Rezensionen:Von der Residenz zur Hauptstadt - Paris im hohen Mittelalter (Gebundene Ausgabe)

Prof. Dr. Andreas Sohn bringt dem Leser in diesem Buch die Stadt Paris im hohen Mittelalter nahe. Nicht uninteressant für Paris-Besucher, deren Zeitreise nicht bei Ludwig XIV. enden, sondern in die Zeit zurückreichen soll als Thomas von Aquin obigen Satz formulierte, den ich überaus bemerkenswert finde.
Der Autor untergliedert sein Thema in drei große Abschnitte:

Die Zentrierung von Politik und Verwaltung in Paris

Paris als aufblühendes Wirtschaftszentrum

Paris als universitäres und kulturelles Zentrum

Seinen umfangreichen Ausführungen schickt Prof. Dr. Sohn eine mehrseitige Einleitung voraus. Dann befasst er sich zunächst mit der Geologie und Topographie des Pariser Beckens und schreibt über die Seinestadt und die Ile-de France in der Antike und im Frühmittelalter. Diese Ausführungen habe ich mit großem Interesse gelesen, weil ich vor einigen Tagen in einem Reisebuch Highlights Paris: Die 50 Ziele, die Sie gesehen haben sollten über die Stadt diesbezüglich auch schon Wissenswertes in Erfahrung gebracht habe und dieses Wissen nun vertiefen konnte.

Mein besonders Augenmerk galt dem dritten Abschnitt. Hier wird man u.a. über Schule und Bildung in Frankreich bis zum beginnenden 11. Jahrhundert aufgeklärt, liest über Domschulen im 11. und 12. Jahrhundert, so etwa in Chatres, Laon und Reims. Erst später sollte die Kathedraleschule in Paris aus dem Schatten ihrer Rivalen heraustreten, (vgl.: S. 151).

Der Autor nennt die allgemeinen Gründe für den Bildungsaufschwung in Paris im 12. Jahrhundert. So soll die steigende Zahl der Scholaren aus dem niederen Adel und dem Bürgertum ein Motiv dargestellt haben, das gespeist war aus dem Wissenschaftsdrang und dem Streben nach sozialem Aufstieg.

Man erfährt spezifische Faktoren für die Entstehung und die Ausstrahlung der Pariser Universität und wird über das mittelalterliche "Quartier Latin" in Kenntnis gesetzt. Alles recht spannend zu lesen für Liebhaber dieser Stadt. Die umfangreichen Fußnoten machen deutlich, dass dieses Buch wissenschaftlichen Tiefgang besitzt und sich somit nicht als Erbauzngsliteratur eignet. Wer beim Lesen zu staunen beginnt, darf sich freuen, denn seine Sehnsucht nach Wissen wird hier garantiert befriedigt.

Empfehlenswert.
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Rezensionen: Frauen für Deutschland. Filmidole im Dritten Reich: Filmidole des Drittes Reichs (Gebundene Ausgabe)

Der Filmjournalist Friedemann Beyer porträtiert in seinem Buch fünf weibliche Filmidole der Nazízeit. Wie er hervorhebt handelt es sich bei diesem Buch nicht um eine wissenschaftliche Studie. Der Autor räumt ein, dass sein Buch nicht analytisch, sondern beschreibend sei.

Bei allem vergisst Beyer nicht zu erwähnen, dass das Kino und der Starkult zu einem Klima der Affirmation beitrug, die als Teil der Inszenierung des Regimes zur Stabilisierung seiner Macht nach innen begriffen werden darf. Aus den soeben genannten Gründen sei das Buch nicht nur ein Beitrag zur Film-, sondern auch zur Zeitgeschichte unseres Landes.

Fünf von insgesamt fünfundreißigtausend "Film-Darstellerinnen" aus jener Zeit werden im Buch näher beschrieben. Die Großverdienerin war damals Zarah Leander, die zwischen 1940 und 1942 auf eine Jahrespauschale von 500 000 Reichsmark kam und hierfür drei Filme drehen musste. Zum Vergleich erhielt die damals auch nicht unbekannte Ilse Werner gerade einmal 27000 Reichsmark. Die Schwedin Zarah Leander sollte Weltläufigkeit vermitteln. Sie war die einzige "Diva" in der Szene und wurde, so der Autor, hierfür speziell ausgestattet.

Generell allerdings wurden Stilisierungen hin zu Diven vermieden. Man wollte keine Leinwandgöttinnen, sondern Schauspielerinnen, die der Volksgemeinschaft angehörten. Dennoch bemühte sich die Filmindustrie unter dem Hakenkreuz ihren "leading ladies" eine internationale Ausstrahlung zu verleihen. Viele der UFA-Frauen kamen nicht aus Deutschland, so auch drei der im Buch porträtierten Damen nicht. Zarah Leander und Kristin Söderbaum waren Schwedinnen und Olga Tschechowa eine Russin
Thematisiert werden am Beispiel von Olga Tschechowa die verfeinerten Gesellschaftsdamen, die die Kunst der Andeutung beherrschen, denen Intrigen und Gefühlsausbrüche fremd und die stets um Contenance bemüht sind. Am Beispiel von Sybille Schmitz wird die Rätselhafte, von Zarah Leander die Megafrau, an Kristina Söderbaum die Kindfrau und an Ilse Werner die Kesse porträtiert.

Beyer lässt nicht unerwähnt, dass viele der von den Schauspielerinnen verkörperten Figuren nicht in das gängige Frauenbild der NS- Ideologie passten, die die Frauen zu Gebärmaschinen degradieren wollten. Die eher komplexen Persönlichkeiten boten dem weiblichen Kinopublikum ein großes Identifikationspotential, so Beyer. Man lebte in Träumen aus, was die Realität nicht hergab, vermute ich in diesem Zusammenhang und unsere Großväter durften sich nach Frauen wie Olga oder Zarah sehnen, die derweil artig mit Adolf über dessen Schäferhund Blondie bei Tisch parlierten, eine Rückversicherung dafür, um in der Gunst ihres Herren weiter oben zu stehen zu dürfen.

Für Filmfreunde, ein empfehlenswertes Buch.   
 
