Dieses Blog durchsuchen

Rezension Peter J. König: Europa gegen die Juden 1880 – 1945-Götz Aly- S. Fischer

Der Historiker und Journalist Götz Aly hat sich in seinem neuesten Buch, erschienen im S. Fischer Verlag erneut mit der Frage beschäftigt, wie es in Europa zu dem entmenschlichten Phänomen des Holocaust kommen konnte, wo dieses Europa doch über Jahrhunderte für einen Prozess der Kultivierung steht. 

Götz Aly hat bereits in mehreren lesenswerten Büchern, die in viele Sprachen übersetzt wurden, aufgezeigt, welchen Diskriminierungen die Juden weltweit, aber ganz besonders in Europa ausgesetzt waren. Pogrome gegen Juden hat es zu allen Zeiten gegeben, massive Beschränkungen und Benachteiligungen und Verfolgungen, auf Grund der Tatsache, dass sie überall als Eindringlinge und gesellschaftliche "Schmarotzer" gesehen wurden ebenfalls. Das gesamte Mittelalter über waren Juden in ganz Europa ausgegrenzt, sie wurden gesellschaftlich geächtet, wirtschaftlich diskriminiert und immer wieder verfolgt und getötet. 

In dem hier vorliegenden Buch stellt und untersucht Götz Aly die Frage, warum hat sich der Verfolgungswahn gegenüber Menschen jüdischen Glaubens seit Beginn des 19. Jahrhunderts in Europa so intensiviert, um schließlich dort zu enden, was die Nazis mit aller Perfektion durchgeführt haben, den Versuch der systematischen Ausrottung eines ganzen Volkes. 

Der Autor hat mit sehr viel Akribie den Zeitraum von 1880 bis 1945 unter die Lupe genommen, um anhand belegter Dokumentationen nachzuweisen, dass mit dem Aufbruch der bürgerlichen Gesellschaften in Europa zu Ende des 19. Jahrhunderts eine gravierende Zunahme von Pogromen und Vertreibungen in den meisten Ländern Europas mit einherging. Mit der industriellen Revolution begann der Wechsel von der Feudal-, hin zu einer Bürger-Gesellschaft, begleitet durch den Wechsel von einer Agrar-Struktur zu einer Vermassung in großen Städten und Ballungszentren. 

Vom einfachen Bauer und Landarbeiter ging die Entwicklung hin zu Arbeitern in Fabriken, Angestellten und selbstständigen Berufen, die oftmals neue Bildungschancen auch für nicht Privilegierte ermöglichten. Gleichzeitig entwickelte sich mit dem aufkommenden Bürgertum eine immer stärker werdende Nationalisierung, einhergehend mit Abschottung der einzelnen Länder untereinander. Diese starke Rivalität und der Machthunger in Europa führten zum Ersten Weltkrieg. Wurden die Juden schon zu diesem Zeitpunkt in allen Ländern bereits extrem unterdrückt, so erwiesen sie sich doch als loyale Untertanen, ob in Russland, in Deutschland oder allen anderen europäischen Staaten, indem sie als Soldaten für ihr Land in den Krieg zogen. 

Gedankt wurde es ihnen nicht, ganz im Gegenteil. Im Zuge des immer stärker werdenden Nationalismus versuchte man sie, als nicht zugehörig, aus den "Volkskörpern" zu eliminieren. Allgemein wurden sie als Angehörige eines fremden Volkes betrachtet, des jüdischen Volkes, das verstreut über die ganze Welt, die Herrschaft in den einzelnen Nationalstaaten übernehmen wollte, um schließlich in einer jüdischen Weltherrschaft zu enden. Das Mittel dazu wurde in dem höheren Bildungsgrad und damit verbunden die Dominanz bei den akademischen Berufen oder im schnelleren Aufstieg beim Militär ausgemacht.

Gerade in den östlichen Staaten war die Durchschnittsbevölkerung nicht in der Lage der aufstrebenden jüdischen Mittelschicht Paroli zu bieten. Sie war einfach intelligenter, fleißiger und zielstrebiger und hat deshalb nicht nur den weitaus größeren Anteil an Studierenden gestellt, die auch mit maximalem Erfolg und in kürzester Zeit ihr Studium beendet hat, um dann die führenden Positionen im Staat als Juristen, Ärzte, Journalisten, Verleger und Buchautoren einzunehmen. Auf diese Weise war es den Juden überhaupt gelungen, die vergangenen Jahrhunderte zu überleben.

Dies hat in der angestammten Bevölkerung zu massivem Hass, Neid und Aufruhr geführt. Gleichgültig in welchem Land in Europa, die Juden wurden angefeindet, mit erheblichen Benachteiligungen belegt, so etwa mit besonderen Gebühren zum Studium, wenn sie nicht gleich quotiert oder ausgeschlossen wurden. Händler, Handwerker und Selbständige hatten erhebliche Abgaben zu leisten, um so durch einen Wettbewerbsnachteil sie nach und nach aus ihren Geschäften zu drängen.

Wer nun glaubt, dies sei eine allein deutsche Vorgehensweise, der wird durch dieses Buch von Götz Aly eines Besseren belehrt. Selbst Frankreich, das Land, das sich Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf die Fahnen geschrieben hat, ließ sich von der ethnischen Nationalisierung hinreißen, um die Juden peu à peu zu unterdrücken und zu vertreiben.

In diese totale anti-jüdische Stimmung hinein kam es in Deutschland zu der Herrschaft der Nazis. Und dass Adolf Hitler die Juden in seiner Hetzschrift "Mein Kampf" als das alles bestimmende Übel in der Welt sah, das ausgerottet werden müsste, um die Zivilisation zu retten, hat schließlich den Ausschlag zum Holocaust bestimmt. Wenn auch nicht in allen Ländern die "Endlösung der Judenfrage" selbstständig umgesetzt wurde, Pogrome hat es ja bereits tausendfach in vielen Ländern in den vergangenen Jahrzehnten gegeben, ganz besonders in Russland zum Ende der Zarenherrschaft. Wenn also diese europäischen Länder nicht die gesamte Vernichtung ihrer eigenen jüdischen Bevölkerung in die Hände genommen haben, so waren sie fast ohne Ausnahmen vor und während der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht bereit, die Juden zu vertreiben, ihr Vermögen sich einzuverleiben und als willige Helfer dafür zu sorgen, damit ihre gesamte jüdische Bevölkerung wenn möglich in die Deportationszüge nach Ausschwitz und Treblinka gepfercht und abtransportiert werden konnte.

Hier haben sich bis auf Schweden, Dänemark, Belgien und die Schweiz alle Europäer ausnahmslos beteiligt und schuldig gemacht.

Götz Aly hat in seinem Werk "Europa gegen die Juden" sehr eindeutig und unmissverständlich gezeigt, dass der Holocaust keine losgelöste Erfindung der Wannsee-Konferenz ist. Dort wurde die letztendliche Umsetzung der totalen Vernichtung der europäischen Juden beschlossen. Aber bereits seit vielen Jahrzehnten hat eine Diskriminierung und Vertreibung der Juden nahezu flächendeckend in Europa stattgefunden.

Für die Nazis war der Holocaust nur das logische Ende der Judenfrage, die sie auch mit deutscher Gründlichkeit zum Abschluss zu führen gedachten. Damit der Autor gar nicht erst in Verdacht gerät, krude Thesen aufzustellen, hat er sich strikt an belegbare Fakten gehalten, die seine geschichtliche Darstellung an Hand unzähliger Dokumente untermauert. Über den Holocaust ist vielfach geschrieben worden, Götz Aly zeigt hier ergänzend in welche gesamt-europäische antisemitische Stimmung der totale Judenmord eingebettet war und dass viele Länder ein großes Interesse hatten, die Juden aus ihren Staaten zu eliminieren. Die Gesamtlösung haben sie den Deutschen überlassen. Damit wollten sie dann offiziell nichts zu tun haben.

Das relativiert die Schuld der Deutschen allerdings nicht im geringsten und exkulpiert sie dementsprechend keineswegs. Ganz im Gegenteil, sie haben die tiefe antisemitische Haltung vieler europäischer Staaten und die besondere Situation des Krieges und der Besetzungen genutzt, um das grausamste Verbrechen der Menschheitsgeschichte zu realisieren.

Sehr empfehlenswert

Peter J. König

Überall im Fachhandel erhältlich

Onlinebestellung: S. Fischer oder Amazon
Europa gegen die Juden: 1880 - 1945

Rezension: Gebrauchsanweisung für Populisten- Heribert Prantl- Ecowin

Herbert Prantl ist Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung und verantwortet dort deren innenpolitischen Teil. Der Jurist, der als einer der wortgewaltigsten deutschen Journalisten gilt, hat nach seinem Studium der Rechtswissenschaften, Geschichte und Philosophie zunächst als Staatsanwalt und Richter gearbeitet, um dann der zu werden, der er heute ist. 

Das vorliegende Buch trägt den Untertitel "Wie man dem neuen Extremismus das Wasser abgräbt" und zeigt auf, dass nicht der Populismus es ist, der die Gesellschaft zerstört, sondern dafür vielmehr der populistische Extremismus verantwortlich sei. Der sogenannte Rechtspopulismus sei eine Entrechtungsbewegung, die als eine modernisierte Version des alten Rechtsextremismus begriffen werden muss, weil er mit den Mitteln der Ausgrenzung, mit sich steigernden Regelverletzungen arbeite. Bei diesen inszeniere er sich mit dem Gestus des mutigen Tabubrechers. Genau das sei in der Internetwelt besonders wirksam,"weil die irresten Attacken und die irresten Ankündigungen die irreste Verbreitung" fänden. Rechtspopulismus gelte es zu bekämpfen. Von daher auch begreift Prantl seinen Text als Schrift gegen Phlegma und Fatalismus und will sie als einen Aufruf zu einer demokratischen, rechtsstaatlichen Offensive verstanden wissen, schlussendlich als einen Appell zu einer neuen Verve der Demokraten, weil nur begeistern könne, wer selbst begeistert. 

