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Rezension Peter J. König: Tom Holland Dynastie Glanz und Elend der Römischen Kaiser von Augustus bis Nero Klett-Cotta

Der Autor dieses großartigen Werkes ist Tom Holland. Er studierte in Oxford Geschichte und Literaturwissenschaften und hat bereits mit mehreren Büchern zur antiken Geschichte sich einen Namen gemacht und dafür zahlreiche Preise erhalten. 

Mit seinem neuesten Werk: "Dynastie - Glanz und Elend der Römischen Kaiser von Augustus bis Nero" gibt er einen sehr anschaulichen Überblick über eine Epoche der Römischen Kaiserzeit. Keine Weltmacht in der Geschichte hat jemals eine solche Machtfülle, einen solchen Einfluss auf die bestehende Weltordnung und eine solche Dauerhaftigkeit erreicht wie das Römische Reich. 

Mit etwa 1400 Jahren Existenz ist Rom in der ganzen Menschheits-Geschichte mit Abstand die führende Weltmacht gewesen. Von einer kleinen Siedlung am Tiber in Mittelitalien etwa 832 vor Christus ausgehend, schickte sich die erste Republik in der Geschichte an, durch permanente Eroberungszüge, zunächst auf der italienischen Halbinsel, später in allen bis dahin bekannten Erdteilen (Europa, Afrika und dem gesamten Orient), diese neuen Provinzen in sein Reich einzuverleiben. Dabei liefen alle Fäden der Macht im Zentrum der Republik in Rom zusammen. Von hier aus wurde die Weltherrschaft organisiert. Dies stellt eine einzigartige Leistung in der Geschichte da. 

Dass dieses überhaupt möglich war, hat mit der straffen, gut organisierten Staatsordnung zu tun, dem einmaligen Rechtssystem und dem über Jahrhunderte zunächst auf mehrere Schultern verteilten Machtgefüge innerhalb der staatlichen Hierarchie und natürlich der Kriegskunst, der kein anderes Volk in vielen Jahrhunderten etwas entgegen setzen konnten. Die Herrschaftsstruktur sollte sich erst ändern, als die Römische Kaiserzeit anbrach, die durch die Familien der Julier und Claudier begründet wurde, weg von der "res publica", hin zum Absolutismus eines Kaisers. Die gesamte Machtfülle, die derjenigen eines Gottes gleichkam, konzentrierte sich auf eine einzige Person, den Imperator, den Caesar, der diese uneingeschränkte Herrschaftsmacht vom Senat verliehen bekam. Hatte Julius Caesar den Titel eines Kaisers aus machttaktischen Gründen noch nicht einmal in Erwägung gezogen, um dem römischen Volk gegenüber eine Machtverteilung im Triumvirat zu suggerieren, so begann mit Imperator Caesar Augustus die Kaiserzeit im Jahre 27 vor Christus. 

Alle nachfolgenden Kaiser, so Tiberius, Caligula, Claudius und Nero fußten auf der direkten oder adoptierten Abstammung der julisch-claudischen Familien-Dynastie. Erst mit Neros vom Senat erzwungenen Selbstmord im Jahr 68 nach Christus endete die fast hundertjährige julisch-claudische Kaiserherrschaft. Kaiser standen auch danach noch bis zum Jahr 284 nach Christus an der Spitze des Römischen Imperiums, aber keine Epoche hat mehr Machtfülle, Glanz, Prachtentfaltung, aber auch Intrige und grenzenlose Mordlust und Perversion hervor gebracht, wie in der Zeit der Kaiser Augustus, Tiberius, Caligula, Claudius und Nero. 

Der Autor Tom Holland hat in seinem Werk "Dynastie" alle Facetten dieser Zeitepoche sehr akribisch, informativ, anschaulich und spannend dargestellt, um so die Zusammenhänge, der überaus verschachtelten Familien-Geschichte bestens nachvollziehbar dem Leser nahe zu bringen. Dabei geht er sehr genau in die Details, nicht nur was die brutalsten Machenschaften um die Macht innerhalb der Familien anbetrifft, so hat Nero seine Mutter, seine Schwestern und sein ungeborenes Kind und seinen Lehrer und Freund den Philosophen Seneca ermordet oder ermorden lassen, er beschreibt auch ganz offen, welchen Perversionen die einzelnen Kaiser frönten, zunächst im Verborgenen, wie etwa Tiberius auf Capri, wo er seine pädophilen und sadistischen Altersfantasien auslebte, später ganz offen mitten in Rom, wenn von Caligula öffentliche Orgien gefeiert wurden und Nero Rom anzünden ließ, die Christen als Täter brandmarkte, um sie anschließend als lebende Fackeln bei Festgelagen in seinen Gärten mit Teer überzogen, zu verbrennen. 

Tom Holland erzählt in seinem Buch auf sehr kurzweilige Art einen überaus wichtigen Teil aus der römischen Geschichtsschreibung. So bekommt der Leser einen fundierten Eindruck dieser Zeit und seiner beherrschenden Akteure, aber auch was es bedeutet hat, ein solches Riesenreich auf der Höhe seiner größten Ausdehnung unter Kontrolle zu haben. Darüber hinaus wird verdeutlicht zu welcher Brutalität die Herrscher jener Zeit fähig waren. 

Dem Autor ist es bestens gelungen auf romanhafte Art die komplexen Zusammenhänge der römischen Kaiserzeit zu erzählen und so auch dem weniger informierten Leser größte Aufmerksamkeit zu entlocken. 

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König

Überall im Fachhandel erhältlich

Online: Klett-Cotta oder Amazon

Rezension: Sinnstifter- Wie Unternehmen davon profitieren, soziale Verantwortung zu übernehmen.- Jürgen Schöntauf- Campus

Der Autor dieses Buches ist der Zukunfts- und Megatrendexperte Jürgen Schöntauf. Der studierte Kommunikationsdesigner ist Inhaber einer Kommunikationsagentur. Er berät seit mehr als zwanzig Jahren Unternehmer und Führungskräfte und lädt seine Klientel durch seine neue Publikation ein, Sinnstifter zu werden. 

Der Titel des Werkes lässt bereits aufhorchen und uns darüber nachdenken, was sich hinter dem Begriff "Sinnstifter" verbergen könnte. Auf Firmenchefs bezogen,  definiert der Autor den Begriff wie folgt: "Sinnstifter sind Unternehmer, die erkennen, dass ihre Unternehmen keine Inseln sind, sondern eingebunden in Gesellschaft und Umwelt."

Schöntauf erinnert eingangs sogleich an den Psychiater Viktor E. Frankl, der in der NS-Zeit die Inhaftierung in den Konzentrationslagern überlebte. Dieser definierte den Mensch als sinnsuchendes Wesen, das einen sinnvollen Beitrag leisten möchte. Dabei muss man wissen, so Schöntauf, dass Sinn weder "herstellbar" noch konsumierbar ist, sondern dass es sich bei ihm um einen Prozess, gewissermaßen um eine Suche handelt. Sinn sei das Ergebnis von Einsichten, Haltungen und Wertorientierungen, die in einen unternehmerischen und gesellschaftlichen Kontext eingebettet seien. 

Das Buch ist in vier große Teile untergliedert und enthält neben einer Fülle von Informationen und Reflektionen aufschlussreiche Interviews mit Firmeninhabern, die sich als Sinnstifter erweisen, d.h. die es geschafft haben, in ihrem Unternehmen Sinnstiftung und Profit erfolgreich miteinander zu verbinden. Finanzieller Gewinn ist für jedes Unternehmen unumgänglich, um Arbeitsplätze zu schaffen oder auch um in eine umweltverträgliche Produktion und in entsprechende Produkte zu investieren, Sinnstiftung habe viele Gesichter. Wie einige davon ausschauen, wird im vorliegenden Werk näher dargelegt und zwar deshalb, weil Untersuchungsergebnisse gezeigt haben, dass Unternehmen, die sich nicht mit Sinnstiftung befassen, in Zukunft nicht mehr von Belang sein werden. Sinn ist also ein Garant dafür zu überleben.

Wie der Autor hervorhebt, sind die Konsumenten aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und erwarten nun von Unternehmen Moral, Verantwortung und legales Verhalten, kurzum, die Gesellschaft erwartet von den Firmen mittlerweile einen gesellschaftlichen Wertebeitrag.  Wie dieser ausschauen könnte, ist Gegenstand der vorliegenden Publikation. 

Jürgen Schöntauf schreibt zunächst über diverse Megatrends. Bei der Betrachtung dieser Trends geht es um die Frage, wie Wandel entsteht und verläuft. Das Zukunftsinstitut von Matthias Horx, dessen Hauptsitz Frankfurt ist, nennt diesbezüglich einige Kriterien. Die Megatrends sind für die Veränderung ganzer Gesellschaften verantwortlich. Zwölf Megatrends sollen unser Leben bestimmen. Zu ihnen zählen die Megatrends "Gender Shift" und "Urbanisierung", die Schöntauf näher erklärt. In diesem Zusammenhang ist das Interview mit Andrea Lunzer von der Maß- Greißlerei in Wien sehr erhellend. Hier wird gezeigt, wie sinnstiftend es sein kann, Produkte unverpackt anzubieten und damit das Ökosystem, in dem wir leben, zu verbessern, aber auch glaubwürdig Produkte zu vermarkten. 

Schöntauf reflektiert in der Folge, was Werte sind,  auch wie Werte entstehen und macht deutlich, dass sie nur dann langfristig wirksam werden, sofern man sie glaubwürdig vorlebt. Dabei nimmt Wertortientierung ihren Anfang bei der Achtsamkeit. In Unternehmen gilt es Kernwerte zu erkennen, sie glaubhaft zu leben und zu kommunizieren. 

Sieben "MindShifts-Steps", sprich Gedankensprünge, hat Jürgen Schöntauf bei Sinnstiftern beobachtet. Er listet diese zunächst auf, erläutert sie alsdann sehr  facettenreich in der Folge und zeigt anhand von Interviews mit entsprechenden Sinnstiftern den jeweiligen Erfolg. 