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Rezension: Chaos der Kulturen: Die Debatte um Islam und Integration (Broschiert)

Dieses Buch enthält die besten Artikel, Reden und Beiträge von Dr. Necla Kelek aus den Jahren 2005 - 2011. Die in Istanbul geborene Intellektuelle wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet u.a. mit dem Geschwister-Scholl-Preis 2005, dem Hildegard-von-Bingen-Preis 2009 und dem Friedenspreis. Dr. Necla Kelek gilt als Islamkritikerin und ist Frauenrechtlerin.

Das vorliegende Buch ist in folgende Abschnitte untergliedert:

Islam und Integration

Ehre und Gesetz

Migration und Medizin

Geschichte und Verantwortung

Kritik der Islamkritikerin

Islam und Freiheit

Die Autorin hebt gleich zu Beginn hervor, dass die nachgezogenen Einwanderer aus der Türkei das anatolische Dorf und die Moschee nach Deutschland brachten. Diese Einwanderer kamen in einer Zeit zu uns, als die Industrie aufgrund der Wirtschaftskrise und fortschreitender Automatisierung kaum noch Arbeitskräfte für einfache Tätigkeiten benötigte. Aufgrund von Heiratsimport kamen in den 1970ern und 1980ern jährlich Zehntausende ins Land und in den 1990er ließ die Türkei Zehntausende Asylsuchende nach Deutschland ausreisen. Diese Personen wurden ohne Vorbereitung und Aussicht auf einen Arbeitsplatz direkt als Transferempfänger ins Sozialsystem eingegliedert, (vgl.: S.15).

Dr. Kelek macht in ihrem Vortrag bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bremen 2011 deutlich, dass die Politik das besondere Potential der Einwanderer nicht immer wahrnimmt, deren Sorgen und Probleme verkenne und deshalb nachhaltig seit Jahrzehnten scheitere, auch wenn Millionen für Integrationsmaßnahmen ausgegeben werden. Mit besagtem Geld werde auch eine Sozialindustrie unterhalten, die ihre Berechtigung daraus bezieht, dass die Probleme der Integration nachhaltig bleiben, (vgl.: S.47).

Nicht unerwähnt lässt die promovierte Wissenschaftlerin, dass es aber auch inzwischen 2,5 Millionen türkischstämmige Bürger gibt, die hier in Deutschland als Schriftsteller, Ärzte, Filmemacher, Kaufleute, Handwerker etc. eine neue Heimat gefunden haben und listet die Bedingungen für deren Erfolge auf. Dabei unterstreicht sie, dass Menschen, die in einer Gesellschaft persönlich und beruflich erfolgreich ihr Leben gestalten möchten, vor allem frei sein müssen. Freiheit und Verantwortung kann man lernen. Hier überdenkt die Autorin Möglichkeiten und führt auch konstruktiven Beispiele an.

In einem weiteren Vortrag, den sie 10 Jahre früher bereits in Frankfurt im Römer hielt, definiert Dr. Kelek u.a. den Begriff Integration und hält fest, dass derjenige integriert sei, der die Gesetze kenne und danach handele, der sich auf Deutsch verständigen kann, der weiß, in welchem Land er lebt und welche Gepflogenheiten hier gelten. Notwendig sei nicht, dass man hierzu die Staatsbürgerschaft besitzt. Es gehe demnach bei der Integration um den Prozess der Vermittlung und Aneignung nicht nur von Rechten und Pflichten der Rechtsordnung, sondern auch um Sprache, Kultur und Geschichte, insofern um die Vermittlung und Aneignung von gesellschaftlichen Werten, (vgl.:S.51).

Nach Auffassung der Autorin ist die Kulturleistung der Deutschen und sie denkt hier an unsere Grundrechte ebenso wie an Kants kategorischen Imperativ und die christlichen Grundsätze der Nächstenliebe und des Vergebens für die übergroße Mehrheit der Zuwanderer eine einmalige Chance. In diesem Zusammenhang hält sie fest, dass nämlich die universalen Menschenrechte in muslimischen Ländern nur für Muslime gelten und begründet dies mit dem Beispiel, dass in der säkularen Türkei Nichtmuslime bestimmte Berufe nicht ausüben können, (vgl.: S.52).

Die Autorin plädiert dafür, auf die Chance der Freiheit und Verantwortung des Einzelnen zu setzen. Dabei ist sie überzeugt, dass unsere Gesellschaft allen ein gutes Angebot macht. Migranten sind für Dr. Kelek keine Mündel. Man müsse sie fordern.

In allen ihren Schriften ist Dr. Kelek sehr kritisch und zeigt dies auch in ihrer Haltung zu Themen wie Heiratsimport, Kopftuchdebatte, Scharia, Islamkonferenz, zu denen sie sich allerdings im Buch nur dann äußert, sofern sie die Gedanken noch nicht in ihren anderen Büchern geäußert hat.

Eine mutige, überaus reflektierte, analytische Autorin, auf die nicht nur Politiker hören sollten. Ich empfehle das Buch gerne, weil es neue Wege in einer reichlich verfahrenen Situation aufzeigt.
 
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Rezension:Tea Party: Die weiße Wut: Was Amerikas Neue Rechte so gefährlich macht (Taschenbuch)

Eva C. Schweitzer hat zur rechten Zeit ein bemerkenswert gut recherchiertes und hoch informatives Sachbuch vorgelegt, das im Vorfeld der im November dieses Jahres stattfindenden Präsidentschaftswahlen in den USA aufzeigt, welche Kandidaten auf Seiten der Republikaner sich Hoffnung machen, als eigentlicher Herausforderer gegen den Amtsinhaber Barack Obama antreten zu können.

Bevor die Autorin die Damen und Herren der Republikanischen Partei, die sich bei innerparteilichen Vorwahlen in allen Bundesstaaten stellen müssen, vorstellt, wird zunächst einmal skizziert, in welchem Denkumfeld das Ideengut dieser Politiker angesiedelt ist. Nach unserer deutschen und auch europäischen politischen Farbenlehre stehen diese Herrschaften weit rechts, sind ultraorthodox bis hin zur totalen, ja menschenverachtenden Ignoranz. Sie alle berufen sich auf christlich fundamentale Werte, wobei die Familie allerhöchste Priorität genießt. Liberalismus, staatliche Subventionen jeglicher Art, integrierende Einwanderungspolitik sind in ihren Augen Teufelszeug, aber auch die Wall Street, die demokratisch regierten Neuenglandstaaten, ja der in ihren Augen kommunistische Obama sind der Untergang für das einstmals so starke Amerika.