Wissen sollte man, dass eine volksnahe Politik stets gerne als populistische Politik bezeichnet wird. Doch Extremismus muss das noch lange nicht sein. Der Autor reflektiert  in diesem Zusammenhang die deutsche Kompromissfeindlichkeit, die ein Überbleibsel aus vergangenen Zeiten sei. Hier gelte es, zukünftig zu lernen. Der Kompromiss lebe von der Achtung der gegnerischen Position und vom Sinn für gesellschaftlichen Wandel, davon, dass man sich auf etwas einlasse. Der Kompromiss gehöre zum Wesen der Demokratie. Die Güte einer Politik zeige sich nicht in der Größe echter oder vermeintlicher Ideale ihrer Politiker, sondern in der Qualität ihrer Kompromisse. Wie ein solcher Kompromiss auszusehen hat, liest man in der Folge und begreift, warum Kompromisse sinnstiftend sind, auch, dass man sie volksnah vermitteln kann, sie aber für Extremisten Teufelswerk verkörpern. 

Kompromisse seien mit Donald Trump beispielsweise nicht möglich, Grund sei der populistische Rechtsextremismus, die eine Methode sei, Menschen zur Selbstentwürdigung und Entpolitisierung zu verführen. 

Der populistische Rechtsextremismus wirkt in ländlichen Gebieten stärker als in Städten. Das gilt für Deutschland und Frankreich ebenso wie für die USA. Heribert Prantl schließt daraus, dass die Welt heimatlicher werden müsse, um dem Extremismus zu wehren. Der Autor reflektiert die Verödung der kleineren Orte, der man entgegen wirken müsse, um eine andere Bevölkerungsstruktur zu ermöglichen. Dies und andere Maßnahmen, über die man im Buch Näheres erfährt, könnten dazu beitragen, dem populistischen Extremismus Einhalt zu gebieten. Volksnähe muss nicht zwingend rechtspopulistisch sein, sie kann auch unabgehoben liberale Grundwerte vermitteln. Das sollte man bedenken.  

Empfehlenswert.

Helga König

Überall im Buchhandel erhältlich

Onlinebestellung Ecowin oder Amazon

Rezension Peter J. König: Hitlerjunge Schall- Die Tagebücher eines jungen Nationalsozialisten-André Postert- dtv

Der Autor dieses erhellenden Buches mit dem erklärenden Titel "Hitlerjunge Schall" ist André Postert, der an der Universität Duisburg-Essen Neuere und Neueste Geschichte studiert hat. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hannah-Arendt-Institut an der Technischen Universität Dresden sind seine Forschungsschwerpunkte Jugendorganisationen im Nationalsozialismus und Mentalitätsgeschichte. 

Als einzigartiges Zeitdokument hat Postert die Tagebücher von Franz Albrecht Scholl, geb. 1913 ausgewertet, die dieser als Sohn eines Gymnasial- Lehrerehepaares in der thüringischen Kleinstadt Altenburg aufgezeichnet hat, als er 1930 mit 17 Jahren in die Hitlerjugend eintrat. 1932 wurde er Mitglied in der NSDAP. Seine umfassende Bildung und auch der Einfluss seiner Eltern, die ablehnend dem Nationalismus und den Nazis gegenüberstanden, konnten ihn nicht darin hindern, Karriere durch und in der Partei zu machen. 

Nach dem Abitur, einer Lehre und dem Studium wurde er Erzieher und Werklehrer an einer der Kaderschmieden des Reiches den Adolf-Hitler-Schulen in Sonthofen. Sein Glaube an Adolf Hitler, den Nationalsozialismus und die Treue zur Ideologie konnten auch seine aufkommenden Zweifel durch die Fronterlebnisse nicht erschüttern, zu sehr stand Schall im Bann der Rhetorik der NS-Ideologie und den Inszenierungen, die seine Jugend und sein Ausbildungsstadium nicht löschbar geprägt hatten. 

Dass sein Vater, Jugendfreund und Studienkollege des großen Schriftstellers Hermann Hesse und Teil der intellektuellen Oberschicht von der Gestapo in Haft genommen wurde, ließen bei dem jungen Franz Albert Schall ebenfalls keine Zweifel an den Nationalsozialisten aufkommen. Dies setzte sich auch fort nach dem Untergang des Dritten Reiches, als 1945 zwar das politische System zerbrochen war, die Ideologie der Nazis in den Köpfen und den Herzen aber ungebrochen weiter existierte. 

So auch bei Schall, der bis zu seinem Tod im Jahre 2001 unverbrüchlich die Anschauungen und Werte der Nazis verkörperte. Damit stand Franz Albert Schall beileibe nicht allein, denn die Ideologie der Nationalsozialisten wurde weder durch die Entnazifizierung, noch durch die Aufklärung in den Schulen in den anschließenden Jahrzehnten restlos ausgeräumt, ganz im Gegenteil. 

André Postert versucht nun in seinem Werk "Hitlerjunge Schall" an Hand der Aufzeichnungen und Tagebücher nachzuvollziehen, wie es möglich war, dass ein gebildeter Heranwachsender derart in den Sog der Nationalsozialisten geraten konnte. Aufklärung sollen dabei die Notizen bringen, die Zeugnis ablegen von den tiefen Eindrücken, die der junge Mann von den Politischen Vorträgen, den Aufmärschen, der persönlichen Begegnung mit Hitler in den Anfangsjahren, den Massenveranstaltungen und den Wanderfahrten erlebt hat. Dabei spielt der Aufbruch in eine vermeintliche Neue Zeit ebenso eine wesentliche Rolle, wie die Kameradschaft mit dem Zusammengehörigkeitsgefühl und die suggerierte Überlegenheit in der Masse. 

Aber auch die unbedingte Gläubigkeit, die uneingeschränkte Begeisterung und ein unerschütterlicher Optimismus sind die Gründe, warum ein scheinbar aufgeklärter junger Mann sich total der NS-Ideologie mit all seinen Folgen verschrieb und auch dann noch nicht davon ablassen konnte, obwohl klar war, was diese den Deutschen und Millionen von Menschen in Europa und aller Welt angetan hat. 

Ob Krieg, Vernichtung von Juden, Sinti und Roma, Homosexuellen und Zwangsarbeitern, nichts konnte letztendlich die Gehirnwäsche ausmerzen, die durch die Infiltration in den Köpfen der jungen Menschen durch die "Nationalsozialistische Bewegung" stattgefunden hatte. Um einen tieferen Eindruck davon zu vermitteln, darum geht es in diesem Buch, das durch die persönlichen Aufzeichnungen, Protokolle und Tagebuch-Eintragungen ziemlich direkt zeigt, was es eigentlich war, dass den Hitlerjungen Schall so fasziniert hat. 

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König

Überall im  Handel erhältlich
Onlinebestellung dtv und Amazon

Rezension: Der schmale Grat der Hoffnung- Jean Ziegler- C. Bertelsmann

Jean Ziegler, der Autor dieses Buches, ist emeritierter Professor der Universität Genf. Bis 1999 war er Abgeordneter im Eidgenössischen Parlament und von 2000 bis 2008 UN- Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Derzeit ist er Vizepräsident des beratenden Ausschusses des UN- Menschenrechtsrates. Jean Ziegler wurde mit diversen Ehrendoktoraten und internationalen Preisen ausgezeichnet. 2008 erhielt er den Internationalen Literaturpreise für Menschenrechte. 

Das Buch "Der schmale Grat der Hoffnung" trägt den Untertitel "Meine gewonnenen und verlorenen Kämpfe und die, die wir gemeinsam gewinnen werden" und wurde von Hainer Kober aus dem Französischen übertragen. Das Werk ist ein autobiographisches Buch. Der Autor hat es seinen Freunden gewidmet, die er im Einzelnen aufzählt. 

Im Vorwort bereits lässt er seine Leser nicht im Ungewissen, dass der Dritte Weltkrieg gegen die Völker der Dritten Welt längst begonnen habe. Ziegler spricht von winzigen kapitalistischen Oligarchien, die über nahezu grenzenlose Macht verfügen und sich geradezu jeder staatlichen, gewerkschaftlichen und gesellschaftlichen Kontrolle entziehen. Diese Oligarchien bemächtigen sich des weitaus größten Teils der weltweiten Reichtümer und zwingen den Staaten der Erde nur ihr Gesetz auf, so der Autor. Ziegler ist sich sicher, dass das Kollektivbewusstsein trotz neoliberaler Wahnideen, die die Oligarchien verbreiten, durchdrungen ist von der Vorstellung der Gleichheit aller Menschen und er ahnt, dass der Aufstand des Gewissens nah ist. 

Jean Ziegler benennt die Ahnherren der UN-Charta, als da sind Rousseau, Voltaire, Diderot, d` Alembert und Montesquieu und betont, dass die multilaterale Diplomatie ihre Grundprinzipien der Aufklärung verdanke. 

Das Buch ist in 9 Kapitel untergliedert. Dabei geht es zunächst um die Entwicklungsziele, die die UNO 2016 in ihrer Agenda 2030 zur Überwindung der gegenwärtigen kannibalischen Weltordnung festgelegt hat. Ziegler untersucht hier als Symptom der Ordnung die miese Praxis der Geierfonds. Die Eigentümer dieser Fonds gehörten zu den schlimmsten Beutejägern des kapitalistischen Systems. Weshalb das so ist, wird an Beispielen erläutert. 

