Dieses Blog durchsuchen

Rezension Peter Jakob König: Wirtschaft im Würgegriff- Wie das Kartellamt Unternehmen blockiert- Detlef Brendel Florian Josef Hoffmann

Der Wirtschaftspublizist Detlef Brendel und der Wirtschaftsjurist Florian Josef Hoffmann haben sich mit ihrem Buch "Wirtschaft im Würgegriff-Wie das Kartellamt Unternehmen blockiert", erschienen im renommierten Campus Verlag, sich eines Themas angenommen, dessen Brisanz in der Öffentlichkeit bisher nur peripher wahrgenommen wurde, wenn überhaupt, die Unternehmen jedoch empfindlich trifft, ja sogar für sie existenzbedrohend sein kann. 

Der Titel des Buches sagt deutlich aus, worin die beiden Autoren die Gesamtproblematik dieses Themas sehen. Sie beleuchten die Rolle des Bundeskartellamtes und welche Auswirkungen deren Strategien auf die einzelnen Unternehmen, aber darüber hinaus auf die gesamte volkswirtschaftliche Situation haben.

Damit der geneigte Leser überhaupt eine Vorstellung davon erhält, worum es sich hierbei eigentlich handelt, nicht jeder ist auf Anhieb in dieser zugegebenermaßen nicht unkomplizierten Materie zuhause, haben sich Detlef Brendel und Florian Josef Hoffmann bemüht, diesen Komplex in unserem gesamtwirtschaftlichen Handeln besonders transparent zu gestalten. Dies ist auch der Sinn dieses Buches. Es soll der Aufklärung dienen, und nicht ein weiteres Exemplar im Meer der unendlichen Wirtschaftsliteratur werden. Denn nur wenn der Inhalt dieses Werkes einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich ist, besteht die Möglichkeit, die aktuelle Rolle des Bundeskartellamtes zu erfassen und über ihr, wie die Autoren herausarbeiten, nachteiliges Verhalten für unsere wirtschaftliche Prosperität nachzudenken, mit der Folge einer dringend notwendigen, grundsätzlichen Korrektur. 

Wenn man sich das Inhaltsverzeichnis vornimmt, wird klar, wie Detlef Brendel und Florian Josef Hoffmann es gelungen ist, dem interessierten Leser die Sachverhalte nahe zu bringen. Insgesamt ist das Buch in drei Teile gegliedert, wobei im ersten Teil der Wirtschaftspublizist Brendel das Handeln der Behörde analysiert, im zweiten Teil Interviews mit drei namhaften Unternehmerpersönlichkeiten von Familienunternehmen zu diesem Thema geführt werden und im dritten Teil der Wirtschaftsjurist Hoffmann die historischen, theoretischen und politischen Hintergründe dazu erläutert. Damit ein erster Eindruck hier vermittelt wird, ist es interessant sich die einzelnen Untertitel aus dem ersten Teil von Detlef Brendel anzuschauen. Sie lauten:

1. Eine verhängnisvolle Atmosphäre
2. Verabredung für oder gegen 
3. Omnipotenz 
4. Das Prinzip Discountry 
5. Staat statt Markt 
6. Allmachtsfantasien 
7. Medienmaschinerie Kartellamt 
8. Unternehmerisches Selbstbewußtsein 

Schon die Überschriften zeigen deutlich, welche vermeintlichen Missstände hier aufgezeigt werden sollen. Es geht um die grundsätzliche Frage: Was macht das Kartellamt, was darf es und welche Auswirkungen hat das Ganze auf die Unternehmen, welche Handlungsspielräume sind den Unternehmern noch geblieben, ohne dass sie befürchten müssen, mit Bußgeldern in Millionenhöhe belegt zu werden? 

In den Unternehmergesprächen im zweiten Teil wird es dann konkret:
9. Gespräch mit Alfred T. Ritter, Alfred Ritter Gmbh&Co.KG
10. Gespräch mit Wolfgang Fritsch-Albert,  Westfalen AG
11. Gespräch mit Friedrich Neukirch, Klosterfrau Healthcare Group.

Hier werden drei Unternehmensführer von drei mittelständigen, namhaften traditionsreichen Familienunternehmen interviewt, bezüglich ihrer Erfahrungen mit dem Kartellamt, welchen Belastungen sie dadurch ausgesetzt sind und wie sie das Handeln der Behörde aus Unternehmersicht sehen. Ausdrücklich wird bei diesen Interviews darauf hingewiesen, dass es nicht einfach war, überhaupt jemanden zu finden, sich öffentlich zu dieser Thematik zu äußern, zu brisant scheint das Thema. 

Florian Josef Hoffmann, der Ökonom und Jurist hat im dritten Teil sich sehr intensiv und informativ der Frage angenommen, wie sind eigentlich die historischen, theoretischen und politischen Hintergründe der staatlichen Wettbewerbspolitik und des Kartellverbots? Auch hier wieder die einzelnen Sequenzen dieses dritten Teils: 
12. Das Ende der Moral 
13. Kartellrecht ist Kartellunrecht 
14. Von Smith und Erhard. So entstand der Würgegriff 
15. Das Kartell-Vom Retter der Wirtschaft zum Unwort des     Jahrhunderts 
16. Die Befreiung vom ideologischen Würgegriff
17. Der Ausweg aus dem Würgegriff
18. Auf einen Blick: Fakten und Argumente 

Liest man die Überschriften fällt es nicht schwer auch hier den eindeutigen Tenor der Abhandlungen zu erkennen. Dabei wird besonders deutlich, warum und wie Kartelle sich gebildet haben, und wie in den letzten Jahrhunderten der Wirtschaftsgeschichte damit umgegangen worden ist. Entgegen der momentan herrschenden Meinung wird aufgezeigt, dass dies durchaus zur wirtschaftlichen Blüte in früheren Jahrzehnten geführt hat.

Fazit: „Wirtschaft im Würgegriff-Wie das Kartellamt Unternehmen blockiert“ von Detlef Brendel und Florian Josef Hoffmann ist ein sehr informatives Buch, das nicht nur für Betriebs- oder Volkswirte geschrieben worden ist. Ganz im Gegenteil es zeigt aktuelle Problematiken der Unternehmen auf, die sie mit dem Kartellamt ausfechten müssen. Da aber nicht der Staat sondern diese Unternehmen, besonders im Mittelstand mit Abstand die meisten Arbeitsplätze in unserem Land schaffen, ist das Verhalten des Kartellamtes auch ursächlich für diesen Bestand und deshalb auch ein wichtiges Thema für die breite Öffentlichkeit. Dass hier von den beiden Autoren die richtige Sprache gewählt wurde, um in dieser breiten Öffentlichkeit verstanden zu werden, macht den besonderen Reiz dieses Buches aus, zumal, wie zuvor schon erwähnt, nicht jeder sofort mit dieser Materie etwas anfangen kann. Wenn dadurch auch noch eine politische Diskussion in Gang gesetzt wird, deren Ziel es ist, das Handeln des Bundeskartellamtes wieder unter objektiven Gesichtspunkten zu betrachten, ist das Bemühen von Detlef Brendel und Florian Josef Hoffmann ganz besonders erfolgreich. 

Sehr empfehlenswert

Rezension: Nachdenken über das 20. Jahrhundert- Tony Judt; Timothy Snyder

Autoren des Buches sind der 2010 verstorbene Erich-Maria-Remarque-Professor für Europäische Studien in New York Tony Judt und der Historiker Timothy Synder. 

Das Werk sollte man als historischen und biographischen Text, aber auch als moralphilosophische Abhandlung verstehen. Es handelt sich um eine politische Ideengeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts. Dabei geht es um die Themen Macht und Gerechtigkeit und zwar in der Weise wie sie seit dem späten 19. Jahrhundert seitens liberaler, sozialistischer, kommunistischer, nationalsozialistischer und faschistischer Intellektueller interpretiert werden. 

Neben den oben schon genannten biographischen Facetten geht es im Buch auch um die Grenzen und die Erneuerungsfähigkeit politischer Ideen und um die Aufgabe sowie das Scheitern von Intellektuellen.

Das Werk ist eine Art Gespräch zwischen den beiden Autoren und ein Ausdruck der Spontanität, Unberechenbarkeit und er gelegentlich spielerischen Art zweier Dialogpartner, wie Snyder schreibt. Was ich als Leser bestätigen kann. 

Das Nachwort hat Tony Judt verfasst. Das Buch verdeutlicht, dass die Aufgabe des Intellektuellen im einundzwanzigsten Jahrhundert darin bestehen könnte, für die Wahrheit einzutreten und dabei zugleich ihre verschiedenen Formen und Grundlagen zu akzeptieren.

Es führt zu weit den, den höchst komplexen Inhalt hier zu erörtern. Letztlich geht es um die Frage nach den Wahrheiten. 

In seinem Plädoyer zum Schluss macht Tony Judt deutlich, dass der Sozialstaat es ist, welcher ein anständiges Leben für alle ermöglicht. Die ist  die Wahrheit der Menschenfreundlichkeit. 

Doch eine ultimative Grundwahrheit scheint es bei allen Erörterungen nicht zu geben, wenn man intensiv über das 20. Jahrhundert nachdenkt.  Trotz allem lohnt sich das Nachdenken, wie  dieses Buch begreifbar macht.

Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie  zum Verlag und können  das Buch bestellen.

