Stadt. Gerne gelesen habe ich deshalb in diesem Zusammenhang von der Schriftstellerin Anna Seghers (1900-1983), die in Mainz als Tochter eines Antiquitätenhändlers zur Welt kam und von dem Nackenheimer Schriftsteller Karl Zuckmayer, die beide ihr klares Nein zur Nationalsozialismus in ihren Texten zum Ausdruck gebracht haben.

Mainz nach 1945 ist textlich sehr gut abgehandelt worden und es werden im Kapitel "Längsschnitt" viele Besonderheiten der Stadt sehr gut aufgezeigt. Dazu gehören u.a., eine kleine Mainzer Wirtschaftsgeschichte, Musik, Theater und Museen, der Mainzer Karneval, die Alte Universität u.a.m.

Den Beitrag über das jüdische Mainz hat mich sehr traurig gemacht, denn in Mainz wurden bereits zu Ende des 11. Jahrhunderts von christlichen Fanatikern 550 Frauen, Männer und Kinder, d.h. die gesamte jüdische Gemeinde vernichtet und während der NAZI-Zeit wurden rund 1100 Juden aus Mainz ermordet.

Bleibt zu hoffen, dass man aus den vergangenen Zeit gelernt hat und man sich in Mainz und anderenorts friedliebender und toleranter Andersgläubigen gegenüber zeigt.

Ein sehr gutes, hoch informatives Buch, das von Franz Dumont und Ferdinand Scherf herausgegeben worden ist.

Rezension: Geo Epoche - Die Macht der Habsburger

Geo Epoche Nr. 46 befasst sich im Rahmen vieler sehr eloquenter Beiträge mit der Macht der Habsburger. Gleich zu Beginn lernt man auf dem Wege eines Bildessays die Habsburger Herrscher von 1273- 1916 visuell kennen. Es handelt sich dabei um Rudolf II., Maximilian I., Karl V., Philipp II., Matthias, Leopold I., Philipp IV., Maria Theresia, Franz II./I. und Franz Joseph. Im Verlauf des Bildessays werden die einzelnen Herrscher auch textlich porträtiert. Anschließend thematisiert Martin Paetsch den Aufstieg der Habsburger und wenig später wird man mit dem mächtigsten Monarchen seiner Zeit, Karl V. vertraut gemacht. Er herrschte über große Teile Europas und über ein riesiges Kolonialreich in Amerika. Bei all seiner Macht gelang es ihm nicht, die von Deutschland ausgehende Reformation zu unterdrücken und die Einheit des abendländischen Christentums zu bewahren, fasst Reymer Klüver seinen sehr umfangreichen und abwägenden Beitrag zusammen.

Die Finanzen Karls wurden übrigens durch die Kriege gegen Frankreich ruiniert. Als Karl 1527 ein Söldnerheer in Italien nicht mehr bezahlen konnte, fielen seine deutschen und spanischen Landsknechte über Rom her und setzten den Papst gefangen. Diese Gelegenheit nutze der Habsburger und zwang den Papst, ihn zum Kaiser zu krönen, (vgl.: S.47).

Lesenswert innerhalb der Darstellung Karls V. ist der Sachverhalt um den Schmalkaldischen Krieg, der den Charakter eines Entscheidungskampfes zwischen der protestantischen Partei und der kaiserlich katholischen Liga um die religiöse und politische Zukunft des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen verkörperte. Doch können die militärische Niederlage und das kaiserliche "Interim" die Ergebnisse der Reformation nicht rückgängig machen.

Karl V. legt 1556 die Kaiserwürde nieder und zieht sich in eine Villa in der Nähe des Klosters St. Yuste in Spanien zurück.

Don Carlos wird thematisiert und auch Rudolf II., der im Jahre 1583 seine Residenz von Wien nach Prag verlegte. Zu Zeiten dieses Kaisers wurde Prag eine Metropole der Gelehrsamkeit. Dieser Kaiser versammelte Künstler, Alchemisten und Forscher aus ganz Europa um sich. Sie sollten ihm bei der Suche nach den Geheimnissen der Schöpfung helfen, (vgl.: S.54). Der Astronom Keppler revolutionierte in Prag das Bild des Universums. 1609 entdeckte er, dass Gestirne ihre Bahnen nach genauen mechanischen Regeln beschreiben, die sich rechnerisch einfach darstellen lassen. Das größte Universalmuseum, das je ein Mensch zusammengetragen hat, war jenes von Rudolf II.
Diese Sammlung wurde im Dreißigjährigen Krieg vollständig zerstört.

Ausführlich wird in der Folge vom osmanischen Angriff auf Wien im Jahre 1683 berichtet. Damals haben sich rund 60 000 Menschen in der Stadt verschanzt. Es wurden Bürgerwehren gebildet und Freiwilligeneinheiten, sogar Kaufleute und Adelige stellten Truppen auf, um sich vor den Türken zur Wehr zu setzen. Es ist unmöglich im Rahmen der Rezension ausführlich über das, was damals geschah ausführlich zu berichten. Dass die Geschehnisse sich nachhaltig in das Bewusstsein vieler Generationen eingeprägt hat, lässt darauf schließen, welches Trauma die Geschehnisse hinterlassen haben.

