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Rezension: Haymatland- Dunja Hayali- Ullstein

Die Journalistin #Dunja_Hayali wurde 1974 als Tochter irakischer Eltern in Nord-Rhein-Westfalen geboren, studierte an der Deutschen Sporthochschule und moderiert seit 2007 das ZDF-Morgenmagazin, seit 2017 dunja hayali und seit 2018 das ZDF Sportstudio. Sie engagiert sich gegen #Rassismus, #Fremdenfeindlichkeit und #Antisemitismus. 2018 erhielt Dunja Hayali das Bundesverdienstkreuz für ihr Engagement gegen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und für ihre journalistische Arbeit. 

"Haymatland" ist ein sehr persönliches Buch, indem sie der Frage nachgeht, wie wir alle zusammenleben wollen. Untergliedert ist das Werk nach einer kleinen Einleitung in vier Kapitel: Heimat, Hass, Tatsachen, Hoffnung. Diesen Kapiteln schließt sich der Epilog an.

Die Autorin stellt zunächst Überlegungen an, was nun Heimat genau ist und konstatiert, dass diese für sie nicht per se durch die Geburt oder über die Herkunft der Eltern festgelegt sei. Für sie bedeutet Heimat Zusammenhalt und Zusammengehörigkeit, Gemeinschaft, Solidarität, Nachbarschaft, Freundschaft. Heimat vermittele ihr Sicherheit, Stabilität und Stärke. Dunja Hayali schätzt an dem Wort die Anpassungsfähigkeit an die Wechselfälle der Biografie. Das lässt bereits erkennen, dass es nicht "die" Heimat gibt, sondern dass Heimat unterschiedliche Orte für einen Menschen sein können, schlussendlich eine Art Anker verkörpert. 

Das Problem, dass die Autorin mit der momentanen Heimatbühne habe, sei der Frust, der Hass und das Misstrauen, mit der diese Bühne derzeit konfrontiert werde. Hass erlebt die Journalistin täglich im Netz und ärgert sich, dass diese "Hater"  keinen einzigen positiven Gedanken ihr eigen nennen und das Klima unserer offenen Gesellschaft zu vergiften drohen, ohne dass sich ihnen jemand ernsthaft entgegenstellt. 

Die Autorin hält es für wichtig, mit diesen Leuten in den sozialen Netzwerken in Kontakt zu kommen, weil sie so vom Gegenstand des Hasses zu einer realen Person wird und als solche u.U. Veränderung bewirken kann. Sie fragt sich, was so gewaltig schief gelaufen sei, dass es Menschen gäbe, die sich allen Ernstes Mühe gäben, ihren Hass zu hegen und zu pflegen, fragt, wodurch dieser überbordende Hass ausgelöst werde?

Sie berichtet von ihren Erfahrungen, schreibt ganz konkret wie sehr sie beschimpft und beleidigt wird. Sie schreibt, dass in den (a)sozialen Medien Hass und Drohungen immer weiter zunehmen, die Anfeindungen härter, zügelloser, unversöhnlicher und unverschämter werden, wundert sich, wie es dazu kommen konnte, dass Heimat zu einem Kampfbegriff und aus einem humanistischen Wir ein ausgrenzendes Ich geworden sei und ist beunruhigt, im Hinblick auf die ungeheure Energie, mit der der Hass all die Beleidigungen und Anschuldigungen in die Öffentlichkeit hinausschleudert werden. 

Die Autorin ist sehr mutig und lässt sich von verblendeten Idioten wie sie sagt, nicht das Recht absprechen, ihre Meinung zu sagen, ihr Leben zu leben und Deutschland ihre Heimat zu nennen.

Dunja Hayali schreibt, dass Rechtsextreme gezielt unmoderierte Kommentarspalten reichweitenstarker Medien nutzen, um ihre verfassungsfeindlichen Narrative in die Mitte der Gesellschaft zu tragen, um auf diese Weise die Deutungshoheit über gesellschaftliche Diskurse zu übernehmen. Der Studie, auf die sie sich bezieht, liegen 1.6 Millionen rechtsextreme Beiträge auf Facebook zwischen Februar 2017 und Februar 2018 zugrunde. Zu den taktischen Mitteln (der sehr gut organisierten Trollarmeen) gehörten das Erstellen zahlreicher Fake-Profile, die zeitgleich für Kampagnen und Shitstorms gegen einzelne Politiker als auch Politikerinnen in Institutionen eingesetzt werden, das koordinierte Kapern von Hashtags und das Flute von Kommentarspalten reichweitenstarker Medien mit Hasskommentaren.

Die Offenheit des Internets, die Idee, dass die Menschen sich besser, schneller und effizienter austauschen können, werde von denen konterkariert, die es benutzen,  um Hass Zwietracht und Neid unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit zu säen und dabei auch vor willentlichen Falschbehauptungen nicht zurückschreckten. Die Autorin zeigt auf, wie Menschen zu Sündenböcken gemacht, wie Worte als Waffen umfunktioniert werden und konstatiert: 

"Benutzt man eine respektlose Sprache, verliert man zunehmend den Respekt vor Menschen, Ansichten, Religionen und Werten.“ 

Dunja Hayali weiß, wie ein friedliches Miteinander in einer liberalen Demokratie möglich ist und auf diese Weise ein "Haymatland" garantiert ist, was durch das Heimatland der Shitstorms und der braunen Attacken immer mehr in Gefahr gerät. 

Heimat ist ein Ort, wo Menschen aus vielen Ländern sich wohl fühlen können und man Fremden dieses Gefühl von Herzen genauso gönnt wie sich selbst. Genau das macht Dunja Hayalis Buch begreifbar.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Haymatland: Wie wollen wir zusammenleben?

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