Rezension:Idole und Idioten: Haarsträubende Erlebnisse auf der Chefetage -Bob Lutz

"Die beste Methode, um die Intelligenz eines Führenden zu erkennen, ist, sich die Leute anzusehen, die er um sich hat.", (Niccolò Machiavelli)

Der Autor dieses äußerst aufschlussreichen Buches ist Bob Lutz, der ehemalige stellvertretende Vorstandschef von General Motors, der im Laufe seiner Karriere auf weitere Führungspositionen bei BMW, Ford und Chrysler zurückblicken kann. In seinem neuen Buch porträtiert er folgende Ex-Magnaten:

Georges –André Chevallaz (Stadtpräsident von Lausanne), Robert «Bob» Wachtler (Director of Forward Planning, GM Overseas Operations), Ralph Mason (Vorstandsvorsitzender, Adam Opel AG), Eberhard von Kuehnheim (Vorstandsvorsitzender, Adam Opel AG), Philip Caldwell (Chairman und CEO, Ford Motor Company),Harold A. «Red» Poling (Chairman und CEO, Ford Motor Company), Lee Iacocco (Chairman und CEO, Chrysler Corporation, Robert J. «Bob» Eaton (Chairman und CEO, Chrysler Corperation), Arthur M. Hawkins (Chairman und CEO, Exide Technologies), G. Richard «Rick» Wagoner (Chairman und CEO, General Motors)

Bob Lutz beleuchtet in seinem Buch Führungspersönlichkeiten sowie Führungsqualitäten und versucht zu ergründen, weshalb die Größten unter ihnen so erfolgreich waren. Erfolg misst sich am Ergebnis. Deshalb geht es um die Fragen: Haben die angeführten Top-Manager die Unternehmen unter ihren Amtszeiten vorangebracht und wurde für alle Beteiligten ein monitärer Wert geschaffen. Das Untersuchungsergebnis lautet ja, wie alle angeführten Beispiele deutlich machen und dies offenbar auch, weil die Protagonisten alle komplizierte Charaktere aufgeweisen oder klarer ausgedrückt, sich als geistig und emotional widersprüchlich offenbaren. Nicht selten treten neben positiven Eigenschaften bei Erfolgsmenschen auch Eigensinn, Unzufriedenheit, Unbeherrschtheit, Dominanzgebaren, Ungeduld, Kompromisslosigkeit etc. auf, doch vielleicht ist es dieser Mix, der notwendig ist, um Firmen voranzubringen und in Krisen das Schiff unbeugsam durch stürmische See zu steuern.

Schon die erste Persönlichkeitsbeschreibung im Buch fand ich faszinierend. Hier skizziert der Autor seinen Lehrer George –André Chevallaz, der später Stadtpräsident von Lausanne wurde und mehrere bemerkenswerte Bücher schrieb. Dieser Lehrer beeindruckte offenbar durch seine hohe Intelligenz, seine Dynamik und Entschlossenheit, aber auch dadurch, dass er Leistungsstarke förderte und stärkte, indem er ihnen viel Wissen, intellektuelle Neugierde, kritisches Urteilsvermögen und Charakter vermittelte, wie sie es nur mit harter Arbeit in sich aufnehmen konnten.

Um ein wirklich guter Wirtschaftslenker zu werden, müssen all diese Fähigkeiten sehr trainiert sein, doch offenbar bedarf es noch anderer Fähigkeiten, die Erfolgsmenschen vom Durchschnittstypen unterscheiden. Das zeigt dieses Buch, das den ganz normalen Wahnsinn in Führungsetagen facettenreich nachzeichnet.

Sehr lesenswert. 

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension Peter J. König: Maos Grosser Hunger, Frank Dikötter

Im Klett-Cotta Verlag ist in deutscher Übersetzung das schockierende, aber besonders informative Buch des Professor of Humanities an der Universität von Hongkong Dr. Frank Dikötter erschienen. Der Titel "Maos Grosser Hunger" deutet pauschal schon an, worum es sich in dem hier vorliegenden Werk handelt.

Aufgearbeitet wird die Zeit von 1958 bis 1962 als Mao Zedong, der uneingeschränkte Parteiführer und chinesische Staatslenker sich anschickte, das Land und seine etwa 800 Millionen Menschen mit Hilfe der Parteikader und den Milizen zum "Großen Sprung nach vorn" zu prügeln. Animiert durch die Sowjet-Union, die in einem Zeitraum von 10 Jahren nach den Ankündigungen von Generalsekretär Chruschtschow die USA in ihrer wirtschaftlichen Stärke überholen wollten, verkündete der große Führer Mao, dass China in 15 Jahren die Produktivität Englands hinter sich lassen würde, speziell in der Eisen-und Stahlproduktion.

In den 1950iger und 1960iger Jahren gehörte Großbritannien noch zu den führenden Nationen auf diesem Sektor. Um dieses Ziel zu erreichen wurde der Plan vom "Großen Sprung nach vorn" entwickelt, einer Kampagne zum Umbau der chinesischen Gesellschaft und Wirtschaft, weg von einer Agrar- und Händlergesellschaft, hin zu einer besitzlosen Verstaatlichung, gelenkt durch eine zentrale Planwirtschaft.

Das Zentralkomitee mit Mao an der Spitze gab die Ziele vor, die von den Politkadern über alle Ebenen bis in die dörfliche Grundstruktur mit Hilfe der Milizen und der Armee durchgesetzt werden mussten. Umgekehrt war der erfolgreiche Vollzug von unten nach oben zu melden, Fehlschläge beim Erreichen der Planzahlen zogen drastische Folgen für die Verantwortlichen nach sich. Um die utopischen Ziele zu erreichen, wurde zunächst eine generelle Enteignung angeordnet, sämtliches privates wurde in staatliches Eigentum umgewandelt, bis hin zum Nachttopf einem Utensil, das in jedem chinesischen Haushalt vorhanden war.

Die Ernährung der Menschen wurde durch Volksküchen organisiert, die Rationen entsprachen der Leistungsfähigkeit jedes Einzelnen oder der Anordnung durch die Partei. Die verfehlte Planwirtschaft, das Missmanagement und die Enteignung hatten verheerende Ausmaße. Anstatt die Produktivität zu erhöhen, waren der Zerfall der gewachsenen Strukturen in der Industrie und in der Landwirtschaft die Folgen. Die Versorgung der Menschen war nicht mehr gewährleistet. Es kam zu einer Hungerkatastrophe unendlichen Ausmaßes.

Millionen von Menschen, nach ersten Überblicken mehr als 50 Millionen starben unter erbärmlichsten Bedingungen, ohne dass die Führungskader eine Notwendigkeit sahen die Planungen zu verändern, um sie nach realistischen Zielen auszurichten. Tod und Verelendung wurden als Kollateralschaden der Revolution hingenommen. Erst als die chinesische Volkswirtschaft Anfang der 1960iger Jahre drohte zu kollabieren, wurde die Planwirtschaft entschärft und mit Hilfe einer wieder zugelassenen Privatnutzung und der Wiedereinführung von örtlichen Märkten die Massentötung gestoppt.

Die Volkswirtschaft begann sich wieder zu erholen. Das Leid der Menschen war jedoch unendlich, die Familienstrukturen begannen sich aufzulösen, Kinder wurden fortgegeben oder wenn sie krank und schwach waren, ließ man sie bewusst verhungern. Diebstähle durch die Hungernden wurden mit drastischen Strafen von Seiten der Politfunktionäre geahndet, dabei sind Hunderttausende zu Tode geprügelt worden. Es kam zu Kannibalismus und menschenunwürdigen Verzweiflungshandlungen, wenn Tierkadaver oder gar Leichen wieder ausgegraben wurden, um sie in gekochtem Zustand zu verschlingen.

Wenn man weiß, dass gleichzeitig Schiffsladungen von Getreide in afrikanische Länder verschenkt worden sind, als Bruderhilfe und um das Image des revolutionären China aufzubessern, merkt man mit welcher Brutalität und Menschenverachtung Mao und seine Clique das Land unterdrückt und ausgebeutet hat, und alles im Zuge einer abstrusen Ideologie und persönlichem Größenwahn. Deshalb ist es richtig ihn auf eine Stufe mit Hitler und Stalin zu stellen, er gehört wie sie zu den größten Verbrechern der Menschheitsgeschichte, auch wenn zu seiner Zeit im Westen die jungen Leute ihm mit dem Vorzeigen seiner roten Mao-Bibel huldigten.

Über Jahrzehnte war es nicht möglich geeignetes wissenschaftliches Material über diese dramatischen Vorgänge in China zu erhalten. Jegliche Einblicke in Archive in der Volksrepublik waren unmöglich. Tatsächlich aber gibt es millionenfache Aufzeichnungen über die Vorgänge aus jener Zeit, sowohl regional als auch zentral in Peking.

Prof. Dr. Frank Dikötter ist es als erstem westlichen Wissenschaftler gelungen, in regionale Archive in mehreren Provinzen in China Einblick zu erhalten. So konnte er sich ein überschaubares Bild von der Lage der damaligen Zeit machen und mit seinem Buch auf die Gräuel und Verbrechen, die Mao und sein Politbüro an den Menschen in China begangen hatte, aufzeigen. Wenn man bedenkt, dass einige Jahre nach "dem großen Sprung nach vorne" eine vielleicht noch schlimmere Kampagne mit „der Kulturrevolution“ in China folgen sollte, wird klar in welchem Maße die Menschen im "Reich der Mitte" haben leiden müssen.

Dabei ist das gesamte Ausmaß noch lange nicht erforscht, das wird erst möglich sein, wenn alle Archive zugänglich sind.

Fazit: Dieses Buch ist ein Muss für jeden Zeitgenossen der an Weltgeschichte und seinen politischen Abgründen interessiert ist.

Sehr empfehlenswert

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

 

Rezension: Das Hohe Haus- Roger Willemsen

"Das Recht der öffentlichen Rede ist ein kostbares Privileg, man darf es also nicht missbrauchen." (Roger Willemsen, S.203)

Wer wissen möchte, womit sich Prof. Dr. Roger Willemsen im letzten Jahr konkret befasst hat und wo er seine Zeit verbrachte, sollte dieses Buch lesen. Man verrät keine Geheimnisse, wenn man gleich vorab festhält, dass dieser Ort der Deutsche Bundestag war, denn dies offenbart schon das Cover, auf dem man den Adolf-Grimme-Preisträger das Sitzungsgeschehen beobachten sieht.