Es geht bei den "MindShifts" konkret um:
1. Kultur und Werte 
2. Führung
3. Vernetzung
4. Beziehungen 
5. Leidenschaft 
6. Bildung 
7. Gewinn 

Beim 4. MindShift wird beispielsweise u.a. Wertschätzung, Respekt und Anerkennung für Mitarbeiter zur Sprache gebracht, weil diese Faktoren nicht zuletzt wichtig sind, um Fehlzeiten, Krankheitskosten etc. zu minimieren. Wer Werte ernst nimmt, - das darf nicht verschwiegen werden- verfügt über einen Wettbewerbsvorteil und hat in diesem Zusammenhang nicht zuletzt bessere Beziehungen im Unternehmen, aber auch zu Kunden, Lieferanten und Investoren. 

Wie Dr. Nikolaus Förster (Impulse Medien in Hamburg) in seinem Interview meint, benötigt ein Unternehmen, um erfolgreich zu sein "Wertorientierung, Ziele, Unternehmenskultur und Storytelling." Weiter lässt er die Leser wissen: "Werte sind die Grundlage, dazu braucht man konkrete Ziele, das Visioning. Die Unternehmenskultur muss so gut sein, dass die Ziele auch erreicht werden, und Storytelling ist die Kommunikationsform, die sowohl nach innen als auch nach außen wirkt. Dann hat man sehr gute Chancen, nachhaltig erfolgreich zu sein." (S.183) 

Wie wichtig Bildung ist, wird auch verdeutlicht. Sie ist einer der bedeutendsten Schritte, um soziale Verantwortung zu übernehmen. Zudem fördert Bildung die Kreativität und bringt Innovation hervor.
Ob Bildung glücklich macht, sei dahin gestellt.

Klar wird beim intensiven Studieren des Buches, dass durch Werteorientierung und damit einhergehendem sinnstiftendem Verhalten die Wettbewerbsstärke verbessert werden kann und zugleich ein vernünftiges Miteinander entsteht, das ein Verhalten ablöst, das letztlich keine überzeugenden Perspektiven bereithält, wie die jüngste Vergangenheit vielerorts zeigte. 

Es ist lohnenswert, Gedankensprünge zu machen und die Perspektive zu wechseln. Weg vom neoliberalen Egogebaren, hin zur Werteorientierung und der  immer jungen und sehr attraktiven Idee der sozialen Marktwirtschaft, die  in den Gedanken Jürgen Schöntaufs stets aufs Neue aufleuchtet.


Sehr empfehlenswert. 

Helga König

Überall im Handel  erhältlich

Onlinebestellung: Campus oder Amazon
Homepage Jürgen Schöntauf: http://www.juergenschoentauf.com/

Rezension: Europa ist die Lösung- Churchills Vermächtnis- Frank- Walter Steinmeier

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier nimmt in diesem Buch Bezug auf die berühmte Rede, die Winston Churchill am 19. September 1946 an der Universität Zürich gehalten hat und in der dieser dafür plädierte, dass es ein beständiges Ziel sein müsse, die Vereinten Nationen aufzubauen und zu festigen. Churchills Denken ging damals so weit, die europäische Völkerfamilie in einer regionalen Organisation zusammenzufassen. Er schlug vor, diese, "Vereinigte Staaten von Europa" zu benennen. 

Als 1. praktischen Schritt empfahl er die Gründung eines Europarates, auch wenn zu Beginn nicht alle Staaten betreten wollten oder könnten. Aufgabe der beigetretenen Staaten sei es, letztlich alle Staaten zusammenzuführen. Für Churchill stand fest, dass auf dieser Grundlage sich das Kriegsrisiko minimierte. Deutschland und Frankreich sollten nach seiner Vorstellung die Führung übernehmen, während Großbritannien, das britische Commonwealth, die USA und Sowjetrussland sich als Förderer und Freunde des neuen Europas erweisen sollten. 

Die gesamte Rede ist zu Ende des vorliegenden Buches abgedruckt und dient zum besseren Verständnis von Steinmeiers brillantem Text. 

Für den Außenminister sind die Jahre 1946 und 2016 Wegscheiden in Europa, weil wir damals wie heute mit viel Verunsicherung und Ungewissheit in die Zukunft blickten. Seit damals habe sich die Welt verändert, denn in jenen Tagen prägte die Blockkonfrontation das Denken, während heute Globalisierung, Vernetzung und Entgrenzung den Lebensalltag in Europa darstellten. 

Wie Steinmeier betont, sind die Herausforderungen der Gegenwart gemessen an jenen von 1946 klein, allerdings sei die europäische Stimmung erschreckend kleinmütig geworden. Die Gründe hierfür nennt Steinmeier und fasst zusammen "Sezession statt Expansion, schwelende Krisen statt wachsende Stabilität – dies scheinen die europäischen Signaturen der Gegenwart zu sein."

Diese pessimistischen Betrachtungen müsse man ernst nehmen, weil sie die veränderte Stimmung der Bevölkerung wiederspiegelten. 

Steinmeier Reflektionen zu Churchills Rede in der Folge, lohnt es sehr aufmerksam zu studieren, denn sie machen, wie eingangs bereits erwähnt, die Aktualität der damaligen Gedanken deutlich. Der deutsche Außenminister überdenkt nicht nur die historische Entwicklung nach 1946 und den Weg, der zur Krise führte, sondern stellt auch die Frage, welche Zukunft Europa haben soll und wie man sich aus der Krise herausbewegen könne. Dabei müsse Europa auch zeigen, dass es vereint sicherer sei. Eine gemeinsame Außenpolitik sei notwendig, die über das Sprechen mit einer Stimme hinausgehe. Steinmeier plädiert für die offene Gesellschaft, in der man Vorkehrungen für den schlimmsten Fall treffen müsse, anstelle den besten herbeizusehnen. 

Damit dokumentiert er Realismus, der in einer Welt grenzenloser Gier kein Zeichen von Verzagtheit darstellt, sondern unfraglich ein Indiz für vorausschauendes Denken ist, auch wenn mir das Denken als Pazifistin Bauchschmerzen bereitet. 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Das Buch ist überall im Handel erhältlich
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Rezension: Peter J. König: Griechenland unter Hitler- Das Leben während der deutschen Besatzung 1941 – 1944 Mark Mazower -S. Fischer

Der Autor dieses Buches, erschienen im S. Fischer Verlag mit dem Titel "Griechenland unter Hitler, das Leben während der deutschen Besatzung 1941 – 1944" ist der Historiker Mark Mazower. Er hat in Oxford und Bologna studiert, lehrte an der Birkbeck University of London und in Princeton und ist heute Professor für Geschichte an der Columbia University, New York. 

In seinem Werk betrachtet er akribisch, wie die Nazis Griechenland überfallen und mit welchen mörderischen Methoden sie während der Besatzung das Land und die Menschen ausgebeutet haben. Im Gegensatz zu den Italienern, sie hatten den südwestlichen Teil des Landes okkupiert und ohne massive Repressalien verwaltet, wurde der Nordosten Griechenlands von der deutschen Armee mit brachialen Mitteln unterdrückt. Der sich daraus entwickelnde Widerstand hatte Mord und Raub an der Zivilbevölkerung zur Folge, wobei weder die SS-Einheiten noch die reguläre Truppe es an Willkür und Brutalität fehlen ließen. 

Hinzu kam die systematische Vertreibung und Ausrottung der jüdischen Bevölkerung, zunächst in dem von der deutschen Wehrmacht besetzten Teil im Nordosten von Griechenland und auf den griechischen Inseln, später dann als die Italiener sich aus Griechenland zurückgezogen hatten im ganzen Land. Dabei wurden die griechischen Juden in Viehwaggons ins Vernichtungslager Ausschwitz nach Polen deportiert, ihre Häuser samt aller Habseligkeiten auf obskure Weise unter den Kollaborateuren in der griechischen Bevölkerung verteilt. Weder die SS noch die sonstigen Wehrmachtsangehörigen haben dabei sich an irgendwelche rechtlichen Normen gehalten, etwa Kriegsrecht, ganz im Gegenteil, sie haben gemordet, vergewaltigt, geraubt und sonstige Gräueltaten an der Bevölkerung verübt. 

Dabei war es völlig gleichgültig, ob es sich um Vergeltungsaktionen aufgrund von Partisanenangriffen gehandelt hat, oder ob es dabei nur um die reine Mordlust brutalster Führungsoffiziere gegangen ist. Einhergehend wurden ganze Dörfer in Brand gesteckt, Alte, Frauen und Kinder auf bestialische Weise erschossen oder aufgehängt, nur um zu erfahren ob die wehrfähigen Männer sich dem Widerstand angeschlossen hatten. Alles Verwertbare, sei es Vieh, Nahrung wie Olivenöl oder Getreide, aber auch sämtliche Wertgegenstände in den Häusern wurden eingesammelt und weggeschleppt. 

Auf diese Weise ist nicht nur der Widerstand gegen die deutschen Besatzer angefacht worden, es entstand ein Hass gegen alles was deutsch war, der heute noch in der griechischen Bevölkerung in Erinnerung ist. Die Nationalsozialisten haben in brutaler Weise die griechische Bevölkerung unterdrückt und die Spuren ihres Handelns sind bis heute noch sichtbar, sowohl in der wirtschaftlichen Misere, als auch in den Jahrzehnte langen Folgen des Bürgerkriegs, der sich nach dem Abzug der Deutschen im Land abgespielt hat. 

Während Russland versucht hat seinen kommunistischen Einfluss in Griechenland zu manifestieren, durch die Unterstützung des linken Widerstands, haben die Nazis mit Hilfe von willigen Kollaborateuren westlich orientierte Schutztruppen im Land zuvor aufgebaut. Dies führte zur Spaltung der Bevölkerung und zu einem blutigen Bürgerkrieg, der an Brutalität mit den nationalsozialistischen Besatzern gleich kam. 

