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Rezension: Die Geschichte des Buches in 100 Büchern- 5000 Jahre Wissbegier der Menschheit- Roderick Cave & Sara Ayad- Gerstenberg

Autoren dieses reich bebilderten Werkes sind Roderick Cave und Sara Ayad. 

Roderick Cave, Spezialist für historische Bücher und Bibliothekar, entwickelte für die UNESCO neue Programme für Informationsdienste über Buchbestände des Weltdokumentenerbes. Des Weiteren ist er als Berater tätig. 

Sara Ayad ist Expertin für Buchkunst und arbeitet als Bildrechercheurin für renommierte britische Kunstinstitute. 

Nach einer knappen Einleitung und einem kurzen erhellenden Vorwort der beiden Autoren ist das Werk in 11 Kapitel untergliedert und nimmt seinen Anfang bei den paläolithischen Malereien der Höhle "El Castillo" in Nordspanien, die 16 000 v. Chr. entstanden sind. 

Die Autoren dokumentieren in ihrer bemerkenswerten Publikation, dass wir uns dem psychischen Buch emotional verbunden fühlen. Die chronologische Herangehensweise hatte zur Folge, dass sie nur ein Buch pro Jahrhundert abbilden konnten und insofern eine Auswahl treffen mussten. Ziel war es nicht, die 100 besten Bücher vorzustellen. 

Es wurden mit Ausnahme der Antarktis Bücher aus allen Kontinenten gewählt. Dabei handelt es sich um Bücher, die ein großes Spektrum von Formaten und Formen aufzeigen, Bücher aus Schnüren gefertigt, auf Knochen, Baumrinde, Palmblätter, Tontafeln, Papyrus oder aber wie in Europa und Nordamerika, auf Pergament und Papier geschrieben. 

Das Werk soll verdeutlichen, dass das traditionelle Buch noch nicht tot ist. 

Zu Beginn eines jeden Kapitels erhält man zunächst einen allgemeinen Überblick. Im Anschluss dann werden jeweils "Bücher" vorgestellt. Im ersten Kapitel beispielsweise u.a. eines der bedeutendsten ägyptischen Manuskripte: das "Totenbuch von Ani", verfasst im Jahre 1275 v. Chr. in kursiven Hieroglyphen. 

Es ist unmöglich,  hier aus allen Kapiteln Werke zu benennen und deren Inhalte im Rahmen einer Rezension kurz zu streifen. Spannend zu lesen ist, wie es zur Papierherstellung kam und wo diese ihren Anfang nahm. Auch erfährt man, wann und wo der Buchhandel entstand und kann sich mit den ersten großen Klassikern befassen, so etwa mit Homers Ilias, Äsops Fabeln, auch mit dem ersten Kochbuch, geschrieben von Apicius vor etwa 2000 Jahren. 

Mittelalterliche Bücher werden thematisiert und hier liest man dann auch von den ersten Büchersammlungen. Zur Sprache gebracht wird u.a. der "Roman de la Rose", eine um 1230 verfasste allegorische Traumvision. Hier wird in etwa 4000 französischen Versen das Werben eines Höflings um die Geliebte beschrieben. 

Über Gutenbergs Erfindung erfährt man Wissenswertes und über die "Schedelsche Weltchronik", die durchgehend mit handkolorierten Holzschnitten illustriert ist. Erste wissenschaftliche Drucke werden vorgestellt und man liest über den Verleger Aldus Manutius (1449- 1515), der in Rom und Ferrara antike Sprachen studierte, Gelehrte um sich scharte und einen frühen Universitätsverlag gründete.

Unterrichtet wird man über Zensur, die etwa zeitgleich mit Gutenbergs Erfindung aufkam. Sie war anfänglich auf politische und religiöse Schriften ausgerichtet. Einer der früh verbotenen Autoren war Erasmus von Rotterdam. 

Über die aztekische Sicht der Welt und über das holländische Seebuch als wichtiges Instrument der Kolonialisierung Ostindiens kann man sich informieren, auch über einen Dänen der die Grundlagen der Astronomie niederschrieb und über Newton, der den Grundstein der modernen Wissenschaft schriftlich niederlegte. 

Es führt zu weit all das zu benennen, was mich nun persönlich sehr anspricht, darunter eine kleine Abhandlung über das Tanzen zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Mit besonderem Interesse habe ich das 8. Kapitel "Druckkunst & Aufklärung" studiert. Die Protagonisten jener Zeit prägten mit ihren Publikationen und Lektüren das wissenschaftliche und rationale Denken. Man erfährt mehr über das wissenschaftliche Publizieren und die neuen Formen der Veröffentlichung und über das frühe Kinderbuch bleibt man auch nicht unaufgeklärt. 

Denis Diderots Enzyklopädie ist ein Thema, weil das Werk die europäische Kultur grundlegend veränderte aber auch das erste fotografisch illustrierte Buch bleibt nicht ausgespart. 

Es folgen Bücher über Bücher bis schließlich im 11. Kapitel die Digitalisierung und Zukunft des Buches besprochen werden. 

Was wird sein? Keiner kann es wirklich  wissen. Sammeln wir also und bewahren, damit auch künftige Generationen das alte Kulturgut in ihren Händen halten können. Egal, was geschieht.

Sehr empfehlenswert

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Gerstenberg-Verlag und können das Buch dort bestellen. Sie können es jedoch auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: Tradition und Innovation- Bayerische Familienunternehmen und ihre Erfolgsgeschichten- Christian Thiele, Enno Kapitza

Das Vorwort zu diesem spannenden und dazu noch lehrreichen Buch aus dem Callwey-Verlag hat die bayerische Staatsministerin Ilse Aigner verfasst. Sie lässt die Leser hier wissen, dass 20% der deutschen Familienunternehmen im Freistaat Bayern angesiedelt sind. 99 der Top-500 Familienunternehmen haben dort ihren Hauptsitz. 

Als nachhaltiges Geschäftsmodell haben diese Unternehmen, so Aigner, Vorbildcharakter für die gesamte Wirtschaft. Die Staatsministerin erwähnt den sogenannten "Alphazirkel". Es handelt sich hierbei um eine Plattform für Familienunternehmer, die seitens eines der Herausgeber des Buches 2005 gegründet wurde. Andreas E. Mach hat mit dieser Plattform die führende deutschsprachige Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Erfahrungs- und Meinungsaustauschs von Familienunternehmen geschaffen und leistet auf vielfältige Weise einen essentiellen Beitrag zur erfolgreichen Vernetzung von Familienunternehmern.

SKH Luitpold Prinz von Bayern, ebenfalls Herausgeber, ist für sein soziales und wirtschaftliches Engagement in Bayern bekannt und führt erfolgreich zahlreiche Unternehmen, unter diesen die Porzellanmanufaktur Nymphenburg. 

Verfasst hat das Werk Christian Thiele, der als Autor in München lebt und  u.a. an der Deutschen Journalistenschule als Dozent tätig ist. 

Die zahlreichen imposanten Fotos im Buch hat Enno Kapitza realisiert. Er lebt als mehrfach ausgezeichneter Fotograf in München. 

"Tradition und Innovation" verdeutlicht auf welche Weise bayerische Familienunternehmer Tradition und Fortschritt, Heimat und Weltmarkt erfolgreich in Einklang bringen. Die Porträts verschiedener,   renommierter Unternehmen und  deren Inhaber dokumentieren, so Aigner,  den Wert "Familienunternehmen" für Bayern. Sie verdeutlichen, was sie so erfolgreich gemacht hat, aber auch, weshalb sie sich in Bayern so wohl fühlen. 

SHK Luitpold Prinz von Bayern und Andreas E. Mach haben jeweils ein Vorwort geschrieben. Dabei gefällt mir, dass Mach nicht unerwähnt lässt, dass Familienunternehmen nicht nur das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden, sondern auch international die am meisten vorkommende Unternehmensform verkörpern und einen wesentlichen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt ihrer Länder leisten. 

Leider schaffen es  drei Viertel aller Unternehmen weltweit nicht in der vierten Generation zu überleben, sondern werden zuvor  vom Markt gedrängt. Gründe dafür gibt es viele. Andreas E. Mach benennt diese. Im Buch selbst werden Unternehmen präsentiert, die über viele Generationen erfolgreich handeln und demnach die richtigen Überlebensstrategien besitzen. 

SKH Luitpold Prinz von Bayern betont, dass Innovation in erster Linie Zeit, Geld und Vision benötige und zumeist nur unter Verzicht auf kurzfristige Erfolge erreichbar sei. Immer wieder neue Trends zu setzen,   schenkt neuen Generationen Zukunftsperspektiven, doch es sind noch viele andere Voraussetzungen, die ein Unternehmen zukunftsträchtig machen und die zahlreiche bayerische Familienunternehmen vorbildlich erfüllt haben, wie man erfährt. 

Es führt zu weit, im Rahmen der Rezension auf einzelne Unternehmen hier näher einzugehen. Zu Beginn jeder Präsentation liest man stets einen zentralen Satz der Inhabers, Geschäftsführers oder Sprechers des Unternehmens, der jeweils der Schlüssel zum Erfolg zu sein scheint. Neben Fotos folgen dann immer eine kurze Skizzierung des vorgestellten Unternehmens und dann nicht selten sehr erhellende Interviews aber auch nähere Beschreibungen der fokussierten Unternehmen, so auch über die Firma  Roeckl Handschuhe und Accessoires GmbH & Co KG , die in der 6. Generation Handschuhe fertigt. Es sind sehr unterschiedliche Unternehmen, die hier vorgestellt werden. Zu Sprache gebracht wird u.a. die Fassfabrik Schmid, die seit über 100 Jahren Behältnisse für den Bierkonsum fertigt, dann auch die Büttenpapierfabrik Gmund. Hier gibt der Geschäftsführer Florian Kohler ein Interview u.a. über die Zukunft des Papiers. 