Wie Ziegler weiter schreibt, besaßen 2015 1 Prozent der reichsten Personen der Erde mehr Vermögenswerte als 99 Prozent der restlichen Menschheit und das Eigentum der 62 reichsten Multimilliardäre des Planeten  habe den Besitz der ärmeren 50 Prozent seiner Bewohner übertroffen. Offenbar sind die Ursachen hierfür in der Aufhebung staatlicher Normativität, Abschaffung der Bankkontrollen, Entstehung privater Monopole, ungehemmter Ausbreitung von Steueroasen etc. begründet. 

Im zweiten Kapitel berichtet Jean Ziegler von den Kämpfen, die er ausgefochten hat und hier in den letzten 25 Jahren im Wesentlichen auf den Schlachtfeldern der UNO. Im dritten und vierten Kapitel reflektiert er die Gründungsprinzipien und die Entstehungsgeschichte der UNO. Dabei sollte man wissen, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UNO eine beinahe deckungsgleiche Kopie der Erklärung der Menschen und Bürgerrechte der Französischen Revolutionäre von 1789 ist. 

Es führt zu weit, nun alle Kapitel des Buches detailliert zu beleuchten, sich beispielsweise mit imperialen Strategien hier näher zu befassen, über die der Autor im Buch auch schreibt. Interessant sind Zieglers Überlegungen zur universellen Gerechtigkeit, so etwa auch wie die Richter an den verschiedenen internationalen Gerichtshöfen der UNO Recht sprechen. Interessant sind zudem die Betrachtungen zu Kämpfen, die es gemeinsam zu gewinnen gilt.

Die kannibalische Weltordnung in Frage zu stellen und in der Folge das Leid auf dieser Welt zu minimieren, darum geht es. Das Buch zeigt Wege auf, wie dies zu erreichen ist. Einfach allerdings ist das ganz und gar nicht.

Überaus empfehlenswert. 
Helga König

Überall im Handel erhältlich

Rezension Peter J. König: Tom Holland Dynastie Glanz und Elend der Römischen Kaiser von Augustus bis Nero Klett-Cotta

Der Autor dieses großartigen Werkes ist Tom Holland. Er studierte in Oxford Geschichte und Literaturwissenschaften und hat bereits mit mehreren Büchern zur antiken Geschichte sich einen Namen gemacht und dafür zahlreiche Preise erhalten. 

Mit seinem neuesten Werk: "Dynastie - Glanz und Elend der Römischen Kaiser von Augustus bis Nero" gibt er einen sehr anschaulichen Überblick über eine Epoche der Römischen Kaiserzeit. Keine Weltmacht in der Geschichte hat jemals eine solche Machtfülle, einen solchen Einfluss auf die bestehende Weltordnung und eine solche Dauerhaftigkeit erreicht wie das Römische Reich. 

Mit etwa 1400 Jahren Existenz ist Rom in der ganzen Menschheits-Geschichte mit Abstand die führende Weltmacht gewesen. Von einer kleinen Siedlung am Tiber in Mittelitalien etwa 832 vor Christus ausgehend, schickte sich die erste Republik in der Geschichte an, durch permanente Eroberungszüge, zunächst auf der italienischen Halbinsel, später in allen bis dahin bekannten Erdteilen (Europa, Afrika und dem gesamten Orient), diese neuen Provinzen in sein Reich einzuverleiben. Dabei liefen alle Fäden der Macht im Zentrum der Republik in Rom zusammen. Von hier aus wurde die Weltherrschaft organisiert. Dies stellt eine einzigartige Leistung in der Geschichte da. 

Dass dieses überhaupt möglich war, hat mit der straffen, gut organisierten Staatsordnung zu tun, dem einmaligen Rechtssystem und dem über Jahrhunderte zunächst auf mehrere Schultern verteilten Machtgefüge innerhalb der staatlichen Hierarchie und natürlich der Kriegskunst, der kein anderes Volk in vielen Jahrhunderten etwas entgegen setzen konnten. Die Herrschaftsstruktur sollte sich erst ändern, als die Römische Kaiserzeit anbrach, die durch die Familien der Julier und Claudier begründet wurde, weg von der "res publica", hin zum Absolutismus eines Kaisers. Die gesamte Machtfülle, die derjenigen eines Gottes gleichkam, konzentrierte sich auf eine einzige Person, den Imperator, den Caesar, der diese uneingeschränkte Herrschaftsmacht vom Senat verliehen bekam. Hatte Julius Caesar den Titel eines Kaisers aus machttaktischen Gründen noch nicht einmal in Erwägung gezogen, um dem römischen Volk gegenüber eine Machtverteilung im Triumvirat zu suggerieren, so begann mit Imperator Caesar Augustus die Kaiserzeit im Jahre 27 vor Christus. 

Alle nachfolgenden Kaiser, so Tiberius, Caligula, Claudius und Nero fußten auf der direkten oder adoptierten Abstammung der julisch-claudischen Familien-Dynastie. Erst mit Neros vom Senat erzwungenen Selbstmord im Jahr 68 nach Christus endete die fast hundertjährige julisch-claudische Kaiserherrschaft. Kaiser standen auch danach noch bis zum Jahr 284 nach Christus an der Spitze des Römischen Imperiums, aber keine Epoche hat mehr Machtfülle, Glanz, Prachtentfaltung, aber auch Intrige und grenzenlose Mordlust und Perversion hervor gebracht, wie in der Zeit der Kaiser Augustus, Tiberius, Caligula, Claudius und Nero. 

Der Autor Tom Holland hat in seinem Werk "Dynastie" alle Facetten dieser Zeitepoche sehr akribisch, informativ, anschaulich und spannend dargestellt, um so die Zusammenhänge, der überaus verschachtelten Familien-Geschichte bestens nachvollziehbar dem Leser nahe zu bringen. Dabei geht er sehr genau in die Details, nicht nur was die brutalsten Machenschaften um die Macht innerhalb der Familien anbetrifft, so hat Nero seine Mutter, seine Schwestern und sein ungeborenes Kind und seinen Lehrer und Freund den Philosophen Seneca ermordet oder ermorden lassen, er beschreibt auch ganz offen, welchen Perversionen die einzelnen Kaiser frönten, zunächst im Verborgenen, wie etwa Tiberius auf Capri, wo er seine pädophilen und sadistischen Altersfantasien auslebte, später ganz offen mitten in Rom, wenn von Caligula öffentliche Orgien gefeiert wurden und Nero Rom anzünden ließ, die Christen als Täter brandmarkte, um sie anschließend als lebende Fackeln bei Festgelagen in seinen Gärten mit Teer überzogen, zu verbrennen. 

Tom Holland erzählt in seinem Buch auf sehr kurzweilige Art einen überaus wichtigen Teil aus der römischen Geschichtsschreibung. So bekommt der Leser einen fundierten Eindruck dieser Zeit und seiner beherrschenden Akteure, aber auch was es bedeutet hat, ein solches Riesenreich auf der Höhe seiner größten Ausdehnung unter Kontrolle zu haben. Darüber hinaus wird verdeutlicht zu welcher Brutalität die Herrscher jener Zeit fähig waren. 

Dem Autor ist es bestens gelungen auf romanhafte Art die komplexen Zusammenhänge der römischen Kaiserzeit zu erzählen und so auch dem weniger informierten Leser größte Aufmerksamkeit zu entlocken. 

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König

Überall im Fachhandel erhältlich

Online: Klett-Cotta oder Amazon

Rezension: Sinnstifter- Wie Unternehmen davon profitieren, soziale Verantwortung zu übernehmen.- Jürgen Schöntauf- Campus

Der Autor dieses Buches ist der Zukunfts- und Megatrendexperte Jürgen Schöntauf. Der studierte Kommunikationsdesigner ist Inhaber einer Kommunikationsagentur. Er berät seit mehr als zwanzig Jahren Unternehmer und Führungskräfte und lädt seine Klientel durch seine neue Publikation ein, Sinnstifter zu werden. 

Der Titel des Werkes lässt bereits aufhorchen und uns darüber nachdenken, was sich hinter dem Begriff "Sinnstifter" verbergen könnte. Auf Firmenchefs bezogen,  definiert der Autor den Begriff wie folgt: "Sinnstifter sind Unternehmer, die erkennen, dass ihre Unternehmen keine Inseln sind, sondern eingebunden in Gesellschaft und Umwelt."

Schöntauf erinnert eingangs sogleich an den Psychiater Viktor E. Frankl, der in der NS-Zeit die Inhaftierung in den Konzentrationslagern überlebte. Dieser definierte den Mensch als sinnsuchendes Wesen, das einen sinnvollen Beitrag leisten möchte. Dabei muss man wissen, so Schöntauf, dass Sinn weder "herstellbar" noch konsumierbar ist, sondern dass es sich bei ihm um einen Prozess, gewissermaßen um eine Suche handelt. Sinn sei das Ergebnis von Einsichten, Haltungen und Wertorientierungen, die in einen unternehmerischen und gesellschaftlichen Kontext eingebettet seien. 

Das Buch ist in vier große Teile untergliedert und enthält neben einer Fülle von Informationen und Reflektionen aufschlussreiche Interviews mit Firmeninhabern, die sich als Sinnstifter erweisen, d.h. die es geschafft haben, in ihrem Unternehmen Sinnstiftung und Profit erfolgreich miteinander zu verbinden. Finanzieller Gewinn ist für jedes Unternehmen unumgänglich, um Arbeitsplätze zu schaffen oder auch um in eine umweltverträgliche Produktion und in entsprechende Produkte zu investieren, Sinnstiftung habe viele Gesichter. Wie einige davon ausschauen, wird im vorliegenden Werk näher dargelegt und zwar deshalb, weil Untersuchungsergebnisse gezeigt haben, dass Unternehmen, die sich nicht mit Sinnstiftung befassen, in Zukunft nicht mehr von Belang sein werden. Sinn ist also ein Garant dafür zu überleben.