Man liest in der Folge über das Ende der spanischen Habsburger und über Kaiserin Maria Theresia, ihre Bündnisse und die Auseiandersetzungen mit Friedrich II. von Preußen, deren Streitobjekt Schlesien war. Wichtigste Aufgabe der Kaiserin war die Modernisierung ihres maroden Staates: die Zentralisierung der Verwaltung und die Reform der Armee.

Jörg Uwe Albig hat einen sehr schönen Beitrag über Mozart geschrieben, der freier Künstler in Wien war und dort völlig verarmt im Alter von nur 35 Jahren verstarb.

Andreas Hofer und der Tiroler Bauernaufstand ist ein weiteres Thema und wie zu erwarten war, auch Metternich. Beide Beiträge sind sehr lesenswert und machen die napoleonischen Zeiten im Hinblick auf Österreich begreifbar.

Sehr realistisch ist das Textporträt Elisabeths von Österreich (1837-1898), die die ungarischen Nationalisten in ihrem Kampf um Unabhängigkeit von Wien unterstützte. Dieses analytische Porträt zeigt, wie diese Frau tatsächlich war.

Sehr gut hat mir Johann Stocks "Wien, ein Schauspiel in sechs Akten gefallen", das sich wirklich zu lesen lohnt.

Ein interessantes Magazin. Die Bildgestaltung ist sehr beeindruckend.




Rezension: Nach uns die Sintflut- Höfisches Leben im absolutistischen Zeitalter- Hans-Dieter Otto

Hans-Dieter Otto hat ein sehr spannend geschriebenes, faktenreiches Sachbuch verfasst, in dem das höfische Leben im absolutistischen Zeitalter an unterschiedlichen adeligen Hofgesellschaften veranschaulicht wird.
Nach einem erhellenden Vorwort des Autor untergliedert dieser sein Buch in:
-Die Ausstrahlung des Versailler Hofs

-Mode und Manieren, Vergnügen und Vorlieben

-Der Sonnenkönig und seine Mätressen

-Preußen im Profil: Von Pracht und Prunk zur Sparsamkeit

-Im Liebesreigen des Rokoko: Ludwig XV.

-Feste, Feiern, Tafelfreuden und andere höfische Lustbarkeiten

-Sächsische Pikantarien

-Am Hofe Augusts des Starken

-Von Rheinsberg nach Sancsouci

-Höfische Extravaganz: Alchemisten, Abenteurer, Hochstapler und andere Glückritter.

Wie man dem Inhaltverzeichnis entnehmen kann, werden viele Facetten des absolutistischen Zeitalters, welches das Barock und das Rokoko umfasst, thematisiert. Das Buch ist illustriert, so dass man einige Hauptakteure aus jenen Tagen auch visuell näher kennenlernt. Gerade gestern habe ich ein Geo-Magazin über Ludwig XIV. rezensiert und finde bei Herrn Otto bestätigt, was ich dort in diversen Beiträgen auch schon las. Allein für den Bau von Versailles, den Park, die Ausstattung und den Unterhalt wandte Ludwig 300 Millionen Livres auf, 60 Millionen davon für das Mobiliar. Zur gleichen Zeit erhielten Familien als Hinterbliebene eines bei einem Unfall zu Tode gekommenen Arbeiters so wenig Rente, dass sie kaum davon leben konnten.

Man wird über die Mode in jenen Tagen aufgeklärt und in diesem Zusammenhang auch über Perücken. Die französische Mode wurde zu Zeiten Ludwig XIV. seitens seines Finanzministers Colbert industrialisiert. Er gründete die Manufakturen, konkret die Fabriken für Wandteppiche, Leinen, Spitzen und gemusterte Stoffe, Produktionsstätten für Glas, Schmuck Seife und Parfum,(vgl:: S. 40), die an andere Höfe in Europa exportiert wurden.

In Zeiten Ludwigs XIV. gaben sich viele Herren der höfischen Gesellschaft- auch Fürsten und Könige- Vergnügungen und Genüssen, in erster Linie dem Trinken hin. Otto schreibt, dass derjenige, der viel vertrug, ein hohes Ansehen hatte. Am Zarenhof sollen die gemischten Saufgelage zu Bacchanalien ausgeartet sein. Peter der Große schätzte es besonders, wenn sich die Frauen während des Trinkens entkleideten. Sofern die Frauen erst mal nackt waren, kannte die Freizügigkeit keine Grenzen mehr, (vgl.: 42).

Man liest von den opulenten Speisen, vom ersten Champagner, den Dom Pérignon, der Kellermeister der Benediktiner-Abtei Hautvillers in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts herzustellen begann, liest von Schokolade aus Mexiko und chinesischem Tee, der zunächst sehr teuer war.

