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Rezension: Geo Epoche Nr. 74- Das Britische Empire 1815- 1914

Das vorliegende Geomagazin dokumentiert, wie eine kleine Inselnation bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein Viertel der Erde und der Menschheit zu unterwerfen vermochte und berichtet von der Entstehung jener globalisierten Welt, in der wir heute noch leben. 

Das Magazin enthält 13 Beiträge unterschiedlicher Autoren. Kartenausschnitte und viel Bildmaterial dienen zur Illustration und zum besseren Verständnis der eloquenten Texte. 

Zunächst wird man über den Aufstieg des Imperiums unterrichtet. Bis 1733 entstanden nach und nach 13 Kolonien, von New Hampshire bis Georgia. Es war König Jakob I. , der Virginia zur Kronkolonie erklärte, d.h. sie zu einem direkt dem Monarchen unterstellten Territorium machte, das von einem Gouverneur verwaltet wurde. 

Man erfährt wie sich im Jahr 1600 etwa 100 Kaufleute zu einer Aktiengesellschaft zusammenschlossen. Diese "East India Company" erhielt einen Freibrief seitens Elisabeth I. Er ermöglichte es,  Handel mit Indien als auch mit Ost- und Südostasien zu betreiben. Die Anteilseigner teilten sich Kosten und zukünftige Gewinne. Weil das Handelsmonopol staatlich war, erhofften sich die Aktionäre ein vermindertes Risiko. Sehr rasch stieg die East India Company zur erfolgreichsten Aktiengesellschaft in England auf. 

Nachdem Ende des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges und dem Verlust der dortigen Kolonien wurde Indien zur bedeutendsten Kolonie Englands. Ab 1858 übernahm die britische Krone die Administration auf dem Subkontinent. Anhand einer Karte kann man sich eine Vorstellung davon machen, wie groß das britische Weltreich dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts- auf dem Gipfel seiner Macht- war. London beherrschte über 400 Millionen Menschen, das heißt ein Viertel der damaligen Weltbevölkerung und ein Gebiet, das 100x so groß war wie das Mutterland. 

Man erfährt Näheres über den Abenteurer Sir Thomas Stamford Raffles, der von einem malaiischen Sultan das Recht erhielt, ein im Piratennest einen Handelsposten zu gründen. Daraus entstand die Drehscheibe im Gewinn einbringenden Warenverkehr mit den Schätzen des Ostens und damit eine bedeutende Grundlage für den Aufstieg des Empire zum größten Weltreich. 

Äußerst spannend zu lesen ist der Beitrag mit dem Titel "Rebellion auf der Zuckerinsel" von Christina Schneider. Es geht dabei um die Zuckerrohrplantagen Jamaikas, wo Sklaven für den Reichtum britischer Pflanzer schufteten. Viele der Sklaven starben bereits bei Ankunft. 1831 dann erheben sich die Zwangsarbeiter gegen ihre Ausbeuter. Es war nicht zuletzt Jamaika, das das Empire reich machte. 

Es führt zu weit,  alle Beiträge hier zu streifen. Nennen möchte ich den Beitrag von Reymer Klüver, der den Titel trägt "Die Drogenhändler ihrer Majestät". Es geht um britische Kaufleute, die von Indien aus tonnenweise Opium nach China schmuggeln, was zu einer vorteilhaften Handelsbilanz des Vereinigten Königreichs führte. Kaum vorstellbar: 1850 werden mehr als 50 000 Kisten Opium nach China verbracht. Dort hat die Droge allerdings verheerende Folgen für die Menschen. Doch was zählt schon der Mensch, wenn es um Profit geht?

Man liest von  aufregenden Ereignissen auf Borneo und von anderen in Australien, das seitens der Briten seit 1788 als Strafkolonie genutzt wurde.  Auch über die Weltausstellung 1851 in London   wird man unterrichtet. Es war übrigens die erste Ausstellung dieser Art. Eröffnet wurde sie von Queen Victoria und ihrem Gatten Albert. 

Mehr erfährt man u.a. über Cecil Rhodes, dem Diamantenkönig, der in Afrika ein eigenes Reich besaß: Rhodesien. Das Gebiet befand sich nördlich des britischen Kolonialbesitzes und gehörte vormals afrikanischen Stämmen. 

Ausbeutung, Diebstahl und Raub hatte alle überall Methode. Dadurch wurden die Briten reich, aber die Menschen in den ausgebeuteten Ländern konnten sich nicht entwickeln. Die äußerst miesen Methoden schnell reich zu werden, sah in anderen Ländern Europas, die Kolonien besaßen,  nicht wesentlich anders aus. 

Dass heute Flüchtlingsströme aus vormaligen Kolonien  Europa zu überfluten drohen, wundern nicht, sobald dem Beobachter bewusst wird, was sich im Laufe der Geschichte ereignet hat. Ein Blick auf die Karte, wo auch die Kolonien anderer europäischer Länder eingezeichnet sind, verdeutlicht, dass das Gesetz der Resonanz nun zu wirken beginnt. Das ist die Folge der Ausbeutung, die nun ihren Tribut fordert, den man ohne zu Murren entrichten sollte. Der faire Ausgleich gebietet dies.

Empfehlenswert. 

Helga König

Rezension: Gefährliche Bürger- Die neue Rechte greift nach der Mitte- Liane Bednarz- Christoph Giesa- Hanser

Die Autoren dieses Buches sind die Juristin und Publizistin Liane Bednarz und der Publizist und Strategieberater Christoph Giesa. Sie befassen sich mit einer Thematik, die uns vermutlich allen in nächster Zeit noch viel Kopfzerbrechen bereiten wird. Dabei machen sie bereits im Klappentext deutlich, was ihr Hauptanliegen ist:

"Rechte Umtriebe in der Kirche und Medien. Gewalt gegen Minderheiten. Offener Hass gegen Politiker und Journalisten in Leserbriefen. Die Entwicklungen erinnern immer mehr an die 1920er, als rechte Intellektuelle die Weimarer Demokratie attackierten. Menschenfeindliche Agitation ist längst wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wir dürfen dem empörenden Treiben nicht länger zusehen, sondern müssen ihm entgegentreten!“

Wie wahr!

Das aufklärerische Werk ist in drei große Teile untergliedert. Bereits in der Einleitung lässt das Autorenteam die Leser wissen, was ihnen auf den Nägeln brennt. Es ist nicht zuletzt die Frage: "Ist das, was lange ganz rechts außen gärte, in der Mitte der Gesellschaft angekommen, salonfähig geworden?"

Wer sich im Internet mit wachen Augen durch die sozialen Netzwerke bewegt, wird gewiss schon auf rechtslastige Texte gestoßen sein und sich gewundert haben, dass diese zum Teil von bis dato eher unverdächtigen Menschen aus der Mitte der Gesellschaft verfasst worden sind. Neuerdings muss man sich seine Follower oder FB-Freunde wohl genauer ansehen, wenn man nicht Gefahr laufen möchte, mit rechtslastigen Personen in Verbindung gebracht zu werden. Ich spreche aus eigener Erfahrung und war schon einige Male verblüfft über das Gedankengut, das oberflächliche Internetbekanntschaften plötzlich in öffentlichen Beiträgen offenbarten und mich zum sofortigen Abbruch des Kontakts veranlasst haben.

Wie die Autoren schreiben, sei die AfD nur das sichtbarste Symptom einer nach rechts driftenden, sich radikalisierenden Mitte, die dies noch nicht einmal bemerke. Die beiden Verfasser nennen viele Autoren und Journalisten beim Namen, die sich in jüngster Zeit wenig liberal in ihren Texten geäußert haben.

Aufgeklärt wird man über das Phänomen des Hasses, der der Attitüde der neuen Rechten innewohnt. Offensichtlich ist der anonyme Hass mittlerweile dem offenen Hass gewichen. Angeheizt von bürgerlich wirkenden Ideologen erlebt man nun hierzulande islamphobe Proteste, antisemitische Ausbrüche, Angriffe auf Ausländer und anderes mehr. Feststellbar ist ein Zynismus gegenüber Minderheiten und ein Hass gegen alles, was unsere Gesellschaft lebenswert gestaltet.

Man erfährt mehr über das neurechte Weltbild, über die Ausgrenzung von Fremdem. Diese Menschenfeindlichkeit, die sich einst beispielsweise gegen die Polen richtete, richtet sich heute gegen Muslime, weil die Rechte eine Islamisierung des Abendlandes befürchtet. Indem sich diese neue Rechte im Rahmen ihrer Kommunikation immer noch am Rande des Legalen aufhält, sei sie besonders gefährlich. Das sehe ich auch so.

Man liest über Szenenpublikationen von Pegida und AfD und dubiosen Gruppierungen im Internet, die mehr als nur erschreckend sind und muss sich fragen, ob hier die Meinungsfreiheit im Netz nicht schon lange an ihre Grenzen angelangt ist. 

Ich teile die Ansicht der Autoren im Hinblick auf den zynischen Umgang mit dem Begriff "Gutmensch", der von Rechtslastigen immer öfter diskriminierend benutzt wird. "Mit der Abwertung all jener, die versuchen, diese Welt erträglich und im Sinne eines Miteinanders zu gestalten, versuchen sie gleichzeitig all diejenigen aufzuwerten, die sich nicht daran beteiligen willen. Sich und ihr Milieu wollen sie reinwaschen und die diesem inhärente Rücksichtslosigkeit mit einer weißen Weste umkleiden.“ (S.81) 

Ganz offensichtlich gewinnen Vorurteile, Pauschalisierungen und Verschwörungstheorien wieder Raum in der Mitte der Gesellschaft. Hier findet eine politische Gehirnwäsche statt, "mittels deren Szene-Protagonisten ständig neue Jünger“ herangezüchtet werden. Man liest von Hetzseiten im Internet, die nicht immer sofort als solche erkennbar sind. Formuliert wird dort: Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Islamhass, Verschwörungstheorien und antidemokratische Propaganda. Je radikaler sie sind, umso wahrscheinlicher ist es, dass das Impressum fehlt. 