Wie der Autor hervorhebt, sind die Konsumenten aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und erwarten nun von Unternehmen Moral, Verantwortung und legales Verhalten, kurzum, die Gesellschaft erwartet von den Firmen mittlerweile einen gesellschaftlichen Wertebeitrag.  Wie dieser ausschauen könnte, ist Gegenstand der vorliegenden Publikation. 

Jürgen Schöntauf schreibt zunächst über diverse Megatrends. Bei der Betrachtung dieser Trends geht es um die Frage, wie Wandel entsteht und verläuft. Das Zukunftsinstitut von Matthias Horx, dessen Hauptsitz Frankfurt ist, nennt diesbezüglich einige Kriterien. Die Megatrends sind für die Veränderung ganzer Gesellschaften verantwortlich. Zwölf Megatrends sollen unser Leben bestimmen. Zu ihnen zählen die Megatrends "Gender Shift" und "Urbanisierung", die Schöntauf näher erklärt. In diesem Zusammenhang ist das Interview mit Andrea Lunzer von der Maß- Greißlerei in Wien sehr erhellend. Hier wird gezeigt, wie sinnstiftend es sein kann, Produkte unverpackt anzubieten und damit das Ökosystem, in dem wir leben, zu verbessern, aber auch glaubwürdig Produkte zu vermarkten. 

Schöntauf reflektiert in der Folge, was Werte sind,  auch wie Werte entstehen und macht deutlich, dass sie nur dann langfristig wirksam werden, sofern man sie glaubwürdig vorlebt. Dabei nimmt Wertortientierung ihren Anfang bei der Achtsamkeit. In Unternehmen gilt es Kernwerte zu erkennen, sie glaubhaft zu leben und zu kommunizieren. 

Sieben "MindShifts-Steps", sprich Gedankensprünge, hat Jürgen Schöntauf bei Sinnstiftern beobachtet. Er listet diese zunächst auf, erläutert sie alsdann sehr  facettenreich in der Folge und zeigt anhand von Interviews mit entsprechenden Sinnstiftern den jeweiligen Erfolg. 

Es geht bei den "MindShifts" konkret um:
1. Kultur und Werte 
2. Führung
3. Vernetzung
4. Beziehungen 
5. Leidenschaft 
6. Bildung 
7. Gewinn 

Beim 4. MindShift wird beispielsweise u.a. Wertschätzung, Respekt und Anerkennung für Mitarbeiter zur Sprache gebracht, weil diese Faktoren nicht zuletzt wichtig sind, um Fehlzeiten, Krankheitskosten etc. zu minimieren. Wer Werte ernst nimmt, - das darf nicht verschwiegen werden- verfügt über einen Wettbewerbsvorteil und hat in diesem Zusammenhang nicht zuletzt bessere Beziehungen im Unternehmen, aber auch zu Kunden, Lieferanten und Investoren. 

Wie Dr. Nikolaus Förster (Impulse Medien in Hamburg) in seinem Interview meint, benötigt ein Unternehmen, um erfolgreich zu sein "Wertorientierung, Ziele, Unternehmenskultur und Storytelling." Weiter lässt er die Leser wissen: "Werte sind die Grundlage, dazu braucht man konkrete Ziele, das Visioning. Die Unternehmenskultur muss so gut sein, dass die Ziele auch erreicht werden, und Storytelling ist die Kommunikationsform, die sowohl nach innen als auch nach außen wirkt. Dann hat man sehr gute Chancen, nachhaltig erfolgreich zu sein." (S.183) 

Wie wichtig Bildung ist, wird auch verdeutlicht. Sie ist einer der bedeutendsten Schritte, um soziale Verantwortung zu übernehmen. Zudem fördert Bildung die Kreativität und bringt Innovation hervor.
Ob Bildung glücklich macht, sei dahin gestellt.

Klar wird beim intensiven Studieren des Buches, dass durch Werteorientierung und damit einhergehendem sinnstiftendem Verhalten die Wettbewerbsstärke verbessert werden kann und zugleich ein vernünftiges Miteinander entsteht, das ein Verhalten ablöst, das letztlich keine überzeugenden Perspektiven bereithält, wie die jüngste Vergangenheit vielerorts zeigte. 

Es ist lohnenswert, Gedankensprünge zu machen und die Perspektive zu wechseln. Weg vom neoliberalen Egogebaren, hin zur Werteorientierung und der  immer jungen und sehr attraktiven Idee der sozialen Marktwirtschaft, die  in den Gedanken Jürgen Schöntaufs stets aufs Neue aufleuchtet.


Sehr empfehlenswert. 

Helga König

Überall im Handel  erhältlich

Onlinebestellung: Campus oder Amazon
Homepage Jürgen Schöntauf: http://www.juergenschoentauf.com/

Rezension: Europa ist die Lösung- Churchills Vermächtnis- Frank- Walter Steinmeier

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier nimmt in diesem Buch Bezug auf die berühmte Rede, die Winston Churchill am 19. September 1946 an der Universität Zürich gehalten hat und in der dieser dafür plädierte, dass es ein beständiges Ziel sein müsse, die Vereinten Nationen aufzubauen und zu festigen. Churchills Denken ging damals so weit, die europäische Völkerfamilie in einer regionalen Organisation zusammenzufassen. Er schlug vor, diese, "Vereinigte Staaten von Europa" zu benennen. 

Als 1. praktischen Schritt empfahl er die Gründung eines Europarates, auch wenn zu Beginn nicht alle Staaten betreten wollten oder könnten. Aufgabe der beigetretenen Staaten sei es, letztlich alle Staaten zusammenzuführen. Für Churchill stand fest, dass auf dieser Grundlage sich das Kriegsrisiko minimierte. Deutschland und Frankreich sollten nach seiner Vorstellung die Führung übernehmen, während Großbritannien, das britische Commonwealth, die USA und Sowjetrussland sich als Förderer und Freunde des neuen Europas erweisen sollten. 

Die gesamte Rede ist zu Ende des vorliegenden Buches abgedruckt und dient zum besseren Verständnis von Steinmeiers brillantem Text. 

Für den Außenminister sind die Jahre 1946 und 2016 Wegscheiden in Europa, weil wir damals wie heute mit viel Verunsicherung und Ungewissheit in die Zukunft blickten. Seit damals habe sich die Welt verändert, denn in jenen Tagen prägte die Blockkonfrontation das Denken, während heute Globalisierung, Vernetzung und Entgrenzung den Lebensalltag in Europa darstellten. 

Wie Steinmeier betont, sind die Herausforderungen der Gegenwart gemessen an jenen von 1946 klein, allerdings sei die europäische Stimmung erschreckend kleinmütig geworden. Die Gründe hierfür nennt Steinmeier und fasst zusammen "Sezession statt Expansion, schwelende Krisen statt wachsende Stabilität – dies scheinen die europäischen Signaturen der Gegenwart zu sein."

Diese pessimistischen Betrachtungen müsse man ernst nehmen, weil sie die veränderte Stimmung der Bevölkerung wiederspiegelten. 

Steinmeier Reflektionen zu Churchills Rede in der Folge, lohnt es sehr aufmerksam zu studieren, denn sie machen, wie eingangs bereits erwähnt, die Aktualität der damaligen Gedanken deutlich. Der deutsche Außenminister überdenkt nicht nur die historische Entwicklung nach 1946 und den Weg, der zur Krise führte, sondern stellt auch die Frage, welche Zukunft Europa haben soll und wie man sich aus der Krise herausbewegen könne. Dabei müsse Europa auch zeigen, dass es vereint sicherer sei. Eine gemeinsame Außenpolitik sei notwendig, die über das Sprechen mit einer Stimme hinausgehe. Steinmeier plädiert für die offene Gesellschaft, in der man Vorkehrungen für den schlimmsten Fall treffen müsse, anstelle den besten herbeizusehnen. 

Damit dokumentiert er Realismus, der in einer Welt grenzenloser Gier kein Zeichen von Verzagtheit darstellt, sondern unfraglich ein Indiz für vorausschauendes Denken ist, auch wenn mir das Denken als Pazifistin Bauchschmerzen bereitet. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Das Buch ist überall im Handel erhältlich
Onlinebestellung: Ecowin oder Amazon

Rezension: Peter J. König: Griechenland unter Hitler- Das Leben während der deutschen Besatzung 1941 – 1944 Mark Mazower -S. Fischer

Der Autor dieses Buches, erschienen im S. Fischer Verlag mit dem Titel "Griechenland unter Hitler, das Leben während der deutschen Besatzung 1941 – 1944" ist der Historiker Mark Mazower. Er hat in Oxford und Bologna studiert, lehrte an der Birkbeck University of London und in Princeton und ist heute Professor für Geschichte an der Columbia University, New York. 

In seinem Werk betrachtet er akribisch, wie die Nazis Griechenland überfallen und mit welchen mörderischen Methoden sie während der Besatzung das Land und die Menschen ausgebeutet haben. Im Gegensatz zu den Italienern, sie hatten den südwestlichen Teil des Landes okkupiert und ohne massive Repressalien verwaltet, wurde der Nordosten Griechenlands von der deutschen Armee mit brachialen Mitteln unterdrückt. Der sich daraus entwickelnde Widerstand hatte Mord und Raub an der Zivilbevölkerung zur Folge, wobei weder die SS-Einheiten noch die reguläre Truppe es an Willkür und Brutalität fehlen ließen. 

Hinzu kam die systematische Vertreibung und Ausrottung der jüdischen Bevölkerung, zunächst in dem von der deutschen Wehrmacht besetzten Teil im Nordosten von Griechenland und auf den griechischen Inseln, später dann als die Italiener sich aus Griechenland zurückgezogen hatten im ganzen Land. Dabei wurden die griechischen Juden in Viehwaggons ins Vernichtungslager Ausschwitz nach Polen deportiert, ihre Häuser samt aller Habseligkeiten auf obskure Weise unter den Kollaborateuren in der griechischen Bevölkerung verteilt. Weder die SS noch die sonstigen Wehrmachtsangehörigen haben dabei sich an irgendwelche rechtlichen Normen gehalten, etwa Kriegsrecht, ganz im Gegenteil, sie haben gemordet, vergewaltigt, geraubt und sonstige Gräueltaten an der Bevölkerung verübt. 