Noch heute leidet das griechische Volk an den Folgen und an der Polarisierung von links und rechts, zumal auch das Militär geputscht hat, wenn es darum ging die eigenen Pfründe zu sichern und linke Regierungen abzusetzen. Der Autor Mark Mazower hat sehr anschaulich beschrieben, welches Leid, welches Chaos und welche Angst die Nazis in der griechischen Bevölkerung durch ihre barbarischen Taten ausgelöst haben. Dabei stützt er seine Aussagen auf eine Fülle von verlässlichen Quellen, wobei ihm die deutsche Gründlichkeit sehr zur Hilfe kam, denn alle Aktionen, seien sie noch so brutal und unmenschlich wurden von den deutschen Besatzern akribisch registriert und auf notiert. 

Durch diese Akten war es Mazower möglich, den grausamen Alltag der unterdrückten Griechen in seinem Buch deutlich zu machen und aufzuzeigen welches Leid den unzähligen Familien in Griechenland durch die Deutschen angetan wurde. Bei einem solchen Hintergrund wird auch klar, warum das Verhältnis der Griechen zu Deutschland noch immer unterschwellig belastet ist. 

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König

Überall im Fachhandel erhältlich

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Rezension: Russensommer- Cornelia Schmalz-Jacobson

Die 1934 in Berlin geborene Cornelia Schmalz-Jacobson arbeitete als Journalistin und war von 1988 bis 1991 Generalsekretärin der FDP. Weiterhin war sie u.a. Senatorin von Berlin, Mitglied des Deutschen Bundestages und von 1991- 1998 Ausländerbeauftragte der Bundesregierung. Heute lebt sie als freie Autorin in Berlin und ist ehrenamtlich in internationalen, humanitären Organisationen tätig. 

In ihrem spannend zu lesenden Buch erinnert sie sich an ihre Befreiung vom Nazi-Regime. Cornelia Schmalz-Jacobsen erlebt das Kriegsende in Mecklenburg- Vorpommern im Haus ihres Onkels.  

Sie ist die Tochter von Nazigegnern, deren Eltern Juden und Polen versteckten und die früh bereits begriff, welch abgründige Personen diese Nazis waren. Sie berichtet von ihrer Angst vor Bomben als Neunjährige als sie 1943 in Berlin Luftangriffe miterlebte. Noch heute erinnern sie manche Silvesterraketen eines ähnlichen Pfeiftons wegen an diese Bomben. Noch heute kann sie diese Geräusche nur schwer ertragen, weil sogleich die Bilder von Krieg und Zerstörung vor ihrem geistigen Auge erscheinen. 

Die kleine Cornelia wird zu ihrem Onkel auf den Darß in Sicherheit geschickt, wo sie das Leben zunächst als Idylle wahrnimmt. Aber sie erinnert sich auch an das, was sie in der Schule damals erlebte und wie man den Kindern Hitler als eine Art Gottfigur vermittelt hat. Der Unterricht war also nicht frei von Ideologie und Gehirnwäsche, wie sie  bestätigt. 

Cornelia ist ein hellwaches Kind, das vieles wahrnimmt, auch die "dunklen Flecken". So gab es auf dem Darß zwei Außenlager des Konzentrationslagers Neuengramme in Hamburg und in der Stadt Barth Tausende von Zwangsarbeitern, die Sklavenarbeit verrichten mussten. Mehr als zweitausend von ihnen sollen gestorben sein. Sie schreibt von dem Denunziantum im Hitlerstaat  und von den Delikten, die bei den Zwangsarbeitern mit dem Tod endeten. Eines davon war der Geschlechtsverkehr mit einer deutschen Frau. 

Die Autorin berichtet von der Legendenbildung der Nazis im Hinblick auf die Rote Armee und der geschürten Angst vor den russischen Soldaten. Sie schreibt aber auch wie die Rote Armee die Verwüstung ihrer Heimat erlebt hat und  von der Befreiung der Konzentrationslager östlich der Oder durch russische Soldaten. Bei aller berechtigten Wut der Befreier soll es nach Erfahrung der Autorin am Ende des Krieges auch mitfühlende Sowjetsoldaten gegeben haben, die deutsche Kinder und Frauen retteten. Für die meisten Deutschen sei dies unvorstellbar gewesen. Das Kind von Nazigegner empfindet die Befreiung als positiv.

Schmalz-Jacobsen schreibt von Zigtausenden von Selbstmördern in Deutschland, zu Ende des Krieges. Dieser Wahnsinn sei bis heute noch nicht aufgearbeitet worden. Von dieser Selbstmordepidemie las ich im vorliegenden Buch übrigens erstmals. Es zeigt erneut den Fanatismus der braunen Brut, die das ganze Land ideologisch kirre gemacht hatte. 

Äußerst lesenswert ist der Eindruck von der Befreiung vom Nazi-Regime durch russische Soldaten. Die liberale Autorin  ist nicht blind, sondern versucht, ihre Eindrücke fair wiederzugeben, auch das, was im Unterdrückungsstaat DDR dann folgte und kommt zum Ergebnis, das die Befreiung von NS-Regime noch lange nicht Freiheit bedeutet hat, wie man am Beispiel der DDR sehr gut erkennen konnte. Doch eine Befreiung war es allemal.

Das Buch empfehle ich gerne, denn es ist sehr aufschlussreich. 

Helga König

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Rezension: Gegen den Hass- Carolin Emcke- S. Fischer- Verlage

Die Autorin dieses Buches ist Dr. Carolin Emcke. Die engagierte freie Publizistin wurde mehrfach ausgezeichnet und erhielt 2016 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. 

In ihrem Werk gegen den Hass schreibt sie eingangs,  das Hassobjekt sei beim Hassen der Andere, den man straflos denunzieren, missachten, verletzten oder töten könne. Hass, von dem im Buch die Rede ist, ist nicht individuell und auch nicht zufällig, sondern kollektiv und ideologisch geformt. 

Das Klima des Fanatismus spielt dabei eine große Rolle. Aus ihm entstehe eine wachsende Verachtung gegen alles Abweichende. Diese breite sich aus und beschädige nach und nach alle. Das hängt auch mit dem Verstummen der Beobachter zusammen, die sich u.U. einschüchtern lassen, nicht zuletzt, weil sie nicht wüssten wie sie diesem Terror und Gebrüll begegnen sollen. 

Dr. Emcke beobachtet zutreffend, dass jene, die dem Hass ausgeliefert sind, zunächst einmal verstört seien und ihnen deshalb die Orientierung aber auch das Vertrauen abhandenkäme. 

Wer Hass mit Hass begegne, lasse sich allerdings verformen. Man könne letztlich auf Hass nur mittels genauen Beobachtens, nicht nachlassendem Differenzieren und Selbstzweifel antworten. 

Nach Ansicht der Autorin genügte es schon, wenn den Hassenden die Selbstgewissheit  und jenen, die den Hass vorbereiten, indem sie die Denk- und Blickmuster prägten, ihre fahrlässige Naivität und ihren Zynismus genommen werde.  Das bedeute nicht zuletzt, dass beispielsweise jene, die sich selbstverständlich notleidenden Menschen zuwenden, keine Gründe mehr für ihr Handeln zu liefern bräuchten, sondern vielmehr jene, die das Selbstverständliche verweigerten. Man müsse die Strukturen, in denen Hass entstehe, aufzeigen, die Quellen des Hasses analysieren und sich bewusst machen, dass Hass geschürt und kanalisiert werde. 

Wer Hass abbauen möchte, muss Möglichkeiten aufzeigen,  wie man ihn beispielsweise unterwandert. Wichtig scheint zu sein, sich nicht vereinzeln zu lassen, indem man sich ins Geschützte abdrängen lässt. Notwendig ist, den Hassenden den sozialen und öffentlichen Raum auf keinen Fall zu überlassen.

Dr. Emcke schreibt in ihrem Buch über das bedenkliche Besorgtsein des "besorgten Bürgers", dessen Sorge die ihr mitunter innewohnende Fremdenfeindlichkeit ummantele und sie vor jedweder Kritik schütze. 

Clausnitz ist ein Thema des Buches  und die Ideologie, die zum Hass dort führt. Es wird klar, dass man die Diskurse betrachten muss, in denen die Muster sich entwickeln, die Hass auslösen. Assoziationsketten, die in den Medien entstehen, spielen eine Rolle,  so etwa Vorurteile durch Berichterstattung u.a.m. 

Hass und Angst schürten jene, die sich Gewinn versprechen. Dem kann man nur zustimmen und das kann man auch  nicht oft genug sagen und an Beispielen belegen. 

Die Autorin macht u.a. den Leser mit institutionalisiertem Rassismus vertraut und wirbt für die Lust und die Freude an der Vielfalt. Die Akzeptanz der kulturellen, religiösen und sexuellen Verschiedenheit sind ein Hemmschuh für Hass, der dort auftritt, wo Fanatiker in ihrem Dogmatismus Eindeutigkeit fordern. 

Was bleibt zu tun?  Ganz klar: Gegen den "Hass aufzubegehren, sich im Wir zusammenzufinden, um miteinander zu sprechen und zu handeln…."

Packen wir es an.  Hass hat es  in unserem Land bereits genug gegeben. 6 Millionen ermordete Juden waren die Folge fatalen Hasses.  Das muss man sich bewusst machen und das muss  uns wachrütteln.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension:Wert und Würde: Ein Zwischenruf (Kindle Edition)

"Je mehr über Werte gesprochen wird, desto weniger spielen Menschenrechte eine Rolle." (Eva Maria Bachinger, Martin Schenk),

Autoren dieses lesenswerten Zwischenrufes sind die Journalistin und Autorin Eva Maria Bachinger sowie der Journalist und Autor Martin Schenk. Er ist Psychologe und Sozialexperte der Diakonie und Mitbegründer des Anti-Armut-Netzwerks "Die Armutskonferenz". Für sein Engagement hat er zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten und schreibt regelmäßig für verschiedene Tageszeitungen. 