Aufgeklärt wird man über die so genannte "Reichsbürger-Ideologie" und sensibilisiert wird man dafür, dass man sich die User von Beiträgen, die man im Netz teilt, genauer anschauen muss. Oft nämlich entpuppen sich diese als extrem rechtslastig. Wesensmerkmale der rechten Szene sind: zornige Kritikunfähigkeit und Hybris. 

Die beiden Autoren liefern immer wieder Quellen für ihre Analysen, aber man ist dann doch etwas aufgeschreckt, wenn sie sich wenig freundlich zu renommierten Autoren und Journalisten äußern, die man bislang nicht der rechtslastigen neuen Mitte zugeordnet hat. Ob man da nicht besser erst einmal die in den Fokus geratenen Personen interviewt hätte?  Deren Namen an dieser Stelle zu nennen, scheue ich mich, solange sie nicht selbst Stellung bezogen haben. Dies geschieht keineswegs aufgrund von Autoritätsgläubigkeit...

Teil 3 dokumentiert, dass es sich um ein konstruktives Buch handelt, das ich allen zu lesen empfehle. Dabei teile ich die Meinung: "Solange wir den Hass nicht wirksam eingedämmt, den Umgang mit ihm nicht erfolgreich eingeübt und ihn dorthin gedrängt haben, wo er keinen Schaden anrichtet, bleibt er allerdings eine der größten Stärken der Radikalen. Und das gilt weit über die neuen Rechten hinaus."

Das Buch hat mich sehr traurig gemacht, weil es mir zeigt, dass mangelnde Aufklärung in den letzten Jahrzehnten zu fatalen Ergebnissen geführt hat. Was bleibt zu tun? Nachschulen. Was sonst. Dies ist nun Aufgabe der Medien.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Hanser-Verlag und können das Buch dort direkt bestellen. Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.http://www.hanser-literaturverlage.de/buch/gefaehrliche-buerger/978-3-446-44461-4/

Rezension Peter J. König: Triumpf und Tragödie Israels. Ari Shavit- C.Bertelsmann

"Mein gelobtes Land" ist im C. Bertelsmann Verlag erschienen. Autor ist der 1957 geborene Israeli Ari Shavit. Er ist Reporter und Kolumnist bei der israelischen Tages-Zeitung Haaretz, obendrein war er Vorsitzender der Bürgerrechts-Organisation Acri. 

Shavit hat sich in seinem Buch sehr ausführlich und sehr informativ mit dem Staat Israel, seinem Heimat-Staat auseinander gesetzt, ganz von den Anfängen bis in die jüngste Zeit. Sein Urgroßvater war der Engländer Herbert Bentwich, der als einer der führenden Zionisten der ersten Generation sich Ende des 19. Jahrhunderts aufgemacht hatte, um in Palästina zu siedeln, um zurück zu kehren in das gelobte Land der Juden, da wo die Wurzeln des jüdischen Volkes sind. Entsprechend sind die Reflektionen die Ari Shavit hier niedergelegt hat nicht nur aus dem Blickwinkel der Geschichte zu sehen, den Chronist verbindet die gesamte Entwicklung des Staates Israel auch unmittelbar aus seiner familiären Perspektive. 

Diese beginnt schon unmittelbar damit, als sein Urgroßvater zum ersten Mal seinen Fuß auf die Erde Palästinas setzte, einem Gebiet, das Jahrhunderte-lang von den Arabern beherrscht war, bis es zu einem englischen Protektorat wurde. Ursprung des jüdischen Volkes ist Jerusalem mit seinem Tempelberg, ein Ort der Sehnsucht, besonders dann wenn die Juden verstreut über die ganze Welt immer wieder von Verfolgung, Unterdrückung, Schmähungen und Pogrome heimgesucht worden sind. Diese Sehnsucht war es auch die den Urgroßvater des Autors bewogen hat, seine etablierte Existenz in England aufzugeben, um mit einigen Gleichgesinnten in das Land der Urväter zurück zu kehren. 

Vom Ende des 19. Jahrhundert bis heute ist es ein langer, mühsamer, entbehrungsreicher aber auch gefährlicher Weg, der mit den ersten zionistischen Siedlern begann, zur Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 führte und heute noch eine ständige Bedrohung mit sich bringt. Wie sich dies alles entwickelt hat, dies ist das Thema dieses Buches, wobei der Autor keineswegs die Augen vor der Realität verschlossen hat. 

Realität ist die Tatsache, dass die Palästinenser, die ursprünglichen Bewohner des Landes systematisch vertrieben worden sind. Zunächst friedlich durch Landaufkäufe, später mit militärischer Gewalt. Dies treibt auch Ari Shavit um, der bei seinen Recherchen zu diesem Buch diese Frage nie aus den Augen lässt, war sie doch auch immer wieder der Anlass zu Kriegen und Auseinandersetzungen mit den Nachbarstaaten, oftmals mit ungewissem Ausgang. 

Eine weitere entscheidende Frage ist für den Autor der heutige Zustand des Landes mit der Mentalität seiner Bewohner, die so sehr gespalten ist, von ultra-orthodoxen Juden bis hin zu der neuen Generation von Israelis, die sich eher freiheitlicher westlicher Dekadenz hingeben, als vom starken Willen der Gründergenerationen geprägt zu sein. 

Diese Gründergenerationen haben nicht nur ein starkes wirtschaftliches und militärisches Israel aufgebaut, mit dem nie zugegebenen Besitz von Atombomben, die aber Abschreckungspotential genug waren, damit die umliegenden arabischen Staaten von einem Generalangriff auf das Land absahen und wie Ägypten und Jordanien sogar Friedensabkommen mit Israel abschlossen. Sie haben auch technische Fortschritte entwickelt und damit Israel zu einem der führenden Technologiestaaten in der Welt gemacht. All dieses wird hier thematisiert und doch stellt der Autor immer wieder die Frage, ob dies alles reicht, damit auch seine Kinder in Israel weiterhin gesichert und wohlbehalten zukünftig noch leben können. 

Der große Verdienst dieses Buches von Ari Shavit "Mein gelobtes Land" ist nicht nur die ausführliche, geschichtliche Systematik über den Staat Israel, seiner Zuwanderer und die Gründe, warum es dazu überhaupt gekommen ist, vielmehr ist es der gelungene Versuch,  eine möglichst große Objektivität herzustellen. 

Israel ein Staat der Unterdrückten und Unterdrücker, vor diesem Hintergrund erklärt Ari Shavit die Situation Israels, wobei er viele entscheidende Zeitzeugen befragt, Personen, die in unmittelbarer Verantwortung für das Land sowohl politisch, militärisch als auch technologisch gestanden haben. Bei aller Fülle von Informationen merkt man doch immer auch, dass Ari Shavit Reporter und Journalist ist und dass sein Focus auf den Bürgerrechten liegt. 

Er versteht es glänzend situative Spannung beim Leser zu erzeugen, auch was die jeweils beschriebenen Örtlichkeiten betrifft, im Verhältnis zu den geschichtlichen Ereignissen und seinen heutigen persönlichen Recherchen vor Ort. 

Wer sich einen fundierten Überblick über die Geschichte Israels, seiner Menschen und seiner Situation damals wie heute verschaffen möchte, ist mit Ari Shavits Buch "Mein gelobtes Land" bestens informiert. Deshalb wurde das Werk mit vielen Preisen ausgezeichnet, so mit dem renommierten Natan Book Award, ebenso mit dem bekannten National Jewish Book Award. Wer sich für Israel interessiert, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Deshalb das Fazit: 

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Bertelsmann-Verlag und können das Buch bestellen. Sie können es jedoch auch  direkt bei  Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern:http://www.randomhouse.de/Buch/Mein-gelobtes-Land-Triumph-und-Tragoedie-Israels/Ari-Shavit/e464444.rhd

Rezension: Zum Weltfrieden –Ein politischer Entwurf- Michael Wolffsohn- dtv premium

Prof. Dr. Michael Wolffsohn lehrte bis 2012 Neuere Geschichte. In seinem Buch stellt er die These auf, dass nicht nur derzeit Staaten zerfallen, sondern dass in Zukunft noch mehr Staaten zerfallen werden. Diese These versucht er wissenschaftlich zu belegen. 

Der Autor möchte zeigen, dass Konflikte eingedämmt und sogar beendet werden können. Um dies möglich zu machen, ist Selbstbestimmung notwendig. Seine Diagnose lautet: "Sofern Menschen nicht manipuliert, also missbraucht werden, streben sie nach Selbstbestimmung. Sowohl als Individuum wie auch im kollektiv." 

Wolffsohn geht davon aus, dass wir alle unseren Alltag selbst gestalten möchten und zwar in jeder Beziehung, sprich, politisch, wirtschaftlich, sprachlich, religiös und kulturell. Darüber hinaus aber wollen sich auch viele Menschen abgrenzen, sei es ethnisch, sprachlich, kulturell, religiös oder national. Dabei aber muss man wissen, dass Abkapselung – jenseits der Selbstbestimmung- Konflikte und Kriege anheizt. 

Unsere Staatenwelt sei ein Kunstprodukt, so der Autor. "Sie ist eine Kopfgeburt und als Kopfgeburt eine Totgeburt. Deshalb zerbröselt ein Staat nach dem anderen."  Die Ursache sei ein unsinniges Konstruktionsprinzip, ein falsches Denken, dass nicht nur zum Zerfall der Staaten führe, sondern zudem zu konventionellen Kriegen oder Guerilla- Kriegen gegen das feindliche Militär. Das die Zivilbevölkerung zumeist betroffen ist, besteht nicht selten die Gefahr, dass sich daraus globale Folgen ergeben.