Zwerge als Hofnarren sind ein weiteres Thema. Sie waren die Kontrastfiguren für des Regenten Gottesgnadentums. Entgegen allen höfischen Bräuchen und Sitten musste der Hofnarr überbunte Kleidung tragen, die dazu noch mit Flecken, den so genannten "Schandflecken" besetzt waren. Seine Aufgabe bestand darin, Schäden an der körperlichen und seelischen Gesundheit versinnbildlichen. Einige berühmte Hofnarren gelangen im Buch in den Fokus. Unter ihnen ist Joseph Fröhlich, der am Hofe August des Starken fast bei allen Hoffesten und Hofreisen mit von der Partie war. Bekannt wurde er aufgrund seiner offenen Kritik an der Verschwendung am sächsischen Hofe, die er primär gegenüber dem sächsischen Premierminister Heinrich Graf von Brühl äußerte, (vgl:: S.49).

Bemerkenswertes auch erfährt man über das "Lever", d.h. die Gepflogenheiten am französischen Hofe bei morgendlichen Aufstehen und sich Erheben des Königs und seiner Gemahlin. Das war ein Teil der Etikette, die der König als Instrument zur Beherrschung seiner Untertanen einsetzte, (vgl.:S.58).

Über die Mätressen unterschiedlicher Monarchen wird man auch sehr gut in Kenntnis gesetzt. Eine der offiziellen Mätressen Ludwigs XIV. war die Marquise de Montespan, die in den Pariser Giftskandal verwickelt war und offenbar dem König obskure Liebespulver und andere Aphrodisiaka ins Essen gemengt hatte, um sich seine Liebe zu erhalten, (vgl.: S.69). Nicht sie war es, die heimliche Königin von Frankreich wurde, nachdem Ludwig verwitwet war, sondern ihre Nachfolgerin Francoise Scarron, die der König 1675 zur Marquise de Maintenon erhob. Dass eine offizielle Maitresse vom König schließlich geheiratet wurde, war sehr ungewöhnlich.

Sehr lesenswert sind die Beschreibungen zu der Kleidung der Damen und Herren des Rokoko. Die Damen sollen auf engen, dazu noch spitzen Schuhen balanciert sein. Über diesem Schuhwerk wölbte sich ein Drahtgestell von riesigen Dimensionen, welches von einem mit Falten, Röschen und bunten Schleifchen geschmückten Krinolinenrock überzogen war. Ein Fischbein-Korsett sorgte für eine schmale Taille. Die Hände waren unter langen, dünnen Handschuhen verborgen und der weiße Haarberg auf dem Kopf war mit Edelsteinen, Federn und Schleifen geschmückt, (vgl.: S.98). Die Kleidung war ein äußeres Zeichen dafür, dass der Adel nicht zu arbeiten bereit war. Dass 1789 viele Adelige den Kopf verloren haben, wundert nach den Pomp-Provokationen der Jahrzehnte zuvor nicht.

Ausgefallene erotische Spiele und Perversionen waren im Rokoko an der Tagesordnung. Eine Frau ohne Liebhaber galt nicht etwa als tugendhaft, sondern eher als reizlos. Ein Mann ohne Mätresse galt als impotent und ruiniert, (vgl.: S. 100). In diesem Zusammenhang kommen die Mätressen Ludwig XV. zu Sprache. Madame Dubarry, seine letzte Mätresse, soll eine erfahrene Liebeskünstlerin gewesen sein. Sie landete während der französischen Revolution übrigens auf dem Schafott, (vgl.: S. 116).

Interessanter allerdings ist Madame Pompadour, die vom König prächtige Schlösser und Paläste geschenkt bekam und den Stil "Louis Quinze" prägte. Diese Mätresse war nicht nur schön und kunstinteressiert, sondern auch intellektuell sehr begabt. Sie stand mit den wichtigsten Denkern der Aufklärung Voltaire, Diderot und Montesquieu im Briefwechsel und galt als fortschrittlich denkende und freimütige Frau. Ihr Einfluss war riesig. Nach dem Muster einer Königin zelebrierte sie in ihrem Boudoir ein eigenes "Lever", streng nach der Etikette, (vgl.: S. 112). Die freundschaftliche Beziehung zum König hielt bis zu ihrem Tode an, obschon die sexuelle Beziehung zu diesem Zeitpunkt kein Thema mehr war.

Spannend zu lesen sind auch die Gepflogenheiten am Hofe Augusts des Starken und hier dessen Mätressenwirtschaft. Vielleicht war Maria Aurora Gräfin von Königsmark die gebildetste von allen, allerdings konnte sie weder durch Schönheit, Intelligenz und Bildung den sächsischen König langfristig für sich begeistern. Das konnte keine seiner vielen Mätressen, auch Gräfin Cosel nicht. Die Sitten an diesem Hofe unterscheiden sich von jenen in Rheinsberg und Sanssouci, wie man den entsprechenden Kapiteln entnehmen kann. Am Rheinberger Hof gab es keine Zeremonien und kaum eine Etikette, (vgl.: S.177). Es wurden Komödien gespielt und Konzerte gegeben. Voltaire war zu Gast, man trank Champagner. Die Tafelrunde in Sanssouci ist legendär. Nicht unerwähnt bleibt, dass auch Bach dort weilte und eine große dreistimmige Fuge improvisierte, (vgl.: S. 184). Doch so blieb es nicht immer...