Den beredten Autor interessierte bei seinen regelmäßigen Besuchen des Parlaments während der Sitzungswochen weniger das Aktuelle als das Prinzipielle und er hat sich auch keine Sekundärinformationen von Parlamentariern oder Journalisten besorgt, wie er festhält, sondern schreibt ausschließlich über das, was er sieht und hört und was er der Lektüre von etwa 50 000 Seiten Parlamentsprotokoll entnimmt.

Sein Buch hat er Dieter Hildebrandt gewidmet, "der das Projekt leidenschaftlich verfolgt hatte und sich noch Tage vor seinem Tode auf den neuesten Stand bringen ließ." (S.397)

Willemsens Bericht beginnt am 31.Dezember 2012 mit der Neujahrsansprache. Schon hier erklärt er Begrifflichkeiten, reflektiert Gehörtes, beobachtet Gesten, hört auf Worte, fragt nach der Belastbarkeit von Rhetorik. Man erfährt gleich dort bereits Niederschmetterndes: "Die Neujahrsansprache hat keine Funktion. Die Ausstellung der Funktionslosigkeit ist ihre Funktion", (S.7).

Willemsen beschreibt zunächst genau, wo er sich ein Jahr aufhält, welchen Verhaltenskodex er befolgen muss, beschreibt die Architektur des verglasten Plenarsaals und der Kuppel, reflektiert den Bundesadler sowie anderes mehr und kommt zu dem sachlichen Ergebnis: "Die Hoheit der Repräsentationsarchitektur verrät, dass hier eine große Idee beheimatet ist", (S.15). Bei dieser Feststellung allerdings belässt er es nicht und hält am 7. Januar bereits fest: "Die Wahrheit ist: Regierungsparteien kontrollieren das Kabinett nicht, vielmehr begleiten sie ihr Tun repräsentativ, meist rühmend und dankend. Die Opposition sieht ohnmächtig zu und wird angesichts der langen vergeblichen Arbeit unbeherrschter und böser", (S.16). Der Leser ahnt, dass es spannend und Willemsen keine Lobeshymnen anstimmen wird.

Der Autor beschreibt Politiker in ihrem Gebaren während sie ihre Anliegen vortragen, äußerst sich über deren Kleidung, den Habitus und zeigt die Ohnmacht des Betrachters bei den Theateraufführungen, denn als diese erweisen sich die Parlamentssitzungen während der Lektüre immer mehr. Oder wie soll man Beobachtungen wie nachstehende anders werten? "Die Stimmung ist inzwischen von leichtherziger Gereiztheit, die Oberfläche bewegt von stark expressivem Verhalten, von Ausrufen, Schaulachen, Gesten des Abwinkens und Fäuste-Reckens, bitteren Beschuldigungen. Unterdessen verrät der Blick in den Saal die Routine, parallel ein Blättern, Krakeln, Umdrehen, gestreute Aufmerksamkeit mit reflexartigen Reinrufen", (29ff.) Wenig später liest man von den Grundakkorden in der heilige Halle, die da sind, "wechselseitige Missbilligungen und Ehrabschneidung", (vgl.: S.34)

Man erfährt immer wieder von dem, was gerade thematisiert wird. Unmöglich allerdings auf all dies im Rahmen der Rezension einzugehen, liest Persönlichkeitsskizzierungen, so etwa von Gregor Gysi, den Willemsen als den Typus des Parlamentariers benennt, der das Richtige immer wieder vergeblich sagt. Dies habe aber dessen Intelligenz nicht beschädigt, sondern wohl eher geschärft, (vgl. S. 41). Wer glaubt, daraus die politische Einstellung Willemsens ablesen zu können, irrt, denn später schreibt er auch über Gauweiler, den er als "kundig, unverblümt und entwaffend" skizziert (vgl.: S. 273). Roger Willemsen scheint sich für gute Schauspieler zu begeistern, ganz so wie der kritische Beobachter dies bei Theateraufführungen tut, wenn er  in der Lage ist, Großzügigkeiten zu verteilen.

Für den Autor steht fest: "Das parlamentarische Sprechen ist also uneigentlich, wo es so tut, als diene es der Entscheidung. In Wirklichkeit steht das Resultat fest, und es geht mehr um die Schaufensterdekoration." (S.156). Offensichtlich hat sich in den Reden die Rhetorik so sehr von ihrem Gegenstand entfernt, dass der Betrachter den Eindruck gewinnt, "gewisse parlamentarische Entscheidungen können nur gefällt werden, weil es unter der Umgehung der Realitätswahrnehmung geschieht", (S.169).

Willemsen sieht, überlegt,  nimmt die Glasarchitektur wahr  und kann nicht umhin zu bemerken: "Dieser Raum will sagen: Es ist alles flüchtig", (S.46) Er reflektiert, ob es möglicherweise den Typus des politikverdrossenen Politikers geben kann, (siehe S.76) und dies tut er nicht zu Unrecht, bei allem, was er hört und beobachtet. Doch was denken die Besucher auf den Tribünen fragt sich der Literaturprofessor am 21. Februar 2013? "Sie hören die Zahlen, es kommen und gehen die Informationen. Schon bei der Interpretation setzt das Verständnis aus", (S.96). Eine frustrierende Antwort. Was läuft da verkehrt, frage ich mich?

Man liest von den Fragestunden, vom Recht der öffentlichen Rede, das ein kostbares Privileg ist, das man nicht missbrauchen darf. Doch was geschieht an den Sitzungstagen des Deutschen Bundestages? Ich sehe Selbstdarsteller vor meinem geistigen Auge reden und gestikulieren, während ich Willemsens brillante Beschreibungen lese und frage mich plötzlich, ob Willemsen katholisch ist und man das Jahr als eine Art Bußübung begreifen muss? Was hat Willemsen getan, um so büßen zu müssen?

Man erfährt in den fortlaufenden Berichten eingangs Tagesmeldungen, wie etwa am 12. Juni 2013, dass Walter Jens verstorben ist und liest dann stets das eine oder andere zu den Reden, die an dem jeweiligen Tag gehalten werden. Rund 13 000 Reden sind es übrigens in einer Legislaturperiode, (vgl.: S.280).

Willemsen schreibt auch über den 22. September 2013, den Wahlsonntag, von den Wahlergebnissen, vom neuen Parlament, in dem es mehr Frauen gibt, darunter mehr junge als je zuvor, was dem Schirmherrn des Afghanischen Frauenvereins wichtig ist festzuhalten. (vgl: S.332) Als ich dann auf Seite 356 weiterlese, dass es auf der Internetseite des Deutschen Bundestages einen verwaisten Doppelpunkt gibt und zwar hinter "Aktuelle Tagesordnungen", nehme ich mir vor, an Ostern diesen anstelle eines Ostereies zu suchen. Fraglich aber, ob er dann wohl noch verwaist ist?

Am 17. Dezember stirbt Nelson Mandela. Der intellektuelle Philanthrop Roger Willemsen vergisst dies nicht zu erwähnen und auch nicht, dass zu diesem Zeitpunkt in Syrien der Winter über zerbombte Städte und jenseits der Landesgrenze über die Flüchtlingslager hereinbricht, (vgl.: S.357). Es ist der Tag, an dem im Parlamentsrestaurant Prosecco-Gläser klirren aus einem Anlass, der mit der Trauer, die Menschenfreunde an diesem Tag empfinden,  wirklich nichts zu tun hat.

Es wird weiter geredet, geredet und geredet im Parlament jenes Landes, dessen Kern lt. der Kanzlerin "Leistungsbereitschaft, Engagement und Zusammenhalt ist." (S.393).

Leistungsbereitschaft und Engagement zeigte nicht zuletzt der begnadete Autor Roger Willemsen bei der harten Erarbeitung dieses wirklich lobenswerten Buches, das dazu beiträgt, dass zumindest der Zusammenhalt der Intellektuellen in puncto Einstellung zum Deutschem Bundestag  für die nächsten Jahre gesichert ist.

Sehr, sehr empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.



Rezension: "Der Baron, die Juden und die Nazis"- Jutta Ditfurth

"Es kommt mir so vor, als ob es in diesem Land eine veröffentlichte und eine reale Wahrheit gibt." (Jutta Ditfurth)

Verfasserin dieses bemerkenswerten Sachbuches ist die Soziologin Jutta Ditfurth, die adeliger Herkunft ist und nicht ohne Grund dem elitären Denken vieler Aristokraten mehr als nur skeptisch gegenüber steht. In ihrem jüngsten Buch "Der Baron, die Juden und die Nazis" gibt sie schonungslos Familiengeschichte preis und berichtet von den Verstrickungen ihrer Vorfahren mit den Nazis.  Dabei sollte man wissen, dass mit "Familie" beim Adel nicht die bürgerliche Eltern-Kind-Kleinfamilie gemeint ist, sondern vielmehr die Sippe bzw. das Geschlecht, das sich über blutsmäßige, patrilineare Verwandschaftbande und ein gemeinsames Abstammungsbewusstsein definierte, (vgl.: S.209).

Weil  Ditfurth über ihre "Familie"  und über  abgründige Verhaltensmuster einer ganzen Klasse in vergangenen Jahrhunderten schreibt, ist ihr Sachbuch sehr wissenschaftlich angelegt und verfügt über eine beachtliche Anzahl, ihre Aussagen belegenden Fußnoten, Quellennachweise und ein umfangreiches Literaturverzeichnis. Hier wird nicht fabuliert. Hier wird nachgewiesen. Hier kann man ihr nichts anhängen.  Sie wartet mit Fakten auf. Ein Thema wie ihres macht eine solche Vorgehensweise erforderlich. Ohne Frage.