Vor einigen Tagen erst hat mich ein Facebookfreund auf die Problematik des Wertebegriffs aufmerksam gemacht. Durch vorliegenden Zwischenruf nun ist mir klar geworden, dass Werte und Menschenrechte offenbar wenig miteinander zu tun haben und insofern auch nichts mit Ethik und Moral gemein haben. Wie die Autoren unterstreichen, verhält es sich sogar so, dass je mehr über Werte gesprochen werde, umso weniger spielten Menschenrechte eine Rolle. Das zeige sich auch in Europa immer deutlicher. 

Wissen muss man, dass der Begriff "Werte" nicht aus der Ethik, sondern aus der Ökonomie kommt und der Wertebegriff den Menschen zum Spekulationsobjekt macht. Zu Recht fragen die Autoren, was von einer Wertedebatte zu halten ist, in der die sozialen Grundrechte missachtet und die Armut erhöht werde und machen dies an Beispielen deutlich. 

Soziale Ausgrenzung führt zum Wunsch nach Anerkennung Es stimmt, "wo wir gestalten können, Anerkennung erfahren und sozialen Ausgleich erleben, dort wächst Vertrauen – und sinkt der Hass". Wir haben es in der Hand, ob wir im Vorkrieg leben oder im Frieden.

Ich möchte den Zwischenruf der beiden Autoren nicht zusammenfassen, sondern Sie an dieser Stelle nur bitten, ihn zu lesen und sich bewusst zu machen, was in Europa derzeit spaltend wirkt und die Menschen immens entsolidarisiert. 

Wer Parteien wählt, die die Entsolidarisierung forcieren, darf sich nicht wundern, wenn die Unruhen stärker werden und die Radikalisierung zunimmt 

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Identität – Franz-Rudolf Esch- Das Rückgrat starker Marken

Autor dieses Buches ist Prof. Dr. Franz –Rudolf Esch. Die Zeitschrift "Absatzwirtschaft" nennt ihn den bekanntesten lehrenden Martketingforscher in Deutschland.

Im vorliegenden Buch schildert er seine persönliche Sicht des Aufbaus und der Stärkung von Marken. Diese basiert auf 25 Jahren Forschung und Beratung in punkto Marken. In besagtem Zeitraum hat er mehr als 400 Markenprojekte für unterschiedliche Unternehmen begleitet. 

Sein Werk untergliedert er in fünf große Teile. Diese  nennt er: 

-Von großen Persönlichkeiten und starken Marken
-Identität bilden 
-Identität wirksam umsetzen 
-Markenwachstum identitätskonform gestalten 
-Identität wahren 

Im ersten Kapitel erfährt man u.a., was große Persönlichkeiten auszeichnet, dass diese für klare Werte stehen, über eine klare Identität und eine ebensolche Vision verfügen. Das ist bei Marken im Kern nicht anders, wie Esch darlegt. Der Wert eine Marke liegt in den Köpfen der Kunden. Starke Marken sind nicht nur bekannt, sondern auch akzeptiert und leicht abrufbar. Man erfährt u.a., weshalb sie über ein klares Image verfügen und sich durch eine Vielzahl von Kennzeichnen, die näher genannt werden, von schwachen Marken unterscheiden.

So verbindet man mehr Assoziationen mit einer starken Marke und auch mehr bildhafte Vorstellungen, zudem sind starke Marken mit  weitaus mehr positiven und emotionalen Inhalten verknüpft. Zu solchen Marken bauen Kunden eine Bindung auf.

Nicht nur bei Persönlichkeiten, sondern auch bei Marken geht es um Identität. Diese nämlich ist die Voraussetzung für Authentizität. Markenauthentizität drückt sich aus in: Kontinuität, Glaubwürdigkeit, Integrität und Symbolismus. 

Bewusst sein sollte man sich, dass keine Marke ohne eine konkrete Leistung oder Idee oder ein Geschäftsmodell auskommt. Von daher ist es wichtig,  den Zweck und die Grundsätze eines Unternehmens festzulegen und die Identität der Marke zu bestimmen. Der Autor verdeutlicht, welche Fragen man sich stellen muss, um den Fokus und die Position der Marke zu bestimmen und wie man langfristige Positionen aufbauen kann. 

Es führt zu weit, im Rahmen der Rezension auf alle Betrachtungen im Buch einzugehen oder sie auch nur zu benennen. Besonders wichtig scheint mir das Kapitel, das sich mit der wirksamen Umsetzung von Identität befasst. Hier sollte man natürlich die Kundenbedürfnisse nicht aus den Augen verlieren. 

Wie man die richtigen Mitarbeiter ins Boot zieht und die Markenwerte durch Online-Plattformen und im Bewerberprozess vermittelt, erfährt man ebenso wie das, was erfolgshemmend wirkt. Gezeigt wird u.a., woran man Marken wieder erkennt und wie man sie sichtbar macht, wie die Marke zum Gesprächsstoff der Massen wird und was Menschen dazu bringt, Mundpropaganda zu betreiben und Botschaften weiterzuleiten. 

Es wird auch dargelegt wie man Marken wirksam dehnt und Allianzen bildet und schließlich wie man die Identität wahrt. 

Den Inhalt des Buches sinnstiftend umzusetzen, setzt voraus, dass man das Buch nicht nur liest, sondern am besten durcharbeitet und die Empfehlungen einfach testet. 

Wer eine große Marke gestalten möchte, die ein langes Leben hat, muss bereit sein, die Marke ständig an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen, ohne dass sie dadurch  ihre Identität verliert. Eine Aufgabe, die Kreativität, Flexibilität und Intelligenz voraussetzt.

Sehr empfehlenswert 
Helga König

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Rezension: Hier stehe ich, ich kann nicht anders- #Helge_Hesse- #Piper

Autor dieses spannend zu lesenden Buches, das seit wenigen Tagen in einer erweiterten Neuauflage vorliegt, ist der freie Autor und Publizist Helge Hesse.

Das Werk klärt in 85 Texten über historische Hintergründe von 85 berühmten Zitaten auf. Diese werden namhaften Persönlichkeiten aus der Vergangenheit und aus der Gegenwart zugeordnet. 

Erzählt werden 85 Episoden aus der Weltgeschichte. Dabei ist jeder Text in sich abgeschlossen, sodass man das Buch nicht zwingend chronologisch lesen muss. 

Bemerkenswert ist die Vorgehensweise, historische Sachverhalte - erfreulich unterhaltsam-  Lesern nahe zu bringen. 

Fast alle Zitate sind seit Generationen in aller Munde,- selbst in bildungsfernen Schichten-, doch nicht jeder weiß,  in welchem Zusammenhang der Ausspruch erstmals getätigt wurde oder wie das Zitat zu Stande kam. 

Auch ich konnte diverse Sentenzen nicht konkret in einen historischen Zusammenhang bringen, obschon Geschichte neben Latein zu meinen Lieblingsfächern in der Schule zählte. Zu diesen Zitaten gehört der Ausspruch  "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst." Den Name Eike von Repgow (um 1180- 1233) nahm ich erstmals bewusst in einer Vorlesung für Rechtsgeschichte wahr. Er ist der Verfasser des "Sachsenspiegels", einer Gesetzessammlung, die sich mit den wichtigsten Rechtsbeziehungen der damaligen Zeit befasst. Wie Hesse nicht unerwähnt lässt, wird vor allem durch die Ausführungen dort zum Landrecht eine kleine Gesellschafts-und Sittengeschichte jener Tage dokumentiert. Hier auch findet man dann den Satz, der im Volksmund zur Redewendung "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst" führte. Im Buch 2, Artikel 59 des Sachsenspiegels heißt es "Wer zuerst zur Mühle kommt, der soll zuerst mahlen." Dieser Prioritätsgrundsatz wirkt als Maxime noch heute in der deutschen Rechtsprechung. 

Diverse Aussprüche, die im Buch näher beleuchtet werden, kennt man natürlich aus dem Lateinunterricht, so etwa "Irren ist menschlich", "Nutze den Tag" oder "Störe meine Kreise nicht". Wer einen guten Lateinlehrer hatte, wird mehr über die Hintergründe erfahren haben, die zu den Zitaten führten, andere können sie jetzt  bei Helge Hesse nachlesen. 

"Quod erat demonstrandum“ ist eine Sentenz, die man aus dem Mathematikunterricht  kennt. Die Geschichte dazu, ist vermutlich nur wenigen Mathelehrer bekannt, denn ansonsten würden sie diese ihren Schülern mitteilen, allein schon um Neugierde für den Lehrgegenstand zu wecken.

Mehr über den Satz "Nach mir die Sintflut" und "Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen" zu erfahren, ist auch nicht uninteressant, denn die beiden Sätze haben sich ins kollektive historische Bewusstsein als Musterbeispiele für den Zynismus des Adels der vorrevolutionären Zeit in Frankreich eingeprägt und dienten  als Legitimation für den schonungslosen Gebrauch der Guillotine.

Jeder einzelne Beitrag in diesem Buch hilft uns, die Geschichte und uns Menschen zu verstehen, speziell auch die "Banalität des Bösen", derer wir uns stets bewusst sein sollten. Doch die Texte helfen auch, unser Hier und Heute so zu verändern, dass wir nicht besorgt in die Zukunft schauen müssen, weil dort eine Superintelligenz uns droht,  uns als Fossil einer untergegangenen Epoche auszumustern.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

Überall im Fachhandel erhältlich

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Rezension Peter J. König: Die smarte Diktatur - Der Angriff auf unsere Freiheit- Harald Welzer, S. Fischer

Harald Welzer ist Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg und lehrt zudem an der Universität St. Gallen in der Schweiz. In seinem neuesten Werk "Die Smarte Diktatur" erschienen im S. Fischer Verlag, ist eine essentielle Frage, wie wir es in der modernen Gesellschaft mit unserer Fähigkeit halten, Probleme selbstständig zu lösen und ob der Mensch von heute überhaupt noch die Möglichkeit hat, diese eigenständig zu bewältigen. 