Besonders spannend zu lesen,   fand ich das Interview mit Innegrit Volkhardt, die in vierter Generation als erste Frau eines der renommiertesten Hotels, den Bayrischen Hof in München leitet. Auch Schloss Dennenlohe und dessen Eigentümer Robert Freiherr von Süsskind werden vorgestellt, der gemeinsam mit seiner Frau einen botanischen Landschaftspark angelegt hat, der jährlich von circa 40 000 Menschen besucht wird. 

Allen Unternehmen gemeinsam sind eine ungeheure Innovationskraft und der Glaube an ihren Fortbestand, der nicht nur Energien freisetzt, sondern auch  sinnvolle Verhaltensmuster fördert, die beispielgebend sind.

Die Werte einer nachhaltig gut funktionierenden Familie werden in Firmenerfolg transformiert und das scheint das eigentliche Geheimnis zu sein. 

Gemeinsam an einem Strang in eine Richtung, die Zukunft verheißt. Darum geht es.

Ein tolles Buch. 
Sehr empfehlenswert

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum  Callwey-Verlag und können das Buch bestellen. Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.http://www.callwey-shop.de/tradition-und-innovation.html

Rezension: Brandstifter und Biedermänner- Michael Grüttner/ Klett-Cotta

Autor dieses umfangreichen Werkes ist Professor Michael Grüttner. Er interpretiert in seinem Buch die Geschichte des Nationalsozialismus im Zusammenspiel von "Brandstiftern" und "Biedermännern". Zur Sprache gebracht werden die Jahre zwischen 1933-1939. In dieser Zeit kam es zu grundlegenden Veränderungen in der Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur. Das geschah durch die gewaltsame Ausschaltung politischer Gegner, die Beseitigung demokratischer Strukturen durch den Wechsel des Führungspersonals in diversen Institutionen aber auch mittels Aufbau der nationalsozialistischen Massenorganisationen.

Diese Nazifizierung fand in allen Bereichen der Gesellschaft, selbst im Sport statt. Dabei war ein essentielles Element die Ausgrenzung der Juden aus der deutschen Mehrheitsgesellschaft und die allmähliche Verschiebung moralischer Werte. Ein Schwerpunkt des Buches ist die Beantwortung der Frage wie sich der Wandel auf Wirtschaft, Medien, das Erziehungswesen, die Kirchen, die Wissenschaft, das Militär auswirkte.

Offenbar stießen die Nationalsozialisten nirgendwo auf wirksamen Widerstand und es wundert insofern nicht, dass schon 1933 die Gewerkschaften in Deutschland verboten wurden. Einer der Schwerpunkte im Buch beruht auf den Überlegungen, inwieweit schon in den Jahren scheinbarer Normalität die Grundlagen für den Krieg und den Massenmord gelegt wurden, so etwa durch die systematische Indoktrination der jungen Generation und den Aufbau des Gewaltapparates aus SS, Gestapo und Konzentrationslagern, der nur dem Führerwillen, nicht aber dem Gesetz verpflichtet war.

Bereits in den 1930ern war der Holocaust im Denken Hitlers präsent, wie Grüttner den Leser wissen lässt. Dass die Biedermänner  und - frauen kein Akzeptanzproblem hatten als er dann stattfand, wundert bei der Hittlerhörigkeit nicht.

Unmöglich auf all die 16 Kapitel im Buch näher einzugehen, die dann stets  nochmals unterteilt sind. Nichts bleibt ausgespart. Deutlich wird die vollständige Verpestung durch die menschenverachtende Ideologie.

Der Autor begreift die nationalsozialistische Politik als Weltanschauungsdiktatur, deren wichtigste Antriebskraft ideologischer Natur war und den Anspruch erhob generell alle Bereiche von Staat und Gesellschaft ideologisch zu durchdringen. Diese Diktatur stand nicht im Interesse einer bestimmten Interessengruppe. Alle vereinte der Glaube an den Hitler-Mythos. 

Wer die Kapitel aufmerksam studiert, hat am Ende eine klare Vorstellung davon,  was in jener Zeit in Deutschland geschah, weshalb das Zusammenspiel von Biedermänner  und Brandstiftern perfekt funktionierte.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicke Sie auf den Link, dann gelagen Sie zu Klett-Cotta und können das  Buch bestellen. Sie können es  aber auch direkt beim Verlag ordern.https://www.klett-cotta.de/buch/Geschichte/Brandstifter_und_Biedermaenner/55812

Rezension: Amnesty International Report 2014/15- Zur weltweiten Lage der Menschenrechte- S. Fischer

Das Vorwort zu diesem wichtigen Buch hat Salil Shetty, der internationale Generalsekretär für Amnesty International verfasst. Er sagt, dass das Jahr 2014 ein schwarzes Jahr war für alle, die es wagten, für Menschenrechte einzutreten aber auch für Menschen, die erleben mussten, wie sich ihre Heimat zu einem Kriegsgebiet verwandelte. 

Es sind die politischen Entscheidungsträger, die kläglich versagen, wenn es darum geht, denjenigen Schutz zu gewähren, die ihn am dringendsten benötigen. Obschon das humanitäre Völkerecht Regeln für die Austragung bewaffneter Konflikte festgelegt hat, wonach sich Angriffe niemals gegen Zivilpersonen richten dürfen, werden diese Regeln mit Füßen getreten, wie die Realität zeigt. So hat der Konflikt in Syrien in den letzten vier Jahren mehr als 200000 Menschenleben gekostet, zumeist waren es Zivilisten. 7,6 Millionen Menschen befinden sich innerhalb von Syrien auf der Flucht.

Entsetzlich sind die Kriegsverbrechen und ethnischen Säuberungen seitens des IS (bewaffnete Gruppe islamischer Staat) und dramatisch auch ist, was im Gazastreifen geschieht. Im Südsudan wurden 2 Millionen Menschen vertrieben und Folter, Vergewaltigung als auch Massenmord fanden in der Zentralafrikanischen Republik kaum Beachtung. Immer mehr Kriege werden auf dem Rücken der Zivilbevölkerung ausgetragen, doch immerhin gibt es bereits 40 Mitgliedstaaten des US-Sicherheitsrates, die freiwillig auf Einlegen eines Vetos verzichten, wenn hierdurch der Sicherheitsrat in Situationen von Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit blockiert wird. 

Die Weltgemeinschaft hat Millionen von Flüchtlingen den Schutz verwehrt, so wurden nur 2% der syrischen Flüchtlinge dauerhaft in Drittländern aufgenommen. 

Amnesty International fordert, dass die Verantwortlichen für die Menschenrechtsübertretungen zukünftig zur Verantwortung gezogen werden müssen, weil nur so sich die Regeln zum Schutz der Zivilbevölkerung voll entfalten können. 

Im Buch werden die Regionen im Überblick dargestellt und man erfährt auf diese Weise  mehr zur Armut, Diskriminierung und Ausgrenzung, zu Folter und anderen Misshandlungen, zu Haftbedingungen, den Rechten indiginer Völker, zur Unterdrückung Andersdenkender, zur wachsenden Intoleranz, zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen, um nur einige Problemfelder zu nennen, übrigens nicht nur  in den Drittländern. 

Ich empfehle, dieses Buch immer wieder zur Hand zu nehmen, um sich bewusst zu machen, weshalb der ethische Wandel vorangetrieben werden muss. Sich dafür zu engagieren tut Not. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu den S. Fischer-Verlagen und können das Buch bestellen.http://www.fischerverlage.de/buch/amnesty_report_2014_15/9783100008381. Sie können es jedoch auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke  ordern.

Rezension: #Nürnberg- #Menschheitsverbrechen vor Gericht 1945- #Thomas_Darnstädt- Piper

Autor dieses spannend zu lesenden Sachbuchs ist Dr. jur. Thomas Darnstädt. Er ist Jurist und Journalist mit den Schwerpunkten Polizeirecht, Bürgerrechte und Internationales Recht.

Im vorliegenden Buch wird der Prozess gegen die Nazi-Elite in Nürnberg zu Ende des 2. Weltkrieges breit angelegt, erörtert. Ausgangspunkt ist die Frage: Wie macht man richtig Frieden? 

Nürnberg hat gezeigt, dass Frieden durch Recht ein sinnstiftender Weg sein kann. Dabei prägte der Hauptankläger im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess, #Robert_H._Jackson die Idee, dass die Völkergemeinschaft eine Instanz benötige, die eine Verletzung der Grundnormen ihres Zusammenlebens nicht ungeahndet lasse. 

Der Washingtoner Historiker #Christopher_Simpson, der im Buch zitiert wird, beschreibt die Situation nach dem 2. Weltkrieg wie folgt "Nach dem damaligen Stand des Völkerrechts erschien die systematische Verfolgung der Juden und anderer, die in den Achsenstaaten eingeschlossen waren, tatsächlich als >legal<.“ Grund war eine Lücke im Kriegsrecht. Es handelte sich dabei, um das Nichterfassen der "Makrokriminalität", ein Phänomen der großangelegten Gewaltanwendung, die sich vom Krieg insofern unterscheidet, dass ihr Ziel der Selbstzweck ist. Die Nazis ermordeten die Juden nicht, um den Krieg zu gewinnen, sondern einzig um sie zu töten. Diese Rechtslücke galt es zu schließen und die Täter für ihr Tun zur Verantwortung zu ziehen. 