Lassen sie mich meine Ausführungen mit einer Textstelle beginnen, die zu Anfang des 10. Kapitels steht: "Die Zahl der Adeligen, die die Juden nicht ablehnten und die Weimarer Republik nicht auf den Scheiterhaufen wünschten, war in Wahrheit winzig. Dass später die adeligen Mitglieder des 20. Juli 1944 allesamt tapfere Demokraten und niemals lebensgefährliche Gegner der deutschen und europäischen Juden gewesen sein sollen, ist ein überaus erfolgreicher Nachkriegsmythos. Dahinter versteckt sich ein  großer Teil des so genannten Adels bis heute.“(Zitat: S.203)

Die Autorin beginnt ihr Buch mit einem Reisebericht, der in das Jahr 1990 zurückführt. Gemeinsam mit ihrer Mutter besucht sie ein Anwesen ihrer Vorfahren im Osten Deutschlands. Im nahegelegenen Dorf des besuchten Ritterguts sieht sie in einer Dachkammer u.a. ein Ölbild ihrer Urgroßmutter, der Freiin von Beust (1850-1936)  und erhält seitens des Pfarrers Zugang zur Dorfchronik. In der Folge liest man dann Näheres zu Gertrud von Beust, einer kriegsbegeisterten Dame, "die am liebsten selbst in die Schlacht gezogen wäre". Es führt zu weit, nun das Leben dieser Adeligen nachzuzeichnen, doch zu erwähnen ist, dass diese Frau antisemitisch war.

Ditfurth nimmt ihrer Urgroßmutter zum Anlass im Anschluss über den Antisemitismus des Adels in der Romantik aufzuklären und fragt: "Woher hatten die adeligen Menschen wie meine Urgroßmutter ihr Wahnbild über die Juden?"(Zitat: S.33). Ich staunte nicht schlecht als ich hier las, welche Geisteshaltung Dichter wie Ernst Moritz Arndt umtrieb und war überrascht als ich weiter las, dass die "Deutsche Tischgesellschaft" ein Beleg dafür ist, dass der Rasseantisemitismus schon in der Emanzipationszeit in den Köpfen der deutschen Elite und hier in erster Linie des Adels Einzug hielt." (vgl.: S.40)

Achim von Arnim sprach in seiner Tischrede von Hostien-und Ritualmordlegenden und rechtfertigte Pogrome, wie Ditfurth an Textstellen belegt. "Deutsche Tischgesellschaften" waren ein Angriff auf jüdische Salonniéren und ihr emanzipatorisches Denken. Die Mitglieder dieser Tischgesellschaften zeichneten sich durch nationalistischen Dünkel, elitäres Denken, Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit aus." (vgl.S.50).

Über Goethes Einstellung im Hinblick auf die Frage "Sollten Christen Juden heiraten dürfen?" erfährt man Aufschlussreiches und liest in der Folge, auf welche Weise in jenen Tagen die Juden unterdrückt und stigmatisiert wurden.

Im Königreich Preußen blieben jüdische Jurastudenten von der Promotion und von der Anstellung an einer juristischen Fakultät ausgeschlossen. Juden durften zwar Justiz-Kommissare und Anwälte werden, nicht jedoch Richter oder Notare. Generell war es ihnen untersagt,  richterliche, polizeiliche oder Verwaltungsfunktionen auszuüben, (vgl.: S.79).

Jutta Ditfurth beschreibt in ihrem Werk nicht zuletzt den Werdegang ihres Urgroßonkels des Schriftstellers und Balladendichters Börries Freiherr von Münchhausen, dessen Einstellung zu Juden mehr als  nur ambivalent war. Sie schreibt von seinem Buch "Juda" und zu seiner Beziehung zu Ephraim Moses Lilien, der sich durch seinen Anteil an diesem Buch in jüdischen Kreisen als Künstler etablieren vermochte, (vgl.:157).

Ditfurth lässt nicht unerwähnt, dass das Motiv ihres Großonkels für das Buch nicht der jüdische Mensch, seine soziale Lage, die Geschichte der Stigmatisierung, Verfolgung und Ermordung über die Jahrhunderte hinweg, sondern das Interesse an jüdischen Helden war, (vgl.: S.158). Trotz dieses Buches, das als eines der Lieblingsbücher in jüdischen Häusern galt, wie die Autorin vermerkt, entwickelte sich Münchhausen mehr als bloß grenzwertig im Hinblick auf Juden. Ihn im Schlepptau führt Ditfurth den Leser durch die Zeitläufe hin zur NS-Zeit und zeigt die antisemitische Grundhaltung der adeligen Oberschicht, die aufgrund der Niederlage durch den 1. Weltkrieg ihre Privilegien verloren hatten.

Der Balladenschreiber wurde zu einem Rassenideologen, dessen zentraler Gedanke nach dem verlorenen Krieg die Rassenreinheit war. Er träumt von "Menschenzüchtung". Während der NS-Zeit schmeichelte er der herrschenden Elite und attackierte Künstler, die Modernes schufen oder "unreinen Blutes" waren, (vgl.: S.272).

Dass der Adelsmann schließlich 1945 Selbstmord  begangen hat, wundert mich nicht. Seine Verstrickungen ließen für ihn nichts anders zu. Ditfurth fasst zusammen, dass dieser Großonkel ein Nazi, Antisemit, kulturpolitischer Strippenzieher war, der jüdische Menschen aussortiert hatte und Fotos seiner geliebten Nazi-Führer sammelte, der mit NS-Verbrechern am Kamin geplaudert und in der Saale gebadet hatte, Goebbels, Hess und Frick angeschwärmt und mit ihnen völlig übereingestimmt hatte..." (S. 297).  Münchhausen war keineswegs eine Ausnahme, sondern dachte wie viele Adelige in jener Zeit.

Jutta Ditfurth findet übrigens unter ihren Verwandten nur einen einzigen, "der Juden und Sozialdemokraten nicht verabscheut hatte". (S.228). Ihre Verwandten nennen diesen mutigen Mann "das rote  Biest von Brandenstein."

Die Autorin zeigt hervorragend in ihrem bemerkenswerten Buch, dass bereits im 19. Jahrhundert der Boden für den unsäglichen Antisemitismus des 20. Jahrhunderts bereitet wurde, der zur Ermordung von 6 Millionen Juden führte. Sie vergisst dabei keineswegs den 20. Juli 1944 zu beleuchten und unterstreicht, dass die Archive der meisten adeligen und hochadeligen Familien Forschern mit NS-kritischem Erkenntnisinteresse bis zum heutigen Tage verschlossen bleiben. Jutta Ditfurth hat einen Fuß in diese Tür gestellt, um unliebsame Wahrheiten ans Licht zu zerren. Nicht alle werden sie dafür beglückwünschen. Ich schon.

Ein hervorragendes, gut recherchiertes Buch. Sehr aufschlussreich.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch  bestellen.


Rezension:Das Mittelmeer: Eine Biographie (Gebundene Ausgabe)

"Der Aufstieg Pisas und Genuas ist fast noch rätselhafter als der von Amalfi, und dieses Rätsel besteht in dem erstaunlichen Erfolg dieser beiden Städte bei der Säuberung des westlichen Mittelmeeres von Piraten und in der Schaffung von Handelsrouten damt dem Aufbau von Handels- und Siedlerkolonien bis ins Heilige Land, nach Ägypten und nach Byzanz...(S.360)

Prof. Dr. David Abulafia lehrt u.a. Geschichte des Mittelmeerraumes an der Universität Cambridge. In seinem 960 Seiten umfassenden Buch werden 3000 Jahre Geschichte abgehandelt und zwar die Geschichte derer, die das Meer befuhren und an seinen Küsten in Hafenstädten oder auf Inseln lebten. Dabei untergliedert der Autor in fünf Zeitalter:

Das Erste Mediterrane Zeitalter-22000 bis 1000 v. Chr.
Das Zweite Mediterrane Zeitalter- 1000 v. Chr. bis 600 n.Chr.
Das Dritte Mediterrane Zeitalter- 600 bis 1350
Das Vierte Mediterrane Zeitalter 1350 bis 1830
Das Fünfte Mediterrane Zeitalter 1830 bis 2010

Das von Abulafia Mittelmeer dargestellte Mittelmeer beschränkt sich auf das Meer mit seinen Küsten und Inseln und in erster Linie auf die Hafenstädte, die Ausgangspunkt aber auch Ziel all jener waren, die das Meer befuhren. Geprägt wurde das Mittelmeer, das wir heute kennen von den Phöniziern, Griechen und Etruskern, im Mittelalter dann von Genuesern, Venezianern und Katalanen, später dann von der holländischen, englischen und russischen Flotte. Darüber wird man ausführlich in Kenntnis gesetzt.

Das Buch wartet mit einem kleinen Bildteil auf, der den Textfluss aber nicht beeinträchtigt, weil er abgesondert wurde. Insofern illustrieren nur einige Kartenausschnitte den dichten, faktenreichen Text, der Liebhaber der mediterranen Region gerade in den Wintermonaten packen kann, wenn die Bereitschaft besteht, sich durch ein solch umfangreiches Werk zu arbeiten, d.h. auch immer wieder innezuhalten und sich bewusst zu machen, was die Zeitläufte bei allen Kriegen, Tragödien, Schrecken und Irrfahrten an positiver Enwicklung gebracht haben.

Es lohnt sich, weil man einen neuen Blick auf alles erhält, so beispielsweise auf alte Hafenstädte wie Marseille, Alexandria, Saloniki, Triest und Konstantinopel und das Heute als das Ergebnis des Gestern erkennt. Am Mittelmeer wird Werden und Vergehen sehr deutlich, selbst die schönen Gärten der Hesperiden hatten keinen Bestand. Entwicklung macht erforderlich, dass Altes untergeht und ersetzt wird durch Neues und wer sich gegen das Neue entscheidet, geht stets mit dem Alten unter. Das sind meine wesentlichen Erkenntnisse aus diesem Buch. Keine neuen Erkenntnisse, aber sie werden in der Kulturregion am Mittelmeer besonders deutlich. 

 Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gekangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen. 

Rezension:13 Hochzeitspaare auf der Titanic (Gebundene Ausgabe)


Gill Paul ist der Autor dieses reich illustrierten Buches, das die Geschichte von 13 Hochzeitspaaren erzählt, die sich 1912 auf der Titanic befanden als dieser Luxusdampfer unterging.