Man erfährt mehr über die Faktoren der (In)- Stabilität und begreift sehr schnell, weshalb die Fundamente der meisten Staaten nicht stabil sind. Es kann nur zusammenwachsen, was zusammen gehört. Nur wenn man das akzeptiert, wird es weniger Kriege und Konflikte geben. 

Man erfährt u.a. mehr über innerstaatliche demografisch-geografische Realitäten, auch über zwischenstaatliche Konstellationen und in dieser Beziehung Näheres über territoriale und personale Selbstbestimmung. Der Autor geht auf einzelne Krisensituationen ein, unter diesen auch Syrien, das klassisches Anschauungsmaterial für die Fehlkonstruktion von geografisch-demografisch uneinheitlichen politischen Einheiten im Rahmen der Kolonialbildung und der Entkolonialisierung liefert. 

Wolffsohn analysiert viele Staaten in diesem Buch und befasst sich auch mit der "Universalgeschichte der Niedertracht", gemeint mit der Geschichte Europas. Dabei ist die Geschichte der Juden in der Diaspora seit 3000 Jahren eine Abfolge von Juden-Importen und Vertreibungen. 

Um kriegerische Auseinandersetzungen zu verringern,  rät der Autor zur Föderalisierung. Territoriale und/oder auch personale Selbstbestimmung der jeweiligen Gemeinschaften als Alternative zu erproben, ist gewiss mehr als einen Versuch wert, da  die ansonsten üblichen humanitären Interventionen bekanntermaßen stets nur die Symptome,  nicht aber die Krankheit selbst bekämpfen.

Empfehlenswert.

Helga König

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Rezension: #Nagasaki - #Klaus_Scherer- Hanser Berlin


Heute, am 9. August vor 70 Jahren wurde seitens der USA auf die japanische Stadt Nagasaki eine Atombombe geworfen. Die erste Atomwaffe fiel 3 Tage zuvor bereits auf Hiroshima. 

Die Atombombenexplosionen töteten insgesamt ungefähr 92.000 Menschen sofort – fast ausschließlich Zivilisten und von der japanischen Armee verschleppte Zwangsarbeiter. An Folgeschäden starben bis Jahresende 1945 weitere 130.000 Menschen. In den weiteren Jahren kamen etliche Todesfälle hinzu, (vgl. hierzu Wikipedia). 

Der Autor des Buches, Klaus Scherer, arbeitete lange als ARD-Korrespondent in Japan und in den USA und ist heute Sonderreporter beim NDR in Hamburg. Ausgezeichnet wurde er u.a. mit dem Adolf-Grimme-Preis. 

Scherer belegt in seinem Buch, dass es der USA darum ging die Bomben zu testen und nicht darum, Japan einen endgültigen Schlag zu versetzen, um sich zu ergeben und auf diese Weise das Kriegsleid zu stoppen. Seine Recherche zeigt: Japan war zu diesem Zeitpunkt bereits militärisch am Ende. 

Untergliedert ist das Werk, das den Untertitel "Der Mythos der entscheidenden Bombe" trägt, in fünf Abschnitte, denen Scherer eine dreizehn Seiten umfassende Einleitung vorangestellt hat. Wie der Autor konstatiert, fragte kaum einer danach, weshalb die zweite Bombe drei Tage nach der Verheerung Hiroshimas auf Nakasaki geworfen wurde. 

Der Autor befragte amerikanische und japanische Historiker, auch letzte Zeitzeugen und hier ehemalige Kinder, die die Hölle miterlebten sowie den Radarspezialisten der US-Bombermission, der den Atompilz vom Bordfenster aus ablichtete. 

Scherer schreibt über die Stadt Los Alamos in den USA, wo Physiker und Militärs die Bombe bauten und wo selbst heute auf Bildern in der dortigen Gedenkstätte keine Bombenopfer gezeigt werden. Mehrfach befragte der Autor den Pulitzer-Preisträger Martin Sherwin, der in Washington an der Georg Mason Universität lehrt und der nach 50 Jahren Forschung über die Hintergründe der Bombenabwürfe zum Ergebnis gelangt, dass diese unnötig waren. Japan lag zu Kriegsende am Boden, hatte Signale nach Moskau gesandt, dass Stalin als unbeteiligter Dritter in Sachen Frieden vermittelte. Weder Stalin noch Truman nutzten Tokios Ausstiegsofferten. Offenbar verzichtete Truman sogar bewusst auf den diplomatischen Weg, weil Japan Testfeld für die Bomben werden sollte. 

Nagasaki galt als eine besonders weltoffene Stadt. Die Perversion des Bombenabwurfs zeigt sich auch darin, dass das Hypozentrum über der Kathedrale lag. Die Bombencrew hatte die Explosion vorausberechnet und zwar in der Weise, dass sie so weit über dem Boden explodierte, dass der Vernichtungskegel unter ihr einen größtmöglichen Radius erreichte. 

Man erfährt von Zeitzeugen, was damals nach dem Abwurf geschah, liest von dem heftigen Windstoß und dem Albtraum danach: "Plötzlich kamen Menschen in den Raum gekrochen, die halb verkohlt waren und denen die Eingeweide aus offenen Wunden hingen." (S.117)" Die Toten sahen aus wie aufgepumpt, wie mit Wasser gefüllt." (S. 118)" Aber es kamen noch mehr Menschen von draußen. Sie flehten um Wasser."(S.118)   "Bitte! Wasser! Bitte! Hörte ich sie jammern. Aber ich hatte kein Wasser." (S.118) "Wenn Du verbrennst und dein Innerstes zerfetzt ist, rufst Du nicht mehr um Hilfe, sondern nur noch nach Wasser."(S. 121) 

Sich klar zu machen, dass all dieses fürchterliche Leid wegen Testzwecken billigend in Kauf genommen wurde, macht sprachlos. Ebenso sprachlos macht die Tatsache, dass diese mörderische Wunderwaffe nicht nur technisch beeindruckend, strategisch zwingend, moralisch geboten, sondern zudem auch noch ästhetisch makellos in Erinnerung bleiben sollte. Wie pervers ist das denn?

Ich möchte Professor Akira Kimura zitieren, der an der Nakasakis Friedensforschungsinstitut lehrt: "Ich glaube, dass beide Bomben ungerechtfertigt waren. Schon die Fragestellung, ob sie militärstrategisch sinnvoll waren oder nicht ist falsch. Mein Standpunkt ist, dass sich die Atombombe an sich aus ethischen Gründen verbietet". (S. 192) Diesem Standpunkt schließe ich mich an. 

Liest man von den Höllenszenen, von denen hier Überlebende berichten, sind selbst Begriffe wie Massaker an Zivilisten, Verstoß gegen die Menschlichkeit oder Kriegsverbrechen geradezu verharmlosend. 

Selbst der Strahlentod in den Monaten und Jahren danach, der Millionen von Menschen ein qualvolles Ende bereitete,  hat Politiker und Militärs nicht aufgerüttelt. 

Der Mensch hat sein Wissen wie man die Erde auslöschen kann perfektioniert. Das sollte uns alle mit Scham erfüllen, denn wir haben nicht begriffen, welches Geschenk uns mit dem blauen Planeten gemacht wurde und welche Aufgabe damit wirklich verbunden ist.

Sehr empfehlenswert. 

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Hanser-Verlag und können das Buch dort direkt bestellen.http://www.hanser-literaturverlage.de/buch/nagasaki/978-3-446-24947-9/. Sie können es aber auch bei Ihren Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: Die Geschichte des Buches in 100 Büchern- 5000 Jahre Wissbegier der Menschheit- Roderick Cave & Sara Ayad- Gerstenberg

Autoren dieses reich bebilderten Werkes sind Roderick Cave und Sara Ayad. 

Roderick Cave, Spezialist für historische Bücher und Bibliothekar, entwickelte für die UNESCO neue Programme für Informationsdienste über Buchbestände des Weltdokumentenerbes. Des Weiteren ist er als Berater tätig. 

Sara Ayad ist Expertin für Buchkunst und arbeitet als Bildrechercheurin für renommierte britische Kunstinstitute. 

Nach einer knappen Einleitung und einem kurzen erhellenden Vorwort der beiden Autoren ist das Werk in 11 Kapitel untergliedert und nimmt seinen Anfang bei den paläolithischen Malereien der Höhle "El Castillo" in Nordspanien, die 16 000 v. Chr. entstanden sind. 

Die Autoren dokumentieren in ihrer bemerkenswerten Publikation, dass wir uns dem psychischen Buch emotional verbunden fühlen. Die chronologische Herangehensweise hatte zur Folge, dass sie nur ein Buch pro Jahrhundert abbilden konnten und insofern eine Auswahl treffen mussten. Ziel war es nicht, die 100 besten Bücher vorzustellen. 

Es wurden mit Ausnahme der Antarktis Bücher aus allen Kontinenten gewählt. Dabei handelt es sich um Bücher, die ein großes Spektrum von Formaten und Formen aufzeigen, Bücher aus Schnüren gefertigt, auf Knochen, Baumrinde, Palmblätter, Tontafeln, Papyrus oder aber wie in Europa und Nordamerika, auf Pergament und Papier geschrieben. 

Das Werk soll verdeutlichen, dass das traditionelle Buch noch nicht tot ist. 

Zu Beginn eines jeden Kapitels erhält man zunächst einen allgemeinen Überblick. Im Anschluss dann werden jeweils "Bücher" vorgestellt. Im ersten Kapitel beispielsweise u.a. eines der bedeutendsten ägyptischen Manuskripte: das "Totenbuch von Ani", verfasst im Jahre 1275 v. Chr. in kursiven Hieroglyphen. 