Dabei war es völlig gleichgültig, ob es sich um Vergeltungsaktionen aufgrund von Partisanenangriffen gehandelt hat, oder ob es dabei nur um die reine Mordlust brutalster Führungsoffiziere gegangen ist. Einhergehend wurden ganze Dörfer in Brand gesteckt, Alte, Frauen und Kinder auf bestialische Weise erschossen oder aufgehängt, nur um zu erfahren ob die wehrfähigen Männer sich dem Widerstand angeschlossen hatten. Alles Verwertbare, sei es Vieh, Nahrung wie Olivenöl oder Getreide, aber auch sämtliche Wertgegenstände in den Häusern wurden eingesammelt und weggeschleppt. 

Auf diese Weise ist nicht nur der Widerstand gegen die deutschen Besatzer angefacht worden, es entstand ein Hass gegen alles was deutsch war, der heute noch in der griechischen Bevölkerung in Erinnerung ist. Die Nationalsozialisten haben in brutaler Weise die griechische Bevölkerung unterdrückt und die Spuren ihres Handelns sind bis heute noch sichtbar, sowohl in der wirtschaftlichen Misere, als auch in den Jahrzehnte langen Folgen des Bürgerkriegs, der sich nach dem Abzug der Deutschen im Land abgespielt hat. 

Während Russland versucht hat seinen kommunistischen Einfluss in Griechenland zu manifestieren, durch die Unterstützung des linken Widerstands, haben die Nazis mit Hilfe von willigen Kollaborateuren westlich orientierte Schutztruppen im Land zuvor aufgebaut. Dies führte zur Spaltung der Bevölkerung und zu einem blutigen Bürgerkrieg, der an Brutalität mit den nationalsozialistischen Besatzern gleich kam. 

Noch heute leidet das griechische Volk an den Folgen und an der Polarisierung von links und rechts, zumal auch das Militär geputscht hat, wenn es darum ging die eigenen Pfründe zu sichern und linke Regierungen abzusetzen. Der Autor Mark Mazower hat sehr anschaulich beschrieben, welches Leid, welches Chaos und welche Angst die Nazis in der griechischen Bevölkerung durch ihre barbarischen Taten ausgelöst haben. Dabei stützt er seine Aussagen auf eine Fülle von verlässlichen Quellen, wobei ihm die deutsche Gründlichkeit sehr zur Hilfe kam, denn alle Aktionen, seien sie noch so brutal und unmenschlich wurden von den deutschen Besatzern akribisch registriert und auf notiert. 

Durch diese Akten war es Mazower möglich, den grausamen Alltag der unterdrückten Griechen in seinem Buch deutlich zu machen und aufzuzeigen welches Leid den unzähligen Familien in Griechenland durch die Deutschen angetan wurde. Bei einem solchen Hintergrund wird auch klar, warum das Verhältnis der Griechen zu Deutschland noch immer unterschwellig belastet ist. 

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König

Überall im Fachhandel erhältlich

Onlinebestellung S. Fischer-Verlage oder Amazon


Rezension: Russensommer- Cornelia Schmalz-Jacobson

Die 1934 in Berlin geborene Cornelia Schmalz-Jacobson arbeitete als Journalistin und war von 1988 bis 1991 Generalsekretärin der FDP. Weiterhin war sie u.a. Senatorin von Berlin, Mitglied des Deutschen Bundestages und von 1991- 1998 Ausländerbeauftragte der Bundesregierung. Heute lebt sie als freie Autorin in Berlin und ist ehrenamtlich in internationalen, humanitären Organisationen tätig. 

In ihrem spannend zu lesenden Buch erinnert sie sich an ihre Befreiung vom Nazi-Regime. Cornelia Schmalz-Jacobsen erlebt das Kriegsende in Mecklenburg- Vorpommern im Haus ihres Onkels.  

Sie ist die Tochter von Nazigegnern, deren Eltern Juden und Polen versteckten und die früh bereits begriff, welch abgründige Personen diese Nazis waren. Sie berichtet von ihrer Angst vor Bomben als Neunjährige als sie 1943 in Berlin Luftangriffe miterlebte. Noch heute erinnern sie manche Silvesterraketen eines ähnlichen Pfeiftons wegen an diese Bomben. Noch heute kann sie diese Geräusche nur schwer ertragen, weil sogleich die Bilder von Krieg und Zerstörung vor ihrem geistigen Auge erscheinen. 

Die kleine Cornelia wird zu ihrem Onkel auf den Darß in Sicherheit geschickt, wo sie das Leben zunächst als Idylle wahrnimmt. Aber sie erinnert sich auch an das, was sie in der Schule damals erlebte und wie man den Kindern Hitler als eine Art Gottfigur vermittelt hat. Der Unterricht war also nicht frei von Ideologie und Gehirnwäsche, wie sie  bestätigt. 

Cornelia ist ein hellwaches Kind, das vieles wahrnimmt, auch die "dunklen Flecken". So gab es auf dem Darß zwei Außenlager des Konzentrationslagers Neuengramme in Hamburg und in der Stadt Barth Tausende von Zwangsarbeitern, die Sklavenarbeit verrichten mussten. Mehr als zweitausend von ihnen sollen gestorben sein. Sie schreibt von dem Denunziantum im Hitlerstaat  und von den Delikten, die bei den Zwangsarbeitern mit dem Tod endeten. Eines davon war der Geschlechtsverkehr mit einer deutschen Frau. 

Die Autorin berichtet von der Legendenbildung der Nazis im Hinblick auf die Rote Armee und der geschürten Angst vor den russischen Soldaten. Sie schreibt aber auch wie die Rote Armee die Verwüstung ihrer Heimat erlebt hat und  von der Befreiung der Konzentrationslager östlich der Oder durch russische Soldaten. Bei aller berechtigten Wut der Befreier soll es nach Erfahrung der Autorin am Ende des Krieges auch mitfühlende Sowjetsoldaten gegeben haben, die deutsche Kinder und Frauen retteten. Für die meisten Deutschen sei dies unvorstellbar gewesen. Das Kind von Nazigegner empfindet die Befreiung als positiv.

Schmalz-Jacobsen schreibt von Zigtausenden von Selbstmördern in Deutschland, zu Ende des Krieges. Dieser Wahnsinn sei bis heute noch nicht aufgearbeitet worden. Von dieser Selbstmordepidemie las ich im vorliegenden Buch übrigens erstmals. Es zeigt erneut den Fanatismus der braunen Brut, die das ganze Land ideologisch kirre gemacht hatte. 

Äußerst lesenswert ist der Eindruck von der Befreiung vom Nazi-Regime durch russische Soldaten. Die liberale Autorin  ist nicht blind, sondern versucht, ihre Eindrücke fair wiederzugeben, auch das, was im Unterdrückungsstaat DDR dann folgte und kommt zum Ergebnis, das die Befreiung von NS-Regime noch lange nicht Freiheit bedeutet hat, wie man am Beispiel der DDR sehr gut erkennen konnte. Doch eine Befreiung war es allemal.

Das Buch empfehle ich gerne, denn es ist sehr aufschlussreich. 

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich
Onlinebestellung:  Bertelsmann und Amazon

Rezension: Gegen den Hass- Carolin Emcke- S. Fischer- Verlage

Die Autorin dieses Buches ist Dr. Carolin Emcke. Die engagierte freie Publizistin wurde mehrfach ausgezeichnet und erhielt 2016 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. 

In ihrem Werk gegen den Hass schreibt sie eingangs,  das Hassobjekt sei beim Hassen der Andere, den man straflos denunzieren, missachten, verletzten oder töten könne. Hass, von dem im Buch die Rede ist, ist nicht individuell und auch nicht zufällig, sondern kollektiv und ideologisch geformt. 

Das Klima des Fanatismus spielt dabei eine große Rolle. Aus ihm entstehe eine wachsende Verachtung gegen alles Abweichende. Diese breite sich aus und beschädige nach und nach alle. Das hängt auch mit dem Verstummen der Beobachter zusammen, die sich u.U. einschüchtern lassen, nicht zuletzt, weil sie nicht wüssten wie sie diesem Terror und Gebrüll begegnen sollen. 

Dr. Emcke beobachtet zutreffend, dass jene, die dem Hass ausgeliefert sind, zunächst einmal verstört seien und ihnen deshalb die Orientierung aber auch das Vertrauen abhandenkäme. 

Wer Hass mit Hass begegne, lasse sich allerdings verformen. Man könne letztlich auf Hass nur mittels genauen Beobachtens, nicht nachlassendem Differenzieren und Selbstzweifel antworten. 

Nach Ansicht der Autorin genügte es schon, wenn den Hassenden die Selbstgewissheit  und jenen, die den Hass vorbereiten, indem sie die Denk- und Blickmuster prägten, ihre fahrlässige Naivität und ihren Zynismus genommen werde.  Das bedeute nicht zuletzt, dass beispielsweise jene, die sich selbstverständlich notleidenden Menschen zuwenden, keine Gründe mehr für ihr Handeln zu liefern bräuchten, sondern vielmehr jene, die das Selbstverständliche verweigerten. Man müsse die Strukturen, in denen Hass entstehe, aufzeigen, die Quellen des Hasses analysieren und sich bewusst machen, dass Hass geschürt und kanalisiert werde. 