In der Einleitung erfährt man Wissenswertes über dieses Unheils-Schiff, dessen Gesellschaftsräume und Kabinen nach dem Vorbild der besten europäischen Hotels im Stil verschiedener Epochen eingerichtet waren. Zu verstehen war die Titanic wohl als schwimmendes Luxushotel. Erster- Klasse- Passagiere stand ein Schwimmbecken, ein türkisches Bad, eine Squashanlage und eine Sporthalle zur Verfügung. Sogar ein Palmengarten war vorhanden. 20 Meter war die Prunktreppe der ersten Klasse hoch und wurde von einer Kuppel gekrönt. Das Schiff hatte alles nur eines nicht: Genügend Rettungsboote.

Man liest wie der Luxusdampfer in See sticht und sich dem Eisfeld nähert, wie er der Schiffsrumpf am Eisberg entlangschrammte, wie die Nähte rissen und liest alsdann, was in den Folgestunden geschah…

13 Hochzeitpaare werden zunächst auf Bildern vorgestellt. Über John Jacob und Madeleine Astor hatte ich hatte ich früher schon mal etwas gelesen, kann mich allerdings nicht mehr erinnern in welchem Zusammenhang und wo. Die schöne Madeleine war auf der Hochzeitsreise 18 Jahre alt, ihr steinreicher Gatte 29 Jahre älter als sie. Trotz anderem Anschein war es eine Liebesheirat. Man liest wie es zu dieser Verbindung kam, liest vom Reichtum der Astors, dem Skandal über diese Beziehung, der der Grund für eine ausgedehnte Hochzeitsreise war. John Astor, der auf dem untergehenden Schiff vielen Frauen das Leben gerettet hat, sah seine junge schwangere Frau in jener Nacht das letzte Mal, denn er ging wie viele andere Männer mit dem Schiff unter. Für ihn war es selbstverständlich als Gentleman zu handeln, sich nicht durch Bestechung einen Platz in einem der Rettungsboote zu ergattern und dies obschon er rund 2500 Dollar in seiner Tasche bei sich trug. Der reichste Mann der Titanic war ein Ehrenmann, für ihn galt, Frauen und Kinder haben bei der Rettung Vorrang. Das darf nicht unerwähnt bleiben. Seine Frau, die das Schiffsunglück überlebte, gebar einen Sohn, trauerte lange um John Jacob, bevor sie erneut heiratete...

Kann man einen Mann, der so selbstlos und edel agiert, überhaupt vergessen? Ich vermute nicht.

Ich möchte die Geschichten an dieser Stelle nicht nacherzählen, wohl aber das Buch all jenen empfehlen, die ein wenig mehr begreifen möchten von dem, was sich auf der Titanic einst zutrug und was mit den Überlebenden geschah.

 Ein beeindruckendes Buch von Liebe und Tod, das ich allen empfehle, die etwas mehr über Menschen und ihre Verhaltensmuster in Extremsituationen erfahren möchten.

Sehr empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Business Energy: Mit minimalem Aufwand maximale Leistung erzielen (Gebundene Ausgabe)

Der Managementberater Yorck von Prohaska lotet in seinem Buch die Möglichkeiten aus, wie man die Effizienz in Firmen erhöhen kann. In seinen Untersuchungen hat er dabei festgestellt, dass im Bereich der Effizienzsteigerungen von Unternehmen, Abteilungen und Teams stets die gleichen Hindernisse aufgetauchen.-

Um die Leser für das Thema zu öffnen, macht er von Prohaska zunächst mit seinem Business Energie-Modell vertraut und veranschaulicht dessen Wirkungszusammenhänge. Er zeigt in der Folge, weshalb wir uns mit Energieverlusten in Firmen befassen müssen, die vorliegen, wenn die verfügbare Energiemenge kleiner ist als die aufgewendete. Der Autor untergliedert in produktive, unproduktive und kontraproduktive Energie, erläutert jeweils, was man darunter versteht und welche Folgen sich daraus ergeben.

Zur Sprache gebracht wird, dass nicht zuletzt in großen Unternehmen Strukturen vorliegen, die Ineffizienz und Unproduktivität nicht nur zulassen, vielmehr sogar begünstigen. Kleine Firmen würden bei besagten Strukturen recht schnell zugrunde gehen. Gemeint sind beispielsweise Machtspiele in Großfirmen. Erläutert wird gut nachvollziehbar, weshalb sogenannte "weiche Faktoren" (die in einer Firma gelebten Werte) erfolgsentscheidend sind.

In diesem Zusammenhang listet der Autor vier Grundtypen der Organisationskultur auf:

Eine Kultur der hohen Leistung und des hohen Vertrauens 
Eine Kultur niedriger Leistung und hohen Vertrauens 
Eine Kultur hoher Leistung und niedrigen Vertrauens 
Eine Kultur niedriger Leistung und niedrigen Vertrauens 

Genau erklärt wird, wodurch sich diese Unternehmenskulturen auszeichnen und zu welchen Ergebnissen sie führen. Jedem vernunftbegabten Führungsmenschen dürfte sofort klar sein, dass eine leistungsorientierte Vertrauenskultur am effizientesten ist, nicht nur weil die Leistung hoch ist, sondern weil der Managementaufwand für Absicherungs- und Kontrollmaßnahmen nahezu entfällt.-- Weshalb Vertrauen die Basis für eine effiziente Kooperation darstellt, wird gut erläutert und es wird nicht unerwähnt gelassen, dass derjenige, der vertraut sich abhängig macht von der Redlichkeit des anderen. Menschen, die in einem Umfeld arbeiten, in dem Misstrauen herrscht, verwenden eine Menge Zeit darauf, sich abzusichern (S. 52), weil generell schlechte Absichten unterstellt werden. Wegen der extremen Absicherung und Kontrolle fehlt Energie für die eigentliche Arbeit. Sehr rasch wird klar, dass Vertrauen eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit ist, um eine Top- Leistung zu erbringen und Höchstleistungen in Betrieben nur in Verbindung von hoher Leistung und Vertrauen möglich sind.

Yorck von Prohaska zeigt, wie man eine leistungsorientierte Vertrauenskultur aufbaut und verdeutlicht dabei sehr gut, dass eine Vertrauenskultur mit einem Minimum an Kontrolle auskommt. Ziel ist es, das Personal zur Selbststeuerung zu befähigen, auf hinderliche Hürden zu verzichten und hierdurch die Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit zu erhöhen. Natürlich ist die Auswahl der Mitarbeiter entscheidend. Diese müssen zur Unternehmenskultur passen. Wichtig sind Leistungsbereitschaft und Vertrauenswürdigkeit. Fachliche Mängel können bei entsprechender Leistungsbereitschaft zumeist schnell behoben werden, Persönlichkeitsschräglagen bei umwerfendem Leistungsnachweis allerdings wohl kaum.

Sieben Punkte erläutert der Autor gut verständlich und ausgiebig, die notwendig sind, um eine leistungsorientierte Vertrauenskultur aufzubauen und er zeigt auch wie man negative Veränderungen vermeidet und wie man beispielsweise eine patriarchalische Harmoniekultur dynamisieren kann.

Sehr gut wird erklärt wie man Energie freisetzt und erhält. Wer erfolgreich führt, für den muss Respekt eine unabdingbare Grundhaltung sein. Ferner muss eine solche Führungskraft berechenbar und konsequent und natürlich fair sein. Zur Sprache gebracht wird die richtige Kommunikation, die Leistungsenergie fördert und es werden die Auswirkungen der unterschiedlichen Unternehmenskulturformen aufgezeigt. Man wundert sich, wie bescheuert mitunter Führungskräfte sein müssen, wenn sie eine "leistungsarme Misstrauenskultur" nicht abstellen und mindere Effizienz längerfristig in Kauf nehmen. In der Regel kann es sich bei solchen Personen m.E. nur um Hierarchieaufsteiger im Sinne des Peter-Prinzips handeln, die völlig fehl am Platz sind. Eine kluge Führungskraft wird alles unternehmen, um die Rendite zu maximieren und dabei seine Mitarbeiter auf Kurs zu halten. Mangelnde Loyalität des Personals ist das Ergebnis einer falschen Unternehmenskultur, die das Unternehmen schwächt, anstelle es zu stärken.

Sehr empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Die Geburt der Zivilisation. Der Aufbruch des Menschen in die Moderne 100000-1500 v. Chr. (Broschiert)

GEO Kompakt Nr. 37 ist eines der interessantesten Geo Magazine, die ich bislang gelesen habe. Das Thema heißt "Die Geburt der Zivilisation"- Der Aufbruch des Menschen in die Moderne- 100 000-1500 v. Chr.

Das reich bebilderte Magazin wartet mit einer Fülle von bemerkenswerten Beiträgen unterschiedlicher Fachleute auf und beginnt mit einer Bilddokumentation mit dem Titel "Der lange Weg zur Hochkultur", die von erläuternden Texten Sebastians Wittes und Rainer Harfs begleitet werden.

Vor 100 000 Jahren beerdigte der Mensch erstmals seine Toten, erfand die Kunst und wurde sesshaft. Des Weiteren begann er Tiere und Pflanzen zu züchten, Dörfer, Städte und Staaten zu gründen und durch die Erfindung der Schrift ein System zu entwickeln, seine Gedanken festzuhalten. Im Rahmen von Bilddokumentation wird man mit Kunstgegenständen vertraut gemacht, so etwa von einem Steinzeitkünstler vor 35 000 Jahren. Vor etwa 40 000 Jahren kam es in Europa zu einer "kreativen Explosion". Menschen begannen figürliche Kunstobjekte aus Knochen und Elfenbein zu schnitzen, sie erschufen opulente Höhlengemälde und fertigten die ersten Musikinstrumente an. Vor 27 000 Jahren entdeckte der Mensch wie man Keramik entwickelt. In den ersten Hochkulturen widmeten sich Menschen bereits dem Brettspiel. In den Königsgräbern des Zweistromlandes fand man die ältesten dieser Art.