Diese Stärke gilt es zurück zu gewinnen, und dazu ist nur ein republikanischer Präsident in der Lage, so ihre tiefste Überzeugung.

Im Zuge einer Protestaktion vor einigen Jahren, die eigentlich nur dazu diente, gegen zu hohe Steuerabgaben zu protestieren, hat sich in Windeseile eine neue Gruppierung herausgebildet, die sich in Erinnerung an die legendäre "Boston Tea Party", den gleichen Namen gab, wobei man auf "Boston" verzichtete und eine "Tea Party" inszenierte, die ganz Amerika mitreißen sollte. Tatsächlich fand die Bewegung großen Zuspruch besonders im "Mittleren Westen" und im Süden der USA, eigentlich Kernland der Republikaner.

Damit dieses Stimmenpotential für die Republikanische Partei nicht verloren geht, haben sich die Präsidentschaftsbewerber mit großer Intention um diese Klientel bemüht.

Eva C. Schweitzer hat alle diese politischen Zusammenhänge genau unter die Lupe genommen. Dazu ist sie durch das ganze Land gereist, hat eine Unzahl von politischen Veranstaltungen besucht, hat mit vielen Politprofis gesprochen und viele Analysten interviewt. Dabei stieß sie immer wieder auf das Phänomen der sogenannten "Think Tanks", Beratungsunternehmen, die gesponsert von Großkonzernen und Geldmagnaten politische Denkanstöße und Gesetzesvorlagen entwickeln, die das Interesse dieser Geldgeber widerspiegeln und womit entscheidender Einfluss auf die Politik in Washington genommen werden soll.

Dieses sehr aufschlussreiche Buch zeigt nicht nur wie die neue Rechte in den USA einzuordnen ist, sondern gibt auch einen formidablen Einblick, wie dies mit dem amerikanischen Wahlkampf und seinen Protagonisten so läuft. Nach der Lektüre von Eva C. Schweitzer hat man einen größeren Einblick in die Abläufe der bevorstehenden Wahl, was ja bestimmt nicht schadet, sondern für noch mehr Interesse sorgt, wer nun tatsächlich demnächst der mächtigste Politiker auf unseren Globus werden wird.

Empfehlenswert
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Rezension:Die geprügelte Generation: Kochlöffel, Rohrstock und die Folgen (Gebundene Ausgabe)

Die Journalistin und Autorin Ingrid Müller-Münch thematisiert in ihrem aufschlussreichen Buch ein Stück beschämender Realität aus den 1950er und 1960er Jahren. Damals nämlich wurden Kinder mit Kochlöffeln, mit dem Rohrstock, sprich durch Prügel seitens Eltern und Lehrer gezüchtigt. Wie man einer Auflistung juristischer Fakten entnehmen kann, stärkte die Justiz ihnen bei ihrem Tun auch noch den Rücken.

Müller-Münch hat mit vielen Personen, die in jener Zeit ihre Kindheit verbrachten, Interviews gemacht und dabei festgestellt, dass die Prügel bis in deren Seelen vorgedrungen sind. Durch die Misshandlungen wurden Gefühle ausgelöst, die sich zusammenfassend in den Worten ausdrücken lassen, "keiner sieht mich, keiner mag mich, ich bin böse, ich bin ein Nichts!"


Folgeschäden einer ganzen Generation sind Unsicherheit, Vertrauensschwund, mangelndes Selbstbewusstsein, Depression und Verlustängste, wie die Autorin festhält.

In jenen Jahrzehnten war gewaltlose Erziehung eher die Ausnahme. Die Ursachen hierfür sind nicht zuletzt in der schwarzen Pädagogik der Nazi-Zeit zu suchen. Diese werden von der Autorin sehr gut dargestellt. Bevor sich Müller-Münch mit der Hauptvertreterin dieser Pädagogikrichtung, Johanna Haarer, auseinandersetzt, widmet sie sich den Vorläufern, darunter Martin Luther, der sich als Vordenker und Autoritätsperson für Zucht und Ordnung, Gehorsam und Unterwerfung stark machte und dies in erster Linie im Kinderzimmer, (vgl.: S. 62).

Die Autorin erwähnt bei ihrem Rückblick in vormalige Erziehungsmethoden auch Rousseau und sein Buch "Emile". Dieses Buch mit reformpädagischen Ansätzen wurde allerdings schnell wieder vergessen. Man wollte nichts vom behutsamen Aufwachsen von Kindern wissen, auch nichts von dem Genuss der Freiheit, in die Kinder gelangen sollten.

Die Erziehungsmethoden Johanna Haarers, genauer deren Kampfansage gegen Neugeborene, "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind", wurden in der ersten Auflage 700 000 Mal verkauft. Über dieses Buch schreibt die Müller-Münch sehr Aufschlussreiches. Der als Erziehung getarnte Sadismus, der in dem Haarer-Text Die Mutter und ihr erstes Kind gepredigt wird, ist bis zu Beginn der 1980er Jahre 1 Million Exemplare verkauft worden. Wie man feststellen kann, ist er immer noch auf dem Buchmarkt erhältlich. Das lässt tief blicken.

Ingrid Müllers Buch musste ich immer wieder zu Seite legen, weil mich ihre Recherchen sehr berührt haben, nicht zuletzt auch, weil sie mich an Berichte einiger, meiner Jugendfreunde erinnern, die auf ähnliche Weise gedemütigt wurden. Meine Erfahrung, die ich mit Menschen immer wieder gemacht habe, die als Kinder geprügelt wurden, ist die, dass sie im späteren Leben dazu neigen, sehr rasch Notlügen zu erfinden. Offensichtlich ist das eine Folge des Prügel-Traumas. Ich vermute dies zumindest.

Ein Buch, das besonders junge Menschen lesen sollten, um aus den Verblendungen ihrer Großeltern und Urgroßeltern zu lernen.

Empfehlenswert.

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Rezensionen:Die bessere Hälfte: Warum nur Frauen die Wirtschaft nach vorn bringen (Gebundene Ausgabe)

Ob die beiden Autorinnen von männlichen Führungskräften aus der Wirtschaft im deutschsprachigen Raum gelesen werden, möchte ich bezweifeln. Eher vermute ich, dass diese, sofern ihnen das Buch von Zauberhand auf den Schreibtisch gelegt wird, es ungelesen mit einer zynischen Bemerkung auf den Lippen von ihrer Sekretärin entsorgen lassen. Schade eigentlich, denn das Buch von Sally Helgesen (Expertin für weibliche Führung und Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten) und Julie Johnson (Top-Coach für weibliche Führungskräfte) beinhaltet viele kluge Erkenntnisse.