Bereits in Welzers 2013 erschienenem, sehr erfolgreichen Buch "Selbst Denken", ebenfalls bei S. Fischer, ging es um die Frage, ob wir es auf Dauer schaffen im fortwährenden Konsumrausch als Menschheit zu überleben, oder ob es nicht Sinn macht, uns von dieser Spirale des sich stetig steigernden Konsums zu verabschieden, um so im Zuge einer neuen Nachhaltigkeit eine sinnvolle Zukunft zu ermöglichen. Um überbordenden Konsum geht es Professor Welzer auch in seinem vorliegenden Werk, hinterfragt er doch, welche Rolle dabei die digitale Übernahme der Gesellschaft durch das Internet und die darin agierenden globalen Unternehmen spielen. 

Als "Zukunfts-Denker" und realistischer "Gegenwarts-Forscher" hat Dr. Harald Welzer genau erkannt, dass diese Revolution nicht ohne entscheidende Folgen für uns alle werden wird, sind Google und Co. doch dabei einen absoluten Einfluss auf jegliche Entscheidungen der Nutzer zu nehmen, und durch personenbezogene Daten alle Wahlfreiheiten auszuschalten. 

Im Bereich des Konsums wird so zielgerichtetes Kaufverhalten manipuliert, die Frage des Konsumenten nach der Notwendigkeit des Kaufes komplett ausgeschaltet. Damit ist der Manipulation Tür und Tor geöffnet. Aber es geht schon lange nicht mehr nur um Konsum, so Welzer, die Digitalisierung dringt in alle Lebensbereiche vor. Ziel ist es das gesamte menschliche Verhalten zu bestimmen, wenn sogenannte Apps dem User sagen, was er zu tun hat, damit er seine Lebensführung optimieren kann, sei es im Gesundheitswesen, im Sport, im Beruf oder in der Freizeit. 

Durch gezieltes Sammeln von Daten, sei es bei Google, Amazon oder Facebook werden Profile erstellt, die minutiös das Verhalten der Nutzer registrieren, um so entsprechende Verhaltensvorgaben zu machen. Dabei wird ein uniformiertes Muster entworfen, denn bis ins Detail erhält der User nur solche Informationen und Vorschläge, die mit seinen eigenen identisch sind. Vielfalt, Alternativen und gar Verzicht, Fehlanzeige. 

Professor Welzer weist darauf hin, dass es so zu einer schleichenden Entmündigung kommt, darüber hinaus sind Demokratie und Selbstbestimmung in höchstem Maß gefährdet. Und dies ist so gewollt, mutmaßt Welzer, glauben doch die Internet-Giganten, dass Entscheidungen, die sie für die Allgemeinheit fällen ein absolutes Mehr an Glück und Zufriedenheit für die Menschheit bringen. Demokratie ist unzulängliches Stückwerk auf das man im Zeitalter der Digitalisierung problemlos verzichten kann. 

Hat in der analogen Welt ein solcher totaler Herrschaftsanspruch noch zu erbittertem Widerstand geführt, etwa durch Weltkriege und militärische Allianzen, wie etwa gegen den "IS", so ist der Angriff mit digitalen Mitteln auf unser Recht zur Selbstbestimmung problemlos möglich, ja geradezu erwünscht, wenn sich Milliarden von Menschen bereit erklären, ihre persönlichen Daten freiwillig herzugeben, damit diese anschließend zu ihrer Unfreiheit und Normierung zum Einsatz kommen. 

Schließlich stellt Welzer die Frage nach dem Sinn dieser Unterwanderung, werden doch gezielt die Überlebensstrategien, die Menschen über zig-Jahrtausende entwickelt haben, systematisch abtrainiert, indem alle Entscheidungen den Apps überlassen werden, was notwendigerweise zu der Frage führt, was passiert eigentlich bei einem systembedingten Stromausfall oder bei Sabotage weltumspannender Energie-Anbieter? 

Fatal sieht Professor Welzer die Tatsache, dass am Ende dieser verheerenden Entwicklung alle Macht in den Händen einiger weniger liegt, ohne dass diese sich deshalb rechtfertigen müssten, ganz im Gegenteil, sie werden für diese globale Machtübernahme gefeiert wie Pop-Stars, ähnlich wie dies jetzt schon bei Zuckerberg, Bezos und Schmidt der Fall ist. Dem gilt es sich zu widersetzen, meint Welzer in seinem Buch "Die Smarte Diktatur" , wobei nichts dagegen spricht, die digitalen Möglichkeiten positiv zu nutzen, wenn sie dazu dienen, konkrete und sinnvolle Hilfe für die Menschen zu leisten. 

Dem reinen Beschaffungsakt für Macht, Einfluss und astronomischen Gewinn mit Hilfe der Offenlegung aller noch so entscheidender Daten von uns allen erteilt der Professor für Transformationsdesign, Harald Welzer eine konsequente Absage. Hier lässt er sich nicht von der schönen, neuen Welt der digitalen Rundumversorgung blenden. Generell geht es ihm darum,  die Errungenschaft der Demokratie zu erhalten und speziell darum, dass seine persönliche Sphäre geschützt bleibt, auch um seiner individuellen Entscheidungen wegen. 

Dafür lohnt es sich zu kämpfen, hier ist Widerstand angesagt. 

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König

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Rezension Peter J. König: Sommerhaus am See- Fünf Familien und 100 Jahre deutscher Geschichte-Thomas Harding- dtv

Der Autor Thomas Harding hat nach unendlichen Bemühungen, einer Fülle von Recherchen und einer akribischen Auflistung von fünf Familiensträngen es geschafft, das Sommerhaus, das seine Vorfahren am Groß Glienicker See in der Nähe von Berlin erbauen ließen, nach nahezu hundert Jahren unter Denkmalschutz stellen zu lassen, um dort eine Begegnungs- und Erinnerungsstätte für die Menschen einzurichten, die im Laufe der vergangenen fast hundert Jahre eine unmittelbare Beziehung zu dem Haus und der Umgebung des Sees hatten. 

Im Jahre 1927 hatte der Urgroßvater von Thomas Harding, ein sehr angesehener Berliner Arzt mit dem Namen Dr. Alfred Alexander das Sommerhaus für sich und seine Familie erbaut. Hier sollten sie dem Trubel der stets wachsenden Metropole entfliehen. Am idyllischen Seeufer, das so viel Ruhe und Entspannung ausstrahlte, wollte Dr. Alexander den Ausgleich finden, der sein verantwortungsvoller und anstrengender Beruf mit sich brachte. In seiner jüdischen Gemeinde war er hoch angesehen, ebenso bei den angesagtesten Künstlern, Wissenschaftlern und Industriebosse. Sie alle begaben sich vertrauensvoll in die Hände des jüdischen Arztes, der es liebte seine berühmten Patienten, wie etwa Albert Einstein oder den Dichter Walter Hasenclever auch gerne bei abendlichen Veranstaltungen in seiner eleganten Wohnung zu empfangen. 

Als Refugium zum Rückzug sollte das einfache Haus am See dienen, wo Dr. Alexander mit seiner Frau und den vier Kindern sich ganz der Natur und dem einfachen Leben hingeben konnten, ohne überzogene Etikette und großbürgerliche Zwänge. Hier war die Familie in den Sommermonaten unter sich und auch die guten Freunde, die bisweilen einige Tage zu Besuch kamen, trugen merklich zur Freude und Entspannung bei. 

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wandelte sich alles grundlegend, in Berlin, in Deutschland und besonders bei den jüdischen Mitbürgern. Auch die Familie von Dr. Alexander blieb nicht verschont davon. Seiner Klinik gegenüber wurden mit den Repressalien gegen jüdische Ärzte immer mehr Verbote ausgesprochen, bis hin zum generellen Berufsverbot. Eine universitäre Ausbildung wurde den Kindern nicht mehr gestattet und bevor die unmittelbare Deportation ins KZ kam, gelang es der Familie nebst Anhang über Umwege nach London zu emigrieren. 

Ihr Sommerhaus am Groß Glienicker See haben die Alexanders allerdings nie vergessen, die Erinnerung an die wunderbaren Jahre, friedlich und beschaulich am See hat sie ihr Leben lang begleitet. Entsprechend wurden diese an die nächsten Generationen weitergegeben. Der Autor Thomas Harding erhielt sie von seiner Großmutter Elsie, einer Tochter von Dr. Alfred Alexander. Sie haben ihn nicht mehr losgelassen, sodass er 1993 beschloss,  nach Berlin und an den Groß Glienicker See zu reisen, um zu sehen, was in der Realität von den großartigen Erinnerungen seiner geliebten Großmutter noch übrig geblieben ist. 

Nachdem Thomas Harding mit eigenen Augen sah, dass das Sommerhaus die Wirren und die unterschiedliche Nutzung der bewegten Zeiten erstaunlich gut überstanden hatte, begann er sowohl das Schicksal des urgroßelterlichen Sommerrefugiums, als auch einiger Familien, die eng mit den Vorfahren verbunden waren, akribisch zu recherchieren. Dabei war es wichtig, auch immer den geschichtlichen Bezug herzustellen, hing doch zumeist das Schicksal der Menschen von den Geschehnissen der damaligen Zeit ab. 

Parallel dazu unternahm er alles, um dem Sommerhaus eine Überlebenschance zu geben, hatte doch der jetzige Eigentümer, die Stadt Potsdam beschlossen, das Haus abzureißen, um auf dem weitläufigen Ufergelände günstigen Wohnraum zu errichten. Scheinbar aussichtlos, gelang es Thomas Harding mit Hilfe seiner Familie, seinen neuen Freunden in der Ortschaft Groß Klienicke und rund um den See, interessierten Historikern und vielen anderen Wohlgesinnten die Stadtverordneten von Potsdam von seinem Projekt einer Kultur- und Begegnungsstätte der Aussöhnung zu überzeugen. 