Es ist unmöglich,  hier aus allen Kapiteln Werke zu benennen und deren Inhalte im Rahmen einer Rezension kurz zu streifen. Spannend zu lesen ist, wie es zur Papierherstellung kam und wo diese ihren Anfang nahm. Auch erfährt man, wann und wo der Buchhandel entstand und kann sich mit den ersten großen Klassikern befassen, so etwa mit Homers Ilias, Äsops Fabeln, auch mit dem ersten Kochbuch, geschrieben von Apicius vor etwa 2000 Jahren. 

Mittelalterliche Bücher werden thematisiert und hier liest man dann auch von den ersten Büchersammlungen. Zur Sprache gebracht wird u.a. der "Roman de la Rose", eine um 1230 verfasste allegorische Traumvision. Hier wird in etwa 4000 französischen Versen das Werben eines Höflings um die Geliebte beschrieben. 

Über Gutenbergs Erfindung erfährt man Wissenswertes und über die "Schedelsche Weltchronik", die durchgehend mit handkolorierten Holzschnitten illustriert ist. Erste wissenschaftliche Drucke werden vorgestellt und man liest über den Verleger Aldus Manutius (1449- 1515), der in Rom und Ferrara antike Sprachen studierte, Gelehrte um sich scharte und einen frühen Universitätsverlag gründete.

Unterrichtet wird man über Zensur, die etwa zeitgleich mit Gutenbergs Erfindung aufkam. Sie war anfänglich auf politische und religiöse Schriften ausgerichtet. Einer der früh verbotenen Autoren war Erasmus von Rotterdam. 

Über die aztekische Sicht der Welt und über das holländische Seebuch als wichtiges Instrument der Kolonialisierung Ostindiens kann man sich informieren, auch über einen Dänen der die Grundlagen der Astronomie niederschrieb und über Newton, der den Grundstein der modernen Wissenschaft schriftlich niederlegte. 

Es führt zu weit all das zu benennen, was mich nun persönlich sehr anspricht, darunter eine kleine Abhandlung über das Tanzen zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Mit besonderem Interesse habe ich das 8. Kapitel "Druckkunst & Aufklärung" studiert. Die Protagonisten jener Zeit prägten mit ihren Publikationen und Lektüren das wissenschaftliche und rationale Denken. Man erfährt mehr über das wissenschaftliche Publizieren und die neuen Formen der Veröffentlichung und über das frühe Kinderbuch bleibt man auch nicht unaufgeklärt. 

Denis Diderots Enzyklopädie ist ein Thema, weil das Werk die europäische Kultur grundlegend veränderte aber auch das erste fotografisch illustrierte Buch bleibt nicht ausgespart. 

Es folgen Bücher über Bücher bis schließlich im 11. Kapitel die Digitalisierung und Zukunft des Buches besprochen werden. 

Was wird sein? Keiner kann es wirklich  wissen. Sammeln wir also und bewahren, damit auch künftige Generationen das alte Kulturgut in ihren Händen halten können. Egal, was geschieht.

Sehr empfehlenswert

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Gerstenberg-Verlag und können das Buch dort bestellen. Sie können es jedoch auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: Tradition und Innovation- Bayerische Familienunternehmen und ihre Erfolgsgeschichten- Christian Thiele, Enno Kapitza

Das Vorwort zu diesem spannenden und dazu noch lehrreichen Buch aus dem Callwey-Verlag hat die bayerische Staatsministerin Ilse Aigner verfasst. Sie lässt die Leser hier wissen, dass 20% der deutschen Familienunternehmen im Freistaat Bayern angesiedelt sind. 99 der Top-500 Familienunternehmen haben dort ihren Hauptsitz. 

Als nachhaltiges Geschäftsmodell haben diese Unternehmen, so Aigner, Vorbildcharakter für die gesamte Wirtschaft. Die Staatsministerin erwähnt den sogenannten "Alphazirkel". Es handelt sich hierbei um eine Plattform für Familienunternehmer, die seitens eines der Herausgeber des Buches 2005 gegründet wurde. Andreas E. Mach hat mit dieser Plattform die führende deutschsprachige Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Erfahrungs- und Meinungsaustauschs von Familienunternehmen geschaffen und leistet auf vielfältige Weise einen essentiellen Beitrag zur erfolgreichen Vernetzung von Familienunternehmern.

SKH Luitpold Prinz von Bayern, ebenfalls Herausgeber, ist für sein soziales und wirtschaftliches Engagement in Bayern bekannt und führt erfolgreich zahlreiche Unternehmen, unter diesen die Porzellanmanufaktur Nymphenburg. 

Verfasst hat das Werk Christian Thiele, der als Autor in München lebt und  u.a. an der Deutschen Journalistenschule als Dozent tätig ist. 

Die zahlreichen imposanten Fotos im Buch hat Enno Kapitza realisiert. Er lebt als mehrfach ausgezeichneter Fotograf in München. 

"Tradition und Innovation" verdeutlicht auf welche Weise bayerische Familienunternehmer Tradition und Fortschritt, Heimat und Weltmarkt erfolgreich in Einklang bringen. Die Porträts verschiedener,   renommierter Unternehmen und  deren Inhaber dokumentieren, so Aigner,  den Wert "Familienunternehmen" für Bayern. Sie verdeutlichen, was sie so erfolgreich gemacht hat, aber auch, weshalb sie sich in Bayern so wohl fühlen. 

SHK Luitpold Prinz von Bayern und Andreas E. Mach haben jeweils ein Vorwort geschrieben. Dabei gefällt mir, dass Mach nicht unerwähnt lässt, dass Familienunternehmen nicht nur das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden, sondern auch international die am meisten vorkommende Unternehmensform verkörpern und einen wesentlichen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt ihrer Länder leisten. 

Leider schaffen es  drei Viertel aller Unternehmen weltweit nicht in der vierten Generation zu überleben, sondern werden zuvor  vom Markt gedrängt. Gründe dafür gibt es viele. Andreas E. Mach benennt diese. Im Buch selbst werden Unternehmen präsentiert, die über viele Generationen erfolgreich handeln und demnach die richtigen Überlebensstrategien besitzen. 

SKH Luitpold Prinz von Bayern betont, dass Innovation in erster Linie Zeit, Geld und Vision benötige und zumeist nur unter Verzicht auf kurzfristige Erfolge erreichbar sei. Immer wieder neue Trends zu setzen,   schenkt neuen Generationen Zukunftsperspektiven, doch es sind noch viele andere Voraussetzungen, die ein Unternehmen zukunftsträchtig machen und die zahlreiche bayerische Familienunternehmen vorbildlich erfüllt haben, wie man erfährt. 

Es führt zu weit, im Rahmen der Rezension auf einzelne Unternehmen hier näher einzugehen. Zu Beginn jeder Präsentation liest man stets einen zentralen Satz der Inhabers, Geschäftsführers oder Sprechers des Unternehmens, der jeweils der Schlüssel zum Erfolg zu sein scheint. Neben Fotos folgen dann immer eine kurze Skizzierung des vorgestellten Unternehmens und dann nicht selten sehr erhellende Interviews aber auch nähere Beschreibungen der fokussierten Unternehmen, so auch über die Firma  Roeckl Handschuhe und Accessoires GmbH & Co KG , die in der 6. Generation Handschuhe fertigt. Es sind sehr unterschiedliche Unternehmen, die hier vorgestellt werden. Zu Sprache gebracht wird u.a. die Fassfabrik Schmid, die seit über 100 Jahren Behältnisse für den Bierkonsum fertigt, dann auch die Büttenpapierfabrik Gmund. Hier gibt der Geschäftsführer Florian Kohler ein Interview u.a. über die Zukunft des Papiers. 

Besonders spannend zu lesen,   fand ich das Interview mit Innegrit Volkhardt, die in vierter Generation als erste Frau eines der renommiertesten Hotels, den Bayrischen Hof in München leitet. Auch Schloss Dennenlohe und dessen Eigentümer Robert Freiherr von Süsskind werden vorgestellt, der gemeinsam mit seiner Frau einen botanischen Landschaftspark angelegt hat, der jährlich von circa 40 000 Menschen besucht wird. 

Allen Unternehmen gemeinsam sind eine ungeheure Innovationskraft und der Glaube an ihren Fortbestand, der nicht nur Energien freisetzt, sondern auch  sinnvolle Verhaltensmuster fördert, die beispielgebend sind.

Die Werte einer nachhaltig gut funktionierenden Familie werden in Firmenerfolg transformiert und das scheint das eigentliche Geheimnis zu sein. 

Gemeinsam an einem Strang in eine Richtung, die Zukunft verheißt. Darum geht es.

Ein tolles Buch. 
Sehr empfehlenswert

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum  Callwey-Verlag und können das Buch bestellen. Sie können es aber auch bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.http://www.callwey-shop.de/tradition-und-innovation.html

Rezension: Brandstifter und Biedermänner- Michael Grüttner/ Klett-Cotta

Autor dieses umfangreichen Werkes ist Professor Michael Grüttner. Er interpretiert in seinem Buch die Geschichte des Nationalsozialismus im Zusammenspiel von "Brandstiftern" und "Biedermännern". Zur Sprache gebracht werden die Jahre zwischen 1933-1939. In dieser Zeit kam es zu grundlegenden Veränderungen in der Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur. Das geschah durch die gewaltsame Ausschaltung politischer Gegner, die Beseitigung demokratischer Strukturen durch den Wechsel des Führungspersonals in diversen Institutionen aber auch mittels Aufbau der nationalsozialistischen Massenorganisationen.