Gefallen hat mir, dass man auch über Johann Friedrich Böttger informiert wird, dem es in Sachsen gelang Hartporzellan herzustellen, aber auch zu Casanova und Cagliostro Näheres erfährt. Zu den beiden zuletzt genannten Personen habe ich bereits Rezensionen verfasst.

Ein Buch, das historisch Interessierte gewiss gerne lesen, zumal der Autor versteht, viele Anekdoten in seinen hochinformativen Text geschickt einzubauen und ihn auf diese Weise sehr kurzweilig zu gestalten.

Rezension: Der Sonnenkönig- Geo Epoche- Magazin für Geschichte- Nr.42

Dieses lesenswerte Magazin befasst sich mit Ludwig XIV. und seiner Zeit. Thematisiert werden die Fronde-Aufstände, der Absolutismus, Finanzminister Colbert, der Holländische Krieg, die Giftaffäre, das Hofleben, die Missisippi-Expedition, die Hugenottenverfolgung, das Geheimnis eines Häftlings und der Krieg um die Spaniens Krone.

Ludwig XIV. (1638-1715) war einst der mächtigste Monarch Europas. Sein Prunk galt als Vorbild für das Zeitalter des Barock. Dass seine Armeen seine Nachbarn mit Krieg überzogen, hat man mittlerweile fast schon vergessen.

Zu Beginn des Magazins kann man sich aufgrund zahlreicher Gemäldeabbildungen einen visuellen Eindruck vom Sonnenkönig und der Pracht, die er entfaltete, verschaffen. Besonders interessant finde ich hier ein Bild, das das Fest "Carousel" zeigt, welches 1662 vor dem Pariser Tuilerien-Palast seitens Ludwig XIV. inszeniert wurde. Sehr beeindruckend finde ich ein doppelseitiges Gemälde, das den Sonnenkönig als griechischen Lichtgott darstellt. Umringt ist er von seiner Familie, die ebenfalls "Göttliche Gestalt" angenommen hat. Der Maler des Bildes ist Jean Nocret.

Zunächst wird über die Aufstände der Fronde in Paris im Jahre 1649 informiert. Man erfährt auch deren Ursachen, die in der Politik Kardinal Mazerins zu finden sind. Dessen Charakter wird sehr gut gezeichnet und zwar als scharfsinnig, allerdings auch wendig bis zur Charakterlosigkeit, unterwürfig, wenn es sein muss und offenbar ohne feste Prinzipien, (vgl.: S.32). Diese Aufstände dauern bis 1652 an, dann gelingt es Mazerin, das Bündnis zu spalten. Ludwig XIV. stand bis 1661 unter der Vormundschaft seiner Mutter Anna von Österreich, erst nach dem Tode Mazerins im Jahre 1661 übernahm er die Leitung des Staates und vollendete den Absolutismus nach dem Leitspruch "L`Etat c`est mois" (Der Staat bin ich). Der Weg hin zur Alleinherrschaft wird sehr gut dargestellt.

Im Beitrag "Das Zentrum der Macht" von Mathias Mesenhöller erfährt man vom Konflikt zwischen ihm und seinem Finanzminister Fouquet, der bei dem jungen Herrscher in Ungnade fällt und den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringt, weil er sich zu viel Prachtentfaltung angemaßt hatte. Die Fronde hatte dem jungen Ludwig XIV. gezeigt, wie gefährlich der Adel werden konnte, wenn man ihn sich selbst überließ und dessen Ehrgeiz keine Ziele vorgab. All jene Adeligen, die sich als renitent erwiesen und auf ihren Schlössern ausharrten, fielen der gesellschaftlichen Ächtung anheim und wurden von nun an vom Wettkampf um königliche Auszeichnungen und Würden als auch von Karrieren im Staat und Armee ausgeschlossen. Auf diese Weise band Ludwig die höheren Stände an sich, während die Prachtentfaltung sein Prestige in Europa steigerte.

Die wichtigsten Entscheidungen traf Ludwig XVI. jeweils selbst. Nach der Verhaftung Fouquets agiert Ludwig mit drei amtadeligen Clans. Diese hießen Colbert, Le Tellier de Louvois und Phélypeaux. Colbert gelingt es, Einnahmen und Ausgaben des Staates ins Gleichgewicht zu bringen. Allerdings interessieren den König Fragen der Wirtschaft und der Finanzen in erster Linie als Mittel zum Erwerb des Ruhms. Dazu gehört auch der Umbau des Heeres, auf das Ludwig einmal seine wahre Größe gründen möchte, (vgl.: S.55).

Ein Beitrag ist Jean -Baptiste Colbert, dem Geldbeschaffer des Königs gewidmet. Er ist derjenige, der über Inneres, Handel, Marine und Finanzen herrscht. Die besten Handwerker hat er nach Frankreich geholt und gründet Handelskompanien, baut Kanäle und Häfen, um auf diese Weise die Einnahmen der Krone zu verdoppeln, (vgl.: S.59). Die Ordung, die Colbert in die französischen Staatsfinanzen einführte, hatte jedoch aufgrund der Kriegspolitik des Königs nicht lange Bestand.