Der Autor berichtet eingangs von den Überlegungen, wie die Alliierten zunächst planten,  mit den kriegsverbrecherischen Nazis nach Kriegsende umzugehen. Hier auch liest man dann vom Westfälischen Frieden in Münster und Osnabrück und der damaligen Interpretation von Krieg als legitime Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln, wobei allerdings gewisse Regeln eingehalten werden mussten. Zu diesen Regeln zählte, dass der Krieg ordnungsgemäß erklärt und beendet wird. Die Überlegungen aus dem Jahre 1648 fanden bis zu Hitler stets Anwendung, wenn Krieg geführt wurde. Hitler allerdings terrorisierte durch seinen Krieg ohne Regeln und Grenzen die Welt auf das Maßloseste. Er und seine Schergen überfielen Länder ohne Kriegserklärung und setzten auf die totale Vernichtung des Gegners. Weil dieser Souverän respektlos agierte und alles niedermachte, mussten ihm Grenzen aufgezeigt werden. 

Erwähnt werden u.a. die Überlegungen zum Morgenthauplan, die man in dem Memorandum "Wie man Deutschland hindern kann, einen dritten Weltkrieg zu beginnen" vom 1.9. 1944 nachlesen kann. Darnstädt fasst sie in seinem Buch kurz zusammen und macht auch deutlich, weshalb man davon wieder Abstand nahm. Nach dem Aufzeigen verschiedener Überlegungen wie man gegen die Nazi-Bande rechtlich vorgehen könne, wird man mit den Gedanken des amerikanischen Juristen Robert H. Jackson vertraut gemacht. Ihm allein es zu verdanken ist, dass am 1.10. 1946 neunzehn der führenden Mitglieder des Hitlerregimes als verantwortliche eines verbrecherischen Staatsapparates verurteilt wurden. So kam durch das Urteil des Internationalen Militärtribunals von Nürnberg die Wende eines jahrhundertealten unmenschlichen Völkerechts zustande, das den Staaten das Recht zusprach, Krieg zu führen, und Staatsführer sowie Kriegsherren freistellte von jeder Verantwortung für das Unheil, das sie über die Menschen gebracht hatten. 

Ohne einen Juristen wie den eloquenten Anwalt Jackson wäre die Erklärung der Menschenrechte, das Gewaltverbot der Vereinten Nationen und die weltweite Ächtung des Völkermordes als Verbrechen nicht möglich gewesen. Für dessen Neuordnung der Welt war folgender Staftatbestand, den es bislang im Völkerrecht noch nicht gab, essentiell: "Das Verbrechen, welches alle geringeren Verbrechen einschließt" sei die "Einleitung eines unrechtmäßigen Krieges." 

Jackson verdeutlichte, dass ein Angriffskrieg ein Verbrechen ist. Er, der amerikanischer Chefankläger des Internationalen Militärtribunals wurde, wollte keine Siegerjustiz, sondern ein Gerichtsverfahren, das nicht zum Schauprozess verkam. 

Darnstädt stellt in seinem Buch die Hauptangeklagten vor und schreibt über deren verbrecherische Machenschaften in der NS-Zeit. Drei Punkte hatte Jackson in seinem Entwurf ausgearbeitet:

Der Angriffskrieg 
Das Kriegsverbrechen 
Verbrechen gegen die Menschlichkeit 

Plan der Washingtoner Völkerrechtler war zudem "die Verurteilung der Naziorganisationen als "verbrecherische Vereinigung" zu entlarven. Dies nämlich hätte die Prozesse gegen Zehntausende von Mittätern, Mitläufern, Gehilfen und Spitzeln, Denunzianten und Menschenschindern vereinfacht. Massenprozesse dieser Art gab es in der Folge jedoch  nicht, weil man die Weltgerechtigkeit letztlich wegen des nun herrschenden Kalten Krieges und der neuen Verbündeten  beiseite schob. 

Es führt zu weit,  an dieser Stelle die rechtlichen Diskussionen und das Ringen der Juristen der Alliierten, die nicht immer einer Meinung waren, hier aufzuzeigen und auf Rechtsproblematiken einzugehen, die es zu klären galt. Spannend zu erfahren ist, wie die Ermittler in ganz Europa nach Beweisen suchten und die Nazidiktatur schließlich zur Strafsache machten. Im Diensttagebuch von Hitlers Generalgouverneur von Polen,  Hans Frank  sind auf 11.367 Seiten die Notizen eines Völkermords festgehalten. Dieses Tagebuch wurde Jacksons umfassendes Beweisstück- ein Kompendium des Zynismus und der Menschenverachtung. Frank hat dort pedantisch genau die Geschichte von Mord, Hunger und Massenausrottung niedergelegt. 

Die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges und die Hitlerbarberei machte der Welt deutlich, welche Rechtlosigkeit im Völkerrecht herrschte. Vertiefen kann man sich in die Anklageschrift gegen 24 Nazihaupttäter und in die Erläuterung der einzelnen Anklagepunkte:

1. Verschwörung 
2. Verbrechen gegen den Frieden 
3. Kriegsverbrechen 
4. Verbrechen gegen die Humanität 

Anschließend erfährt man, was sich im Justizpalast zu Nürnberg damals ereignet hat. Jackson versuchte allen klar zu machen, dass es in jenem Gerichtssaal um mehr ging als um Recht, weil dem Jahrtausendverbrechen mit herkömmlichem Völkerecht nicht beizukommen war. Immer wieder liest man von Beweisstücken und von diesem mörderischen Treiben, auch liest man von dem Bemühen der Amerikaner, die Wehrmacht in ihrem Kern als kriminelle Organisation zu entlarven. Namen wie Ohlendorf werden genannt und dessen Einsatztruppe D, die der 11. Armee zugeteilt war. Es handelte sich um eine Mörderbande, die  90 000 Menschen kaltblütig tötete. 

Der Autor beschreibt wie Hitlers Helfer ihre Taten erklärten und man ist immer wieder von dieser Kaltschnäuzigkeit angewidert, mit der das braune Pack noch auf der Anklagebank ihr teuflisches Wesen offenlegte. 

Thematisiert wird u.a. die Frage "Kann soldatische Pflichterfüllung auch die Ausführung verbrecherischer Befehle rechtfertigen?" und man liest in diesem Zusammenhang einen Bericht des Lagerkommandanten von Auschwitz, Rudolf Höß. Des Weiteren kann man sich u.a. mit den Verbrechen des Hermann Göring und den entsetzlichen Verbrechen des "Judenschlächters von Krakau", Hans Frank befassen. Doch auch Albert Speer ist ein Thema, der in Hitlers Auftrag für die Beschaffung von Zwangsarbeitern für die Kriegswirtschaft zuständig war. 

Der Leser erlebt das Urteil, wird mit vielen Fragen konfrontiert, die mehr als nur nachdenklich stimmen. Darunter die Frage: "Sind Kriegsherren Kriminelle?" Man erfährt auch, wie die Todesurteile vollstreckt wurden am 16.Oktober 1946 und wie sich Göring dem Urteil durch Selbstmord entzog. 

Die Urteile von Nürnberg, die nach 218 Verhandlungstagen gefällt wurden, sind  das Ergebnis der "Nürnberger Prinzipien", die Jackson gestaltet hatte. So sollte fortan neues Unheil verhindern werden, wenn jeder Täter zukünftig  damit rechnen musste, sich vor einem Weltgericht zu verantworten. 

Man erfährt auch Näheres zu #Benjamin_Ferencz, der Chefankläger im Einsatzgruppen-Prozess war, einem der Nachfolgeprozesse im Rahmen der Nürnberger Prozesse nach dem Zweiten Weltkrieg. Der heute 94 jährige aktualisiert seine Homepage fast noch immer täglich und twittert seine Kommentare in die Welt. Soeben (17.5. 2015) habe ich zwei seiner Tweets verlinkt und ihm  in Worten meinen Respekt ausgesprochen. 

Was die Nürnberger Prinzipien bewirkt haben? Auch darüber erfährt man im Buch  Wissenswertes, doch bitte lesen Sie selbst. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link,  elangen Sie zum Verlag  Piper und können das Buch bestellen.http://www.piper.de/buecher/nuernberg-isbn-978-3-492-05684-7

Sie könne es aber auch bei Ihrem Buchhändler um die Ecke bestellen.

Rezension: Ändere die Welt! Jean Ziegler - C. Bertelsmann

Autor dieses wichtigen Buches mit dem Untertitel "Warum wir die kannibalische Weltordnung stürzen müssen" ist der Soziologe Jean Ziegler. Er ist Vizepräsident des beratenden Ausschusses des UNO- Menschenrechtsrats und Träger diverser Ehrendoktorate und internationaler Preise, z.B. des Internationalen Literaturpreises für Menschenrechte. 

Gleich zu Beginn des Werks macht der renommierte Professor für Soziologe deutlich, dass sich die Welt in den letzten dreißig Jahren zutiefst gewandelt hat. Aufgrund des Zusammenbruchs der Sowjetunion 1991 verschwand die weltweite Bipolarität der Staatsgesellschaft. 

Folge war die Tyrannei der Oligarchien und des globalen Finanzkapitals. Zurückgekehrt sind Hunger und Not in Europa. Ziegler erwähnt nicht zuletzt die Zahlen der UNICEF von 2013, wonach in Spanien 11 Prozent der Kinder unter 10 Jahren unterernährt waren. Bei 28 Staaten der Europäischen Union liegt die sogenannte "Sockelarbeitslosigkeit vor", bei der 30,2 Millionen Männern, Frauen und Jugendlichen, betroffen sind,  in erster Linie junge Menschen unter 25 Jahren. 

Wie Ziegler betont, ist die multiethnische, laizistische, multikulturelle Nation eine Errungenschaft der Zivilisation, die heute bedroht ist von den Feinden der Vernunft, die da sind: der Dschaidismus, die christlichen, jüdischen, hinduistischen und buddhistischen Fundamentalisten, die gewaltbereiten Rassisten sowie aufklärungsfeindliche Denker aller Couleur. Überall werden die Menschenrechte mit Füßen getreten und es scheint wieder legitim zu sein, Menschen zu foltern.