Diese Nazifizierung fand in allen Bereichen der Gesellschaft, selbst im Sport statt. Dabei war ein essentielles Element die Ausgrenzung der Juden aus der deutschen Mehrheitsgesellschaft und die allmähliche Verschiebung moralischer Werte. Ein Schwerpunkt des Buches ist die Beantwortung der Frage wie sich der Wandel auf Wirtschaft, Medien, das Erziehungswesen, die Kirchen, die Wissenschaft, das Militär auswirkte.

Offenbar stießen die Nationalsozialisten nirgendwo auf wirksamen Widerstand und es wundert insofern nicht, dass schon 1933 die Gewerkschaften in Deutschland verboten wurden. Einer der Schwerpunkte im Buch beruht auf den Überlegungen, inwieweit schon in den Jahren scheinbarer Normalität die Grundlagen für den Krieg und den Massenmord gelegt wurden, so etwa durch die systematische Indoktrination der jungen Generation und den Aufbau des Gewaltapparates aus SS, Gestapo und Konzentrationslagern, der nur dem Führerwillen, nicht aber dem Gesetz verpflichtet war.

Bereits in den 1930ern war der Holocaust im Denken Hitlers präsent, wie Grüttner den Leser wissen lässt. Dass die Biedermänner  und - frauen kein Akzeptanzproblem hatten als er dann stattfand, wundert bei der Hittlerhörigkeit nicht.

Unmöglich auf all die 16 Kapitel im Buch näher einzugehen, die dann stets  nochmals unterteilt sind. Nichts bleibt ausgespart. Deutlich wird die vollständige Verpestung durch die menschenverachtende Ideologie.

Der Autor begreift die nationalsozialistische Politik als Weltanschauungsdiktatur, deren wichtigste Antriebskraft ideologischer Natur war und den Anspruch erhob generell alle Bereiche von Staat und Gesellschaft ideologisch zu durchdringen. Diese Diktatur stand nicht im Interesse einer bestimmten Interessengruppe. Alle vereinte der Glaube an den Hitler-Mythos. 

Wer die Kapitel aufmerksam studiert, hat am Ende eine klare Vorstellung davon,  was in jener Zeit in Deutschland geschah, weshalb das Zusammenspiel von Biedermänner  und Brandstiftern perfekt funktionierte.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicke Sie auf den Link, dann gelagen Sie zu Klett-Cotta und können das  Buch bestellen. Sie können es  aber auch direkt beim Verlag ordern.https://www.klett-cotta.de/buch/Geschichte/Brandstifter_und_Biedermaenner/55812

Rezension: Amnesty International Report 2014/15- Zur weltweiten Lage der Menschenrechte- S. Fischer

Das Vorwort zu diesem wichtigen Buch hat Salil Shetty, der internationale Generalsekretär für Amnesty International verfasst. Er sagt, dass das Jahr 2014 ein schwarzes Jahr war für alle, die es wagten, für Menschenrechte einzutreten aber auch für Menschen, die erleben mussten, wie sich ihre Heimat zu einem Kriegsgebiet verwandelte. 

Es sind die politischen Entscheidungsträger, die kläglich versagen, wenn es darum geht, denjenigen Schutz zu gewähren, die ihn am dringendsten benötigen. Obschon das humanitäre Völkerecht Regeln für die Austragung bewaffneter Konflikte festgelegt hat, wonach sich Angriffe niemals gegen Zivilpersonen richten dürfen, werden diese Regeln mit Füßen getreten, wie die Realität zeigt. So hat der Konflikt in Syrien in den letzten vier Jahren mehr als 200000 Menschenleben gekostet, zumeist waren es Zivilisten. 7,6 Millionen Menschen befinden sich innerhalb von Syrien auf der Flucht.

Entsetzlich sind die Kriegsverbrechen und ethnischen Säuberungen seitens des IS (bewaffnete Gruppe islamischer Staat) und dramatisch auch ist, was im Gazastreifen geschieht. Im Südsudan wurden 2 Millionen Menschen vertrieben und Folter, Vergewaltigung als auch Massenmord fanden in der Zentralafrikanischen Republik kaum Beachtung. Immer mehr Kriege werden auf dem Rücken der Zivilbevölkerung ausgetragen, doch immerhin gibt es bereits 40 Mitgliedstaaten des US-Sicherheitsrates, die freiwillig auf Einlegen eines Vetos verzichten, wenn hierdurch der Sicherheitsrat in Situationen von Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit blockiert wird. 

Die Weltgemeinschaft hat Millionen von Flüchtlingen den Schutz verwehrt, so wurden nur 2% der syrischen Flüchtlinge dauerhaft in Drittländern aufgenommen. 

Amnesty International fordert, dass die Verantwortlichen für die Menschenrechtsübertretungen zukünftig zur Verantwortung gezogen werden müssen, weil nur so sich die Regeln zum Schutz der Zivilbevölkerung voll entfalten können. 

Im Buch werden die Regionen im Überblick dargestellt und man erfährt auf diese Weise  mehr zur Armut, Diskriminierung und Ausgrenzung, zu Folter und anderen Misshandlungen, zu Haftbedingungen, den Rechten indiginer Völker, zur Unterdrückung Andersdenkender, zur wachsenden Intoleranz, zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen, um nur einige Problemfelder zu nennen, übrigens nicht nur  in den Drittländern. 

Ich empfehle, dieses Buch immer wieder zur Hand zu nehmen, um sich bewusst zu machen, weshalb der ethische Wandel vorangetrieben werden muss. Sich dafür zu engagieren tut Not. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu den S. Fischer-Verlagen und können das Buch bestellen.http://www.fischerverlage.de/buch/amnesty_report_2014_15/9783100008381. Sie können es jedoch auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke  ordern.

Rezension: #Nürnberg- #Menschheitsverbrechen vor Gericht 1945- #Thomas_Darnstädt- Piper

Autor dieses spannend zu lesenden Sachbuchs ist Dr. jur. Thomas Darnstädt. Er ist Jurist und Journalist mit den Schwerpunkten Polizeirecht, Bürgerrechte und Internationales Recht.

Im vorliegenden Buch wird der Prozess gegen die Nazi-Elite in Nürnberg zu Ende des 2. Weltkrieges breit angelegt, erörtert. Ausgangspunkt ist die Frage: Wie macht man richtig Frieden? 

Nürnberg hat gezeigt, dass Frieden durch Recht ein sinnstiftender Weg sein kann. Dabei prägte der Hauptankläger im Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess, #Robert_H._Jackson die Idee, dass die Völkergemeinschaft eine Instanz benötige, die eine Verletzung der Grundnormen ihres Zusammenlebens nicht ungeahndet lasse. 

Der Washingtoner Historiker #Christopher_Simpson, der im Buch zitiert wird, beschreibt die Situation nach dem 2. Weltkrieg wie folgt "Nach dem damaligen Stand des Völkerrechts erschien die systematische Verfolgung der Juden und anderer, die in den Achsenstaaten eingeschlossen waren, tatsächlich als >legal<.“ Grund war eine Lücke im Kriegsrecht. Es handelte sich dabei, um das Nichterfassen der "Makrokriminalität", ein Phänomen der großangelegten Gewaltanwendung, die sich vom Krieg insofern unterscheidet, dass ihr Ziel der Selbstzweck ist. Die Nazis ermordeten die Juden nicht, um den Krieg zu gewinnen, sondern einzig um sie zu töten. Diese Rechtslücke galt es zu schließen und die Täter für ihr Tun zur Verantwortung zu ziehen. 

Der Autor berichtet eingangs von den Überlegungen, wie die Alliierten zunächst planten,  mit den kriegsverbrecherischen Nazis nach Kriegsende umzugehen. Hier auch liest man dann vom Westfälischen Frieden in Münster und Osnabrück und der damaligen Interpretation von Krieg als legitime Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln, wobei allerdings gewisse Regeln eingehalten werden mussten. Zu diesen Regeln zählte, dass der Krieg ordnungsgemäß erklärt und beendet wird. Die Überlegungen aus dem Jahre 1648 fanden bis zu Hitler stets Anwendung, wenn Krieg geführt wurde. Hitler allerdings terrorisierte durch seinen Krieg ohne Regeln und Grenzen die Welt auf das Maßloseste. Er und seine Schergen überfielen Länder ohne Kriegserklärung und setzten auf die totale Vernichtung des Gegners. Weil dieser Souverän respektlos agierte und alles niedermachte, mussten ihm Grenzen aufgezeigt werden. 

Erwähnt werden u.a. die Überlegungen zum Morgenthauplan, die man in dem Memorandum "Wie man Deutschland hindern kann, einen dritten Weltkrieg zu beginnen" vom 1.9. 1944 nachlesen kann. Darnstädt fasst sie in seinem Buch kurz zusammen und macht auch deutlich, weshalb man davon wieder Abstand nahm. Nach dem Aufzeigen verschiedener Überlegungen wie man gegen die Nazi-Bande rechtlich vorgehen könne, wird man mit den Gedanken des amerikanischen Juristen Robert H. Jackson vertraut gemacht. Ihm allein es zu verdanken ist, dass am 1.10. 1946 neunzehn der führenden Mitglieder des Hitlerregimes als verantwortliche eines verbrecherischen Staatsapparates verurteilt wurden. So kam durch das Urteil des Internationalen Militärtribunals von Nürnberg die Wende eines jahrhundertealten unmenschlichen Völkerechts zustande, das den Staaten das Recht zusprach, Krieg zu führen, und Staatsführer sowie Kriegsherren freistellte von jeder Verantwortung für das Unheil, das sie über die Menschen gebracht hatten. 

Ohne einen Juristen wie den eloquenten Anwalt Jackson wäre die Erklärung der Menschenrechte, das Gewaltverbot der Vereinten Nationen und die weltweite Ächtung des Völkermordes als Verbrechen nicht möglich gewesen. Für dessen Neuordnung der Welt war folgender Staftatbestand, den es bislang im Völkerrecht noch nicht gab, essentiell: "Das Verbrechen, welches alle geringeren Verbrechen einschließt" sei die "Einleitung eines unrechtmäßigen Krieges." 