Vorgestellt wird Jean-Baptiste Molière, der die Komödie als Kunstform erhoben hat und sie der Tragödie ebenbürtig machte. In Versaille soll er auf den Festen des Königs die Narren und Hanswurste der Gesellschaft vorgeführt haben.

Auch liest man von dem Angriff auf Amsterdam. Der König hat insgesamt 33 Kriege in seinen 54 Herrscherjahren geführt. Das französische Heer war damals die größte Armee Europas und Ludwig der Oberbefehlshaber.

Die Giftaffäre von 1680 wird thematisiert. Hier auch lernt man Gabriel-Nicolas de La Reynie, den ersten modernen Polizeichef von Paris und dessen Ermittlungsmethoden kennen.

Sehr eindrucksvoll sind die Bilder von Versailles, die der Skizzierung des Hoflebens ab 1862 beigegeben wurden. Man liest in der Folge von der Mississippi-Expedition der französischen Abenteuerers Robert Caelier de La Salle und anschießend von der Hugenottenverfolgung. Wer bei Ludwig seiner reformierten Konfession nicht abschwört, darf zahlreiche Berufe nicht mehr ausüben und muss damit rechnen, dass ihm die Kinder genommen und Soldaten bei ihm einquartiert werden. Die Drangsal hat zur Folge, dass viele Hugenotten außer Landes fliehen.

Mit großer Neugierde habe ich den Beitrag "Der Mann mit der eisernen Maske" gelesen. Es handelt sich dabei um einen Häftling, den Ludwig XIV. mehr als 30 Jahre im Kerker sitzen ließ. Das Gesicht des Häftlings war stets von einer Maske verdeckt. Dumas hat darüber später geschrieben. Auch gibt es Filme, die dies thematisieren. Bis heute weiß man nicht, wer dieser Mann war. Einige Personen kommen diesbezüglich in Frage, die im Magazin alle benannt werden. Was ich nicht wusste ist, dass der Philosoph Voltaire für die Mutmaßung verantwortlich ist, dass ein eventueller Zwillingsbruder Ludwigs XIV. der Gefangene gewesen sein konnte. Vorstellen kann ich mir das sehr gut. Der 1,60 große Ludwig war ein fürchterlicher Egomane. Ein Unsympath, der glaubte, dass es außer seiner Herrlichkeit keinen auf der Welt geben dürfe, der ein Recht habe, er selbst zu sein.

Der letzte Beitrag, in dem es um den Krieg um Spaniens Krone geht, endet mit den Sätzen: "Zwar wird es noch Jahrzehnte dauern, bis der Unmut gegen die Bourbonen-Dynastie 1789 in der Französischen Revolution kulminiert, die Ludwig XVI. auf das Schafott schickt. Doch die Saat dafür hat der Sonnenkönig gelegt. Jener Monarch, der mit seiner Sucht nach Ruhm die Kraft seines Vaterlandes überforderte."


Am 1. September 1715 starb dieser Ruhmsüchtige vier Tage vor seinem 77. Geburtstag.

Empfehlenswert.

Rezension: Die Welt im Mittelalter- 1000Jahre Kriegsgeschichte

Als Pazifistin habe ich dieses Buch mit allergrößtem Interesse gelesen, weil mich interessiert, was Menschen seit Jahrhunderten dazu antreibt, Kriege zu führen, deren Ergebnis bekanntermaßen unsägliches Leid und verbrannte Erde sind. Welche Kampftechniken, kriegerischen Konflikte und militärischen Ziele hatten Kriegsherren im Mittelalter in Europa, im Mittleren Osten, in Zentralasien, in Indien, China und Japan im Auge, wenn dem Krieg huldigten?

Herausgeber des Buches ist Matthew Bennett. Er ist Mitglied der Royal Historical Society von England und Dozent an der Militärakademie Sandhorst. Das reich bebilderte Buch enthält sehr differenzierte Beiträge unterschiedlicher Historiker und eine lesenswerte Einleitung des Herausgebers.


Bei den Beiträgen handelt es sich um:

- Byzanz gegen Persien und den Islam, 530- 750, James Howard-Johnsen

-Von den Königreichen der Barbaren bis zum Reich der Karoliner, 500- 850, Roy Boss


-Neue Invasoren der Christenheit, 800-1066, Mathew Bennett

-Der Wiederaufstieg des Christenums und die Kreuzzüge im Osten, 1050-1250, John France

-Triumph der Nomaden: Mongolen, Mameluken und die späteren Kreuzüge, 1250-1400, Timothy May

-Die Deutschherren und die Nördlichen Kreuzzüge, 1200-1450, William Urban

-Die Herausforderung des Rittertums: Langbogen und Pike, 1275-1475, Michael Prestwich

-Die Osmanische Herausforderung: Die Eroberung Konstantinopels und der Vorstoß nach Europa, 1350-1550, Gabór Agoston

-Der Ferne Osten: Kriegswesen in China, Korea und Japan, 500-1500, T.A. Heathcote, Peter Lorge, Matthew Bennett und Karl Friday.