Alle, die guten Willens sind, so Ziegler, müssen nach Ursachen suchen, nach den Interessen, die im Spiel sind, nach den Verantwortlichen  und wirtschaftliche, politische sowie gesellschaftliche Kalküle ans Licht bringen, die Menschenleben zerstören. 

Das Buch ist in 8 Kapitel untergliedert und beginnt mit der Frage, "Was nützt ein Intellektueller?" Danach wird aufgezeigt wie Ungleichheit entsteht. Der Autor nimmt dabei intellektuellen Bezug auf Rousseau, der stets aufs Neue auf die verheerenden Folgen der gesellschaftlichen Ungleichheit anprangert hat. Ziegler konstatiert, dass heute der deutlichste Ausdruck der Ungleichheit zwischen Menschen die kannibalistische Wirtschaftsordnung sei. 

Die 374 größten multinationalen Konzerne haben heute insgesamt Finanzreserven von 655 Millarden Dollar. Seit 1999 hat sich die Summe verdoppelt. Trotz dieser Tatsache leben mehr als 1Millarde Menschen von weniger als 1,25 Dollar am Tag. 

2014 starben mehr Menschen durch Hunger als in sämtlichen Kriegen, die in diesem Jahrhundert geführt wurden. Dies zu lesen, ist mehr als beschämend. 

Der Autor befasst sich in seinem Buch auch mit den Irrwegen der Ideologien und zeigt auf wie Ideologien entstehen, sich entwickeln und wandeln, aber auch welche Ideologie heute unseren Planeten dominiert. Es handelt sich dabei um die Ideologie des Neoliberalismus. Diese dient dazu, die weltweite Herrschaft der Oligarchen zu rechtfertigen, die das Finanzkapital besitzen.

Jean Ziegler erläutert ausführlich die Grundlagen der neoliberalen Ideologie und befasst sich im 4. Kapitel dann mit Wissenschaft und Ideologie und hier auch mit Kants Staatsdefinition. Zur Sprache gebracht werden zudem die Nation, wie sie entsteht und sich behauptet, auch die Ursachen für die Implosion der Kolonialreiche sind ein Thema. Des Weiteren wird der Frage nachgegangen, weshalb in Schwarzafrika Dekolonisation weitgehend gescheitert ist und wieso von wenigen Ausnahmen abgesehen, keine Nation, sondern nur Protonationen entstanden sind.

Ziegler erklärt zudem sehr gut nachvollziehbar  wie eine Gesellschaft entsteht und sich entwickelt und hier berichtet er auch, wann die erste menschliche Gesellschaft entstanden ist. Der Autor hofft auf das Erstarken einer planetarischen Zivilgesellschaft, auf die Vielfalt sozialer Widerstandfronten und auf deren Kampf gegen Ausbeutung, Gewalt und Markradikalismus.

Durch sein Buch schafft er Bewusstsein, das bitter notwendig ist. 

Empfehlenswert 

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Verlag C.Bertelsmann und können das Buch dort bestellen.http://www.randomhouse.de/Buch/Aendere-die-Welt-Warum-wir-die-kannibalische-Weltordnung-stuerzen-muessen/Jean-Ziegler/e475452.rhd?mid=1. Sie können es jedoch auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: Schizowirtschaft- Christian Scholz Joachim Zentes- Campus

"Wenn Mitarbeitern gesagt wird: "Ihr seid unser wichtigstes Kapital" und Mitarbeiter sehen, wie dieses Humankapital vernichtet wird, dann erleben sie ein unternehmerisches Schizo-Verhalten", (S.138) 

Autoren dieses Buches sind Christian Scholz und Joachim Zentes, zwei Professoren für Betriebswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes und Direktoren des Europa-Institutes der Universität. Gemeinsam leiten sie das dortige MBA-Programm. 

Im Klappentext steht ein bemerkenswertes Zitat aus dem Buch, das im Vorfeld schon  deutlich macht, worum es inhaltlich  geht: "Wir leben in einer Schizo-Wirtschaft, in der das eigene Handeln nicht den Normen entspricht, mit denen man das Handeln der anderen misst oder die man selbst angeblich einhält. Dies zeigt sich in unterschiedlichen Erscheinungsformen. Unternehmen, Mitarbeiter, Konsumenten, Politiker und Medienschaffende gleichermaßen liefern dafür viele Beispiele". 

Wie die Autoren bereits eingangs erwähnen, ist unsere Gesellschaft geprägt durch tiefgreifende Verwerfungen, Widersprüche und sogar Pathologien. So präsentieren sich Unternehmen in ihren Leitbildern nachhaltig. Allerdings gelingt es ihnen immer weniger, die komplexen Prozessketten mit zahlreichen Lieferanten, Vorlieferanten und Dienstleistern, die zumeist über den Globus verteilt sind, zu kontrollieren. Folge davon sind ökologische und soziale Missstände in den Wertschöpfungsketten. 

Das Schizo-Verhalten zeigt sich auch bei Konsumenten und zwar dann, wenn artikuliertes und faktisches Verhalten auseinanderdriften. Verbraucher geben sich in demoskopischen Umfragen als sozial und ökologisch orientiert und engagiert, hingegen in der realen Einkaufswelt verantwortungslos. Analog schaut es bei den Mitarbeitern, Medienvertretern, und Politikern aus. 

Die Autoren fassen zusammen: "Auf Unternehmensebene offenbaren sich Schizo-Situationen in Form von Systempathologien als Marktradikalitäten, Fehlanzeige und mangelnde Transparenz, auf der Konsumentenebene als übersteigerte Selbstsucht und auf der Mitarbeiterebene als zunehmende Entkoppelung“. 

Lt. der Autoren werden diese Systempathologien durch die Medien und Politik noch verstärkt und sind nur schwer aufzubrechen. Der Ansatz der beiden Professoren verkörpert sich  zunächst in Systemanalyse. Diese schließt die Widersprüchlichkeit und Gespaltenheit aller wesentlichen Akteure ein. Aufgezeigt wird wie sich das Schizo-Verhalten in Konzepten niederschlägt, welche entsprechenden Situationen und Konstellationen sich ergeben und welche dramatischen Konsequenzen entstehen. 

Umdenken ist gefragt und wie dies aussehen kann, wird im Buch aufgezeigt, dessen Untertitel nicht grundlos "Nur ein radikales Umdenken und Andershandeln kann uns helfen" heißt. 

Das Buch ist in vier Abschnitte untergliedert. Im 1. Abschnitt geht es um Verhaltensmuster der Beteiligten in der Schizo-Gesellschaft und hier beispielsweise um Verantwortung in Unternehmen, auch um Vertrauen etc. Merksätze wie "Wenn es nicht sämtlichen Akteuren gelingt, Vertrauen zu schaffen, wiederherzustellen oder zu erhalten, wird industrielle Wertschöpfung an Wertschätzung verlieren" verdeutlichen, worum es geht. 

Auch die Tatsache, dass die aktuelle Arbeitswelt nicht auf dauerhafte Bindung von Mitarbeitern angelegt ist, wird thematisiert. So sollen 24 % der Mitarbeiter sich bewusst schädigend verhalten, was mehr als nur zu denken gibt.

Im zweiten Abschnitt werden extreme Missstände und Skandale herausgegriffen, so etwa die Sklavenarbeit bei Dienstleistern. Hier dann auch kommt Amazon zur Sprache. Es wird auf die Schizo-Haltung der Konsumenten hingewiesen, auch jenes der Politiker und Medien, das verdeutlicht, weshalb Amazon sich so breit machen konnte. 

Im 3. Abschnitt dann werden Verhaltenspathologien aufgezeigt und hier verdeutlicht, dass komparative Kostenvorteile der Niedriglohnländer sich  aus unwürdigen Arbeitsbedingungen ergeben. Man liest über Outsourcing und Offshoring, auch über das dunkle Ende der Wertschöpfungskette und ist Seite für Seite ziemlich frustriert, was übersteigerte Selbstsucht als Systempathologie zu vernichten imstande ist. Es ist unmöglich im Rahmen der Rezension auf all das einzugehen. Im Grunde möchte man zumindest Merksatz für Merksatz hier zitieren, doch selbst dies würde den Rahmen sprengen. 

Der Paradigmenwechsel wird dann schließlich im 4. Abschnitt vorgestellt. Er besteht im definitiven Umdenken und in der konkreten Forderung an die Akteure zum Andershandeln. Wie das ausschauen könnte wird auch erläutert. So liest man u.a. "Andershandeln bedeutet, Teilen zum neuen Haben zu machen." (233) und erfährt auch mehr zum ethischen Konsum mit vollem Bewusstsein. 

Wenn das Denken im Buch Realität werden soll, dann müssen sich die Unternehmen grundlegend wandeln. Sie müssen Verantwortung wahrnehmen und zwar in ihrem eigenen Interesse. Doch auch alle anderen gesellschaftlichen Akteure müssen sich verändern in ihrem Verhalten, dann nur   ist eine neue Lebenswelt mit neuer Lebensqualität möglich.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu Campus und können das Buch bestellen http://www.campus.de/news/wirtschaft_und_gesellschaft_sind_ausser_rand_und_band-749.html. Sie können es aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.


Rezension Peter J. König: Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent- Eine Geschichte des neoliberalen Europa Philipp Ther- Suhrkamp

Dieses spannende Sachbuch von Professor Philipp Ther, der zur Zeit am Institut für Osteuropäische Geschichte an der Universität Wien lehrt, zeigt auf, welche Entwicklung die ehemals zum Ostblock gehörenden Länder genommen haben, nachdem die Sowjet-Union untergegangen ist, und die sogenannten Vasallen-Staaten ihr politisches Schicksal selbst bestimmen konnten. Dabei geht es primär nicht um die politische Entwicklung, vielmehr wird ausführlich nachvollzogen, welchen ökonomischen Weg die einzelnen Ostblock-Länder genommen haben.