Den provokativen Untertitel allerdings "Warum nur Frauen die Wirtschaft nach vorn bringen" hätte ich nicht gewählt, denn er bewirkt außer Leserenitenz und zynischen Bemerkungen bei unseren Alphamännchen gar nichts. Gut, es mag die eine oder andere Ausnahme geben, aber machen wir uns nichts vor...

Nicht selten finden sich Frauen in der altehrwürdigen Rolle der Cassandra wieder, die Katastrophen vorhersagte und nicht abwenden konnte. Wie die Autorinnen unterstreichen, ist es kein Zufall, das Cassandra, die mythische Verkörperung fruchtloser frühzeitiger Warnung, eine Frau war. In der griechischen Mythologie war Cassandra die Tochter des Königs von Troja. Nachdem sich der Gott Apollon in sie verliebt hatte, schenkte er ihr die Gabe der Prophetin. Diese vermochte er ihr zwar zu geben, aber er konnte sie ihr nicht mehr nehmen. Als Cassandra Apoll nicht mehr wiederzulieben vermochte, bestrafte er sie dadurch, dass keiner ihren Weissagungen mehr Glauben schenkte. Dies hatte zur Folge, dass Cassandras Prophezeiung von der Zerstörung Trojas keiner ernst nahm und sie deshalb niemand in ihrer Heimat vor der Tragödie bewahren konnte. Ihr Schicksal verdeutlicht, was geschieht, wenn weibliche Visionen machtlos bleiben. Doch ihre Gaben- der Blick der Außenseiterin, ihr Gefühl für die richtige Perspektive, ihre Fähigkeit zwischen den Zeilen zu lesen und Zusammenhänge herzustellen, überlebten bis heute als das, was man allgemein unter "weiblicher Intuition" versteht, (vgl.: S.67).

Ein entscheidender charakteristischer Unterschied zwischen Mann und Frau sei die Art der Aufmerksamkeit, die Geschlechter ihrer Umwelt schenken und die ihrerseits nun wieder bestimme, was wir wahrnehmen. Leider wissen viele männliche Führungskräfte den Wert weiblicher Sichtweisen nicht zu schätzen und verstehen nicht, wie sie die Einsichten ihrer weiblichen Mitarbeiter zu ihrem Vorteil nutzen können. Wenn die authentischen Beobachtungen von Frauen keine Beachtung finden, gibt es zwei Möglichkeiten, entweder sie resignieren und behalten die besten Beiträge für sich oder sie entscheidet sich, ihre Talente und Einsichten an anderer Stelle einzusetzen. Beide Möglichkeiten tragen zu einer Einschränkung ihrer Führungspersönlichkeit bei. Gestalt kann unsere Vision immer nur dann annehmen, sofern wir auf der Basis unserer Wahrnehmung handeln. Erhalten wir keine Gelegenheit auf der Grundlage unserer Sichtweise zu handeln, vermag sich unserer wahres Potential nicht entfalten. Die Kraft verwandelt sich in eine Quelle der Frustration. Zudem leidet auch die Kreativität, weil sich diese nur entfalten kann, wenn man mit ganzem Herzen bei einer Sache ist, (vgl. S.30ff).

Das Buch macht nicht nur den Wert der weiblichen Vision begreifbar, sondern auch deren Bestandteile und den Nutzen. Dabei überprüfen die beiden Damen ihre Annahmen immer wieder in der konkreten Wirtschaftsrealität der USA. Nach ihren Schlussfolgerungen, die sie stets auch begründen, demonstrierte die Bankenkrise die Grenzen der männlichen analytischen Herangehensweise und liefert ein gutes Beispiel für das, was geschieht, wenn der menschliche Faktor im Geschäftsleben ignoriert wird, (vgl.: S.87)

Männer und Frauen unterscheiden sich nicht nur in der Art der Wahrnehmung, sondern bewerten ihre Beobachtungen auch verschieden. Dabei setzt die weibliche Beimessung vom Wert die Dinge, die sie beobachten in einen übergeordneten Zusammenhang. Sie legt fest, in welche Aufgaben sie Zeit, Energie und Talent investieren möchten und bestimmt auch, worauf sie ihre Aufmerksamkeit richten möchten, (vgl.: S.93)

Die Autorinnen fanden in einer Studie heraus, dass es signifikante Unterschiede in der Art und Weise gibt, wie Männer und Frauen Zufriedenheit wahrnahmen und ihrer Arbeit Wert beimaßen. Diese zeigen sich u.a. darin, dass Männer mehr Wert auf Vergütung und Bonuszahlung legen, (vgl.: S.96). Männer neigen dieser Studie gemäß dazu, sich mit anderen zu vergleichen und ziehen ihre Befriedigung daraus, Konkurrenten auszustechen. Die Aussage "Ich spiele, um zu gewinnen" bejahen Männer völlig, (vgl.: S.96).

Frauen haben einen anderen Zufriedenheitsmaßstab, der leider im Gegensatz zu den meisten Unternehmenskulturen steht, vor allem zu denen in der Privatwirtschaft, (vgl.: S.100).

Frauen entfalten ihre Fähigkeiten besonders gut, sofern sie starke Beziehungen haben. Diese tragen dazu bei, dass sie Stress besser ertragen und bieten ihnen den Kontext, in dem sie Ideen verarbeiten und entwickeln können. Beziehungen allerdings sind nicht nur für die Frauen gut, sondern auch für die Firmen, weil sie für langfristige personelle Stabilität sorgen, (vgl.: S.164ff.)

Die Methoden, die im Buch erläutert werden, sind sehr nützlich, um die weiblichen Talente in Unternehmen besser und strategischer nutzen zu können und zudem auch hilfreich für Firmen, sich dem ökonomischen, technologischen und demokratischen Wandel anzupassen.

Empfehlenswert.