Bennett macht in der Einleitung deutlich, dass das Kriegswesen der Mittelalters 1000 Jahre umfasst und sich geografisch von der Atlantikküste bis zu den japanischen Inseln erstreckte. Die Konflikte innerhalb Westeuropas und die Kreuzüge standen in einem globalen Zusammenhang mit dem mongolischen Weltreich. Taktische und technische Neuerungen kamen aus der muslimen Welt ins Abendland. Der Herausgeber des Buches betont, dass im Zentrum der Kriegsführung stets die Logistik steht und erklärt auch, weshalb das so ist.

Ein Thema des Kriegswesens im Mittelalter waren die Festungen, Flotten spielten eine Rolle und die Kampfweisen. Von Bedeutung waren die Entwicklung von Waffen und Rüstungen und auch das Verhältnis zwischen verschiedenen Waffenarten und unterschiedliche Taktiken im Kampf.

In jedem Beitrag werden die Schüsselereignisse aufgelistet, es werden Probleme erörtet, Schlachten dargestellt und unendlich viele Fakten geliefert, die an dieser Stelle leider nicht wiedergegeben werden können, weil es den Rahmen der Rezension sprengen würde.

Interessant auch sind die Abbildungen von Waffen wie etwa der "Franciscas"- Wurfäxte-. Sie waren bei den Germanen sehr verbreitet und konnten sogar Rüstungen durchschlagen. Die typische Breitaxt, welche die Wikinger beim Kämpfen verwendeten, war auf einem 1,5 Meter langen Griff montiert. Mit dieser Streitaxt konnte man problemlos den Kopf seines Gegners abschlagen.

Circa 3500 Tote musste man bei der Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955 beklagen. Wie sich die Schlacht ereignete und wie die Kriegsgegner auf dem Schlachtfeld formiert waren, kann man anhand der Schlachtpläne sehr gut nachvollziehen.

Spannend lesen sich die Beiträge zu die letzten Invasionen der Wikinger und zur westlichen Kriegführung. Aus Feinstahl angefertigte Schwerter waren zwischen 1050-1250 sehr teuer. Der Kriegsadel, der in der Lage war, sich kostspielige Rüstungen zu leisten, entwickelte Techniken, um hoch zu Ross zu kämpfen. Auch die Schlachtrösser waren nicht billig. Nach heutigem Geld kosteten sie 550 Euro. Neben den Reitern gab es das Fußvolk, deren übliche Waffe der Spieß war. Nur wenige besaßen Helme oder Schilde. Zum Fußvolk zählten die Bogenschützen. Einige besaßen eine Armbrust. Die Bolzen dieser Waffe vermochte sogar Rüstungen zu durchschlagen. Die Burgen waren nach Niederlagen Zufluchtsorte. Deshalb folgte nicht selten dem Sieg auf dem Feld eine Belagerung der Burg.

Ausführlich wird man militärstrategisch über den 1. Kreuzzug (1096-1099) unterrichtet. Raimund von Aguilers schreibt über das Massaker auf dem Tempelberg nach der Eroberung von Jerusalem im Jahre 1099 "Im Tempel und im Hof Salomons ritten die Männer bis zu den Knien und zum Zaumzeug der Pferde in Blut." Man lernt die Burg Krak des Chevaliers kennen, die als "Knochen im Hals des Islam" bezeichnet wurde. In diesem Zusammenhang liest man auch von einem neuen Burgtyp, den die Kreufahrer entwickelten. Von der höheren inneren Burg aus unterstützten die Bogenschützen die Verteidiger der äußeren Mauern. Krak ist eine klassische Burg diesen Typs.
Mit großem Interesse habe ich den Beitrag William Urbans über die Deutschherren und die nördlichen Kreuzzüge zwischen 1200 und 1450 gelesen und mich in diesem Zusammenhang über die Burgen des Deutschen Ritterordens informiert, die teilweise zu riesigen Befestigungsanlagen ausgebaut waren. Die Kreuzfahrerheere haben sich in den Grenzfestungen in Königsberg oder Ragnit in Preußen aber auch in Dünaburg und Goldingen in Lievland gesammelt. Auf den Feldzügen lebten die Heere vom Raub an der Bevölkerung. Die Dörfer wurden in der Regel niedergebrannt, die Felder verwüstet und die Garnisonen naher Burgen ausgehungert,(vgl.: S. 148).

Die Kreuzfahrer verfügten über neueste militärische Technologie. Diese lernt man auf S. 149 näher kennen. Die berühmte "Schlacht bei Tannenberg" wird ausführlich geschildert und man kann anhand von Schlachtplänen die Aufstellungen der Heere gut nachvollziehen.