Das Land Brandenburg stellte danach das Sommerhaus am See unter Denkmalschutz. Thomas Harding hat nicht nur ein spannendes, ja ergreifendes Buch über das Schicksal des Hauses am Groß Klienicker See geschrieben, er hat auch davon ausgehend den bewegenden, manchmal sogar sehr tragischen Verlauf der einzelnen Mitglieder dieser fünf Familien skizziert, die mit dem Haus verbunden waren. Dabei spielt die Geschichte der letzten hundert Jahre in Deutschland, in Berlin und unmittelbar am Groß Klienicker See eine ganz entscheidende Rolle. Dies zu vermitteln ist dem Autor bestens gelungen, zeigt er doch sehr anschaulich wie einschneidend die mörderische Despotie der Nazis auf die Menschen eingewirkt hat und welche Folgen daraus bis heute entstanden sind. Gemessen an den Stürmen der Zeit zeigt sich das Sommerhaus am See geradezu als eine Konstante, die für Thomas Harding Anlass zur Erinnerung ist, an seine Vorfahren und an die deutsche Geschichte. 

Sehr empfehlenswert.

Peter J. König

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Rezension: Anatomie des Holocaust- Raul Hilberg- Essays und Erinnerungen

Der im Jahre 2007 verstorbene Wissenschaftler Raul Hilberg war einer der ersten, der mit in die USA überführten deutschen Akten arbeiten konnte. Wer sich in der Holocaust-Literatur etwas auskennt, weiß, dass sein dreibändiges Werk "Die Vernichtung der europäischen Juden" von großer Bedeutung für die Holocaust-Forschung war.  

Die hier vorliegenden, von Prof. Dr. Hilberg verfassten Essays und Erinnerungen wurden von Walter H. Pehle und René Schott herausgegeben und sind brillant von Petra Post und Andrea von Struve übersetzt worden. 

Die Texte laden dazu ein, den Autor und Holocaust-Forscher über fünf Jahrzehnte seiner wissenschaftlichen Arbeit zu begleiten. Dabei sind die 13 Texte für dieses Buch zwischen 1965 und 2007 entstanden. Hilberg stellt darin Überlegungen zu den Ergebnissen und Kontroversen seiner Forschungstätigkeit an und zeigt zudem wie er bestimmte Formen des Gedenkens an den Holocaust sah. Zudem beinhalten die Erinnerungen des Autors die Archiv-Reisen, bei denen er das Material für seine Forschungsarbeit zusammen trug. 

Man erfährt u.a. Wissenswertes über die Bürokratie des Holocaust, die Zahl der Opfer, die Rolle der Judenräte und die Funktion der Reichsbahn und Wehrmacht im Vernichtungsprozess. 

Das Werk beginnt nach der Einleitung mit dem Aufsatz "The Anatomy oft the Holocaust" und wird fortgesetzt mit der Betrachtung der Motive der Deutschen für die Vernichtung der Juden. Wissen sollte man, dass die Forschung hier zwei Richtungen eingeschlagen hat: Die einen versuchen den Holocaust mit dem Wesen der Opfer zu erläutern, die anderen mit dem der Täter, so Hilberg. Darüber erfährt man im 2. Essay Näheres. 

Auch über die Bürokratie der Vernichtung wird man aufgeklärt und hat Gelegenheit, sich mit vielen anderen Aspekten der Forschung auseinander zu setzen. Dies halte ich für wichtig, um den gesamten Umfang der Abgründigkeit zu begreifen, der dieses Verbrechen erst möglich gemacht hat.

Das Buch kann ich jedem empfehlen, der sich mit diesem unsäglichen Geschehen vertieft auseinandersetzen möchte. Begreifen kann man den Holocaust meines Erachtens nur vor dem Hintergrund, dass sich die Nazis als Herrenmenschen verstanden haben und glaubten über Leben und Tod ihrer Mitmenschen befinden zu können.  Hybris war der Dreh- und Angelpunkt.


Helga König

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Rezension: #Amnesty_International #Report 2015/16- Zur weltweiten Lage der #Menschenrechte.- S-Fischer-Verlage

Das vorliegende Buch informiert über die Lage der Menschenrechte in 160 Ländern und Territorien im Jahr 2015.  

Salil Shetty, der internationale Generalsekretär von Amnesty International,  hat das Vorwort verfasst. Gleich zu Beginn weist er darauf hin, dass im Jahr 2015 die Fähigkeit der internationalen Gemeinschaft, auf Krisen und die massenhafte Vertreibung von Menschen zu reagieren, auf eine harte Probe gestellt wird. Weltweit sind derzeit so viele Menschen auf der Flucht, wie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr. 

Der bewaffnete Konflikt in Syrien hat das Jahr 2015 in besonderer Weise geprägt. Doch ist dieser Konflikt letztlich nur einer von vielen, wie das Buch verdeutlicht. Man liest von unglaublichen Menschenrechtsverletzungen in Afrika, nicht nur in Nigeria, sondern auch in Burundi, Kamerun, Somalia und anderen Ländern, erfährt von Flüchtlingen allerorten und von Unterdrückung, die fast schon zur Routine geworden ist. 

Zunächst  wird man über die Kontinente und die bewaffneten Konflikte, auch  über Flüchtlinge und Migranten dort in Kenntnis gesetzt, liest immerfort zu Folter und Misshandlungen aber beispielsweise  auch zu den Rechten indigener Völker, bevor man sich in die Länderberichte vertiefen kann. Dabei wird dann alphabetisch vorgegangen. 

Eingangs wird über die amtliche Bezeichnung des jeweiligen Landes informiert, auch erfährt man wer jeweils Staats- und Regierungschef ist. Anhand eines Kartenausschnitts kann man stets sehen, wo das beschriebene Land liegt. Man liest stets über Hintergründe und kann sich dann in die jeweiligen Schwierigkeiten eines Landes, was Menschenrechte anbelangt, vertiefen. 

Es führt zu weit, an dieser Stelle auf die Probleme einzelner Länder einzugehen.  Gesagt werden kann. dass das Buch in seiner Gesamtheit zeigt, wie sehr Menschenrechte überall auf der Welt mit Füßen getreten werden, doch es würdigt auch jene Menschen, die unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen sich auf der ganzen Welt für Menschenrechte einsetzen. 

Ich empfehle allen dieses Werk des Schreckens sorgfältig zu lesen, dann dürfte jedem klar sein, dass man an den meisten Punkten dieser Erde einfach nicht leben kann und zur Flucht gezwungen ist und dass dies nicht mehr so weiter gehen kann. Die Weltgemeinschaft ist aufgefordert, endlich Vernunft anzunehmen. 


Helga König

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Rezension: Die geraubten Mädchen- #Boko_Haram und der #Terror im Herzen Afrikas- #Wolfgang_Bauer Suhrkamp

Autor dieses Buches ist Wolfgang Bauer. Er ist u.a. für die Wochenzeitung "Die Zeit" tätig. Die berührenden Aufnahmen von geraubten Mädchen zu Beginn des Buches hat der freie Fotograf Andy Spyra realisiert.

Wolfgang Bauer reiste im Juli 2015 nach Nigeria. Um dort mit Mädchen zu sprechen, denen die Flucht aus dem Gewaltbereich der Terrororganisation "Boko Haram" gelungen ist. Die Kämpfer dieser Organisation, deren Ziel es ist, mit dem Schwert "das Kalifat" aufzubauen,  töten in den Orten, die sie erobern,  zunächst alle Kleriker, die ihrer Auslegung des Islams widersprechen, beschlagnahmen und plündern Häuser, treiben die Menschen zusammen, die vor ihnen zu fliehen versuchten und töten sie.

Der Emir gibt in den eroberten Orten neue Regeln heraus, denen sich alle beugen müssen. Zu diesen Regeln zählt die Komplettverschleierung der Frauen. Auch wird die Bewegungsfreiheit der Frauen außerhalb der Siedlungen eingeschränkt. Die Arbeit wird zumeist von Kindern geleistet, weil die Männer allesamt in den Kriegsdienst eingezogen werden und die Frauen die Häuser nicht verlassen dürfen. Kinder sind es, die auf den Feldern ernten und Feuerholz sammeln.

Das Fundament des Boko Haram Reiches sind Sklaven. Hier sind es speziell ältere Frauen, die als Arbeitssklaven benutzt werden. In Sammellagern werden junge Frauen zusammengepfercht und vergewaltigt. In diesen Lagern auch werden Mädchen ausgesucht, die für Selbstmordattentate ausgebildet werden.

Der Emir verfügt, wer sich mit wem fortpflanzen darf. Frauen werden als Gefäße für die Gene der Männer betrachtet. Die gezeugten Kinder sollen vollständig im Sinne der Bewegung aufwachsen.

Der Autor lässt die aus dem Gewahrsam des Boko Haram geflüchteten Frauen in seinem Buch zu Wort kommen, so dass man einen beklemmenden Eindruck davon erhält, was Frauen in Nigeria zu erleiden haben. 

Vergewaltigung und Mord bilden den Alltag im Schreckensregime des Boko Haram. Diese Organisation wurde offenbar zunächst in den Machtzentren von Nigeria nicht wahrgenommen,  da das Land viele Schrecken kennt. So sterben in den Großstädten jährlich Tausende, weil die Opfer von Raubüberfällen werden. Sie kommen in den Kriegen der Straßengangs in Lagos ums Leben. Zudem gibt es Ritualmorde und Terror aller Art.

Spätestens nach der Lektüre des Buches wird klar, dass die 276 Schülerinnen, die 2014 seitens Boko Haram aus dem örtlichen Internat von Chibok im Nordosten Nigerias entführt wurden und zum Aufschrei der Weltgemeinschaft führten, nur die Spitze des Eisbergs waren.

Die Geisteshaltung der Terrororganisation Boko Haram beruht auf Machtbesessenheit, Menschenverachtung und Intoleranz. Mit Religion hat sie nichts gemein, auch wenn sie versucht, sich durch diese zu legitimieren. Man muss diesen Menschenpeinigern  das Handwerk legen, damit sich ihnen nicht noch mehr machtbesessene Idioten anschließen. Die Welt ist voll davon.

Sehr empfehlenswert.