Rezension:Handbuch der Strategien: 220 Konzepte der weltbesten Vordenker (Gebundene Ausgabe)

Dieses Buch ist ein Nachschlagewerk des modernen strategischen Managements, das sich in diesem Zusammenhang sowohl mit der wissenschaftlichen Welt der Forschung als auch mit der praktischen Welt der Führungskräfte und Berater befasst. Obschon auch thematisiert wird, welche strategischen Denkansätze in zurückliegenden wirtschaftlichen Perioden genutzt wurden, liegt der Schwerpunkt auf dem aktuellen Stand der Strategiediskussion, ihren Denkansätzen und methodischen Schlüsselkonzepten.

Das Buch schenkt primär jener Richtung des strategischen Managements Raum, das sich auf die Werkzeuge des strategischen Denkens und Handelns konzentriert, um auf diese Weise das Verständnis der Wirkungszusammenhänge durch eine gezielte Reflektion strategischer Themen zu schärfen. Diese Vorgehensweise bedingt das frühzeitige Erkennen von Chancen- und Gefahrenfeldern. Des Weiteren ist es möglich, dadurch attraktive Zukunftsmodelle zu entwerfen, neue Ansätze für neue Produkte, Prozesse und Strukturen zu schaffen und unkonventionelle Geschäftsimpulse zur Sicherung des zukünftigen Geschäfts zu sichern.

Klar muss man sich darüber sein, dass Strategiefindung kein "Copy-Paste"- Akt darstellt, sondern einer engagierten, kreativen Denkleistung bedarf. Hierbei kann das Buch nur Hilfestellung geben.

Gute Strategien erkennt man natürlich erst im Nachhinein. Ihnen ist, wie der Autor Ralph Scheuss schreibt, nicht selten ein über das Konventionelle hinausgehende Denken vorangegangen. Als Beispiel nennt er u.a. Apple, Microsoft, Google und Amazon. Strategien haben, das zeigen diese Beispiele, stets etwas mit Geschäftsanschauung zu tun und weniger etwas mit Schemen, Regeln, Techniken und Vorgehensweisen, so der Autor.

Scheuss unterstreicht, dass er mit seinem Werk keinen aktiven Beitrag zur Weiterentwicklung des theoretischen strategischen Managements liefern möchte, sondern dem interessierten Praktiker eine Menü-Übersicht zum aktuellen Stand des strategischen Managements bieten will.

Zur Sprache bringt er nach der Erörterung der Strategie-Checks, den Pfaden durch die Strategie und den Basics zunächst die Klassiker der Königsdisziplin, wie etwa Clausewitz, Sun Tzu und Jack Welch, Marktstrategien, Normstrategien, Wachstumsstrategien, Wettbewerbsstrategien, Ressourcenstrategien, asiatische Strategien, Schlankmacherstrategien, dynamische Strategien, Innovationsstrategien, Kooperative Strategien, "Glokale Strategien", Wertstrategien, Beziehungsstrategien, wie das "Cluetrain-Manifest", verrückte Strategien und Strategien im Alltag. Schlussendlich wird auch noch die Strategiekritik thematisiert, bevor man zur Tat schreiten kann und diese kann zunächst nur bedeuten, sich erst einmal intensiv gedanklich damit auseinanderzusetzen, welche Vor-und Nachteile, die einzelnen Vorgehensweisen haben können. Nicht einfach, bei der Fülle von Möglichkeiten.

Empfehlenswert

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Rezension:Zeichen ihrer Zeit: Ein Lesebuch herausgeben von Irene Brauer und Friedrich Dönhoff (Gebundene Ausgabe)

"Der echte, existentielle Widerstand allerdings wird immer nur eine Sache von Einzelnen sein, denn er beruht auf Gewissensentscheidung; und das Kriterium für die Frage, wann er berechtigt ist, muss, so scheint es mir, unabhängig von Nutzen für das eigene Ich sein. Mit anderen Worten, er muss dem Gemeinwohl dienen." (Marion, Gräfin Dönhoff, S. 453)


Dieses Lesebuch enthält zahlreiche Artikel aus der Wochenzeitung "Die Zeit" aus den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts bis hinein in das neue Jahrtausend sowie Reisereportagen, Porträts und Reden, verfasst von der im Jahre 2002 verstorbenen Chefredakteurin und Herausgeberin der "Zeit", Marion Gräfin Dönhöff, die 1909 in Friedrichsstein/Ostpreußen geboren wurde.


Die Herausgeber des Buches sind Irene Bauer, die 20 Jahre lang die persönliche Mitarbeiterin Marion Gräfin Dönhoffs war und der Großneffe der ehemaligen Zeitherausgeberin, Friedrich Dönhoff.


Dem Vorwort entnimmt man Biographisches, das man aufgrund der Zeittafel zum Schluss des Buches noch vertiefen kann und die Artikel nehmen ihren Anfang mit jenem Text, mit dem sich Marion Gräfin Dönhoff im März 1946 als Redaktionsmitglied der neu gegründeten Wochenzeitung "Die Zeit" ihren Lesern vorstellte. Der Titel lautete "Ritt gen Westen". Hier schreibt sie von ihrer Flucht aus Ostpreußen auf ihrem Pferd in Richtung Westen.


Sie schreibt im gleichen Jahr auch über die Männer des 20. Juli, die sie persönlich kannte und in der Folge zu immer wieder brisanten Themen, die heute schon lange der Vergangenheit angehören. Dass es Marion Gräfin Dönhoff war, die nach dem Volksaufstand am 17. Juni 1953 in einem Leitartikel forderte, dass dieser Tag zum Tag der Deutschen Einheit erklärt werden solle, wusste ich nicht. Drei Wochen nach ihrer schriftlich fixierten Forderung wurden ihre Gedanken Realität.


Berührt hat mich der Artikel "Sechs Herrenmenschen". Hierbei geht es um sechs ehemalige KZ-Lagerführer, die 1954 in Frankreich vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt wurden. Die Chefredakteurin fragt, ob diese Männer zu Verbrechern werden mussten? Die Täter hatten immer wieder darauf hingewiesen, dass sie auf höheren Befehl gehandelt haben, dass sie selbst erschossen worden wären, wenn sie nicht, wie ihnen befohlen, gemordet, geschlagen und gefoltert hätten. Dönhoff fragt, ob es tatsächlich so viel leichter gewesen sei, in Stalingrad zu sterben und ist dabei überzeugt, dass jeder der sechs Männer, wäre er dort eingesetzt worden, ohne klagen, es getan hätte, als sein Leben zu lassen, um nicht Verbrecher zu werden? (vgl.: S. 81ff). Sie beendet ihren Artikel mit dem Satz "Denn die Möglichkeit zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, die kann man den Menschen doch wohl nicht absprechen". Mit diesem Satz offenbart sie sich als legitime Tochter Kants.