Bevor man sich mit der Wiege der Kulturen vor 95 000 Jahren näher befassen kann, hat man Gelegenheit sich in ein Interview mit dem Prähistoriker Prof. Dr. Hermann Parzinger zu vertiefen. Mit den Antworten des Archäologen im Hinterkopf begibt man sich gut ausgerüstet in das Fragefeld, das mit der Frage "Was weckt im Menschen nach Jahrtausenden des Überlebenskampfes auf einmal das Bedürfnis nach Kultur?" seinen Anfang nimmt.

In der Altsteinzeit begannen die Menschen zwischen vergänglichen Körpern und unsterblichen Geistern zu unterscheiden. Der damit verbundene Austausch über alles Symbolische setzte ein hohes kommunikatives Niveau voraus. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich damals eine ausgefeilte Sprache mit komplexer Grammatik und Syntax entwickelt hat. Schmuck und Kunst von damals lassen in diesem Zusammenhang ebenfalls einen hohen Grad an Abstraktionsvermögen erkennen. Überlegt wird, was den kulturellen Fortschritt befeuert hat und man lernt u.a. auch den Steinkreis von Stonehenge kennen, dessen Achse genau auf den Punkt ausgerichtet ist, an dem zur Wintersonnenwende das Gestirn untergeht. Man lernt Höhlenmalereien, die vor 35 000 Jahren entstanden sind, kennen und andere, die etwa 10 000 Jahren alt sind. Man sieht wie der kunstsinnige Mensch im Laufe der Jahrtausende seine Techniken und Aussagen immer mehr verfeinert hat.

Über die Keramik der Steinzeitmenschen wird man aufgeklärt, lernt die ältesten Kunstwerke aus Ton kennen, die sie lange vor Gebrauchs-Gefäßen kreierten und kann sich klar machen, wie tief die Liebe zur Kunst in Menschen verankert ist. Man lernt zudem frühe Keramikstile in Europa kennen und wird darüber aufgeklärt, wie es dazu kam, dass der Mensch sich niederließ und vom Sammler und Jäger zum Bauern und Viehzüchter wurde. Im Zusammenhang mit diesem Wandel konnten sich erstmals Keime massiv verbreiten und Epidemien ausbreiten. Darüber wird man in einem der Beiträge ausführlich unterrichtet und liest auch über die Kunst der frühen Ärzte in Ägypten und Mesopotamien. Dort kannten Mediziner schon im 3. Jahrtausend v. Chr. zahllose Heilmittel, hatten aber noch kein großes anatomisches Wissen.

Man liest von ersten Krieg vor 5500 Jahren in Mesopotamien und erfährt, dass seither Menschen mit Armeen und tödlichen Waffen um Ressourcen, Raum und Macht kämpfen. Vorgestellt wird Uruk, die erste Großstadt der Welt. Dort lebten vor 5300 Jahren bereits 25 000 Menschen auf engstem Raum. Ausgeprägt waren soziale Unterschiede. Es gab eine Elite, die über der Bevölkerung stand. Gelehrte nutzten erstmals Schriftzeichen, um der wachenden Bürokratie Herr zu werden, (S.92).

Die Entstehung der Schrift ist ein Thema. Sie wird auf das Jahr 3300 v. Chr. datiert. Von nun an ist es möglich Gedanken, Geschichte, Erfahrungen und Fakten festzuhalten und allen, die lesen können, zugänglich zu machen.

Die Bronzezeit kommt zur Sprache und mit ihr die Fertigung von Geräten, Waffen und Schmuck und man liest vom kulturellen Austausch, der nicht nur den Handel befördert hatte, sondern auch Erfindungen.

Leider ist es nicht möglich, hier einzelne Beiträge zu diskutieren und alle anzusprechen. Besonders interessant fand ich den Beitrag "Das Prinzip der Macht" und hier wie Herrschaft entsteht und wie sie am besten funktioniert. Nichts scheint besser zu funktionieren, als dass man die Unterworfenen am System ein wenig profitieren lässt. Es ist schon interessant, dass über Tausende von Jahren die meisten Gesellschaften zyklisch zwischen Egalität und stärkeren oder schwächeren Hierarchien wechseln. Die Ursachen hierfür liegen vermutlich in uns Menschen selbst.

 Sehr empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Die Pest in Salzburg (Gebundene Ausgabe)

Dieses Buch von Dr. Dr. Leopold Öhler habe ich heute bis in die frühen Morgen hinein gelesen. Normalerweise schlafe ich zu solchen Zeiten, doch der Lesestoff packte mich nahm mich völlig gefangen. Dafür gibt es einige Gründe. Einerseits interessierten mich Themen grundsätzlich, die mit Salzburg in Verbindung stehen, andererseits hat mich das Thema Pest schon immer aufhorchen lassen, nicht zuletzt, weil an dem Ort, wo ich aufwuchs, zu Ende des 30 jährigen Krieges die Pest so heftig grassierte, dass fast alle Menschen dort ums Leben kamen und es zu einer Neubesiedlung kam. Interessanterweise gibt es im Sprachschatz der Einheimischen Worte, die meine aus dem Osten kommenden Vorfahren nie benutzen und die verdeutlichen wie sehr die Angst vor der Pest sich dort ins kollektive Bewusstsein eingeprägt hat. Der Autor von "Die Pest in Salzburg" schreibt auch von solchen Begriffen, die sich über Jahrhunderte erhalten haben.

Das Buch beruht übrigens auf einer Dissertation und beginnt mit einem allgemeinen Teil, der sich mit Seuchen in der Geschichte der Menschheit befasst. Unter Seuchen versteht man ansteckende Krankheiten, die viele Menschen in einem Gebiet zur selben Zeit mit den gleichen Symptomen befallen, (vgl.S.10). Man liest von zahlreichen unterschiedlichen Seuchen, von denen der mittelalterliche Mensch betroffen war, die allerdings nur regionale Bedeutung hatten, bis im Jahr 1348 fast ganz Europa von der Pest heimgesucht wurde. Von da an plagte die Pest 400 Jahre die Menschen auf unserem Kontinent. 1347/48 war keineswegs die erste Pestwelle, die Europa erreichte, denn die sogenannte "Justinianische Pest" verheerte bereits 542- 594 das Byzantinische Reich. In Florenz starben 1348 allein 45 000- 60 000 Menschen, auf Mallorca raffte im gleichen Jahr die Pest 80% der Bevölkerung hin. Ein Jahr später starben 20 000 Menschen in Wien an dieser fürchterlichen Seuche. Das war das Jahr, wo allein in Deutschland 1,2 Millionen Pest-Tote beklagt werden mussten.

 Die Angst vor dieser unberechenbaren Krankheit, die sich in allen Gesellschaftsschichten ausbreitete, führte dazu, dass die familiären und sozialen Bindungen stark litten, führten auch zu ökonomischen Veränderungen und zu Fluchtverhalten, besonders in der Oberschicht, die die Städte verließen, um der Pest zu entkommen.-

 Gemeinsam mit zahlreichen Kriegen und den sie begleitenden Hungersnöten blieb die Pest im 16. und 17 . Jahrhundert ein fester Bestandteil des Alltagslebens in Europa und bereitete sich besonders stark im Dreißigjährigen Krieg aus, (vgl.: 26ff). 1720 kam diese Seuche das letzte Mal nach Europa und raffte in Marseille alleine 40 000 Menschen hin. Die Ursache, weshalb die Pest seither verschwunden ist, wird kontrovers diskutiert. Offenbar haben sich die Bedingungen für den Pestfloh verändert, seit die Hausratte von der Wanderratte verdrängt wurde und der infizierte Pestfloh nicht mehr so leicht das Wirtstier wechseln kann.

Aufgeklärt wird man über die Ursachen, die die Pest-Epidemie begünstigt haben und erfährt den Unterschied zwischen Beulenpest, Lungenpest, Pestsepsis und einer Pest mit milderer Verlaufsform. Dabei führte die Pestsepis fast immer in wenigen Stunden zum Tode.

 Nach dem allgemeinen Teil wird ausgiebig die Salzburger Pestgeschichte beschrieben und hier zunächst das große Sterben im 14- 16. Jahrhundert und in der Folge die Pestjahre im 17. Jahrhundert. Die Maßnahmen im Erzstift sind ein Thema, die aus zwei Strategien bestand, über die man Näheres erfährt, so etwa über die Abwehrmaßnahmen vor Ausbruch der Seuche. Man liest über die Meldepflicht, die Ärzte, die Bader und anderes Personal, über die Isolierung der Kranken, auch über die Einrichtung von Pesthäusern und Lazaretten und schließlich auch über die Medizin. Die Säuberungs- und Desinfektionsmaßnahmen werden beschrieben. Häuser verstorbener Pestkranker wurden ausgeräuchert und gelüftet. Weihrauch, Salbei, auch Wacholder sollten den Pesthauch vertreiben.-- Welche Auswirkungen die Pest-Epidemien in Salzburg hatten, beschreibt der Autor auch sehr ausführlich. Was bleibt, ist die Hoffnung, dass die Menschheit in unserem Jahrtausend von solchen Seuchen verschont bleibt.

Dass Mozart gerade an dem Ort geboren ist, wo die Pest vor seiner Zeit so arg den Menschen zusetzte, finde ich bemerkenswert. So gesehen, erscheint seine Musik wie ein inniges Dankeschön, dass die Menschen von dieser Geisel endlich befreit worden sind.

Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension: Amazon kennt Dich schon

Ich zähle zu den Menschen, die Jeff Bezos, den Gründer von amazon.com, wegen seiner enormen Intelligenz, seines Pioniergeistes und seiner unternehmerischen Fähigkeiten bewundern. Um ein Unternehmen wie Amazon aufzuziehen, benötigt man natürlich neben hoher Intelligenz bestimmte Charaktereigenschaften, die die Kritiker und Neider dem Amazon-Chef anlasten. Doch hat jemand sich je seine sympathischen Kinderbilder und sein noch heute fröhliches Lachen genau angesehen? Er ist beseelt von seiner Idee und ordnet dieser alles unter. Das kann für Dritte schmerzhaft sein. Doch nur so kann Bezos erfolgreich bleiben. Sein eigentliches Problem könnte darin bestehen, einmal nachzugeben. Die großen Räder, an denen er dreht, lassen Nachgeben nicht zu.