Wer Hass abbauen möchte, muss Möglichkeiten aufzeigen,  wie man ihn beispielsweise unterwandert. Wichtig scheint zu sein, sich nicht vereinzeln zu lassen, indem man sich ins Geschützte abdrängen lässt. Notwendig ist, den Hassenden den sozialen und öffentlichen Raum auf keinen Fall zu überlassen.

Dr. Emcke schreibt in ihrem Buch über das bedenkliche Besorgtsein des "besorgten Bürgers", dessen Sorge die ihr mitunter innewohnende Fremdenfeindlichkeit ummantele und sie vor jedweder Kritik schütze. 

Clausnitz ist ein Thema des Buches  und die Ideologie, die zum Hass dort führt. Es wird klar, dass man die Diskurse betrachten muss, in denen die Muster sich entwickeln, die Hass auslösen. Assoziationsketten, die in den Medien entstehen, spielen eine Rolle,  so etwa Vorurteile durch Berichterstattung u.a.m. 

Hass und Angst schürten jene, die sich Gewinn versprechen. Dem kann man nur zustimmen und das kann man auch  nicht oft genug sagen und an Beispielen belegen. 

Die Autorin macht u.a. den Leser mit institutionalisiertem Rassismus vertraut und wirbt für die Lust und die Freude an der Vielfalt. Die Akzeptanz der kulturellen, religiösen und sexuellen Verschiedenheit sind ein Hemmschuh für Hass, der dort auftritt, wo Fanatiker in ihrem Dogmatismus Eindeutigkeit fordern. 

Was bleibt zu tun?  Ganz klar: Gegen den "Hass aufzubegehren, sich im Wir zusammenzufinden, um miteinander zu sprechen und zu handeln…."

Packen wir es an.  Hass hat es  in unserem Land bereits genug gegeben. 6 Millionen ermordete Juden waren die Folge fatalen Hasses.  Das muss man sich bewusst machen und das muss  uns wachrütteln.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Überall im  Fachhandel erhältlich
Onlinebestellung: S.  Fischer und Amazon

Rezension:Wert und Würde: Ein Zwischenruf (Kindle Edition)

"Je mehr über Werte gesprochen wird, desto weniger spielen Menschenrechte eine Rolle." (Eva Maria Bachinger, Martin Schenk),

Autoren dieses lesenswerten Zwischenrufes sind die Journalistin und Autorin Eva Maria Bachinger sowie der Journalist und Autor Martin Schenk. Er ist Psychologe und Sozialexperte der Diakonie und Mitbegründer des Anti-Armut-Netzwerks "Die Armutskonferenz". Für sein Engagement hat er zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten und schreibt regelmäßig für verschiedene Tageszeitungen. 

Vor einigen Tagen erst hat mich ein Facebookfreund auf die Problematik des Wertebegriffs aufmerksam gemacht. Durch vorliegenden Zwischenruf nun ist mir klar geworden, dass Werte und Menschenrechte offenbar wenig miteinander zu tun haben und insofern auch nichts mit Ethik und Moral gemein haben. Wie die Autoren unterstreichen, verhält es sich sogar so, dass je mehr über Werte gesprochen werde, umso weniger spielten Menschenrechte eine Rolle. Das zeige sich auch in Europa immer deutlicher. 

Wissen muss man, dass der Begriff "Werte" nicht aus der Ethik, sondern aus der Ökonomie kommt und der Wertebegriff den Menschen zum Spekulationsobjekt macht. Zu Recht fragen die Autoren, was von einer Wertedebatte zu halten ist, in der die sozialen Grundrechte missachtet und die Armut erhöht werde und machen dies an Beispielen deutlich. 

Soziale Ausgrenzung führt zum Wunsch nach Anerkennung Es stimmt, "wo wir gestalten können, Anerkennung erfahren und sozialen Ausgleich erleben, dort wächst Vertrauen – und sinkt der Hass". Wir haben es in der Hand, ob wir im Vorkrieg leben oder im Frieden.

Ich möchte den Zwischenruf der beiden Autoren nicht zusammenfassen, sondern Sie an dieser Stelle nur bitten, ihn zu lesen und sich bewusst zu machen, was in Europa derzeit spaltend wirkt und die Menschen immens entsolidarisiert. 

Wer Parteien wählt, die die Entsolidarisierung forcieren, darf sich nicht wundern, wenn die Unruhen stärker werden und die Radikalisierung zunimmt 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Onlinebestellung: Amazon

Rezension: Identität – Franz-Rudolf Esch- Das Rückgrat starker Marken

Autor dieses Buches ist Prof. Dr. Franz –Rudolf Esch. Die Zeitschrift "Absatzwirtschaft" nennt ihn den bekanntesten lehrenden Martketingforscher in Deutschland.

Im vorliegenden Buch schildert er seine persönliche Sicht des Aufbaus und der Stärkung von Marken. Diese basiert auf 25 Jahren Forschung und Beratung in punkto Marken. In besagtem Zeitraum hat er mehr als 400 Markenprojekte für unterschiedliche Unternehmen begleitet. 

Sein Werk untergliedert er in fünf große Teile. Diese  nennt er: 

-Von großen Persönlichkeiten und starken Marken
-Identität bilden 
-Identität wirksam umsetzen 
-Markenwachstum identitätskonform gestalten 
-Identität wahren 

Im ersten Kapitel erfährt man u.a., was große Persönlichkeiten auszeichnet, dass diese für klare Werte stehen, über eine klare Identität und eine ebensolche Vision verfügen. Das ist bei Marken im Kern nicht anders, wie Esch darlegt. Der Wert eine Marke liegt in den Köpfen der Kunden. Starke Marken sind nicht nur bekannt, sondern auch akzeptiert und leicht abrufbar. Man erfährt u.a., weshalb sie über ein klares Image verfügen und sich durch eine Vielzahl von Kennzeichnen, die näher genannt werden, von schwachen Marken unterscheiden.

So verbindet man mehr Assoziationen mit einer starken Marke und auch mehr bildhafte Vorstellungen, zudem sind starke Marken mit  weitaus mehr positiven und emotionalen Inhalten verknüpft. Zu solchen Marken bauen Kunden eine Bindung auf.

Nicht nur bei Persönlichkeiten, sondern auch bei Marken geht es um Identität. Diese nämlich ist die Voraussetzung für Authentizität. Markenauthentizität drückt sich aus in: Kontinuität, Glaubwürdigkeit, Integrität und Symbolismus. 

Bewusst sein sollte man sich, dass keine Marke ohne eine konkrete Leistung oder Idee oder ein Geschäftsmodell auskommt. Von daher ist es wichtig,  den Zweck und die Grundsätze eines Unternehmens festzulegen und die Identität der Marke zu bestimmen. Der Autor verdeutlicht, welche Fragen man sich stellen muss, um den Fokus und die Position der Marke zu bestimmen und wie man langfristige Positionen aufbauen kann. 

Es führt zu weit, im Rahmen der Rezension auf alle Betrachtungen im Buch einzugehen oder sie auch nur zu benennen. Besonders wichtig scheint mir das Kapitel, das sich mit der wirksamen Umsetzung von Identität befasst. Hier sollte man natürlich die Kundenbedürfnisse nicht aus den Augen verlieren. 

Wie man die richtigen Mitarbeiter ins Boot zieht und die Markenwerte durch Online-Plattformen und im Bewerberprozess vermittelt, erfährt man ebenso wie das, was erfolgshemmend wirkt. Gezeigt wird u.a., woran man Marken wieder erkennt und wie man sie sichtbar macht, wie die Marke zum Gesprächsstoff der Massen wird und was Menschen dazu bringt, Mundpropaganda zu betreiben und Botschaften weiterzuleiten. 

Es wird auch dargelegt wie man Marken wirksam dehnt und Allianzen bildet und schließlich wie man die Identität wahrt. 

Den Inhalt des Buches sinnstiftend umzusetzen, setzt voraus, dass man das Buch nicht nur liest, sondern am besten durcharbeitet und die Empfehlungen einfach testet. 

Wer eine große Marke gestalten möchte, die ein langes Leben hat, muss bereit sein, die Marke ständig an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen, ohne dass sie dadurch  ihre Identität verliert. Eine Aufgabe, die Kreativität, Flexibilität und Intelligenz voraussetzt.

Sehr empfehlenswert 
Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich

Onlinebestellung: Campus oder Amazon

Rezension: Hier stehe ich, ich kann nicht anders- #Helge_Hesse- #Piper

Autor dieses spannend zu lesenden Buches, das seit wenigen Tagen in einer erweiterten Neuauflage vorliegt, ist der freie Autor und Publizist Helge Hesse.

Das Werk klärt in 85 Texten über historische Hintergründe von 85 berühmten Zitaten auf. Diese werden namhaften Persönlichkeiten aus der Vergangenheit und aus der Gegenwart zugeordnet. 

Erzählt werden 85 Episoden aus der Weltgeschichte. Dabei ist jeder Text in sich abgeschlossen, sodass man das Buch nicht zwingend chronologisch lesen muss. 

Bemerkenswert ist die Vorgehensweise, historische Sachverhalte - erfreulich unterhaltsam-  Lesern nahe zu bringen. 

Fast alle Zitate sind seit Generationen in aller Munde,- selbst in bildungsfernen Schichten-, doch nicht jeder weiß,  in welchem Zusammenhang der Ausspruch erstmals getätigt wurde oder wie das Zitat zu Stande kam. 