Jackson verdeutlichte, dass ein Angriffskrieg ein Verbrechen ist. Er, der amerikanischer Chefankläger des Internationalen Militärtribunals wurde, wollte keine Siegerjustiz, sondern ein Gerichtsverfahren, das nicht zum Schauprozess verkam. 

Darnstädt stellt in seinem Buch die Hauptangeklagten vor und schreibt über deren verbrecherische Machenschaften in der NS-Zeit. Drei Punkte hatte Jackson in seinem Entwurf ausgearbeitet:

Der Angriffskrieg 
Das Kriegsverbrechen 
Verbrechen gegen die Menschlichkeit 

Plan der Washingtoner Völkerrechtler war zudem "die Verurteilung der Naziorganisationen als "verbrecherische Vereinigung" zu entlarven. Dies nämlich hätte die Prozesse gegen Zehntausende von Mittätern, Mitläufern, Gehilfen und Spitzeln, Denunzianten und Menschenschindern vereinfacht. Massenprozesse dieser Art gab es in der Folge jedoch  nicht, weil man die Weltgerechtigkeit letztlich wegen des nun herrschenden Kalten Krieges und der neuen Verbündeten  beiseite schob. 

Es führt zu weit,  an dieser Stelle die rechtlichen Diskussionen und das Ringen der Juristen der Alliierten, die nicht immer einer Meinung waren, hier aufzuzeigen und auf Rechtsproblematiken einzugehen, die es zu klären galt. Spannend zu erfahren ist, wie die Ermittler in ganz Europa nach Beweisen suchten und die Nazidiktatur schließlich zur Strafsache machten. Im Diensttagebuch von Hitlers Generalgouverneur von Polen,  Hans Frank  sind auf 11.367 Seiten die Notizen eines Völkermords festgehalten. Dieses Tagebuch wurde Jacksons umfassendes Beweisstück- ein Kompendium des Zynismus und der Menschenverachtung. Frank hat dort pedantisch genau die Geschichte von Mord, Hunger und Massenausrottung niedergelegt. 

Die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges und die Hitlerbarberei machte der Welt deutlich, welche Rechtlosigkeit im Völkerrecht herrschte. Vertiefen kann man sich in die Anklageschrift gegen 24 Nazihaupttäter und in die Erläuterung der einzelnen Anklagepunkte:

1. Verschwörung 
2. Verbrechen gegen den Frieden 
3. Kriegsverbrechen 
4. Verbrechen gegen die Humanität 

Anschließend erfährt man, was sich im Justizpalast zu Nürnberg damals ereignet hat. Jackson versuchte allen klar zu machen, dass es in jenem Gerichtssaal um mehr ging als um Recht, weil dem Jahrtausendverbrechen mit herkömmlichem Völkerecht nicht beizukommen war. Immer wieder liest man von Beweisstücken und von diesem mörderischen Treiben, auch liest man von dem Bemühen der Amerikaner, die Wehrmacht in ihrem Kern als kriminelle Organisation zu entlarven. Namen wie Ohlendorf werden genannt und dessen Einsatztruppe D, die der 11. Armee zugeteilt war. Es handelte sich um eine Mörderbande, die  90 000 Menschen kaltblütig tötete. 

Der Autor beschreibt wie Hitlers Helfer ihre Taten erklärten und man ist immer wieder von dieser Kaltschnäuzigkeit angewidert, mit der das braune Pack noch auf der Anklagebank ihr teuflisches Wesen offenlegte. 

Thematisiert wird u.a. die Frage "Kann soldatische Pflichterfüllung auch die Ausführung verbrecherischer Befehle rechtfertigen?" und man liest in diesem Zusammenhang einen Bericht des Lagerkommandanten von Auschwitz, Rudolf Höß. Des Weiteren kann man sich u.a. mit den Verbrechen des Hermann Göring und den entsetzlichen Verbrechen des "Judenschlächters von Krakau", Hans Frank befassen. Doch auch Albert Speer ist ein Thema, der in Hitlers Auftrag für die Beschaffung von Zwangsarbeitern für die Kriegswirtschaft zuständig war. 

Der Leser erlebt das Urteil, wird mit vielen Fragen konfrontiert, die mehr als nur nachdenklich stimmen. Darunter die Frage: "Sind Kriegsherren Kriminelle?" Man erfährt auch, wie die Todesurteile vollstreckt wurden am 16.Oktober 1946 und wie sich Göring dem Urteil durch Selbstmord entzog. 

Die Urteile von Nürnberg, die nach 218 Verhandlungstagen gefällt wurden, sind  das Ergebnis der "Nürnberger Prinzipien", die Jackson gestaltet hatte. So sollte fortan neues Unheil verhindern werden, wenn jeder Täter zukünftig  damit rechnen musste, sich vor einem Weltgericht zu verantworten. 

Man erfährt auch Näheres zu #Benjamin_Ferencz, der Chefankläger im Einsatzgruppen-Prozess war, einem der Nachfolgeprozesse im Rahmen der Nürnberger Prozesse nach dem Zweiten Weltkrieg. Der heute 94 jährige aktualisiert seine Homepage fast noch immer täglich und twittert seine Kommentare in die Welt. Soeben (17.5. 2015) habe ich zwei seiner Tweets verlinkt und ihm  in Worten meinen Respekt ausgesprochen. 

Was die Nürnberger Prinzipien bewirkt haben? Auch darüber erfährt man im Buch  Wissenswertes, doch bitte lesen Sie selbst. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link,  elangen Sie zum Verlag  Piper und können das Buch bestellen.http://www.piper.de/buecher/nuernberg-isbn-978-3-492-05684-7

Sie könne es aber auch bei Ihrem Buchhändler um die Ecke bestellen.

Rezension: Ändere die Welt! Jean Ziegler - C. Bertelsmann

Autor dieses wichtigen Buches mit dem Untertitel "Warum wir die kannibalische Weltordnung stürzen müssen" ist der Soziologe Jean Ziegler. Er ist Vizepräsident des beratenden Ausschusses des UNO- Menschenrechtsrats und Träger diverser Ehrendoktorate und internationaler Preise, z.B. des Internationalen Literaturpreises für Menschenrechte. 

Gleich zu Beginn des Werks macht der renommierte Professor für Soziologe deutlich, dass sich die Welt in den letzten dreißig Jahren zutiefst gewandelt hat. Aufgrund des Zusammenbruchs der Sowjetunion 1991 verschwand die weltweite Bipolarität der Staatsgesellschaft. 

Folge war die Tyrannei der Oligarchien und des globalen Finanzkapitals. Zurückgekehrt sind Hunger und Not in Europa. Ziegler erwähnt nicht zuletzt die Zahlen der UNICEF von 2013, wonach in Spanien 11 Prozent der Kinder unter 10 Jahren unterernährt waren. Bei 28 Staaten der Europäischen Union liegt die sogenannte "Sockelarbeitslosigkeit vor", bei der 30,2 Millionen Männern, Frauen und Jugendlichen, betroffen sind,  in erster Linie junge Menschen unter 25 Jahren. 

Wie Ziegler betont, ist die multiethnische, laizistische, multikulturelle Nation eine Errungenschaft der Zivilisation, die heute bedroht ist von den Feinden der Vernunft, die da sind: der Dschaidismus, die christlichen, jüdischen, hinduistischen und buddhistischen Fundamentalisten, die gewaltbereiten Rassisten sowie aufklärungsfeindliche Denker aller Couleur. Überall werden die Menschenrechte mit Füßen getreten und es scheint wieder legitim zu sein, Menschen zu foltern.

Alle, die guten Willens sind, so Ziegler, müssen nach Ursachen suchen, nach den Interessen, die im Spiel sind, nach den Verantwortlichen  und wirtschaftliche, politische sowie gesellschaftliche Kalküle ans Licht bringen, die Menschenleben zerstören. 

Das Buch ist in 8 Kapitel untergliedert und beginnt mit der Frage, "Was nützt ein Intellektueller?" Danach wird aufgezeigt wie Ungleichheit entsteht. Der Autor nimmt dabei intellektuellen Bezug auf Rousseau, der stets aufs Neue auf die verheerenden Folgen der gesellschaftlichen Ungleichheit anprangert hat. Ziegler konstatiert, dass heute der deutlichste Ausdruck der Ungleichheit zwischen Menschen die kannibalistische Wirtschaftsordnung sei. 

Die 374 größten multinationalen Konzerne haben heute insgesamt Finanzreserven von 655 Millarden Dollar. Seit 1999 hat sich die Summe verdoppelt. Trotz dieser Tatsache leben mehr als 1Millarde Menschen von weniger als 1,25 Dollar am Tag. 

2014 starben mehr Menschen durch Hunger als in sämtlichen Kriegen, die in diesem Jahrhundert geführt wurden. Dies zu lesen, ist mehr als beschämend. 

Der Autor befasst sich in seinem Buch auch mit den Irrwegen der Ideologien und zeigt auf wie Ideologien entstehen, sich entwickeln und wandeln, aber auch welche Ideologie heute unseren Planeten dominiert. Es handelt sich dabei um die Ideologie des Neoliberalismus. Diese dient dazu, die weltweite Herrschaft der Oligarchen zu rechtfertigen, die das Finanzkapital besitzen.

Jean Ziegler erläutert ausführlich die Grundlagen der neoliberalen Ideologie und befasst sich im 4. Kapitel dann mit Wissenschaft und Ideologie und hier auch mit Kants Staatsdefinition. Zur Sprache gebracht werden zudem die Nation, wie sie entsteht und sich behauptet, auch die Ursachen für die Implosion der Kolonialreiche sind ein Thema. Des Weiteren wird der Frage nachgegangen, weshalb in Schwarzafrika Dekolonisation weitgehend gescheitert ist und wieso von wenigen Ausnahmen abgesehen, keine Nation, sondern nur Protonationen entstanden sind.

