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Rezension: Chaos der Kulturen: Die Debatte um Islam und Integration (Broschiert)

Dieses Buch enthält die besten Artikel, Reden und Beiträge von Dr. Necla Kelek aus den Jahren 2005 - 2011. Die in Istanbul geborene Intellektuelle wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet u.a. mit dem Geschwister-Scholl-Preis 2005, dem Hildegard-von-Bingen-Preis 2009 und dem Friedenspreis. Dr. Necla Kelek gilt als Islamkritikerin und ist Frauenrechtlerin.

Das vorliegende Buch ist in folgende Abschnitte untergliedert:

Islam und Integration

Ehre und Gesetz

Migration und Medizin

Geschichte und Verantwortung

Kritik der Islamkritikerin

Islam und Freiheit

Die Autorin hebt gleich zu Beginn hervor, dass die nachgezogenen Einwanderer aus der Türkei das anatolische Dorf und die Moschee nach Deutschland brachten. Diese Einwanderer kamen in einer Zeit zu uns, als die Industrie aufgrund der Wirtschaftskrise und fortschreitender Automatisierung kaum noch Arbeitskräfte für einfache Tätigkeiten benötigte. Aufgrund von Heiratsimport kamen in den 1970ern und 1980ern jährlich Zehntausende ins Land und in den 1990er ließ die Türkei Zehntausende Asylsuchende nach Deutschland ausreisen. Diese Personen wurden ohne Vorbereitung und Aussicht auf einen Arbeitsplatz direkt als Transferempfänger ins Sozialsystem eingegliedert, (vgl.: S.15).

Dr. Kelek macht in ihrem Vortrag bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bremen 2011 deutlich, dass die Politik das besondere Potential der Einwanderer nicht immer wahrnimmt, deren Sorgen und Probleme verkenne und deshalb nachhaltig seit Jahrzehnten scheitere, auch wenn Millionen für Integrationsmaßnahmen ausgegeben werden. Mit besagtem Geld werde auch eine Sozialindustrie unterhalten, die ihre Berechtigung daraus bezieht, dass die Probleme der Integration nachhaltig bleiben, (vgl.: S.47).

Nicht unerwähnt lässt die promovierte Wissenschaftlerin, dass es aber auch inzwischen 2,5 Millionen türkischstämmige Bürger gibt, die hier in Deutschland als Schriftsteller, Ärzte, Filmemacher, Kaufleute, Handwerker etc. eine neue Heimat gefunden haben und listet die Bedingungen für deren Erfolge auf. Dabei unterstreicht sie, dass Menschen, die in einer Gesellschaft persönlich und beruflich erfolgreich ihr Leben gestalten möchten, vor allem frei sein müssen. Freiheit und Verantwortung kann man lernen. Hier überdenkt die Autorin Möglichkeiten und führt auch konstruktiven Beispiele an.

In einem weiteren Vortrag, den sie 10 Jahre früher bereits in Frankfurt im Römer hielt, definiert Dr. Kelek u.a. den Begriff Integration und hält fest, dass derjenige integriert sei, der die Gesetze kenne und danach handele, der sich auf Deutsch verständigen kann, der weiß, in welchem Land er lebt und welche Gepflogenheiten hier gelten. Notwendig sei nicht, dass man hierzu die Staatsbürgerschaft besitzt. Es gehe demnach bei der Integration um den Prozess der Vermittlung und Aneignung nicht nur von Rechten und Pflichten der Rechtsordnung, sondern auch um Sprache, Kultur und Geschichte, insofern um die Vermittlung und Aneignung von gesellschaftlichen Werten, (vgl.:S.51).

Nach Auffassung der Autorin ist die Kulturleistung der Deutschen und sie denkt hier an unsere Grundrechte ebenso wie an Kants kategorischen Imperativ und die christlichen Grundsätze der Nächstenliebe und des Vergebens für die übergroße Mehrheit der Zuwanderer eine einmalige Chance. In diesem Zusammenhang hält sie fest, dass nämlich die universalen Menschenrechte in muslimischen Ländern nur für Muslime gelten und begründet dies mit dem Beispiel, dass in der säkularen Türkei Nichtmuslime bestimmte Berufe nicht ausüben können, (vgl.: S.52).

Die Autorin plädiert dafür, auf die Chance der Freiheit und Verantwortung des Einzelnen zu setzen. Dabei ist sie überzeugt, dass unsere Gesellschaft allen ein gutes Angebot macht. Migranten sind für Dr. Kelek keine Mündel. Man müsse sie fordern.

In allen ihren Schriften ist Dr. Kelek sehr kritisch und zeigt dies auch in ihrer Haltung zu Themen wie Heiratsimport, Kopftuchdebatte, Scharia, Islamkonferenz, zu denen sie sich allerdings im Buch nur dann äußert, sofern sie die Gedanken noch nicht in ihren anderen Büchern geäußert hat.

Eine mutige, überaus reflektierte, analytische Autorin, auf die nicht nur Politiker hören sollten. Ich empfehle das Buch gerne, weil es neue Wege in einer reichlich verfahrenen Situation aufzeigt.
 
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