Auch ich konnte diverse Sentenzen nicht konkret in einen historischen Zusammenhang bringen, obschon Geschichte neben Latein zu meinen Lieblingsfächern in der Schule zählte. Zu diesen Zitaten gehört der Ausspruch  "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst." Den Name Eike von Repgow (um 1180- 1233) nahm ich erstmals bewusst in einer Vorlesung für Rechtsgeschichte wahr. Er ist der Verfasser des "Sachsenspiegels", einer Gesetzessammlung, die sich mit den wichtigsten Rechtsbeziehungen der damaligen Zeit befasst. Wie Hesse nicht unerwähnt lässt, wird vor allem durch die Ausführungen dort zum Landrecht eine kleine Gesellschafts-und Sittengeschichte jener Tage dokumentiert. Hier auch findet man dann den Satz, der im Volksmund zur Redewendung "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" führte. Im Buch 2, Artikel 59 des Sachsenspiegels heißt es "Wer zuerst zur Mühle kommt, der soll zuerst mahlen." Dieser Prioritätsgrundsatz wirkt als Maxime noch heute in der deutschen Rechtsprechung. 

Diverse Aussprüche, die im Buch näher beleuchtet werden, kennt man natürlich aus dem Lateinunterricht, so etwa "Irren ist menschlich", "Nutze den Tag" oder "Störe meine Kreise nicht". Wer einen guten Lateinlehrer hatte, wird mehr über die Hintergründe erfahren haben, die zu den Zitaten führten, andere können sie jetzt  bei Helge Hesse nachlesen. 

"Quod erat demonstrandum“ ist eine Sentenz, die man aus dem Mathematikunterricht  kennt. Die Geschichte dazu, ist vermutlich nur wenigen Mathelehrer bekannt, denn ansonsten würden sie diese ihren Schülern mitteilen, allein schon um Neugierde für den Lehrgegenstand zu wecken.

Mehr über den Satz "Nach mir die Sintflut" und "Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen" zu erfahren, ist auch nicht uninteressant, denn die beiden Sätze haben sich ins kollektive historische Bewusstsein als Musterbeispiele für den Zynismus des Adels der vorrevolutionären Zeit in Frankreich eingeprägt und dienten  als Legitimation für den schonungslosen Gebrauch der Guillotine.

Jeder einzelne Beitrag in diesem Buch hilft uns, die Geschichte und uns Menschen zu verstehen, speziell auch die "Banalität des Bösen", derer wir uns stets bewusst sein sollten. Doch die Texte helfen auch, unser Hier und Heute so zu verändern, dass wir nicht besorgt in die Zukunft schauen müssen, weil dort eine Superintelligenz uns droht,  uns als Fossil einer untergegangenen Epoche auszumustern.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich

Onlinebestellung: Piper oder Amazon

Rezension Peter J. König: Die smarte Diktatur - Der Angriff auf unsere Freiheit- Harald Welzer, S. Fischer

Harald Welzer ist Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg und lehrt zudem an der Universität St. Gallen in der Schweiz. In seinem neuesten Werk "Die Smarte Diktatur" erschienen im S. Fischer Verlag, ist eine essentielle Frage, wie wir es in der modernen Gesellschaft mit unserer Fähigkeit halten, Probleme selbstständig zu lösen und ob der Mensch von heute überhaupt noch die Möglichkeit hat, diese eigenständig zu bewältigen. 

Bereits in Welzers 2013 erschienenem, sehr erfolgreichen Buch "Selbst Denken", ebenfalls bei S. Fischer, ging es um die Frage, ob wir es auf Dauer schaffen im fortwährenden Konsumrausch als Menschheit zu überleben, oder ob es nicht Sinn macht, uns von dieser Spirale des sich stetig steigernden Konsums zu verabschieden, um so im Zuge einer neuen Nachhaltigkeit eine sinnvolle Zukunft zu ermöglichen. Um überbordenden Konsum geht es Professor Welzer auch in seinem vorliegenden Werk, hinterfragt er doch, welche Rolle dabei die digitale Übernahme der Gesellschaft durch das Internet und die darin agierenden globalen Unternehmen spielen. 

Als "Zukunfts-Denker" und realistischer "Gegenwarts-Forscher" hat Dr. Harald Welzer genau erkannt, dass diese Revolution nicht ohne entscheidende Folgen für uns alle werden wird, sind Google und Co. doch dabei einen absoluten Einfluss auf jegliche Entscheidungen der Nutzer zu nehmen, und durch personenbezogene Daten alle Wahlfreiheiten auszuschalten. 

Im Bereich des Konsums wird so zielgerichtetes Kaufverhalten manipuliert, die Frage des Konsumenten nach der Notwendigkeit des Kaufes komplett ausgeschaltet. Damit ist der Manipulation Tür und Tor geöffnet. Aber es geht schon lange nicht mehr nur um Konsum, so Welzer, die Digitalisierung dringt in alle Lebensbereiche vor. Ziel ist es das gesamte menschliche Verhalten zu bestimmen, wenn sogenannte Apps dem User sagen, was er zu tun hat, damit er seine Lebensführung optimieren kann, sei es im Gesundheitswesen, im Sport, im Beruf oder in der Freizeit. 

Durch gezieltes Sammeln von Daten, sei es bei Google, Amazon oder Facebook werden Profile erstellt, die minutiös das Verhalten der Nutzer registrieren, um so entsprechende Verhaltensvorgaben zu machen. Dabei wird ein uniformiertes Muster entworfen, denn bis ins Detail erhält der User nur solche Informationen und Vorschläge, die mit seinen eigenen identisch sind. Vielfalt, Alternativen und gar Verzicht, Fehlanzeige. 

Professor Welzer weist darauf hin, dass es so zu einer schleichenden Entmündigung kommt, darüber hinaus sind Demokratie und Selbstbestimmung in höchstem Maß gefährdet. Und dies ist so gewollt, mutmaßt Welzer, glauben doch die Internet-Giganten, dass Entscheidungen, die sie für die Allgemeinheit fällen ein absolutes Mehr an Glück und Zufriedenheit für die Menschheit bringen. Demokratie ist unzulängliches Stückwerk auf das man im Zeitalter der Digitalisierung problemlos verzichten kann. 

Hat in der analogen Welt ein solcher totaler Herrschaftsanspruch noch zu erbittertem Widerstand geführt, etwa durch Weltkriege und militärische Allianzen, wie etwa gegen den "IS", so ist der Angriff mit digitalen Mitteln auf unser Recht zur Selbstbestimmung problemlos möglich, ja geradezu erwünscht, wenn sich Milliarden von Menschen bereit erklären, ihre persönlichen Daten freiwillig herzugeben, damit diese anschließend zu ihrer Unfreiheit und Normierung zum Einsatz kommen. 

Schließlich stellt Welzer die Frage nach dem Sinn dieser Unterwanderung, werden doch gezielt die Überlebensstrategien, die Menschen über zig-Jahrtausende entwickelt haben, systematisch abtrainiert, indem alle Entscheidungen den Apps überlassen werden, was notwendigerweise zu der Frage führt, was passiert eigentlich bei einem systembedingten Stromausfall oder bei Sabotage weltumspannender Energie-Anbieter? 

Fatal sieht Professor Welzer die Tatsache, dass am Ende dieser verheerenden Entwicklung alle Macht in den Händen einiger weniger liegt, ohne dass diese sich deshalb rechtfertigen müssten, ganz im Gegenteil, sie werden für diese globale Machtübernahme gefeiert wie Pop-Stars, ähnlich wie dies jetzt schon bei Zuckerberg, Bezos und Schmidt der Fall ist. Dem gilt es sich zu widersetzen, meint Welzer in seinem Buch "Die Smarte Diktatur" , wobei nichts dagegen spricht, die digitalen Möglichkeiten positiv zu nutzen, wenn sie dazu dienen, konkrete und sinnvolle Hilfe für die Menschen zu leisten. 

Dem reinen Beschaffungsakt für Macht, Einfluss und astronomischen Gewinn mit Hilfe der Offenlegung aller noch so entscheidender Daten von uns allen erteilt der Professor für Transformationsdesign, Harald Welzer eine konsequente Absage. Hier lässt er sich nicht von der schönen, neuen Welt der digitalen Rundumversorgung blenden. Generell geht es ihm darum,  die Errungenschaft der Demokratie zu erhalten und speziell darum, dass seine persönliche Sphäre geschützt bleibt, auch um seiner individuellen Entscheidungen wegen. 

Dafür lohnt es sich zu kämpfen, hier ist Widerstand angesagt. 

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König

Im Fachhandel überall erhältlich

Onlinebestellung S.Fischer oder Amazon 

Rezension Peter J. König: Sommerhaus am See- Fünf Familien und 100 Jahre deutscher Geschichte-Thomas Harding- dtv

Der Autor Thomas Harding hat nach unendlichen Bemühungen, einer Fülle von Recherchen und einer akribischen Auflistung von fünf Familiensträngen es geschafft, das Sommerhaus, das seine Vorfahren am Groß Glienicker See in der Nähe von Berlin erbauen ließen, nach nahezu hundert Jahren unter Denkmalschutz stellen zu lassen, um dort eine Begegnungs- und Erinnerungsstätte für die Menschen einzurichten, die im Laufe der vergangenen fast hundert Jahre eine unmittelbare Beziehung zu dem Haus und der Umgebung des Sees hatten. 

Im Jahre 1927 hatte der Urgroßvater von Thomas Harding, ein sehr angesehener Berliner Arzt mit dem Namen Dr. Alfred Alexander das Sommerhaus für sich und seine Familie erbaut. Hier sollten sie dem Trubel der stets wachsenden Metropole entfliehen. Am idyllischen Seeufer, das so viel Ruhe und Entspannung ausstrahlte, wollte Dr. Alexander den Ausgleich finden, der sein verantwortungsvoller und anstrengender Beruf mit sich brachte. In seiner jüdischen Gemeinde war er hoch angesehen, ebenso bei den angesagtesten Künstlern, Wissenschaftlern und Industriebosse. Sie alle begaben sich vertrauensvoll in die Hände des jüdischen Arztes, der es liebte seine berühmten Patienten, wie etwa Albert Einstein oder den Dichter Walter Hasenclever auch gerne bei abendlichen Veranstaltungen in seiner eleganten Wohnung zu empfangen. 