Der "Hundertjährige Krieg" kommt auch zur Spache und es wird unterstrichen, dass unterschiedliche Kriege unterschiedliche Strategien erfordern. Neben den Strategien gibt es zudem unterschiedliche Taktiken, die mitunter weit mehr zum Sieg beitragen als die strategischen Planungen. Ein gutes Beispiel hierfür ist dieser "Hundertjährige Krieg".

Die effektivsten und erfolgreichsten Soldaten des späten Mitelalters waren die Schweizer. Ihre Erfolge beruhten auf der klugen Wahl der Schlachtfelder. Die Schweizer Siege waren nicht das Werk eines einzelnen Kommandanten, sondern vielmehr eines Kollektivs, (vgl: S.187). Schweizer Söldner waren zwischen 1300-1500 in ganz Europa begehrt. Bei Ihren Erfolgen waren weniger die Handfeuerwaffen, über die sich auch verfügten, schlachtentscheidend, sondern der Einsatz langer Reihen von Pikenieren.


Frauen, so macht Michael Prestwich klar, spielten in Kriegen nur selten eine aktive Rolle. Im 15. Jahrhundert kommandierte zwar Catarina Sforza Garnisonen und Heere und in den Hussitenkriegen halfen Frauen bei der Verteidigung der Festungsanlagen von Prag. Es waren aber die Ausnahmen. Kriege waren immer Angelegenheiten von Männern und sie sind es heute noch. Das sollte uns zu denken geben.

Ich wundere mich, was Männer sich alles ausdachten, um sich erfolgreich der Fleischtöpfe anderer Völker zu bemächtigen oder Ideologien und religiösen Vorstellungen hochaggressiv durchzusetzen. Wie würde unsere Welt ausschauen, wenn all die negativen Energien kanalisiert worden wären und zwar hin zu positivem, kreativen Tun?


Ein sehr erhellendes Buch.





Rezension: Frauen - Claudia Gold.

In diesen Buch werden seitens der Autorin Claudia Gold 50 Frauen porträtiert, die Geschichte schrieben.

Bevor ich zu einzelnen Porträts kurz etwas sage, möchte ich die fokussierten Damen im Buch zunächst beim Namen nennen: Hatschepsut, Nofretete, Puduhepa, Debora, Batseba, Die Königin von Saba, Isebel, Tomyris, Kleoprata VII. Thea Philopator, Livia, Boudicca, Zenobia, Theodora, Wu Hou, Mathilde, Eleonore von Aquitanien, Blanka von Kastilien, Isabella, die Wölfin. Margarethe I., Margarete von Anjou, Isabella I., Caterina Sforza, Johanna die Wahnsinnige, Lucrezia Borgia, Maria I. Tudor, Katharina von Medici, Elisabeth I., Lady Jane Grey, Maria Stuart, Nur Jahan, Anna von Österreich, Christina, Maria II. Stuart, Anna Stuart, Maria Theresia, Jeanne -Antoinette Poisson, Katharina II. die Große, Marie Antoinette, Viktoria, Lakshimi Bai, Cixi, Liliuokalani, Golda Meir, Sirimavo Bandaranaike, Indira Gandhi, Eva Perón, Margret Thatcher, Elisabeth II, Benazir Bhutto.

Claudia Gold schreibt in ihrer Einleitung, dass Frauen in einer Männerdomäne nicht selten tiefwurzelnden Hass erregten und dokumentiert dies in ihren Porträts. Sie vergisst dabei nicht zu erwähnen, dass sich leider bis heute daran wenig geändert hat. Es sind immer nur Ausnahmen, die in die Männerdomänen einbrechen und nicht selten waren es die Witwen oder Töchter berühmter Väter, die an die Macht gelangten. Unsere Kanzlerin ist im Grunde eine ganz besondere Ausnahmeerscheinung, die allerdings in diesem Buch nicht thematisiert wird.

Das reich bebilderte Buch berichtet jeweils vom Leben und vom politischen Wirken der einzelnen Damen und beginnt dabei im 15. Jahrhundert v. Chr. mit dem Porträt Hatschepsuts, die die erste bedeutende Pharaonin war und als lebende Göttin verehrt wurde.

Die einzelnen Porträts erstrecken sich immer über 4 -5 Seiten und beinhalten eine kleine Zeittafel, die einem einen kurzen Überblick über die beschriebenen Personen verschaffen.

Dass die Büste Nofretetes erst 1912 entdeckt worden ist, ist mir neu. Nofretete (wörtlich:"eine Schöne ist gekommen") lebte im 14. Jahrhundert vor Christus. Sie und ihr Gatte Echnaton galten als Häretiker, weil sie den ägyptischen Götterpantheon zugunsten eines einzigen Gottes, des Sonnengottes Aton, aufgegeben hatten. Sie war Mitregentin Echnatons und verschwandt plötzlich. Bis heute ist unklar, ob sie in Ungnade fiel oder aber nur ihren Namen änderte und offiziell zum König an der Seite ihres Mannes geworden war, gewissermaßen in ihm aufgegangen ist.