Planwirtschaft und Staatsbetriebe waren passé, liberale Marktwirtschaft war das Zauberwort, das den Anschluss an die westlichen Industrien und die aufkommende Globalisierung bringen sollte. Die neoliberale Transformation hat dabei in den einzelnen Staaten zu durchaus unterschiedlichen Ergebnissen geführt, zumal sie auch jeweils mit unterschiedlicher Dynamik umgesetzt wurde. So entstanden Gewinner und Verlierer auf dem Weg der radikalen Veränderung von der Planwirtschaft zur freien Marktwirtschaft, zumal die einzelnen Länder durch verschiedene Voraussetzungen geprägt waren und durch den Beitritt zur Europäischen Union auch unterschiedliche Hilfeleistungen erhalten haben. 

Denkt man alleine an die DDR, die Wiedervereinigung und die Hunderte von Milliarden an Transferleistungen, so hat dies zwangsläufig zu einer wesentlich besseren ökonomischen Entwicklung für die Bürger geführt, als z. B. die postkommunistischen Einflüsse, die in Rumänien und Bulgarien die Wirtschaft in diesen Ländern bestimmten. Entsprechend unterschiedlich sind die Einkommensverhältnisse der Menschen und ihr Lebensstandard. Philipp Ther erklärt sehr anschaulich den ökonomischen Werdegang dieser Staaten, untersucht die Gründe zu den einzelnen Entwicklungen und dokumentiert welches Niveau sie erreicht haben im Vergleich zu westlichen Volkswirtschaften.

Die Finanzkrise Ende des ersten Jahrzehnts nach 2000 wird ebenso thematisiert und dabei festgestellt wie nicht nur die Ost-Europäischen Staaten damit zurechtkamen, sondern auch welche Folgen dadurch im Süden Europas entstanden sind. Dabei spielen die Zahlen der Arbeitslosen eine gewichtige Rolle, ebenso die Anstrengungen für Reformen und wie diese in den unterschiedlichen Ländern angegangen wurden, und mit welchem Erfolg. 

Wenn Russland, besonders durch Putin und seine Oligarchen- Clique zu den Verlierern der Transformation zählt, so ist es doch sehr beachtlich, dass Polen an der Spitze der erfolgreichen neuen Marktwirtschaften steht, mit einer außerordentlichen Steigerung der Einkommensverhältnisse der Bürger. Dies macht sich besonders in den großen Städten des Landes bemerkbar, sodass Unterschiede zu westlichen Großstädten kaum noch sichtbar sind. Wie dieser Vergleich mit anderen Metropolen im Osten ausfällt, das wird hier ebenfalls dargestellt. 

Hinzu kommt noch eine Vielzahl weiterer Daten, die die neoliberalen Entwicklungen in Europa hinterfragen. "Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent" von Professor Philipp Ther, erschienen bei Suhrkamp, ist auch deshalb so informativ und anschaulich, weil der Autor nicht nur seine Erkenntnisse aus den statistischen Zahlenwerken entwickelt hat. Vielmehr konnte er von jungen Jahren an persönliche Erfahrungen dort sammeln, sei es durch Verwandtschaftsbesuche oder später auch immer wieder durch Reisen in die einzelnen Länder hinter dem Eisernen Vorhang, vor und nach 1989. 

Wer also wissen möchte, wie die neue Ordnung auf dem alten Kontinent Europa nach dem Fall der Sowjet-Union entstanden ist, wird hier bestens aufgeklärt, ohne dabei durch trockene Fakten und Zahlen besonders strapaziert zu werden. 

Dieses Buch beweist wieder einmal erneut, wie spannend Wissen sein kann. 

Empfehlenswert 

Peter J. König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu Suhrkamp und können das Buch bestellen:http://www.suhrkamp.de/buecher/die_neue_ordnung_auf_dem_alten_kontinent-philipp_ther_42461.html. Sie können es aber auch direkt bei  Ihrem Buchhändler ordern.

Rezension: #Gunter_Dueck #schwarmdumm- So blöd sind wir nur gemeinsam- #Campus

Wie Prof. Dr. Gunter Dueck gleich zu Beginn seines neuen Buches schreibt, thematsiert er diesmal die selbst verschuldete Kompliziertheit unseres Lebens und zeigt wie es hierzu gekommen ist. Er möchte aus gutem Grund, dass wir begreifen, dass es uns mehr bringt, anstelle von "kompliziert" klugerweise "smart" und damit gewissermaßen runder zu agieren. Dabei ist das Runde das Einfachere, aber keineswegs das Simplere.

Dueck moniert, dass gerade im Team (neudeutsch  im "Schwarm") immer komplizierter vorgegangen werde und dadurch vormalige #Schwarmintelligenz zu #Schwarmdummheit mutiert sei. In den vielen #Meetings von #Managern werden keine eleganten (runden) Lösungen entwickelt, sondern es entstehe zusammengebasteltes Stückwerk, weil ohne gute Vorbereitung (Manager hetzten von Termin zu Termin) einfach nichts Vernünftiges herauskommen könne.

"Genial einfach" sei als Ergebnis eines Meetings geradezu utopisch. Dueck nennt viele Gründe für das Manko, doch ich denke Hauptgrund hierfür ist mangelnder Gemeinschaftssinn, geringe Eigenverantwortung im Team und die Tatsache, dass im Teamergebnis der Einzelne nicht genügend glänzen kann.

Gute Teamarbeit entspricht vermutlich  nicht dem egomanen Zeitgeist, deshalb auch mutierte Schwarmintelligenz zur Schwarmdummheit, so meine Beobachtungen. Der Autor schreibt u.a. von "antipathischer Abteilungsdenke", die den idealen Nährboden für Schwarmdummheit bilde. Abteilungsleiter sind offenbar zumeist nicht in der Lage, generalistisch  das Große und Ganze zu sehen, sondern haben nur ihr eigenes Ding im Auge. So hockt eine Vielzahl von Teilblinden in Meetings und entsprechend sehen dann auch die Ergebnisse aus.

Der Begriff Schwarmintelligenz von dem sich Duecks Wortschöpfung Schwarmdummheit ableitet, stammt aus dem Umfeld des Internets, weil es hier durch die weltweite Vernetzung von untereinander ganz unbekannten Personen zu erstaunlichen Problemlösungen gekommen  sei, so der Autor, der hierfür auch Beispiele nennt. Während im Internet Menschen  mitunter Freude an einer gemeinsamen Lösung haben, schaut es in traditionellen Firmen anders aus. Offenbar lässt sich die Idee der Schwarmintelligenz dort nicht so smart umsetzen. Dueck definiert "Schwarmdummheit entsteht, wenn das Ganze nicht klar verstanden ist und kein Ganzes das Team einigt."

Gunter Dueck untergliedert, nachdem er das Wesen der Schwarmdummheit erst einmal ausgelotet hat, in elf weitere Kapitel und gibt gestressten Managern die Chance, stets  den Kurzinhalt des jeweiligen Kapitels vorab zu überfliegen, damit sie hinterher noch wissen, was sie in der Hektik gelesen haben. Zudem hat Dueck im Vorfeld jeweils einen Merksatz formuliert. Damit Sie eine Vorstellung davon erhalten, was man sich merken soll, zitiere ich den Merksatz aus Kapitel 2:

"Unter zu hohen Zielen arbeiten wir sofort zu viel, anstatt uns bessere Strategien auszudenken oder auch festzustellen, dass wir es gar nicht schaffen können. Das führt zur Überbelastung aller Personen und Funktionen, die wiederum erzeugt Fehler, Terminverschleppen und Ärger. Dadurch wächst die Arbeitsmenge enorm an, ohne dass mehr geschafft würde."

Alle, die sich preußisch-protestantisch extrem viel aufhalsen, kennen das zur Genüge. So schreibt der Autor, er ist übrigens u.a. Mathematikprofessor, nicht nur von der Vergeudung unserer Kräfte in dem dann folgenden Kapitel, sondern erläutert das Problem anhand einer mathematischen Formel für Warteschlangenlängen.

Damit zeigt er, dass eine zu hohe Auslastung zu einem Stau der Arbeitsvorgänge führt. 85 % Auslastung sollten nicht überschritten werden. Je mehr ein Mensch zu entscheiden hat, umso mehr benötigt er Luft, um vernünftig nachdenken zu können, bevor er erfolgreich handeln kann.

Werden in Teams zu hohe Ziele gesetzt, führt dies zu einer neurotischen Gruppenbildung mit teamzersetzendem Verhalten. Das weiß jeder, der mit Teams bereits zu tun hatte, wie auch jeder weiß, dass ohne eine hellwache Teamleitung man eine wirklich lobenswerte Arbeitsbereitschaft eines Teams jenseits von Hobbyteams über einen längeren Zeitraum hin vergessen kann.

Dueck thematisiert eine Vielzahl von Nährböden für Schwarmdummheit. Selbstüberschätzung hart arbeitender Inkompetenter scheint mir der übelste Nährboden zu sein. Anstelle von Arbeiten im Hamsterrad sollte man sich mit den Methoden um "Kaizen" befassen und den drei Mu- Prinzipien: Muda, Muri und Mura,  mittels denen man in Japan große Erfolge erzielte.

Es führt zu weit, im Rahmen der Kapitel, nun jedes einzelne näher zu beleuchten. Wichtig ist zu wissen, wo die Grenzen eines Teams angesiedelt sind und wie die Persönlichkeitsstruktur von Teamworkern ausschauen sollte, damit Intelligente auch etwas Intelligentes zu Wege bringen.