Helga König

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Rezension: Peter J. König: Mensch, Adolf Das Hitler-Bild der Deutschen seit 1945 Ansichten eines Zeitgenossen Rolf Rietzler C. Bertelsmann

Der Journalist und ehemalige Spiegel-Redakteur Rolf Rietzler hat hier mit seinem neuesten Werk "Mensch, Adolf" sehr intensiv und aufschlussreich beleuchtet, wie Adolf Hitler der Reichskanzler des Dritten Reiches in der Nachkriegs-Ära nach dessen Tod 1945 in seiner Gesamtheit wahrgenommen wurde. 

Dabei geht es Rolf Rietzler, der 20 Jahre lang beim "Spiegel" für das Serien-Ressort zuständig war, mit seinem Spezial-Gebiet Zeitgeschichte darum, endlich mit der weit verbreiteten Mär aufzuräumen, als sei der "Führer" ganz allein für alle Gräueltaten verantwortlich, die während der Zeit des National-Sozialismus von 1933 bis 1945 begangen worden sind. 

Bis in die Gegenwart wird ohne Unterlass und mit nie nachlassender Überzeugung über die gesamte Bannbreite von Forschung, Lehre und Publikation inbrünstig erklärt, dass nur die Nazis das verbrochen haben, was als die dunkelste Stunde der Deutschen gilt, und dass das deutsche Volk mit alledem nicht einverstanden war, die Menschen sich allein der Diktatur beugen mussten. 

Und an dieser Legende haben alle gestrickt nach 1945, diejenige die aktiv an dem Nazi-Regime beteiligt waren, so Speer, dem von Hitler geschätzten Baumeister seiner Prachtbauten und Rüstungsminister, die Vielzahl von ehemaligen Propaganda-Journalisten, die nach 1945 mit ihren Publikationsorganen wie Augstein mit dem Spiegel und Nannen mit dem Stern die Geschichte des "Dritten Reichs" in ihrem Sinn und ihrem Verständnis darzustellen versuchten. 

Generäle haben ihre Verantwortung und ihr Versagen in Hinblick auf Despotie und Kriegstreiberei ebenso bei Adolf Hitler abgeladen, wie die Diplomatie, hier sei der Staatssekretär im Außenministerium von Weizäcker, der Vater des späteren Bundespräsidenten genannt. Sie alle haben in der Nachkriegszeit mit einer Vielzahl von Büchern, Artikel und sonstigen Veröffentlichungen versucht, die Verschleierung ihrer Mitschuld an diesem verbrecherischen Regime kundzutun. 

Ganze Heerscharen von anerkannten Historikern sind seit jeher bemüht, Geschichts-Klitterung zu betreiben, wenn es darum geht, die Deutschen reinzuwaschen oder ihnen nur ein nachrangiges Mitverschulden zu attestieren. 

Hitler, dieser Dämon, ist an allem Schuld, so lautet die Devise. Gleichzeitig aber ist er der ungekrönte Medienstar, mit dem bis heute durch Film, Fernsehen und unzählige Magazine große Kasse gemacht wird. Der Autor Rolf Rietzler selbst durch seine eigene Familie mit dem Unwesen des Dritten Reiches verbunden, sein Vater war Mitglied bei der SS und als Polizeiangehöriger im Osten zugange, hat anhand unzähliger Nachweise aufgezeigt, welche weitere Treue und Verbundenheit zur Ideologie der Nazis von so vielen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in der jungen Bundesrepublik, bewusst oder unbewusst bestanden hat, wenn versuchte wurde zu relativieren und eine persönliche Schuld auf ein Minimum zu reduzieren. 

Die Einen haben sich hinter ihrem Offiziers-Eid versteckt, die Zivilisten waren jung und wollten Karriere im System machen, entweder aus Überzeugung oder aber als Mitläufer, um nicht aufzufallen. Dass mit der dubiosen Entnazifizierung nicht sofort demokratischer Geist in die Köpfe von alle jenen eingezogen ist, war auch nicht zu erwarten. 

Dass es aber noch Jahrzehnte gedauert hat, bis die national-sozialistische Kopfgeburt mit all ihren verheerenden Folgen tatsächlich im Großen und Ganzen überwunden war, zeigt wie tiefgreifend diese Gehirnwäsche eingedrungen ist. 

Bis zum heutigen Tag in die übernächste Generation hinein sind die Folgen zu spüren, wenn z.B. die über Achtzigjährigen, die ihre Schulzeit bei fanatisierten Lehrern absolviert haben, im Zustand ihres langsamen Dahindämmerns, Parolen verkünden, die sie einst in ihrer Schulzeit in die Köpfe geklopft bekamen. Rolf Rietzlers Buch "Mensch, Adolf" dient dazu alle diese Facetten des Hitler-Bildes der Deutschen nach 1945 akribisch aufzuzeigen. 

Dass dabei eine endlose Recherche notwendig war, nicht nur um die Erkenntnisse zu erarbeiten, sondern in erster Linie diese anhand bekannter Dokumente zu belegen, versteht sich von selbst, wenn man erfährt, wie die deutschen Eliten im Nachkriegs-Deutschland getrickst haben und heute noch tricksen. 

Eine einzige Verirrung in seichtes Wasser, eine nicht belegbare Behauptung und der Autor Rolf Rietzler stirbt den Medientod. Bei dieser Drohkulisse ist es umso mutiger, dass Rietzler dieses Projekt angegangen ist. Es ist ihm wohl auch ein ganz familiäres Bedürfnis hier Aufklärung zu schaffen, wenn er die Art und Weise wie seine Eltern und Verwandten mit dem National-Sozialismus umgegangen sind in seinem Buch darstellt. 

Bei der vorliegenden Datenfülle hätte es nahe liegen können, dass "Mensch, Adolf" in ein dröges Aufklärungs-Buch abgeglitten wäre. Dem ist beileibe nicht so. Der Autor hat mit seinem ureigenen, humorigen Hintersinn es verstanden, auf informative und ironische Weise diese schwere Kost dem interessierten Leser nahe zu bringen. So macht Geschichts-Erleben neugierig und ist interessant, gerade wenn es sich dabei um die hintertriebene und mangelnde Aufklärung der Nazizeit nach 1945 handelt. 

Sofern man das Buch von Rolf Rietzler aufmerksam gelesen hat, ist klar, dass wir erst am Anfang der tatsächlichen Aufarbeitung unserer schlimmsten Geschichte und deren Nachwirkungen stehen. Es sind Autoren wie Rolf Rietzler, die beginnen, endlich mit den Verschleierungen und dem Geschäftemachen um Adolf Hitler und seiner braunen Pest aufzuräumen. Ob dies jemals ganz gelingen wird, sei dahingestellt. 

Auf jeden Fall ist "Mensch, Adolf" von Rolf Rietzler ein sehr lesenswertes Buch, das mit dem selbstgestrickten Exkulpations-Getöse einer ganzen Nachkriegs-Generation endlich aufräumt. 

Sehr empfehlenswert 

Peter J. König

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Rezension: #Erinnerungsstätte an der #Frankfurter_Großmarkthalle- #Deportation der #Juden 1941-1945- Prestel

Am 25. Oktober 1928 wurde in Frankfurt/Main die neue Großmarkthalle eingeweiht. Entworfen hatte sie  der Architekt Martin Elsässer.  Das Gebäude beeindruckte damals durch seinen monumentalen, funktionalen und technisch ausgeklügelten Hallenbau, der im In- und Ausland als Beispiel der architektonischen Moderne galt. Dreizehn Jahre danach mieteten die Geheime Staatspolizei in Komplizenschaft mit "brauner" Stadtverwaltung und Gauleitung die Keller an, um ab Oktober 1941 mehr als 10.000 jüdische Menschen dort "zu sammeln, auszuplündern, zu erniedrigen und sie dann gewaltsam auf die Transporte in den Tod zu zwingen." Währenddessen lief der tägliche Marktbetrieb weiter. 

Heute befindet sich auf dem Gelände, auf dem bis 2004 die Großmarkthalle stand, der Sitz der #Europäischen_Zentralbank und hier auch ist die Erinnerungsstätte an der Frankfurter Großmarkhalle positioniert. 

#Salomon_Korn, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt/Main spricht der Erinnerungsstätte eine heraussagende Bedeutung zu, weil sie an das entsetzliche Leid der schwer misshandelten Menschen und Mordopfer erinnert. Korn lässt nicht unerwähnt, dass diese Menschentransporte zentraler Bestandteil der staatlich gelenkten Ausplünderung und wirtschaftlichen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung waren. Alle inhaftierten Menschen dort mussten vor dem Abtransport eine detaillierte "Vermögenserklärung" abgeben und ihr Hab und Gut dem Staat überschreiben. Mit dem Aufenthalt in der Großmarkthalle wurde bezweckt, die Menschen zu entwürdigen und völlig auszurauben. 

Im Buch wird das künstlerische Konzept der Erinnerungsstätte an der Frankfurter Großmarkthalle seitens #Marcus_Kaiser und #Tobias_Katz vorgestellt und von #Norbert_Migueletz fotografisch dokumentiert. Kaiser und Katz wollen durch ihre Gestaltung auf das hinweisen, was an jenem Ort vorgefallen ist, man aber dem Ort so nicht ansieht. Die beiden verstehen den Charakter des Hinweisens als dokumentarisch und emotional zugleich, dabei stets subtil und nicht didaktisch erläuternd. 

Peter_Cachola_Schmal schreibt, dass die neue Erinnerungsstätte an der Frankfurter Großmarkthalle ganz bewusst in der Tradition der größten Vorbilder der Gedenkstättenarchitektur stehe, zeige sich in der Lakonie, Präzision und Reduktion der architektonischen Mittel. 

Die  Zeugenschaft der Deportationen wird textlich dokumentiert. Was man hier lesen kann, berührt zutiefst und löst Empörung aus. Monica Kingreen berichtet in ihrem Aufsatz über "Die Großmarkthalle und die gewaltsame Verschleppung der jüdischen Bevölkerung Frankfurts und des Regierungsbezirks Wiesbaden ab 1941 bis 1945 und hier auch von der Großmarkthalle als Gestapo-Sammellager und den zahlreichen Massendeportationen. Auch die Perspektive eines NS-Täters kommt zur Sprache, bevor der lange Weg zur Erinnerung von Fritz Backhaus nachgezeichnet wird. 