Sie schreibt zu den Studentenunruhen in den 1960er Jahren, zum deutsch- polnischen Vertrag über die Oder-Neiße-Grenze. Dabei muss man wissen, dass sie die wichtigste publizistische Wegbereiterin der Ostpolitik von Willy Brandt war.

Immer wieder hat man Gelegenheit, Fotos von ihr betrachten zu können und sich von ihrer intellektuellen Aura zu überzeugen. Diese war wahrlich beeindruckend, wie ich mich auf einer der Frankfurter Buchmesse irgendwann in den späten 1990er Jahren überzeugen konnte als ich Marion Gräfin Dönhoff zufällig dort sah. Ihre Ausstrahlung bleibt mir unvergesslich.

Es ist unmöglich auf all die vielen Texte im Buch im Rahmen der Rezension der näher einzugehen. Erwähnen möchte ich ihr Porträt des durch die Nazis ermordeten Widerstandskämpfers Fritz -Dietlof von Schulenberg, der anfangs begeisterter Nationalsozialist war und dessen Verzweiflung über die Zerstörung Deutschlands, die Pervertierung des Rechtsstaates, die Korrumpierung der Bürger, die von einem verlogenen Wertesystem indoktriniert wurden ihn zum erst zum Widerstandkämpfer machten. Sein Zorn über die Diktatur und Tyrannei sei grenzenlos gewesen, so Dönhoff, (vgl.: S. 406).

In einem Vortrag, den sie 1985 in Oxford hält fordert sie vom Bürger Zivilcourage. Im Buch trägt dieser Vortrag den Titel "Vom Ethos des Widerstands". Hier auch befasst sie sich u.a. mit den Geschwistern Scholl. Sie schreibt von der ethischen Gesinnung aus der heraus Sophie und Hans Scholl handelten, schreibt von der grenzenlosen Einsamkeit, in der sie leben mussten, stets auf der Hut, nie einem Dritten Vertrauen schenken zu dürfen. Es sei nicht so sehr der politische Kampf gegen eine verbrecherische Regierung gewesen, der sie inspirierte, sondern das moralische Ringen mit dem Bösen. Dönhoff kommt hier zum Ergebnis, dass das Wesen des echten Widerstandes die Erkenntnis sei, dass man sich nicht auf die Kirche, nicht auf die Universitäten, nicht auf die Parteien verlassen könne. Es käme stattdessen auf den Freiheitswillen der Bürger an, auf seinen geschärften Humanitätssinn. Man könne sich in solchen Zeiten immer wieder auf das Recht des Einzelnen besinnen und auf die überlieferten moralischen Grundsätze metaphysischen Ursprungs, (vgl.: S. 444).

Meine Rezension möchte ich mit einem Zitat von Marion Gräfin Dönhoff beenden, das sehr viel über diese mutige Intellektuelle aussagt:"Der Rechtsstaat ist kein Endzustand, der, einmal erreicht, als gesicherter Besitz gelten kann. Im Gegenteil, er muss immer wieder verteidigt werden. Darum kommt es auf die staatsbürgerliche Haltung jedes Einzelnen an: Auf Mut zu unerwünschter Kritik, Aufdeckung von staatlicher Anmaßung, Misstrauen gegenüber den Mächtigen und den Interessenvertretern, aber auch auf die Bereitschaft, sich als reaktionär bezeichnen zu lassen, wenn man sich weigert, angeblich progressive Unternehmungen mitzumachen, wozu oft mehr Mut gehört als dazu, die sogenannten Mächtigen anzugreifen: Auch das ist Zivilcourage." (Zitat: S. 454)

Ein empfehlenswertes Buch, das sehr zum Nachdenken anregt.

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Rezension: Freiheit: Ein Plädoyer (Gebundene Ausgabe)

Heute titelt die F.A.Z. "Gauck soll Bundespräsident werden". Ein Grund mehr sich mit seinem 64 Seiten umfassenden Plädoyer für die Freiheit zu befassen. Hier nämlich macht er deutlich, dass er ein glaubhafter Hoffnungsträger für mehr Verantwortung in unserer Demokratie ist, der mit allen Bürgern gemeinsam eine ethisch akzeptablere Gesellschaft vorantreiben möchte.

Auf Seite 62 seines Plädoyers sagt er "Ich wünsche mir, dass sich unsere Gesellschaft tolerant, wertbewusst und vor allen Dingen in Liebe zur Freiheit entwickelt und nicht vergisst, dass die Freiheit der Erwachsenen Verantwortung heißt."

Was man unter Freiheit zu verstehen hat und weshalb sie bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, erläutert Joachim Gauck im Buch für jeden gut nachvollziehbar. Für ihn ist Freiheit das Allerwichtigste im Zusammenleben und er hat ein sehr ausgeprägtes Gespür für dieses höchste Gut, nicht zuletzt, weil der DDR- Bürgerrechtler einst das Gegenteil von Freiheit erleben musste.

Gauck erläutert, weshalb die Deutschen ein besonderes Verhältnis zur Freiheit entwickelt haben und geht in seiner Begründung bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück, vergisst auch nicht Heine zu erwähnen und hier eines von dessen Bonmots zu zitieren:"Der Engländer liebt die Freiheit wie sein rechtmäßiges Weib. Er besitzt sie, und wenn er sie auch nicht mit absonderlicher Zärtlichkeit behandelt, so weiß er sie doch im Notfall wie ein Mann zu verteidigen. Der Franzose liebt die Freiheit wie seine erwählte Braut. Er wirft sich zu ihren Füßen mit den überspanntesten Beteuerungen. Er schlägt sich für sie auf Tod und Leben. Er begeht tausenderlei Torheiten. Der Deutsche liebt die Freiheit wie seine Großmutter."

Gauck unterstreicht, dass seit Heine sich die Liebe der Deutschen zur Freiheit verändert habe, das mache der 17. Juni 1953 und das Jahr 1989 deutlich.