Viele nennen Bezos einen Kontrollfreak. Ein Unternehmen kann aber nur wirklich gedeihen, wenn der Besitzer alles im Blick hat. Je größer ein Unternehmen wird, desto schwieriger wird dies und man muss sich auf sein Führungspersonal verlassen können. Laut Angaben in der Firmenphilosophie treffen diese Leader meistens die richtigen Entscheidungen, denken anders und um die Ecke und suchen nach neuen Wegen, um den Kunden zu dienen. Der Erfolg gibt Bezos bislang Recht, was seine Firmenphilosophie anbelangt, die man auf den letzten Seiten des vorliegenden Buches nachlesen kann, aber auch auf amazon.de. vorfindet.

Der Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Carsten Knop hat die Entwicklungen um Amazon und Jeff Bezos aus nächster Nähe mitverfolgt und schreibt auf Seite 56 (das stand auch kürzlich in der FAZ), dass es erste Branchenbeobachter gäbe, die glauben, dass das Bewertungssystem von Amazon marode und dass es möglicherweise gar die Achillesferse des Unternehmens darstelle. Dabei bezieht sich der FAZ-Wirtschaftsredakteur auf die Website von forbes.com. Das wird Bezos auch gelesen haben und sich aufgrund der fatalen Entwicklung schon längst Gedanken machen und gegensteuern. Ich gehe davon aus, dass er bis Ende des Jahres die Schwachstellen des Systems bereinigt hat. Seine analytischen Fähigkeiten, gepaart mit seinem Willen erfolgreich zu bleiben, lassen nicht anderes zu.

Carsten Knop hat mir nicht viel Neues berichten können, denn ich habe vor geraumer Zeit "Mr. Amazon" und zahllose Berichte in Zeitungen gelesen, in denen auch nicht unkritisch mit dem Unternehmen umgegangen wird. Das mindert jedoch nicht den Wert des vorliegenden Buches. Im Gegenteil. Auch in Knops Werk kann man sich die Vita des Firmengründers vor Augen führen, liest über seine Kindheit, seinen beruflichen Werdegang und seine Firmengründung im Jahre 1994 in den USA. Auch die Geschichte mit der Bestellung mit einem Klick kommt zur Sprache und das Treffen Carsten Knops mit Jeff Bezos.

Man liest über die Anfänge von Amazon in Deutschland und das Prinzip des Wachsens, über den Marktplatz für Drittanbieter, die Sparerfolge und über die Amazon- Aktie. Sehr interessant sind die Betrachtungen Knops im Hinblick auf Amazon und die Verlage sowie dem Handel und es wird klar, dass Amazon offenbar tatsächlich über die besseren Leader verfügt, weil sie rascher Wettbewerbsvorteile erkennen und nutzen und bislang von staatlichen Stellen an ihrem Tun nicht gehindert wurden, trotz entsprechender Forderungen der sich benachteiligt Fühlenden.

Mittlerweile übrigens haben sich mindestens 20 % des Buchhandels bei uns ins Netz verlagert, (S.64). Amazon allerdings ist schon weiter und bietet fast alles an. Damit stellt Amazon nicht nur für Buchhändler eine starke Konkurrenz dar. Amazon ist allen anderen einfach Meilenschritte voraus.

Das Kindle wird im vorliegenden Buch ebenso thematisiert, wie die Rivalität zwischen Google und Amazon und es kommen "Big Data- Projekte" zur Sprache. Diese hier im Rahmen einer Rezension näher zu erläutern führt zu weit. Die Möglichkeit des Missbrauchs scheint gegeben zu sein. Das festzustellen und eventuell zu unterbinden, ist eine Aufgabe des Datenschutzes.

Eine Fülle von Schräglagen, auch im Bereich der Arbeitsplätze kommt bei Knop zur Sprache, von denen ich vermute, dass sie sehr bald ebenso beseitigt werden, wie die Schräglagen auf der Verkaufsplattform.

Ein so rasch wachsendes Unternehmen kann nicht perfekt sein, aber Bezos wird nach der Phase des ersten Wachsens nun Mängel bereinigen, so meine Analyse dieses klugen Kopfes, da er ja viel mehr will. Ich denke nicht, dass es ihm primär um Geld und Macht geht, obschon sie ein Ergebnis seines Tuns verkörpern. Ihm geht es meines Erachtens darum, etwas Großes, Neues, am Ende geradezu Perfektes zu entwickeln. Dabei nimmt er in Kauf, dass Altes untergeht. Das ist bitter für alle Verlierer, d.h. für alle, die nicht erkennen wollten und wollen, dass die Zukunft sich nur noch im Internet abspielt. 

 Lesenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.

Rezension:Die Stunde der Frauen - zwischen Monarchie, Weltkrieg und Wahlrecht 1913-1919 (Gebundene Ausgabe)

"Der Gedanke tut weh, dass die Menschheit nach so vielen Jahrhunderten der Entwicklung immer noch nicht gelernt hat Schwierigkeiten anders als durch Gewalt zu lösen." (Zitat: Marie Curie, S. 53)

Antonia Meiners ist die Autorin dieses reich bebilderten Buches, das nicht zuletzt namhafte Frauenpersönlichkeiten in den Jahren 1913-1919 porträtiert.

Neun Kapitel umfasst das spannend zu lesende Buch, in dem zunächst die genannte Zeit zwischen Monarchie, Weltkrieg und Wahlrecht auf den ersten Seiten skizziert und zudem zur Sprache gebracht wird, was der 1. Weltkrieg für die Frauen damals bedeutet hat. Weil die Preise immer höher anstiegen, mussten viele Frauen den Lebensunterhalt der Familien stemmen und so arbeiteten allein in der Rüstungsindustrie bei Krupp 1918  rund
28000 Frauen. Vier Jahre zuvor waren es 3000 weibliche Personen. Der Krieg erforderte eine völlige Neuorientierung von Frauen. Darüber und über vieles andere liest man Wissenswertes im vorliegenden Buch.

Sehr lesenswert sind die Informationen im Hinblick auf den Widerstand radikaler Feministinnen gegen die vorherrschende Kriegseuphorie zu Beginn des 1. Weltkrieges. Führende Persönlichkeiten waren damals Anita Augspurg, Helene Stöcker, später auch Minna Cauer. Als die zweite Flandernschlachte tobte und deutsche Soldaten in Russland Krieg führten, fand am 28. April 1915 in Den Haag der erste internationale Frauenfriedenskongress statt. Auch die Frauen des Proletariates protestierten. Clara Immerwahr, eine der ersten in Deutschland promovierten Chemikerinnen prangerte den Einsatz von Kampfgas an. Sie erschießt sich, als sie erkennt, dass ihr Mann, der Wissenschaftler Hans Haber an den Massenvernichtungsmitteln weiterarbeitet, obschon ihm die Folgen bekannt sind. Die Schriftstellerin Franziska zu Reventlow verhilft ihrem Sohn während eines Fronturlaubs zur Flucht in die Schweiz und überall widersetzen sich Mütter gegen den Irrsinn des Krieges. In der Folge werden Frauen wie Rosa Luxemburg, Jane Addams und Käthe Kollwitz poträtiert. Einblicke in Feldpost schließlich zeigen den Gefühlszustand von Frauen.

Man liest über den Lazarettdienst in diesem furchtbaren Krieg. Dabei hatten die meisten freiwilligen Helferinnen keine Erfahrung in diesen Dingen. Verletzungen aufgrund von Schrapnellgeschossen, Granaten, Maschinengewehren und wegen des Einsatzes von Giftgas waren eine große Herausforderung für die betroffenen Menschen und ihre HelferInnen. Vom großen Sterben in den Operationsälen ist die Rede und man erahnt, was dies für Helfer dort bedeutet hat.

Porträts von Edith Cavell, Marie Curie, auch von Elsa Brandström vermitteln einen Eindruck von diesen starken Frauen. Elsa Brandström schrieb 1921 ein Buch in dem sie ihre Erinnerungen als Krankenschwester in Sibirien verarbeite. Man liest in diesem Zusammenhang auch vom Friedensnobelpreis für das Rote Kreuz. Elsa Brandström, arbeitete als Krankenschwester im schwedischen Roten Kreuz. Eine faszinierende Frau, deren Maßnahmen dazu führten, dass die Sterblichkeit der Kranken von 80 auf 18% gesenkt werden konnte.

Auch über unkonventionelle Frauen in jenen Tagen liest man, unter ihnen Else Lasker-Schüler, Melli Beese und Mata Hari. Es führt zu weit all die Porträts der angeführten Frauen hier kurz zu skizzieren. Beeindruckend sind Texte allesamt.

Man liest vom Hunger und den Entbehrungen in jenen Kriegstagen und ahnt, was die Menschen damals durchgemacht haben wegen dieses absurden Krieges.

Über das Ende des Adels und das, was dann folgte, wird der Leser auch informiert. Die promovierte Philosophin Helene Stöcker kommt hier ebenso zur Sprache, wie auch Coco Chanel, die sehr gut wusste, was es heißt, die Ärmel hochzukrempeln. Sie tat es stets als enorm erfolgreiche berufstätige Frau.

 Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen. 

Rezension:Pompeji: Geschichte, Kunst und Leben in der versunkenen Stadt (Gebundene Ausgabe)

Dieses wunderbare, reich bebilderte Buch der Herausgeberin Marisa Ranieri Panetta ist von 14 Autoren verfasst worden. Über diese gelehrten Persönlichkeiten erfährt man gleich am Anfang Wissenswertes.