Sich mit den Gräueltaten der Deutschen zu Zeiten Hitlers bewusst auseinander zu setzen und nichts zu verschweigen,  ist heute notwendiger denn je, weil der Fremdenhass  in diesem Land sich schon wieder breit macht und die Pogromstimmung  mittlerweile erneut  als Normalzustand hingenommen wird.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension:"Mit meiner Vergangenheit lebe ich“ Memoiren von #Holocaust- Überlebenden- Herausgegeben von Ivan Lefkovits mit 15 Bildern von Gerhard Richter- Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag

Die vorliegende Box enthält 15 Hefte mit Memoiren von Holocaust-Überlebenden, die Ivan Lefkovits – er ist einer von ihnen- herausgegeben hat. Es handelt sich bei diesem umfangreichen Werk um ein Memoiren-Projekt gegen das Vergessen. 

Wir leben in einer Zeit, in der die Generation der im Holocaust nicht ermordeten jüdischen Zeitzeugen ausstirbt und einige der Autoren der vorliegenden Hefte schon nicht mehr leben. Um so mehr ist es nun Aufgabe bei nachfolgenden Generationen, die Erinnerung an  das größte Verbrechen aller Zeiten wachzuhalten und sie von der Humanität als das einzig sinnstiftende menschliche Verhalten zu überzeugen.

Die Umschläge der Hefte sind mit Bildern des Künstlers Gerhard Richter illustriert. Peter Iden schreibt dazu in einem Essay, dass Richter für den Umschlag eines jeden Bandes aus vier großformatigen Gemälden Teile herausgeschnitten habe. Die Originale wurden im Frühjahr 2015 in Dresden im Museum Albertinum der Städtischen Kunstsammlungen gezeigt. Bei den Bildern handelt es sich um abstrakte Malerei. 

Die vier Werke tragen den Titel "Birkenau". Dies ist der Namen des größten Vernichtungslagers der Nazis, in dem  die  braunen Schergen etwa 1,1 Millionen Menschen ermordet haben. Peter Iden berichtet über die Entstehung dieser Bilder und auch wie man deren Farben zu interpretieren hat. Resümierend schreibt er: "Eine Wut lebt in dieser Malerei. Wütende Trauer. Verzweiflung. Zu spüren ist in jedem Augenblick die für den Maler existentielle Notwendigkeit, diese Bilder zu wagen", die "die Grenzen des Fassbaren" bezeugen. 

Der Herausgeber  Ivan Lefkovits erzählt im Heft Nr. 8 aus seiner Vita. Er ist Holocaust-Überlebender des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, wo er am 15. April 1945 seitens der britischen Armee befreit wurde. Er ist der einzige aus seiner Familie, der den Holocaust überlebte. Der studierte Chemiker besitzt seit 1984 das Schweizer Bürgerrecht und lebt in Basel. 

Allen Heften sind eine Vielzahl von Schwarz-Weiß-Fotos beigegeben worden, die genau wie die Texte als sinnstiftende Maßnahmen gegen das Vergessen zu begreifen sind. Jedes der Hefte enthält entsetzliche Zeugnisse von nie zuvor da gewesener Menschenverachtung. 

Die Texte vollständig zu lesen, kostet Überwindung und man fragt sich immerfort, wie es überhaupt möglich war, mit solchen Traumata sein Leben fortzusetzen: All die Leichenberge in Bergen-Belsen, der Rauch der Krematorien, der Wahnsinn der Selektion, die Brutalität, die Folter, die unglaublichen Perversionen dieser furchtbaren Nazibrut, wie soll man damit umgehen? Alles als Teil des Menschseins begreifen, als das Böse, das immer wieder hervorbrechen kann? 

Schon wieder brennen Häuser in Deutschland, schon wieder gibt es Attacken gegen Fremde. In 2015 haben Rechtsextreme 924 Flüchtlingsheime angegriffen. Dabei nehmen die Täter die Gefahr für die Menschen in den Häusern billigend in Kauf. Der rechte Mob tobt erneut auf den Straßen und jeder, der nicht blind ist, sieht die Parallelen zu den fatalen Zuständen in der Weimarer Republik. 

Diese  Memoiren von Holocaust-Überlebenden zu lesen, empfehle ich nachdrücklich. Wer verdrängt oder vergessen will, wer zusieht und schweigt, wer nicht begreifen möchte, dass der Jude von gestern heute bei den Rechtsradikalen der Muslime ist, macht sich mitschuldig, wenn morgen hierzulande wieder Millionen  von Menschen Opfer  einer krankhaften Ideologie werden.

Sehr empfehlenswert 

Helga König

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Rezension: Peter J. König: #ROM- Die Biographie eines Weltreichs -#Greg_Woolf- #Klett_Cotta

Die Geschichte Roms darzustellen, ist ein Werk von bedeutendem Ausmaß, handelt es sich doch dabei um die Weltmacht, die mit Abstand am längsten existiert hat, unglaubliche 1500 Jahre, wenn man das antike Rom von den Anfängen der Republik bis zum Ende der Kaiserzeit betrachtet. Um hier die Zusammenhänge richtig zu erkennen und sie zu deuten, bedarf es eines Autors, der ganz außergewöhnliche Kenntnisse über die Entwicklung Roms besitzt. Einer der wenigen, der dazu in der Lage ist, ist der Autor dieses spannenden und höchst informativen Sachbuchs mit dem alles sagenden Titel "Rom, die Biographie eines Weltreichs" Professor Greg Woolf, einer der weltweit führenden Historiker für die Geschichte des Römischen Reichs.

Woolf hat Altertumswissenschaften in Oxford und Cambridge studiert und lehrt heute die Geschichte des Altertums an der renommierten Universität St. Andrews in Schottland. Dabei sind die Schwerpunkte seiner Forschung die römische Wirtschafts-und Sozial-Geschichte, ebenso erforscht er die Geschichte der antiken Religion. Bekanntermaßen ist die Geschichte des Römischen Reiches ein nicht wegzudenkender Teil einer gymnasialen Ausbildung, wobei die Kenntnisse eher rudimentär vermittelt werden. So bleibt es auch nicht aus, dass den Allermeisten überhaupt nicht klar ist, welchen enormen Einfluss das Römische Reich auf die Entwicklung der westlichen Hemisphäre bis heute hat, weitaus mehr als jede andere Kultur.

Selbst die "Alten Griechen" können bei weitem nicht mithalten, obwohl auch ihr Einfluss die römische Geschichte mit prägte. Anfang und Ende des Römischen Reiches sind nur unklar zu erkennen, deshalb gilt die Gründung Roms durch Romulus im Jahre 753 v. Chr. als Beginn, während das Ende unterschiedlich interpretiert wird, vom Wechsel der Herrscher von Rom nach Konstantinopel, bis hin zur Krönung Karls des Großen im Jahre 800 n. Ch. als römischer Kaiser.

Greg Woolf zeigt in sehr nachvollziehbarer Weise auf, wie sich das antike Rom von einer kleinen Siedlungsgründung zu einem Weltreich entwickelt hat, dessen Ausmaße von Britannien über den gesamten Eurasischen Kontinent bis weit nach Asien hinein reichte. Dabei spielt die militärische Überlegenheit eine entscheidende Rolle, denn ständig wurden neue Gebiete erobert, oder Aufstände in besetzten Gebieten niedergeschlagen. Um ein solches Riesen-Reich mit einer Unzahl völlig unterschiedlicher Völker zu beherrschen, bedurfte es ganz besonderer Strategien in Verwaltung, Logistik aber auch permanenter militärischer Macht.

Hier haben die Römer Einzigartiges geschaffen, und wenn wir an das Römische Recht denken, so hat dies noch heute fundamentalen Einfluss auf unsere aktuelle Gesetzgebung und Rechtsprechung. Wie intensiv die Geschichte Roms ist, zeigt allein die Anzahl der nicht zu überblickenden Daten, die man schon als Schüler im Geschichtsunterricht vermittelt bekommen sollte. Tatsächlich ist dies aber nur der berühmte "Tropfen auf den heißen Stein", wenn man bei der Lektüre dieses umfangreichen Werkes von Greg Woolf erfährt, wie die Geschichte Roms im Überblick wirklich aussieht.

Der Autor hat mit diesem Buch ein Standardwerk über das Römische Reich entwickelt, das Licht in das Dunkel der kaum zu entwirrenden Zahlen und Zusammenhänge gebracht hat, sodass man nicht römische Geschichte studiert haben muss, um das Weltreich am Tiber in seinen Ausmaßen und seiner Bedeutung zu begreifen. Gleichzeitig ist es Greg Woolf gelungen noch viel weiter in die Geschichte vorzudringen, indem er das Römische Reich mit anderen Reichen der Antike vergleicht, um so die Einzigartigkeit dieses einzigen Weltstaates der Geschichte in seiner Bedeutung zu analysieren, in Hinblick auf die zivilisatorische und politische Rolle die Rom für die ganze Welt gespielt hat und heute noch spielt. Besonders erwähnenswert ist auch die Arbeit von Andreas Wittenburg, dem Übersetzer dieses Werks, denn so etwas ist nur zu leisten, wenn man selbst die nötigen Kenntnisse der Materie mitbringt.

Da Andreas Wittenburg selbst Alte Geschichte an verschiedenen Universitäten in Europa gelehrt und einige Bücher über antike Geschichte verfasst hat, ist ihm die Übersetzungsarbeit aus dem Englischen bestens gelungen. So ist diesen beiden Historikern ein Werk geglückt, das nicht nur informativ und anschaulich ist, sondern auch neugierig macht und spannend zu lesen ist.

Sehr empfehlenswert

Peter J. König

Das Buch ist in Fachbuchhandel erhältlich.

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