Die Geschwisterkinder Angst und Anpassung verhindern nicht selten Freiheit, die ungezügelt allerdings die Tendenz habe, anarchisch zu sein. Deshalb auch müsse die Freiheit von Erwachsenen jene der Verantwortung und des Handels verkörpern. Geistige Freiheit alleine genügt nicht.

Gauck berichtet aus den Zeiten in der DDR. Damals bestand Freiheit nur in seinen Sehnsüchten, in seinen Gedanken. Eine solche Freiheit machte ihn jedoch politisch nicht satt. Gauck wollte Freiheit gestalten, doch dies ist nur ethisch akzeptabel möglich, wenn man sich mit Verantwortung auseinandersetzt. Was Verantwortung im Hinblick auf Freiheit bedeutet, erläutert unser zukünftiger Bundespräsident in einem Kapitel dieses brillanten Plädoyers und verdeutlicht hier auch, dass wir zur Lebensform der Bezogenheit geboren sind.

Menschen, die sich allumfassend für die Menschenrechte einsetzen, handeln verantwortlich. Gauck unterstreicht, dass unsere Fähigkeit zur Verantwortung nicht etwas ist, das durch Philosophen, Politiker oder Geistliche quasi von außen in unser Leben hineingebracht wurde, sondern vielmehr zum Grundbestand des Humanum zählt.

Wer die Freiheit zur Verantwortung liebt, wird mit Gauck auch übereinstimmen, was er in punkto Toleranz (ein weiteres Kapitel des Buches) schreibt. Hier möchte ich einen Satz zitieren, den ich für sehr wichtig halte: "Und wir wissen, dass eher diejenigen, die ihres eigenen Glaubens und ihrer eignen Werte sicher sind, die Werte von Fremden zu würdigen bereit sind, weil sie das Fremde weniger fürchten und in den Anderen Menschenkinder erkennen, die zusammen mit uns überleben und in Würde leben wollen." Deshalb muss man begreifen, dass die als universell, unveräußerlich und unteilbar angesehenen Menschenrechte ein gemeinsames Gut der Menschheit sind, so unser neuer Hoffnungsträger, der nun viel Gelegenheit hat, als Bundespräsident immer wieder die Freiheit zur Verantwortung anzumahnen und uns alle für mehr Verantwotung zu sensibilisieren.
Ein wichtiges Buch. Empfehlenswert.
 
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Rezension:GEO Epoche 50/11: Rom - Die Geschichte der Republik 500 v. Chr, - 27 v. Chr. (Broschiert)

Geo Epoche Nr. 50 befasst sich ausgiebig mit der Republik Rom in der Zeit von 500 v. Chr. -27 v. Chr. Anhand von Fotos lernt man zunächst diverse Monumente aus jener Zeit kennen, anschließend wird die Geburt dieser Weltmacht thematisiert. Zur Sprache gebracht werden die Siedler vom Stamm der Latiner, die etwa 1000 v. Chr. einige Hütten auf den Hügeln am Tiber errichteten. Die Dörfer, die später zu einer Stadt zusammenwuchsen, standen zunächst unter etruskischer Herrschaft. Die Etrusker wurden erst 500 Jahre später seitens der Römer vertrieben. Von den Etruskern, einem geheimnisvollen antiken Volk in Italien, übernahmen die Römer viele Teile ihrer Kultur. Darüber berichtet Jochen Pioch in einem Spezialbeitrag sehr aufschlussreich.


Man liest in der Folge vom ersten Aquädukt (312 v. Chr.), auch von Luftbrunnen, in denen das Wasser Tag und Nacht nicht versiegte. Solche aus Druckleitungen gespeisten Brunnen plätscherten an jeder Straßenecke und versorgten die ärmeren Bürger mit Wasser.

Ein weiteres Thema sind die Punischen Kriege (264-146 v.Chr.) Breitgefächert wird die Schlacht beim apulischen Cannae (218 v. Chr.) erörtert. Man erfährt hier auch etwas über Hannibals Strategie alle Bewohner Italiens gegen Rom aufzuhetzen und weshalb er mit seiner Strategie letztlich scheiterte. Zwar schlug Hannibal die Römer bei Cannae vernichtend, doch Rom gab sich nicht geschlagen, letztlich verließ der Sieger das Land als Gescheiterer, der um den Römern zu seinem Lebensende zu entkommen, vermutlich Gift nahm.

Sehr lesenswert ist die Schilderung des Bacchus-Kultes. Der Kult kam aus Griechenland (Kult des Dionysos). In heiligen Hainen berauschten sich Römer und Römerinnen an Wein, um dem Gott Bacchus näher zu kommen. Sie tanzten und unternahmen Kulthandlungen zu Ehren des Bacchus. Da die Anzahl der Bacchus- Anhänger immer größer wurde und sich die Senatoren in ihrer Macht bedroht fühlten, ließen diese die Heiligtümer des Kultus zerstören und zahlreiche Mitglieder hinrichten, taten also das, was Machtmenschen in allen Jahrhunderten tun, wenn ihnen irgendwo Konkurrenz erwächst.

In der Folge wird man immer mehr mit dem Machtausbau Roms vertraut gemacht, aber man liest auch von Konsul Lucius Sulla, der nach einer politischen Intrige zunächst entmachtet worden ist und in der Folge als erster Bürger Roms mit seinem Heer einen Bürgerkrieg gegen die Stadt entfachte, der schließlich zu einer Diktatur führt.

Ein großer Beitrag im Magazin ist dem Staatsmann Cicero gewidmet (106-43 v. Chr.,)der als außerordentlich erfolgreicher Politiker und renommierter Gerichtsredner galt. Auch Caesar wird natürlich näher beleuchtet und als politisches Raubtier aufgrund seines Machtinstinktes, seiner Intelligenz, seines kalten Stolzes und seiner schamlosen Brutalität charakterisiert.


Über Caesars Adoptivsohn Oktavian, dem späteren Kaiser Augustus, erfährt man ebenfalls Wissenswertes. Mit ihm wird das Ende der ersten Republik eingeläutet, denn er zerschlägt diese, um die alleinige Führung zu übernehmen.