Ziegler erklärt zudem sehr gut nachvollziehbar  wie eine Gesellschaft entsteht und sich entwickelt und hier berichtet er auch, wann die erste menschliche Gesellschaft entstanden ist. Der Autor hofft auf das Erstarken einer planetarischen Zivilgesellschaft, auf die Vielfalt sozialer Widerstandfronten und auf deren Kampf gegen Ausbeutung, Gewalt und Markradikalismus.

Durch sein Buch schafft er Bewusstsein, das bitter notwendig ist. 

Empfehlenswert 

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Verlag C.Bertelsmann und können das Buch dort bestellen.http://www.randomhouse.de/Buch/Aendere-die-Welt-Warum-wir-die-kannibalische-Weltordnung-stuerzen-muessen/Jean-Ziegler/e475452.rhd?mid=1. Sie können es jedoch auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.

Rezension: Schizowirtschaft- Christian Scholz Joachim Zentes- Campus

"Wenn Mitarbeitern gesagt wird: "Ihr seid unser wichtigstes Kapital" und Mitarbeiter sehen, wie dieses Humankapital vernichtet wird, dann erleben sie ein unternehmerisches Schizo-Verhalten", (S.138) 

Autoren dieses Buches sind Christian Scholz und Joachim Zentes, zwei Professoren für Betriebswirtschaftslehre an der Universität des Saarlandes und Direktoren des Europa-Institutes der Universität. Gemeinsam leiten sie das dortige MBA-Programm. 

Im Klappentext steht ein bemerkenswertes Zitat aus dem Buch, das im Vorfeld schon  deutlich macht, worum es inhaltlich  geht: "Wir leben in einer Schizo-Wirtschaft, in der das eigene Handeln nicht den Normen entspricht, mit denen man das Handeln der anderen misst oder die man selbst angeblich einhält. Dies zeigt sich in unterschiedlichen Erscheinungsformen. Unternehmen, Mitarbeiter, Konsumenten, Politiker und Medienschaffende gleichermaßen liefern dafür viele Beispiele". 

Wie die Autoren bereits eingangs erwähnen, ist unsere Gesellschaft geprägt durch tiefgreifende Verwerfungen, Widersprüche und sogar Pathologien. So präsentieren sich Unternehmen in ihren Leitbildern nachhaltig. Allerdings gelingt es ihnen immer weniger, die komplexen Prozessketten mit zahlreichen Lieferanten, Vorlieferanten und Dienstleistern, die zumeist über den Globus verteilt sind, zu kontrollieren. Folge davon sind ökologische und soziale Missstände in den Wertschöpfungsketten. 

Das Schizo-Verhalten zeigt sich auch bei Konsumenten und zwar dann, wenn artikuliertes und faktisches Verhalten auseinanderdriften. Verbraucher geben sich in demoskopischen Umfragen als sozial und ökologisch orientiert und engagiert, hingegen in der realen Einkaufswelt verantwortungslos. Analog schaut es bei den Mitarbeitern, Medienvertretern, und Politikern aus. 

Die Autoren fassen zusammen: "Auf Unternehmensebene offenbaren sich Schizo-Situationen in Form von Systempathologien als Marktradikalitäten, Fehlanzeige und mangelnde Transparenz, auf der Konsumentenebene als übersteigerte Selbstsucht und auf der Mitarbeiterebene als zunehmende Entkoppelung“. 

Lt. der Autoren werden diese Systempathologien durch die Medien und Politik noch verstärkt und sind nur schwer aufzubrechen. Der Ansatz der beiden Professoren verkörpert sich  zunächst in Systemanalyse. Diese schließt die Widersprüchlichkeit und Gespaltenheit aller wesentlichen Akteure ein. Aufgezeigt wird wie sich das Schizo-Verhalten in Konzepten niederschlägt, welche entsprechenden Situationen und Konstellationen sich ergeben und welche dramatischen Konsequenzen entstehen. 

Umdenken ist gefragt und wie dies aussehen kann, wird im Buch aufgezeigt, dessen Untertitel nicht grundlos "Nur ein radikales Umdenken und Andershandeln kann uns helfen" heißt. 

Das Buch ist in vier Abschnitte untergliedert. Im 1. Abschnitt geht es um Verhaltensmuster der Beteiligten in der Schizo-Gesellschaft und hier beispielsweise um Verantwortung in Unternehmen, auch um Vertrauen etc. Merksätze wie "Wenn es nicht sämtlichen Akteuren gelingt, Vertrauen zu schaffen, wiederherzustellen oder zu erhalten, wird industrielle Wertschöpfung an Wertschätzung verlieren" verdeutlichen, worum es geht. 

Auch die Tatsache, dass die aktuelle Arbeitswelt nicht auf dauerhafte Bindung von Mitarbeitern angelegt ist, wird thematisiert. So sollen 24 % der Mitarbeiter sich bewusst schädigend verhalten, was mehr als nur zu denken gibt.

Im zweiten Abschnitt werden extreme Missstände und Skandale herausgegriffen, so etwa die Sklavenarbeit bei Dienstleistern. Hier dann auch kommt Amazon zur Sprache. Es wird auf die Schizo-Haltung der Konsumenten hingewiesen, auch jenes der Politiker und Medien, das verdeutlicht, weshalb Amazon sich so breit machen konnte. 

Im 3. Abschnitt dann werden Verhaltenspathologien aufgezeigt und hier verdeutlicht, dass komparative Kostenvorteile der Niedriglohnländer sich  aus unwürdigen Arbeitsbedingungen ergeben. Man liest über Outsourcing und Offshoring, auch über das dunkle Ende der Wertschöpfungskette und ist Seite für Seite ziemlich frustriert, was übersteigerte Selbstsucht als Systempathologie zu vernichten imstande ist. Es ist unmöglich im Rahmen der Rezension auf all das einzugehen. Im Grunde möchte man zumindest Merksatz für Merksatz hier zitieren, doch selbst dies würde den Rahmen sprengen. 

Der Paradigmenwechsel wird dann schließlich im 4. Abschnitt vorgestellt. Er besteht im definitiven Umdenken und in der konkreten Forderung an die Akteure zum Andershandeln. Wie das ausschauen könnte wird auch erläutert. So liest man u.a. "Andershandeln bedeutet, Teilen zum neuen Haben zu machen." (233) und erfährt auch mehr zum ethischen Konsum mit vollem Bewusstsein. 

Wenn das Denken im Buch Realität werden soll, dann müssen sich die Unternehmen grundlegend wandeln. Sie müssen Verantwortung wahrnehmen und zwar in ihrem eigenen Interesse. Doch auch alle anderen gesellschaftlichen Akteure müssen sich verändern in ihrem Verhalten, dann nur   ist eine neue Lebenswelt mit neuer Lebensqualität möglich.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu Campus und können das Buch bestellen http://www.campus.de/news/wirtschaft_und_gesellschaft_sind_ausser_rand_und_band-749.html. Sie können es aber auch direkt bei Ihrem Buchhändler um die Ecke ordern.


Rezension Peter J. König: Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent- Eine Geschichte des neoliberalen Europa Philipp Ther- Suhrkamp

Dieses spannende Sachbuch von Professor Philipp Ther, der zur Zeit am Institut für Osteuropäische Geschichte an der Universität Wien lehrt, zeigt auf, welche Entwicklung die ehemals zum Ostblock gehörenden Länder genommen haben, nachdem die Sowjet-Union untergegangen ist, und die sogenannten Vasallen-Staaten ihr politisches Schicksal selbst bestimmen konnten. Dabei geht es primär nicht um die politische Entwicklung, vielmehr wird ausführlich nachvollzogen, welchen ökonomischen Weg die einzelnen Ostblock-Länder genommen haben.

Planwirtschaft und Staatsbetriebe waren passé, liberale Marktwirtschaft war das Zauberwort, das den Anschluss an die westlichen Industrien und die aufkommende Globalisierung bringen sollte. Die neoliberale Transformation hat dabei in den einzelnen Staaten zu durchaus unterschiedlichen Ergebnissen geführt, zumal sie auch jeweils mit unterschiedlicher Dynamik umgesetzt wurde. So entstanden Gewinner und Verlierer auf dem Weg der radikalen Veränderung von der Planwirtschaft zur freien Marktwirtschaft, zumal die einzelnen Länder durch verschiedene Voraussetzungen geprägt waren und durch den Beitritt zur Europäischen Union auch unterschiedliche Hilfeleistungen erhalten haben. 

Denkt man alleine an die DDR, die Wiedervereinigung und die Hunderte von Milliarden an Transferleistungen, so hat dies zwangsläufig zu einer wesentlich besseren ökonomischen Entwicklung für die Bürger geführt, als z. B. die postkommunistischen Einflüsse, die in Rumänien und Bulgarien die Wirtschaft in diesen Ländern bestimmten. Entsprechend unterschiedlich sind die Einkommensverhältnisse der Menschen und ihr Lebensstandard. Philipp Ther erklärt sehr anschaulich den ökonomischen Werdegang dieser Staaten, untersucht die Gründe zu den einzelnen Entwicklungen und dokumentiert welches Niveau sie erreicht haben im Vergleich zu westlichen Volkswirtschaften.

Die Finanzkrise Ende des ersten Jahrzehnts nach 2000 wird ebenso thematisiert und dabei festgestellt wie nicht nur die Ost-Europäischen Staaten damit zurechtkamen, sondern auch welche Folgen dadurch im Süden Europas entstanden sind. Dabei spielen die Zahlen der Arbeitslosen eine gewichtige Rolle, ebenso die Anstrengungen für Reformen und wie diese in den unterschiedlichen Ländern angegangen wurden, und mit welchem Erfolg. 