"Für Schwarmintelligenz ist die Frage  "Was ist vortrefflich?"essentiell. Wenn sie verdrängt wird, entsteht Schwarmdummheit." (S.153)

Dueck zeigt Seite für Seite, wie es sich bewerkstelligen lässt, Schwarmdummheit im Team zu vermeiden, macht auch deutlich, dass man sich bei Statistikbetrachtungen im Team artikulierte Korrelationen genau ansehen soll und generell es meiden möge, nach Ausreden zu suchen, wenn es darum geht,  dem  Misserfolg ins Auge zu schauen.

Wenn im Team aus Fehlern gelernt werden soll, bedeutet dies, alles Persönliche zurückzustellen und Schuldzuweisungen zu meiden, sich stattdessen mit Erfolgsstrategien zu befassen und diese in Ruhe gemeinsam umzusetzen. 

Gunter Dueck träumt von Managern, die ihre Mitarbeiter wie Freiwillige führen und zu First-Class-Leistungen führen, denn er weiß, dass nur so der Schwarmdummheit entgegengewirkt werden kann. Um klug zu werden, bedarf es der persönlichen Reife und einer Persönlichkeit, die frei von Rechthaberei ist. 

Zuhören, Vorschläge überdenken, dem besten Gedanken den Vortritt geben, gemeinsam an einem Strang in die gleiche Richtung ziehen, aber  zuvor die Richtung genau bestimmen, so kann Schwarmdummheit vermieden werden. 

Also Scheuklappe absetzen, das Ganze der Firma im Auge habe, auch das Ganze der Branche und der Wirtschaft überhaupt, dann denken, kurz besprechen und nicht vor lauter Laberei um Kaisers Bart das Handeln vergessen, so gelangt man zu einem schwarmintelligenten Ergebnis,  das zumeist auch zu Erfolg führt, wenn Fortune mit im Boot ist...  

Empfehlenswert.

Helga König

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Rezension: Ganz normale Organisation- Zur Soziologie des #Holocaust- Stefan Kühl

Prof. Dr. Stefan Kühl ist der Autor des vorliegenden Buches, das sich mit der Soziologie des Holocaust beschäftigt. Er geht der Frage nach, weshalb so viele Deutsche bereit waren, sich an der Vernichtung der europäischen Juden zu beteiligen. Dabei geht er davon aus, dass über eine Vielfalt von Motiven wie Überzeugung, Zwang, Kameradschaft und Geld hinweg es die Einbindung in die Organisation des NS-Staates war, die sie dazu brachte, sich an Massenerschießungen und Deportationen zu beteiligen. 

Nach einer umfangreichen Einleitung untergliedert Kühl sein Werk in 9 Kapitel. Er berichtet zunächst in dem Kapitel "Jenseits der ganz normalen Männer" und "ganz normalen Deutschen" von den Massenerschießungen in Józefow im Jahre 1942, wo das "Polizeibataillon 101"  innerhalb von 12 Stunden 1500 Juden erschoss. Dieses Polizeibataillon war zwei Jahre hindurch immer wieder an Ghettoräumungen, Deportationen und Massenerschießungen beteiligt. Lebten 1942 noch 320 000 Juden im Distrikt Lublin, so waren es 1946 nur noch 5000. Verantwortlich für die Auslöschung der Juden dort war maßgeblich besagtes Polizeibataillon, (S.53). 

Kühl hinterfragt zahlreiche Begründungen für das Handeln der Mörder, so etwa den Fanatismus, den Sadismus, die Indoktrination und den Judenhass. Doch all diese machen nicht plausibel, weshalb so viele Personen, bei denen vorher kein solches Verhalten festgestellt werden konnte, während des 2. Weltkrieges an Deportationen, Massenerschießungen und Vergasungen teilnahmen. 

Der Autor befasst sich mit den Motiven von Organisationsmitgliedern und den Motivationsmitteln von Organisationen. Dabei ist es für eine Organisation nebensächlich aus welchen Motiven heraus sie handeln, wichtig allein ist, dass gehandelt wird. Thematisiert wird die antisemitische Konsensfiktion und die Zustimmungsdiktatur, zu der auch die schleichende Ausgrenzung der Juden aus dem öffentlichen Leben gehörte und damit die Vernichtung ihrer wirtschaftlichen Existenz. 

Gezeigt wird die schrittweise Durchsetzung der antisemitischen Konsensfiktion und zur Sprache gebracht wird auch der Zwangscharakter der Ordnungspolizei. "Zwangsorganisationen setzen Erzwingungsmittel ein, um auf diese Weise die Teilnahme an der Organisation sicherzustellen.“ Wie es damit bestellt war,   wird beleuchtet. Doch auch die Grenzen der Freiräume. Kameradschaft, Geld etc. sind Themen in der Untersuchung und es wird verdeutlicht, dass das Personal, das für Direkttötungen durch Massenerschießungen und Vergasungen zuständig war,   zumeist in "gierige Organisationen" eingebunden war, die den Anspruch hatten, die Mitglieder zu kontrollieren. Bei solchen "gierigen Organisationen" (Begriff von Lewis A. Coser) handelt es sich um Organisationen, die von ihren Mitgliedern exklusive Loyalität verlangen, indem sie andere Rollenengagements zu kontrollieren, einzuschränken und zu unterbinden suchen. (S.316). 

Das Buch macht begreifbar, dass die Formen exzessiver Gewaltanwendung Teil der informalen Struktur der NS-Gewaltorganisationen waren und dass nicht nur die Mitglieder in auf Massentötungen spezialisierten Organisationen häufig ganz normale Menschen gewesen sind, sondern dass auch die Organisationen, über die die Massentötungen geplant und durchgeführt wurden, Merkmale ganz normaler Organisationen aufweisen.

Das gibt zu denken, weil es klar macht, dass man im Hier und Jetzt und in der Zukunft nicht davor gefeit sein kann, dass Organisationen mörderisch mutieren und ganz normale Menschen zu grausamen Mördern werden lassen.. 

Empfehlenswert.

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu Suhrkamp und können das Buch direkt bestellen:http://www.suhrkamp.de/buecher/ganz_normale_organisationen-stefan_kuehl_29730.html. Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändlerum die Ecke ordern.

Rezension: #Sklavenmarkt Europa- Das #Millardengeschäft mit der Ware Mensch- #Michael_Jürgs

Michael Jürgs, der Autor dieses Buches ist nach Meinung der Süddeutschen Zeitung der vielseitigste und beste Sachbuchautor hierzulande. Sein Buch "Sklavenmarkt Europa" hat Jürgs in  acht Kapitel untergliedert und eine präzise Definition des Begriffs Menschenhandel vorangestellt. 

Wissen muss man, dass 58 Prozent des im Menschenhandel erzielten Gewinns auf dem internationalen Sexmarkt generiert werden, gefolgt von den Erlösen aus Zwangsarbeit. Hierzu zählen auch die wie Sklaven gehaltenen Dienstboten mit ungefähr 36%, die sich seit der weltweiten Finanzkrise ab 2007/2008 verdoppelt haben. Es folgen an Banden verkaufte Kinder, die für diese betteln und stehlen müssen mit 15% und krimineller, globaler Organhandel. 

Internationale Organisationen wie Europol gehen davon aus, dass – alle Arten von Ausbeutung mitgerechnet- circa zwanzig Millionen Menschen nicht frei über ihr Leben bestimmen können, so der Autor. Dabei sind Frauen und Kinder die begehrteste Ware und damit die am meisten leidtragenden Menschen. 

Einst war Sklavenhandel Menschenhandel und heute ist Menschenhandel Sklavenhandel. Die Mittel und Methoden haben sich geändert und die Absatzmärkte gewandelt. Globale aktive Menschenhändler nutzen heute die modernste Technik um Menschen unter Androhung von Gewalt und unter Machtmissbrauch auszubeuten. 

Der Autor reflektiert auch die Vergangenheit und lässt nicht unerwähnt, dass es Ende des 18. Jahrhunderts etwa 700 000 Sklaven in den Südstaaten gab. Sklavenhändler verschleppten damals auf brutalste Weise Menschen vom afrikanischen Kontinent. Schon 1787 forderten 10700 Einwohner der Industriemetropole Manchester den Sklavenhandel zu verbieten. Die Gier und Niederträchtigkeit von Menschen ist seit der Aufklärung nicht weniger geworden. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

Wie Jürgs verdeutlicht, ist Menschenhandel heute nichts anderes als Sklavenhandel in moderner Form. Deshalb auch sollte diese Menschenhändler wie internationale Terroristen bekämpft werden und zwar mit allen erlaubten Mitteln. Genauso ehe ich das auch. 

Ich habe das aufwühlende Buch nicht in einem Rutsch durchgelesen, sondern mir Monate damit Zeit gelassen, weil mich die Themen Zwangsprostitution, Zwangsarbeit, Scheinehen, Haussklaven, Organhandel und Zwangsadoption einfach emotional überfordert haben. 

Rund 300 000 Frauen zwischen achtzehn und dreiundzwanzig werden Jahr für Jahr auf internationalen Märkten feilgeboten. Tausende stammen aus Thailand, Nigeria und Ghana. Es ist schier unmöglich all das, was im Buch zur Sprache kommt, hier anzureißen. Meine Empörung gegenüber diesen widerwärtigen Sklavenhändlern ist nicht in Worte zu fassen und es packt mich der Ekel bei so viel Verkommenheit. Leider  hilft hier keine Aufklärung, sondern nur das Umsetzen von Höchststrafen im Rahmen der Gesetze des Menschenhandels. Anderes zu glauben wäre einfältig.

Man liest von der Schleusungskriminalität, die Schmuggel und Handel umfasst und wie vorhin schon erwähnt, dass seit der Finanzkrise die höchste Zuwachsrate im kriminellen Business Zwangsarbeit sei. 