Als Refugium zum Rückzug sollte das einfache Haus am See dienen, wo Dr. Alexander mit seiner Frau und den vier Kindern sich ganz der Natur und dem einfachen Leben hingeben konnten, ohne überzogene Etikette und großbürgerliche Zwänge. Hier war die Familie in den Sommermonaten unter sich und auch die guten Freunde, die bisweilen einige Tage zu Besuch kamen, trugen merklich zur Freude und Entspannung bei. 

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wandelte sich alles grundlegend, in Berlin, in Deutschland und besonders bei den jüdischen Mitbürgern. Auch die Familie von Dr. Alexander blieb nicht verschont davon. Seiner Klinik gegenüber wurden mit den Repressalien gegen jüdische Ärzte immer mehr Verbote ausgesprochen, bis hin zum generellen Berufsverbot. Eine universitäre Ausbildung wurde den Kindern nicht mehr gestattet und bevor die unmittelbare Deportation ins KZ kam, gelang es der Familie nebst Anhang über Umwege nach London zu emigrieren. 

Ihr Sommerhaus am Groß Glienicker See haben die Alexanders allerdings nie vergessen, die Erinnerung an die wunderbaren Jahre, friedlich und beschaulich am See hat sie ihr Leben lang begleitet. Entsprechend wurden diese an die nächsten Generationen weitergegeben. Der Autor Thomas Harding erhielt sie von seiner Großmutter Elsie, einer Tochter von Dr. Alfred Alexander. Sie haben ihn nicht mehr losgelassen, sodass er 1993 beschloss,  nach Berlin und an den Groß Glienicker See zu reisen, um zu sehen, was in der Realität von den großartigen Erinnerungen seiner geliebten Großmutter noch übrig geblieben ist. 

Nachdem Thomas Harding mit eigenen Augen sah, dass das Sommerhaus die Wirren und die unterschiedliche Nutzung der bewegten Zeiten erstaunlich gut überstanden hatte, begann er sowohl das Schicksal des urgroßelterlichen Sommerrefugiums, als auch einiger Familien, die eng mit den Vorfahren verbunden waren, akribisch zu recherchieren. Dabei war es wichtig, auch immer den geschichtlichen Bezug herzustellen, hing doch zumeist das Schicksal der Menschen von den Geschehnissen der damaligen Zeit ab. 

Parallel dazu unternahm er alles, um dem Sommerhaus eine Überlebenschance zu geben, hatte doch der jetzige Eigentümer, die Stadt Potsdam beschlossen, das Haus abzureißen, um auf dem weitläufigen Ufergelände günstigen Wohnraum zu errichten. Scheinbar aussichtlos, gelang es Thomas Harding mit Hilfe seiner Familie, seinen neuen Freunden in der Ortschaft Groß Klienicke und rund um den See, interessierten Historikern und vielen anderen Wohlgesinnten die Stadtverordneten von Potsdam von seinem Projekt einer Kultur- und Begegnungsstätte der Aussöhnung zu überzeugen. 

Das Land Brandenburg stellte danach das Sommerhaus am See unter Denkmalschutz. Thomas Harding hat nicht nur ein spannendes, ja ergreifendes Buch über das Schicksal des Hauses am Groß Klienicker See geschrieben, er hat auch davon ausgehend den bewegenden, manchmal sogar sehr tragischen Verlauf der einzelnen Mitglieder dieser fünf Familien skizziert, die mit dem Haus verbunden waren. Dabei spielt die Geschichte der letzten hundert Jahre in Deutschland, in Berlin und unmittelbar am Groß Klienicker See eine ganz entscheidende Rolle. Dies zu vermitteln ist dem Autor bestens gelungen, zeigt er doch sehr anschaulich wie einschneidend die mörderische Despotie der Nazis auf die Menschen eingewirkt hat und welche Folgen daraus bis heute entstanden sind. Gemessen an den Stürmen der Zeit zeigt sich das Sommerhaus am See geradezu als eine Konstante, die für Thomas Harding Anlass zur Erinnerung ist, an seine Vorfahren und an die deutsche Geschichte. 

Sehr empfehlenswert.

Peter J. König

Überall im Fachhandel erhältlich

Onlinebestellung: dtv  oder Amazon  


Rezension: Anatomie des Holocaust- Raul Hilberg- Essays und Erinnerungen

Der im Jahre 2007 verstorbene Wissenschaftler Raul Hilberg war einer der ersten, der mit in die USA überführten deutschen Akten arbeiten konnte. Wer sich in der Holocaust-Literatur etwas auskennt, weiß, dass sein dreibändiges Werk "Die Vernichtung der europäischen Juden" von großer Bedeutung für die Holocaust-Forschung war.  

Die hier vorliegenden, von Prof. Dr. Hilberg verfassten Essays und Erinnerungen wurden von Walter H. Pehle und René Schott herausgegeben und sind brillant von Petra Post und Andrea von Struve übersetzt worden. 

Die Texte laden dazu ein, den Autor und Holocaust-Forscher über fünf Jahrzehnte seiner wissenschaftlichen Arbeit zu begleiten. Dabei sind die 13 Texte für dieses Buch zwischen 1965 und 2007 entstanden. Hilberg stellt darin Überlegungen zu den Ergebnissen und Kontroversen seiner Forschungstätigkeit an und zeigt zudem wie er bestimmte Formen des Gedenkens an den Holocaust sah. Zudem beinhalten die Erinnerungen des Autors die Archiv-Reisen, bei denen er das Material für seine Forschungsarbeit zusammen trug. 

Man erfährt u.a. Wissenswertes über die Bürokratie des Holocaust, die Zahl der Opfer, die Rolle der Judenräte und die Funktion der Reichsbahn und Wehrmacht im Vernichtungsprozess. 

Das Werk beginnt nach der Einleitung mit dem Aufsatz "The Anatomy oft the Holocaust" und wird fortgesetzt mit der Betrachtung der Motive der Deutschen für die Vernichtung der Juden. Wissen sollte man, dass die Forschung hier zwei Richtungen eingeschlagen hat: Die einen versuchen den Holocaust mit dem Wesen der Opfer zu erläutern, die anderen mit dem der Täter, so Hilberg. Darüber erfährt man im 2. Essay Näheres. 

Auch über die Bürokratie der Vernichtung wird man aufgeklärt und hat Gelegenheit, sich mit vielen anderen Aspekten der Forschung auseinander zu setzen. Dies halte ich für wichtig, um den gesamten Umfang der Abgründigkeit zu begreifen, der dieses Verbrechen erst möglich gemacht hat.

Das Buch kann ich jedem empfehlen, der sich mit diesem unsäglichen Geschehen vertieft auseinandersetzen möchte. Begreifen kann man den Holocaust meines Erachtens nur vor dem Hintergrund, dass sich die Nazis als Herrenmenschen verstanden haben und glaubten über Leben und Tod ihrer Mitmenschen befinden zu können.  Hybris war der Dreh- und Angelpunkt.


Helga König

Überall im Handel erhältlich.

Onlinebestellung: S. Fischer Verlage oder  Amazon

Rezension: #Amnesty_International #Report 2015/16- Zur weltweiten Lage der #Menschenrechte.- S-Fischer-Verlage

Das vorliegende Buch informiert über die Lage der Menschenrechte in 160 Ländern und Territorien im Jahr 2015.  

Salil Shetty, der internationale Generalsekretär von Amnesty International,  hat das Vorwort verfasst. Gleich zu Beginn weist er darauf hin, dass im Jahr 2015 die Fähigkeit der internationalen Gemeinschaft, auf Krisen und die massenhafte Vertreibung von Menschen zu reagieren, auf eine harte Probe gestellt wird. Weltweit sind derzeit so viele Menschen auf der Flucht, wie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr. 

Der bewaffnete Konflikt in Syrien hat das Jahr 2015 in besonderer Weise geprägt. Doch ist dieser Konflikt letztlich nur einer von vielen, wie das Buch verdeutlicht. Man liest von unglaublichen Menschenrechtsverletzungen in Afrika, nicht nur in Nigeria, sondern auch in Burundi, Kamerun, Somalia und anderen Ländern, erfährt von Flüchtlingen allerorten und von Unterdrückung, die fast schon zur Routine geworden ist. 

Zunächst  wird man über die Kontinente und die bewaffneten Konflikte, auch  über Flüchtlinge und Migranten dort in Kenntnis gesetzt, liest immerfort zu Folter und Misshandlungen aber beispielsweise  auch zu den Rechten indigener Völker, bevor man sich in die Länderberichte vertiefen kann. Dabei wird dann alphabetisch vorgegangen. 

Eingangs wird über die amtliche Bezeichnung des jeweiligen Landes informiert, auch erfährt man wer jeweils Staats- und Regierungschef ist. Anhand eines Kartenausschnitts kann man stets sehen, wo das beschriebene Land liegt. Man liest stets über Hintergründe und kann sich dann in die jeweiligen Schwierigkeiten eines Landes, was Menschenrechte anbelangt, vertiefen. 

Es führt zu weit, an dieser Stelle auf die Probleme einzelner Länder einzugehen.  Gesagt werden kann. dass das Buch in seiner Gesamtheit zeigt, wie sehr Menschenrechte überall auf der Welt mit Füßen getreten werden, doch es würdigt auch jene Menschen, die unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen sich auf der ganzen Welt für Menschenrechte einsetzen. 

Ich empfehle allen dieses Werk des Schreckens sorgfältig zu lesen, dann dürfte jedem klar sein, dass man an den meisten Punkten dieser Erde einfach nicht leben kann und zur Flucht gezwungen ist und dass dies nicht mehr so weiter gehen kann. Die Weltgemeinschaft ist aufgefordert, endlich Vernunft anzunehmen. 


Helga König

Überall im Handel erhältlich

Onlinebestellung S-Fischer-Verlage oder Amazon