Wenn Russland, besonders durch Putin und seine Oligarchen- Clique zu den Verlierern der Transformation zählt, so ist es doch sehr beachtlich, dass Polen an der Spitze der erfolgreichen neuen Marktwirtschaften steht, mit einer außerordentlichen Steigerung der Einkommensverhältnisse der Bürger. Dies macht sich besonders in den großen Städten des Landes bemerkbar, sodass Unterschiede zu westlichen Großstädten kaum noch sichtbar sind. Wie dieser Vergleich mit anderen Metropolen im Osten ausfällt, das wird hier ebenfalls dargestellt. 

Hinzu kommt noch eine Vielzahl weiterer Daten, die die neoliberalen Entwicklungen in Europa hinterfragen. "Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent" von Professor Philipp Ther, erschienen bei Suhrkamp, ist auch deshalb so informativ und anschaulich, weil der Autor nicht nur seine Erkenntnisse aus den statistischen Zahlenwerken entwickelt hat. Vielmehr konnte er von jungen Jahren an persönliche Erfahrungen dort sammeln, sei es durch Verwandtschaftsbesuche oder später auch immer wieder durch Reisen in die einzelnen Länder hinter dem Eisernen Vorhang, vor und nach 1989. 

Wer also wissen möchte, wie die neue Ordnung auf dem alten Kontinent Europa nach dem Fall der Sowjet-Union entstanden ist, wird hier bestens aufgeklärt, ohne dabei durch trockene Fakten und Zahlen besonders strapaziert zu werden. 

Dieses Buch beweist wieder einmal erneut, wie spannend Wissen sein kann. 

Empfehlenswert 

Peter J. König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zu Suhrkamp und können das Buch bestellen:http://www.suhrkamp.de/buecher/die_neue_ordnung_auf_dem_alten_kontinent-philipp_ther_42461.html. Sie können es aber auch direkt bei  Ihrem Buchhändler ordern.

Rezension: #Gunter_Dueck #schwarmdumm- So blöd sind wir nur gemeinsam- #Campus

Wie Prof. Dr. Gunter Dueck gleich zu Beginn seines neuen Buches schreibt, thematsiert er diesmal die selbst verschuldete Kompliziertheit unseres Lebens und zeigt wie es hierzu gekommen ist. Er möchte aus gutem Grund, dass wir begreifen, dass es uns mehr bringt, anstelle von "kompliziert" klugerweise "smart" und damit gewissermaßen runder zu agieren. Dabei ist das Runde das Einfachere, aber keineswegs das Simplere.

Dueck moniert, dass gerade im Team (neudeutsch  im "Schwarm") immer komplizierter vorgegangen werde und dadurch vormalige #Schwarmintelligenz zu #Schwarmdummheit mutiert sei. In den vielen #Meetings von #Managern werden keine eleganten (runden) Lösungen entwickelt, sondern es entstehe zusammengebasteltes Stückwerk, weil ohne gute Vorbereitung (Manager hetzten von Termin zu Termin) einfach nichts Vernünftiges herauskommen könne.

"Genial einfach" sei als Ergebnis eines Meetings geradezu utopisch. Dueck nennt viele Gründe für das Manko, doch ich denke Hauptgrund hierfür ist mangelnder Gemeinschaftssinn, geringe Eigenverantwortung im Team und die Tatsache, dass im Teamergebnis der Einzelne nicht genügend glänzen kann.

Gute Teamarbeit entspricht vermutlich  nicht dem egomanen Zeitgeist, deshalb auch mutierte Schwarmintelligenz zur Schwarmdummheit, so meine Beobachtungen. Der Autor schreibt u.a. von "antipathischer Abteilungsdenke", die den idealen Nährboden für Schwarmdummheit bilde. Abteilungsleiter sind offenbar zumeist nicht in der Lage, generalistisch  das Große und Ganze zu sehen, sondern haben nur ihr eigenes Ding im Auge. So hockt eine Vielzahl von Teilblinden in Meetings und entsprechend sehen dann auch die Ergebnisse aus.

Der Begriff Schwarmintelligenz von dem sich Duecks Wortschöpfung Schwarmdummheit ableitet, stammt aus dem Umfeld des Internets, weil es hier durch die weltweite Vernetzung von untereinander ganz unbekannten Personen zu erstaunlichen Problemlösungen gekommen  sei, so der Autor, der hierfür auch Beispiele nennt. Während im Internet Menschen  mitunter Freude an einer gemeinsamen Lösung haben, schaut es in traditionellen Firmen anders aus. Offenbar lässt sich die Idee der Schwarmintelligenz dort nicht so smart umsetzen. Dueck definiert "Schwarmdummheit entsteht, wenn das Ganze nicht klar verstanden ist und kein Ganzes das Team einigt."

Gunter Dueck untergliedert, nachdem er das Wesen der Schwarmdummheit erst einmal ausgelotet hat, in elf weitere Kapitel und gibt gestressten Managern die Chance, stets  den Kurzinhalt des jeweiligen Kapitels vorab zu überfliegen, damit sie hinterher noch wissen, was sie in der Hektik gelesen haben. Zudem hat Dueck im Vorfeld jeweils einen Merksatz formuliert. Damit Sie eine Vorstellung davon erhalten, was man sich merken soll, zitiere ich den Merksatz aus Kapitel 2:

"Unter zu hohen Zielen arbeiten wir sofort zu viel, anstatt uns bessere Strategien auszudenken oder auch festzustellen, dass wir es gar nicht schaffen können. Das führt zur Überbelastung aller Personen und Funktionen, die wiederum erzeugt Fehler, Terminverschleppen und Ärger. Dadurch wächst die Arbeitsmenge enorm an, ohne dass mehr geschafft würde."

Alle, die sich preußisch-protestantisch extrem viel aufhalsen, kennen das zur Genüge. So schreibt der Autor, er ist übrigens u.a. Mathematikprofessor, nicht nur von der Vergeudung unserer Kräfte in dem dann folgenden Kapitel, sondern erläutert das Problem anhand einer mathematischen Formel für Warteschlangenlängen.

Damit zeigt er, dass eine zu hohe Auslastung zu einem Stau der Arbeitsvorgänge führt. 85 % Auslastung sollten nicht überschritten werden. Je mehr ein Mensch zu entscheiden hat, umso mehr benötigt er Luft, um vernünftig nachdenken zu können, bevor er erfolgreich handeln kann.

Werden in Teams zu hohe Ziele gesetzt, führt dies zu einer neurotischen Gruppenbildung mit teamzersetzendem Verhalten. Das weiß jeder, der mit Teams bereits zu tun hatte, wie auch jeder weiß, dass ohne eine hellwache Teamleitung man eine wirklich lobenswerte Arbeitsbereitschaft eines Teams jenseits von Hobbyteams über einen längeren Zeitraum hin vergessen kann.

Dueck thematisiert eine Vielzahl von Nährböden für Schwarmdummheit. Selbstüberschätzung hart arbeitender Inkompetenter scheint mir der übelste Nährboden zu sein. Anstelle von Arbeiten im Hamsterrad sollte man sich mit den Methoden um "Kaizen" befassen und den drei Mu- Prinzipien: Muda, Muri und Mura,  mittels denen man in Japan große Erfolge erzielte.

Es führt zu weit, im Rahmen der Kapitel, nun jedes einzelne näher zu beleuchten. Wichtig ist zu wissen, wo die Grenzen eines Teams angesiedelt sind und wie die Persönlichkeitsstruktur von Teamworkern ausschauen sollte, damit Intelligente auch etwas Intelligentes zu Wege bringen.

"Für Schwarmintelligenz ist die Frage  "Was ist vortrefflich?"essentiell. Wenn sie verdrängt wird, entsteht Schwarmdummheit." (S.153)

Dueck zeigt Seite für Seite, wie es sich bewerkstelligen lässt, Schwarmdummheit im Team zu vermeiden, macht auch deutlich, dass man sich bei Statistikbetrachtungen im Team artikulierte Korrelationen genau ansehen soll und generell es meiden möge, nach Ausreden zu suchen, wenn es darum geht,  dem  Misserfolg ins Auge zu schauen.

Wenn im Team aus Fehlern gelernt werden soll, bedeutet dies, alles Persönliche zurückzustellen und Schuldzuweisungen zu meiden, sich stattdessen mit Erfolgsstrategien zu befassen und diese in Ruhe gemeinsam umzusetzen. 

Gunter Dueck träumt von Managern, die ihre Mitarbeiter wie Freiwillige führen und zu First-Class-Leistungen führen, denn er weiß, dass nur so der Schwarmdummheit entgegengewirkt werden kann. Um klug zu werden, bedarf es der persönlichen Reife und einer Persönlichkeit, die frei von Rechthaberei ist. 

Zuhören, Vorschläge überdenken, dem besten Gedanken den Vortritt geben, gemeinsam an einem Strang in die gleiche Richtung ziehen, aber  zuvor die Richtung genau bestimmen, so kann Schwarmdummheit vermieden werden. 

Also Scheuklappe absetzen, das Ganze der Firma im Auge habe, auch das Ganze der Branche und der Wirtschaft überhaupt, dann denken, kurz besprechen und nicht vor lauter Laberei um Kaisers Bart das Handeln vergessen, so gelangt man zu einem schwarmintelligenten Ergebnis,  das zumeist auch zu Erfolg führt, wenn Fortune mit im Boot ist...  

Empfehlenswert.

Helga König

Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zum Campus-Verlag und können das Buch bestellen.http://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wirtschaft-gesellschaft/wirtschaft/schwarmdumm-9655.html