Erschreckend, was man im 6. Kapitel zum Thema Organhandel lesen muss. Nieren und Leber werden angeboten und offenbar über Ebay verkauft, (S. 261). All die Entsetzlichkeiten detailliert in der Rezension wiederzugeben, erlaube ich mir nicht. 

Ich empfehle Ihnen, sich ein Bild zu machen und das Buch ausführlich zu studieren. Man muss wissen  wie viel Inhumanität hier auf dem Sklavenmarkt Europa stattfindet, um dagegen protestieren zu können.

Die zehn Gebote einer interdisziplinären gesamteuropäischen Strategie von Michael Jürgs (S. 319/320) sollte als Resolution im Internet kursieren und von möglichst vielen Menschen unterzeichnet werden. Alles ist eine Frage von Bewusstsein, speziell die Einhaltung der Menschenrechte. 


Sehr empfehlenswert.

Helga König
Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Bertelsmannverlag und können das Buch dort direkt bestellen.http://www.randomhouse.de/Autor/Michael_Juergs/p55204.rhd. Sie können es aber auch  bei ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension Peter J. König: #Weltordnung- Henry_Kissinger- C. Bertelsmann

Der Autor dieses Buches mit dem Titel "Welt Ordnung", Henry Kissinger, ist nicht nur einer der bekanntesten, lebenden Staatsmänner überhaupt, sein Rat als "elder statesman" wird mehr denn je gesucht. 

1938 floh er als Jude vor der Verfolgung aus Nazi-Deutschland in die USA, um dort nach einer akademischen Ausbildung viele Jahre später eine Professur für Politikwissenschaften in Harvard anzunehmen. Schon damals zeichnete er sich durch einen brillanten Geist und ungewöhnlich scharfe Analysen aus. Deshalb ist es auch nur plausibel, dass Henry Kissinger ab 1969 als Sicherheitsberater für den amtierenden Präsidenten Richard Nixon tätig war und von 1973 bis 1977 als Außenminister der Vereinigten Staaten amtierte. 

Für seine Bemühungen um die Entspannungspolitik und den Rückzug der US-Truppen aus Vietnam erhielt Kissinger 1973 den Friedensnobelpreis. Auch war er maßgeblich an der politischen Annäherung von den USA mit China beteiligt. Noch heute, mit 91 erlebt man ihn bei Podiumsdiskussionen und Sicherheitskonferenzen. Sein Wort hat Gewicht in der großen Politik. Die Sicherheits- relevanten Fragen hat er immer wieder in sehr lesenswerten Büchern erörtert, die staunend machen, nicht nur welche klaren Erkenntnisse dieser brillante Geist gewonnen hat, sondern wie er auch in der Lage ist, auf der Basis seines Insider-Wissens sie sehr anschaulich zu vermitteln. 

Das hier vorgelegte Werk "Welt Ordnung" ist also dann auch eine profunde Analyse über die Machtverhältnisse zwischen den Völkern und Staaten, die mit dem Ende des "Dreißigjährigen Krieges" und dem daraus entwickelten "Westfälischen Frieden" beginnt und ganz aktuell mit einer zukünftig notwendigen Machtbalance in der sich verändernden, globalen Welt abschließt. 

Dazwischen liegen Jahrhunderte mit Kriegen, Eroberungen und Entdeckungen, die immer wieder dafür gesorgt haben, dass neue Machtzentren entstanden sind, die es galt in ein weltweites Gefüge einzubinden. Um dem Leser dieses alles verständlich zu machen, bedurfte es eines unendlichen Wissens, was auch die Fußnoten bestätigen, aber vielmehr noch eines Autors mit einem ordnenden Überblick, der alle historischen Fakten zu einem großen Ganzen zusammen bindet. 

Dies ist Henry Kissinger einmal wieder hervorragend gelungen. Wer seine Geschichtskenntnisse nicht mehr so ganz parat hat, kann sie erneut auffrischen, und zwar in einem Maße, wie sie anschaulicher nicht sein könnten. Dabei werden Zusammenhänge klar, wie die Machtpolitik der Vergangenheit sich heutzutage erstaunlicherweise erneut widerspiegelt, so als hätte die Menschheit aus der Geschichte nichts gelernt. 

Besonders interessant aber wird es, wenn der ehemalige Außenminister die politische Entwicklung aus seiner aktiven Zeit schildert und so die Zusammenhänge aus seiner Sicht erläutert. Damit es aber nicht nur bei diesem Buch um pragmatische Machtpolitik geht, hat Kissinger versucht auch jeweils die unterschiedlichen philosophischen Hintergründe zu beleuchten, die er besonders bei den amerikanischen Staatsführern zu sehen glaubt. "Welt Ordnung" ist ein wichtiges Buch, denn es erlaubt Zusammenhänge zu erkennen, die selbst dem Politik-interessierten Leser in dieser Kompakt- und Klarheit nicht möglich sind.

Über die Wissensfülle erübrigt sich jede Diskussion. Natürlich kann man in dem einen oder anderen Punkt eine andere politische Auffassung vertreten, wie sie der Autor kundtut, zumal Henry Kissinger nicht nur ein pragmatischer Diplomat ist, sondern auch ein amerikanischer Patriot. Trotzdem ist es gut, gerade in der sich wieder mit verschärften Krisen entwickelnden Zeit einen fundierten Überblick zu bekommen, zumal sich Kissinger nicht scheut neue Perspektiven einer Machtbalance aufzuzeigen, die Antworten geben sollen auf die mögliche Instabilität der globalen Zukunft. 

Um dem Leser bereits hier eine konkrete Vorschau über Henry Kissingers Werk  "Welt Ordnung" zu geben, folgt anschließend noch ein wesentlicher Auszug aus der Inhaltsangabe: 

Einleitung Die Suche nach der Weltordnung 
Kapitel 1 Europa: die pluralistische Internationale Ordnung 
Kapitel 2 Das europäische Kräftegleichgewicht und sein Ende 
Kapitel 3 Islamismus und der Nahe Osten: eine Welt in Unordnung 
Kapitel 4 Die Vereinigten Staaten und der Iran 
Kapitel 5 Die Vielfalt Asiens 
Kapitel 6 Zu einer asiatischen Ordnung Konfrontation oder Partnerschaft
Kapitel 7 "Um der Menschheit willen" Die Vereinigten Staaten und ihr Ordnungskonzept 
Kapitel 8 Die Vereinigte Staaten: eine ambivalente Supermacht 
Kapitel 9 Technik, Gleichgewicht und menschliches Bewusstsein 
Schlussfolgerung Weltordnung in unserer Zeit 

Das abschließende Fazit ist auf einen kurzen Nenner zu bringen: Ein großartiges Buch, das nicht nur ein geschichtliches Kompendium darstellt, sondern in erster Linie zum Nachdenken über die aktuellen Bedrohungen unserer Zeit anregt, und dabei hilft diese einzuordnen. 

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum  C. Bertelsmann-Verlag und können das Buch bestellen.http://www.randomhouse.de/cbertelsmann/. Sie können es aber auch  direkt bei  Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: Wir letzten Kinder #Ostpreussens- #Zeugen einer vergessenen Generation- Freya Klier- #Herder_Verlag

Freya Klier, die Autorin dieses bemerkenswerten Buches wurde 1950  in Dresden geboren und ist 1968 zu 16 Monaten Gefängnis wegen versuchter Republikflucht verurteilt worden. Sie gilt als Mitbegründerin der DDR-Friedensbewegung, wurde 1988 gemeinsam mit anderen Bürgerrechtlern verhaftet und unfreiwillig ausgebürgert. Die engagierte Schriftstellerin und Dokumentarfilmerin erhielt zahlreiche Preise und Ehrungen u.a. das Bundesverdienstkreuz. 

Im vorliegenden Buch mit dem Titel "Wir letzten Kinder Ostpreussens. Zeugen einer vergessenen Generation" zeichnet sie die Schicksale von sieben ostpreußischen Kindern zu Kriegsende nach. Klier fragt gleich zu Beginn, ob die Zivilisten Ostpreußens, auf die damals die rote Armee zuwalzte, eine Vorstellung davon hatten, was die Menschen im Osten, sprich in Russland, seit Jahren erleiden mussten? Sie fragt weiter, ob die ostpreußischen Zivilisten wussten, in welchem Tempo beispielsweise im September 1941 in der Schlucht von Babi Jar 34000 Juden aus Kiew ermordet wurden? 

Klier erwähnt die Massenerschießungen im Baltikum, in Weißrussland und in Teilen der Ukraine, an denen die Deutsche Wehrmacht beteiligt war und lässt nicht unausgesprochen, dass in den ersten Monaten nach dem Überfall auf Russland rund eine halbe Million Menschen Opfer der Deutschen wurden. Sie  schreibt auch über Leningrad, wo im eisigen Winter 1941/42 aufgrund der Blockade der Deutschen Wehrmacht 470 000 Kinder, Frauen und Männer starben, weil sie ohne Wasser, Nahrung Licht, ohne Strom, ohne Heizung und Kanalisation dahinvegetierten. 

Man liest von der Auslöschung der gesamten jüdischen Stammesgeschichte der Schapiro-Juden, bevor man sich mit dem Schicksal der sieben ostpreußischen Kinder vertraut machen kann, sich aber bereits bewusst gemacht hat, dass das, was in Ostpreußen geschah, die Folge des abgründigen Handelns der Deutschen Wehrmacht in Russland gewesen ist. 

Ich möchte das Buch nicht verkürzt nacherzählen, das inhaltlich im Sommer 1944 beginnt und im 21. Jahrhundert endet. Als Tochter einer Mutter, die das ostpreußische Kriegstrauma seit 70 Jahren in sich trägt, habe ich in diesem Buch vieles gelesen, was ich von Kind an seitens meiner ostpreußischen Vorfahren immer wieder hörte und was auch mein Leben nachhaltig geprägt hat.