Von einigen der beschriebenen Frauen habe ich bislang noch nie etwas gehört. Zu ihnen zählt beispielsweise Debora, die im 12. Jahrhundert vor Christus lebte. Sie motivierte die Israeliten dazu, sich gegen ihre kanaanitischen Unterdrücker zu erheben, befreite ihr Volk aus der Tyrannei und läutete in Israel eine 40 jährige Friedenszeit ein.

Nicht sicher ist, ob die Königin von Saba tatsächlich gelebt hat. Berühmt war diese legendäre Gestalt für ihren Reichtum, der auf dem Handel von Gewürzen beruhte. Die Äthiopier sahen sie als Urahnin ihrer Herrscherdynastie. Sie steht seit Ewigkeiten für die Exotik des Orients und inspirierte Künstler, Komponisten, Schriftsteller und Filmemacher.

Besonders gut gefällt mir das Porträt Theodoras (um 497-548). Sie war Kaiserin von Byzanz. Ihr Vater war Bärenpfleger im Hippodrom von Konstantinopel und sie soll zeitweilig sogar als Prostituierte gearbeitet haben. Ihre Anziehungskraft soll so groß gewesen sein, dass selbst Prokop (ein byzantinischer Historiker) zugab: " Ihren Charme in Worten auszudrücken oder in einer Statue darzustellen, wäre für einen bloßen Menschen schier unmöglich" (Zitat. S. 59/69). Ihre Schönheit und Intelligenz sollen die Aufmerksamkeit von Kaiser Justitian erregt haben, der sie zunächst zu seiner Geliebten und später zu seiner Frau machte. In den 20 Jahren ihrer Macht hat sich Theodora für die Rechte von Frauen eingesetzt. Sie verbot u.a. den Handel mit jungen Mädchen, setzte sich für die Gleichbehandlung der Frauen nach der Scheidung ein und hob die Heiratsbeschränkungen zwischen einfachen Frauen und Adeligen auf.

Über Eleonore von Aquitanien habe ich eine Rezension verfasst. Das Porträt von Claudia Gold ist bestens gelungen und enthält alle wichtigen Lebensstationen dieser Frau, deren bemaltes Steinbildnis, das im Buch abgelichtet ist, ich im Original in der Abtei von Fontevrault bereits bewundern konnte. Sie war nicht nur eine der reichsten Frauen des Kontinents, in der Zeit in der sie lebte, sondern auch eine groß gewachsene Schönheit mit flammend roten Haaren, dazu eine Intellektuelle, die Künstler aus ganz Europa anzog. Eine Ausnahmefrau, demnach.

Spannend zu lesen ist auch das Porträt von Isabella I. (1451-1504). Sie ließ die Muslimen und Juden aus Spanien vertreiben und Andersgläubige durch die Inquisition verfolgen. Auch wenn der Papst sie und ihren Mann für ihren Kampf für den Glauben mit dem Titel "Katholische Könige" belohnte, erhält sie meine Sympathie nicht. Sie war ein Machtmensch, dem es an Sinn für Schönheit und Intellektualität letztlich mangelte.

Ein Machtmensch auch war Katharina von Medici. Sie war bekannt als Intrigantin, Giftmörderin und Anhängerin des Okkultismus, zudem ist ihr Name mit dem Massaker an den Hugenotten in der Bartholomäusnacht verbunden. Ich kann verstehen, dass ihr Gatte ein Verhältnis mit Diane de Potiers hatte. Wer fühlt sich an der Seite einer solchen Frau schon wohl?




Sehr gut gelungen ist das Porträt Elisabeth I., deren Intellekt herausragend war, aber auch das Porträt Maria Stuarts ist hervorragend. Ich wusste bislang nicht, dass Maria 1,80 Meter groß war, dass es sich bei ihr aber um eine gewandte Schönheit handelte, wusste ich sehr wohl und dass ihr Hinkefuß die Emotionalität war, ebenfalls.












Es ist mir unmöglich, im Rahmen der Rezension alle genannten Frauen zu thematisieren. Marquise de Pompadour (1721-1764) war die bedeutendste Mätresse in der frazösischen Geschichte. Die bildschöne Jeanne war eine Intellektuelle, die in ihrem Salon bedeutende Künstler und Gelehrte ihrer Zeit, wie etwa Voltaire, empfing.









Es freut mich, dass man auch der ermordeten Premierministerin Benazir Bhutto von Pakistan einige Seiten gewidmet hat. Sie war die erste Regierungschefin in einem muslimischen Land. Ihre Absicht war die Diskriminierung der Frauen zu beenden und die Armen stärker zu unterstützen. 2007 wurde sie ermordet.



In all den Zeiten war es für Frauen nicht einfach, politische Interessen durchzusetzen. Nur wenn sie grausam oder intrigant oder extrem machtbessen waren und wenn sie einflußreiche Männer gezielt für ihre Zwecke eingesetzt haben, konnten sie sich dauerhaft an der Spitze halten. Wer seinen Emotionen freien Lauf ließ, um den war es geschehen, wie das Beispiel Maria Stuarts deutlich macht.

Empfehlenswert.


Das rezensierte Produkt ist überall im Handel erhältlich.


Fotos: Mit freundlicher Genehmigung des National - Geographic -Verlags.