Nach einem kurzen Vorwort und der Einleitung der Herausgeberin ist das Werk in nachstehende Abschnitte eingeteilt:

Wiederentdeckung und Geschichte Pompejis
Das öffentliche Leben
Das religiöse Leben
Das wirtschaftliche Leben
Leben und Wohnen
Oplontis
Der Ausbruch des Vesuv

Besagten überaus eloquenten Abschnitten folgen die Chronologie, das Glossar, die Bibliografie und das Register.

Eine Fülle von Informationen wartet in diesem Prachtband auf den neugierigen Leser, der mehr über jene archäologisch bedeutende Stätte wissen möchte, die 79 n Chr. durch Asche, Lapilli und Schlammmassen archiviert wurde.

Im ersten Kapitel kann man sich ein erstes Bild von der Geschichte und der Wiederentdeckung Pompejis machen. 1834 erschien Edward G. Bulwer-Lyttons sehr erfolgreicher Roman "Die letzten Tage von Pompeji". Damit war natürlich die Neugierde derjenigen geweckt, die sich auf die Grand Tour begaben. Darüber, aber auch über die Grabungen wird berichtet, bevor man über die Entstehung Pompejis, die Eroberung durch Rom und die letzten Jahre der zum Untergang verurteilten Stadt unterrichtet wird. Sehr beeindruckend für mich, die ich noch nie an dem Ort war, ist die doppelseitige Aufnahme aus der Luft, die mir eine Vorstellung von der Größe des Ortes verschafft.

Aufgeklärt wird man u.a. über das Alltagsleben in Pompeji, die Organe und Funktionen der Stadtverwaltung, auch über die Wahlen und die Wahlpropaganda und die Schauplätze der Politik und Verwaltung. Unterbrochen werden die Beschreibungen zum einstigen Leben in jener Stadt von Fotos, so etwas von den Thermen, über deren Funktion man Näheres im Textbeitrag erfährt.

Das Amphitheater ist ein Thema und man liest Näheres zu den Gladiatoren, die dort auftraten. Mehr als an solchen archaischen Kämpfe, die der Belustigung des Volkes dienten, haben mich allerdings die Informationen zu den dorischen Tempeln und das religiöse Leben in dieser Stadt interessiert. Die "Aphrodite Lovatelli" genoss große Verehrung und Beliebtheit. Interessant auch sind die Infos zum privaten Kult, der mit den Penaten, Laren und dem Genius verbunden ist. Wobei der Genius eine in jedem Wesen oder Ort innewohnende, übernatürliche Wesenheit verkörpert, die diesen zugleich beschützt, (vgl.: S.106).

Im Kapitel über das wirtschaftliche Leben wird man u.a. über den Hafen- und Fernhandel aufgeklärt, auch über Geld und Bankwesen und lernt in diesem Zusammenhang eine Vielzahl von Münzen kennen, die auch notwendig waren, um auf dem Forumsmarkt einkaufen zu gehen. Über die Geschäfte, das Gewerbe und die Berufe liest man Wissenswertes. So lag die Zubereitung von Brot in den Händen der "pistores", während die "clibanarii" und "libarii" Süßwaren und Kuchen herstellen. Bäcker und Konditoren gab es also damals auch schon. Sehr spannend zu lesen sind die Infos zur Gastronomie im antiken Pompeji und fast hätte ich es vergessen: die Infos zum pompejischen Wein.

Über Eliten und Privilegien und über Sklaven und ihre Freiheit liest man und auch, dass die Mehrheit der Sklaven den niedrigsten sozialen Schichten angehörten und aufgrund ihrer rechtlichen Abhängigkeit sich in einer noch niedrigeren Position befanden.

Beeindruckend sind die Fresken, die schöne Frauen zeigen. Über die Facetten des weiblichen Pompeji erfährt man auch viel Interessantes, nicht zuletzt über die Schönheitspflege der Pompejerinnen, die bereits Schönheitsmasken kannten, eine dicke Schicht aus Bleiweiß auflegten, auch Rouge und Lippenstift, Lidschatten und Parfum verwendeten und natürlich Schmuck trugen. Eine Frau ist eben eine Frau, so wie eine Rose eine Rose ist. Gestern, heute, immer.

Nicht ausgespart bleibt der Eros und die erotische Kunst, die auf Fresken veranschaulicht ist, wie auch damit einhergehend Wollust und Zweideutigkeit.

Man erfährt, was auf den Tischen Pompejis aufgetragen wurde und hat Gelegenheit Häuser und deren Ausstattung kennen zu lernen. Erläutert wird zudem wie ein Fresko entsteht und welche Farben hierfür beispielsweise genutzt wurden. Aufgrund der vielen Bilder erhält man einen gute Eindruck von allem und ahnt wie elegant die Patrizier dort einst lebten, sei es im Haus der Vetti oder anderenorts.

Alles hat seine Zeit. Alles hat seine Zeit. Alles hat seine Zeit. Diesen Satz muss man tief in sein Bewusstsein eingraben. Er gilt immer.

Über die dramatischen Ereignisse an den beiden Tagen des Ausbruchs des Vesuv liest man zum Schluss. Hier auch wird die Zahl der Opfer genannt. 1047 Leichen hat man bisher gefunden. Von Plinus weiß man, wann der Auswurf vulkanischen Materials begann. Das eigentliche Drama bestand wohl darin, Hab und Gut retten zu wollen. Das kostete zu viel Zeit.

Was lehrt uns Pompeji? "Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein." Diese Erkenntnis sollte uns entspannt mit Materie umgehen lassen.

Ein sehr informatives Buch, das ich gerne empfehle.


Überall im Handel erhältlich.

Rezension: Peter J. König: ANONYMOS------Digital Naiv- Warum die Piraten weder etwas von Politik noch vom Internet verstehen

Wer glaubt, dieses Buch des anonymen Verfassers, der als Politikwissenschaftler und Mitglied des Chaos Computer Clubs auch als fester Mitarbeiter einer der vier deutschen Piraten-Landtagsfraktionen tätig war, hätte sich nach dem erfolglosen Abschneiden bei der Bundestagswahl am 22.September überholt, der irrt gewaltig. 

Nicht nur, dass das Buch eine schonungslose Aufdeckung des Phänomens Piratenpartei dokumentiert, es zeigt auch wie es möglich ist, dass auf Anhieb ein zweistelliges Wahlergebnis erreicht werden kann, ohne das die Wähler auch nur annähernd eine Vorstellung haben, um welche Art von Partei es sich hierbei handelt.

Allein die Tatsache, dass die Basis allen Handelns das Internet zugrunde hat, scheint schon zu genügen, um die Politikverdrossenen für diese Bewegung einzunehmen. Versprochen wird von den führenden Parteimitgliedern ein basisdemokratischer Aufbruch, eine Überwindung althergebrachter Strukturen und damit einher gehend ein grundsätzlicher gesellschaftlicher Wandel.

Der Autor, ausgestattet mit dem entsprechenden Insiderwissen und der praktischen Erfahrung als hauptamtlicher Mitarbeiter einer Landtagsfraktion zeigt anhand vieler Beispiele auf, wie unvereinbar Anspruch und Wirklichkeit bei den Piraten ist. Dabei handelt es sich nicht etwa um handwerkliche Fehler einer parteilichen Neugründung, die ja noch verzeihlich wären, da  Korrektive sich durch laufende Erfahrungen von selbst einstellen, nein, der Verfasser erkennt fundamentale demokratische Defizite, wenn die Piraten mit der durch Internet organisierten Basisdemokratie wesentliche Elemente der Verfassung abschaffen wollen.

Mit diesen und anderen Forderungen zeigt sich, dass die Führungselite dieser Partei über die Grundwerte unseres Staates nur sehr mangelhaft informiert ist. Parlamentarisches Handeln ist den gewählten Vertretern der Piraten fremd, das demonstriert ihr Auftreten in den vier Landesparlamenten, denen sie zurzeit angehörig sind. Kenner bezeichnen sie als chaotische Spaß- Truppe, die keinerlei Vorstellung hat, wie ihre Ziele verwirklicht werden können. Der Autor nennt hier eine Fülle von Beispielen.

Als Wesentlich wird die Tatsache angesehen, dass alles politische Handeln durch das Internet stattfindet. Dies allein soll der Garant für eine schöne, neue, digitale Welt sein. Wie sie jedoch zustande kommt, das weiß keiner dieser selbsternannten Profipolitiker so genau. Ohne jemals in irgendeinem kommunalen Parlament tätig gewesen zu sein, wollen sie jetzt die Geschicke unseres Staates in die Hand nehmen, dabei sind sie nicht einmal in der Lage, miteinander einen menschenwürdigen Umgangston zu pflegen. Dass dies keine Gräuelpropaganda konkurrierender Parteien ist, zeigt die selbst auferlegte Transparenz mittels online-Übertragungen ihrer Sitzungen im Internet.

Wenn erst die Veröffentlichung dieses Buch nötig ist, tatsächliches Wissen über die Piraten in die Öffentlichkeit zu bringen, dann zeigt dies, dass es mit der Information der Wähler noch nicht so weit her sein kann, trotz Internetpräsenz. Zunächst aber sind der rasante Aufstieg und damit der Einzug in den Bundestag jäh gestoppt, nicht zuletzt durch die unerträglichen Führungsquerelen der führenden Parteimitglieder. Die nächsten Monate und Jahre werden zeigen, ob die Piraten aus ihren Erfahrungen lernen, dann werden sie auch zukünftig eine Rolle in der Politik spielen. Sollte dies jedoch nicht der Fall sein, dann werden sie eine Episode in der bundesrepublikanischen Politikgeschichte bleiben, die aber gezeigt hat, dass mit exotischen bühnenreifen Auftritten zumindest für eine Zeitlang eine beachtliche Zahl von Wählern mobilisiert werden kann. Nicht auszumalen wäre es, wenn straff organisierte Profis sich eines solchen Medienhyps bedienen, dann hätte unsere Demokratie ein echtes Problem. Warum dies so ist, dazu leistet dieses lesenswerte Buch einen erhellenden Beitrag.

 Empfehlenswert

Bitte klicken Sie auf den Button, dann gelangen Sie zu Amazon und können das Buch bestellen.