Die Zerstörung Königsbergs im August 1944 war der Auftakt zu jenem unermesslichen Leid, das 1945 über Ostpreußen hereinbrach und es traf in erster Linie Zivilisten. Während nun in Ostpreußen der deutsch-russische Kampf tobte, rangen die Flüchtlinge auf dem Haff um ihr Leben. 

Wie Klier schreibt, erreichte der Tod Ende Januar 1945 im Osten ein biblisches Ausmaß. Sie erwähnt die Schiffstragödie der "Wilhelm Gustloff", wo aufgrund von drei sowjetischen Torpedos 9000 Menschen in der Nacht des 30.1. 1945 ertrinken, zumeist waren es Flüchtlinge aus Ostpreußen. Wenige Tage später am 9.Februar 1945 sterben rund 3400 Menschen beim Untergang der "General Steuben", auch dieses Schiff sollte Flüchtlinge aus Ostpreußen in Sicherheit bringen. Im April 1945 ertrinken beim Untergang des Frachters "Goya" fast 7000 Menschen, nachdem das Schiff die Danziger Bucht verließ. 

All das Leid, was unschuldigen Zivilisten angetan wurde, muss man den Nazis zurechnen. Ohne Wenn und Aber. 

Klier schreibt von 7000 Juden, Arbeitssklaven der Nazis, die kaum bekleidet bei eisiger Kälte seitens der SS aus fünf ostpreußischen Außenlagern nach Königsberg getrieben werden. Auch der Mord an diesen Juden  später an der Samlandküste bleibt nicht unerwähnt. Im 1. Februar 1945 ermordet die SS Tausende wehrloser Juden am Strand von Palmicken. Er war der letzte Massenmord der Nazis an europäischen Juden....

Das Buch in seiner Gesamtheit ausführlich zu rezensieren überfordert mich emotional. Man liest von den Massenvergewaltigungen ostpreußischer Frauen und  immer wieder von  grausigen Morden. Der Vernichtungsfeldzug der Deutschen Armee im Osten forderte 6 Millionen polnische Kriegsopfer und 25 Millionen russische Tote, davon 8.6 Millionen Soldaten.

Ich wundere mich nicht über die Unbarmherzigkeit, mit der Rache geübt wurde. Gleichwohl wundere ich mich, dass überhaupt jemand überlebt hat.

Die Autorin lässt ihr Buch nicht unmittelbar nach 1945 endet, sondern begleitet die "letzten Kinder Ostpreußens" bis in unsere Gegenwart. 

Kann ein Mensch, der diese Hölle als Kind erlebt hat, jemals wirklich  fröhlich sein?

Ein aufwühlendes Buch, das ich jedem zu lesen empfehle und das mich in meiner pazifistischen Grundeinstellung  nur noch bestärkt.

Empfehlenswert.

Helga König

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Rezension: Die Ottonen und das Konzept eines vereinten Europas- Robert F. Barkowski

Robert F. Barkowski ist der Autor dieses hoch-interessanten, bebilderten Buches, das allein schon des Titels wegen neugierig macht. 

Wie der Autor die Leser wissen lässt, war die Epoche der Ottonen von herausragenden Persön-lichkeiten geprägt, die sich mit hohem Einsatz bemühten, Staatsgebilde zu konstruieren, die mit einer zentralen Macht eine politische, administrative, kulturelle und religiöse Einheit garantieren vermochten. Diese Bemühungen rief aber auch Widersacher auf den Plan, wodurch eine konfliktreiche Phase der feudalen Zersplitterung einsetzte. 

Es waren die Ottonen, die ein viele Völker vereinendes Reich schufen. Benannt wurde die Dynastie nach ihrem ersten Kaiser Otto dem Großen. Sie endete mit Otto III., seinem Enkel, der keine Nachkommen hatte. 

Man erfährt im Buch zunächst Wissenswertes über Europa im 9. und 10. Jahrhundert und wird über Heinrich I., Otto I., II. und III. sowie Heinrich II. und das Ende der Ottodynastie aufgeklärt. Des Weiteren im Fokus steht Kaiserin Theophanu, die berühmte Prinzessin aus Byzanz, die als Gemahlin Otto II. Mitkaiserin des Ottonenreichs wurde. 

Es führt zu weit, auf Einzelheiten des gut strukturierten Buches einzugehen, das sich speziell wegen des Leitbildes eines friedlichen, europäischen Staatensystems, das damals möglicherweise entstand, als nicht uninteressante Lektüre erweist.

Rezension: Warum die Sache schiefgeht- Karen #Duve

Karin Duwe ist eine Autorin von beeindruckender Intelligenz. Das beweist sie in ihrem Essay "Warum, die Sache schiefgeht- Wie Egoisten, Hohlköpfe und Psychopathen uns um die Zukunft bringen."

Freunde wird sich die Autorin in den Vorstandsetagen mit ihrer Streitschrift nur wenige machen, denn bis zum heutigen Tage sind Boten schlechter Nachrichten nicht sonderlich beliebt.

Duwe wartet in ihrem Buch mit vielen Fakten auf, die dokumentieren, dass der globale Kollaps nicht zu verhindern ist, sofern wir unseren Lebensstil nicht umgehend ändern. Dabei spricht sie von einem ungezügelten Generationsimperialismus, der durch bestimmte Verhaltensmuster in den Chefetagen vorangetrieben wird. 

Wie Duwe eingangs bereits festhält, wird weiteres Wirtschaftswachstum nur noch kurzfristig zu mehr Wohlstand führen, langfristig jedoch  "zu mehr Klimaerwärmung, mehr Müll, mehr Hunger, mehr Dürrekatastrophen, mehr Waldbränden und mehr Überschwemmungen." Die Ausbeutung der Ressourcen, das Artensterben und die Überbevölkerung sind neben anderen Faktoren jene, die den Kollaps beschleunigen. 

Ein Grundproblem, dass es zu dieser Entwicklung gekommen ist, scheinen Personen in Chefetagen und in höchsten Ämtern zu sein, die man als Psychopathen bezeichnen muss. Duwe erwähnt den amerikanischen Wirtschaftspsychologen Paul Babiak, der ermittelt hat, dass der Anteil an Psychopathen bei US- Managern bei 8 % liegt. Das bedeutet, dass es ansonsten nur noch in den Hochsicherheitstrakten amerikanischer Gefängnisse eine höhere Psychopathen-Dichte gäbe.

Kerneigenschaften von Psychopathen sind kompromissloser Eigennutz und Skrupellosigkeit und der hemmungslose Gebrauch anderer Menschen.  Duwe schreibt von typischen psychopathischen Verhaltensmustern wie beispielsweise einem grandiosen Selbstwertgefühl, Überzeugungskraft, oberflächlicher Charme, Rücksichtslosigkeit, fehlende Reue und die Fähigkeit andere Menschen zu manipulieren. Diese Eigenschaften werden in Führungskreisen der Wirtschaft  eher positiv gesehen, was leider zu sehr negativen langfristigen Folgen auf unserer Erde führt. 

Psychopathische Verhaltensweisen werden nicht selten mit Alphatierverhalten in der Wirtschaft verwechselt, weil emotionale Defizite wie Leichtsinn, Selbstüberschätzung, Rücksichtslosigkeit und kaum vorhandenes soziales Interesse mit den gewünschten Unternehmertugenden Risikobereitschaft, Selbstvertrauen, Durchsetzungsfähigkeit und unbegrenztem Einsatzwillen gleichgesetzt werden. Eine fatale Fehleinschätzung!

Solange Psychopathen ihr zerstörerisches Verhalten in den Dienst einer Firma stellten und rücksichtslos Gewinne einbrächten, würden sie als effiziente Mitarbeiter gefeiert, doch der Schaden den Psychopathen volkswirtschaftlich anrichten, ist so extrem, dass mittlerweile bereits Persönlichkeitstests für die Auswahl von Führungskräften gemacht werden, die bestimmte psychopathische Charaktermerkmale herausfiltern, aber bedauerlicherweise nicht alle.

Leider verhielte es sich  immer noch so, dass  Schamlosigkeit, Rücksichtslosigkeit und die Abwesenheit von Mitleid die Grundvoraussetzungen dafür seien, eine Spitzenposition zu besetzen. Duwe zeigt Beispiele auf, so etwa in der Finanzwirtschaft, die dokumentieren, was geschieht, wenn man der Gier freien Lauf lässt. Managertugenden wie "Risikobereitschaft" werden unter die Lupe genommen und immer wieder stellt Duwe Überlegungen an, wie bestimmte Verhaltensmerkmale sich negative auf verantwortliches Handeln auswirken können. 

Auch Selbstvertrauen thematisiert sie und beleuchtet das Problemfeld der multiresistenten Keime ausgiebig, ähnlich ausführlich wie sie zuvor schon  die Risikoeinschätzung von Teilchenbeschleunigung in Augenschein genommen hat. Bereits jetzt sterben jedes Jahr 37 000 Europäer an Infektionen mit multiresitenten Keimen und die europäische Gesundheitsbehörde hält besagte Keime für die bedeutendste Krankheitsbedrohung in Europa. Die Agrarindustrie schert dies offenbar wenig. 

Bedrohliche Veränderungen allerorten sind das Ergebnis der Gier von Psychopathen in Führungsetagen. Das scheint nach der Lektüre des Buches gewiss. Einhalt geboten werden könnte all dem wohl nur mittels striktem Umsetzen eines neuen Wertebewusstseins und der Erkenntnis, dass Psychopathen und Soziopathen in den Führungsetagen der Wirtschaft und Politik nichts, aber auch gar nichts verloren haben, denn hier sollte Verantwortungsbewusstsein oberstes Gebot sein..

Empfehlenswert.

Helga König