Im Rahmen der Daten und Fakten zum Schluss werden die wichtigsten Feldherren, Staatsmänner und Schriftsteller aus der Zeit der römischen Republik kurz porträtiert, darunter auch Lukull (117 v. um 56 v. Chr.), der einst der zweitreichste Mann Roms war. Seine Gäste sollen auf purpurnen Polstern geruht haben, tranken aus edelsteinbesetzten Bechern, während Chöre und Rezitatoren sie unterhielten. Nicht alle reichen Römer werden in jenen Tagen ihre Gäste zu aufwendig bewirtet haben. Lukull ging aufgrund seines Lebensstils in die Geschichte ein. Für die einen war er ein Prasser, für die anderen ein Gourmet.

Ein lesenswertes Magazin, das viele Facetten Roms aus jenen Tagen dem geneigten Leser näher bringt.

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Rezensionen:Selbstmord im Dritten Reich (Gebundene Ausgabe)

Der Autor des vorliegenden Buches Dr. Christian Goeschel lehrt am Birkbeck College der Universität of London Neuere Europäische Geschichte.


Es geht ihm in seiner nach wissenschaftlichen Kriterien angelegten Arbeit darum, die Motive für Selbstmord während der NS-Zeit zu analysieren. Selbstmord, so der Autor, sei einerseits die privateste und unergründlichste Tat von uns Menschen aber andererseits lässt sie sich nur dann angemessen verstehen, sofern man Selbstmord simultan auf Mikro-, Makro- und Diskursebene untersucht. Deshalb hat Dr. Goeschel das Buch mit traditioneller Sozialgeschichte und Kulturgeschichte in Verbindung gebracht, sich dabei allerdings auf individuelle Schicksale und Lebensumstände fokussiert.

Während der Weimarer Zeit war Selbstmord das letzte Mittel, um persönliches Elend zu beenden. Dieses interpretierte man nicht selten im Zusammenhang mit der deutschen Niederlage von 1918, der Weltwirtschaftskrise und dem politischen als auch sozial generell instabilen System in der Weimarer Republik. Wie man erfährt, steigen in den Schlüsselmomenten der Wirtschaftskrise die Selbstmorde der betroffenen Gruppen sprunghaft an.


Das Buch präsentiert eine Vielzahl von Abschiedsbriefen und Dokumente der polizeilichen Ermittlung, wodurch man persönliche Hintergründe für Selbstmorde besser nachvollziehen kann.


Gezeigt wird, dass in der Nazi-Zeit die Selbstmordrate entgegen anders lautender Propaganda nicht sank und die Politik der Nazis einen direkten Einfluss auf die Selbstmorde hatte. In erster Linie nahmen sich Gegner des Regimes das Leben. In den Jahre 1933- 1934 wurden Folter und Mord durch fingierte Selbstmorde kaschiert.


Der Autor untersucht im Rahmen der Selbstmorde während der NS-Zeit sehr detailliert Selbstmorde unter dem Hakenkreuz (1933-1939), Selbstmorde deutscher Juden (1933-1945), Selbstmorde im Krieg (1939-1944) und schließlich jene aufgrund des Zusammenbruchs.


Es ist unmöglich, im Rahmen der Rezensionen auf die ergreifenden Einzelheiten näher einzugehen. Einfach nur empörend, auf welch niederträchtiger Art und Weise speziell die Rassenpolitik besonders Juden, soziale Außenseiter und Fremdarbeiter in den Selbstmord trieb. Dr. Goeschel unterstreicht, dass für viele, die die Nationalsozialisten zu Opfern machten, der Selbstmord zum letzten und einzigen Mittel wurde, die eigene Würde zu wahren, (vgl.: S. 262).

Ein sehr bedrückendes Buch.

Empfehlenswert.

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Rezensionen:Sein Leben war das traurigste der Welt: Friedrich II. und der Kampf mit seinem Vater (Gebundene Ausgabe)

Am 24. Januar 1712 wurde Friedrich der Große von Preußen geboren. Der stellvertretende Chefredakteur des Geschichtsmagazins "Damals" und Autor zahlreicher historischer und kulturhistorischer Bücher Uwe A. Oster legt mit "Sein Leben war das traurigste der Welt" ein Buch vor, das die schwierige Beziehung Friedrich II. mit seinem Vater thematisiert.

Jeder, der sich ein wenig mit der Geschichte Friedrichs II. befasst hat, wird sicher von den drakonischen Erziehungsmaßnahmen Friedrich Wilhelms I. in Hinblick auf seinen Sohn gehört haben.


Der Autor lotet in seinem Buch die Hintergründe hierfür aus und hebt gleich zu Beginn hervor, dass es kaum einen vergleichbaren Konflikt zwischen einem Herrscher und einem Thronfolger gab, wie zwischen diesem Vater und diesem Sohn.

Mir liegt es fern, nun den Inhalt des Buches hier wiederzugeben. Interessant natürlich sind die Erziehung und der Tagesablauf des Kronprinzen, der nur eine knapp bemessene Freizeit hatte, die auch noch Vorgaben enthielt.

Seine militärische Ausbildung begann schon im Kleinkindalter und seine Schwester Wilhelmine konstatierte: "Nicht die geringste Erholung war ihm vergönnt; die Musik, die Lektüre, die schönen Künste und Wissenschaften waren ebenso viele Verbrechen, welche ihm untersagt waren. Niemand wagte es mit ihm zu reden; kaum, dass er die Königin besuchen durfte. Sein Leben war das traurigste der Welt." (Zitat: S.34).

Man erfährt, wie hungrig Friedrich auf Bildung war und wie sehr sein Vater alles Schöngeistige ablehnte. Daraus entstand Konfliktstoff. Die Bibliothek des Kronprinzen umfasste 3775 Bände, von welchen der Soldatenkönig, sprich sein Vater, nichts wusste. Als der berühmte Fluchtversuch Friedrichs 1730 scheiterte, wurde die geheime Bibliothek entdeckt und in Amsterdam seitens seines Vaters meistbietend versteigert.

Friedrich Wilhelm I. soll ein Choleriker gewesen sin, der zu Gewaltausbrüchen neigte. Er prügelte seine Kinder weit über das gesellschaftlich akzeptierte Maß. Durch welche Kinderhöllen Friedrich gegangen ist, kann man dem Buch entnehmen. Nicht grundlos schreibt der Autor von "dem Fegefeuer von Wusterhausen" Dass dieser Kronprinz vor seinem Vater fliehen wollte, ist nur verständlich. Welche Folgen diese Flucht hatte, kann man im Buch auch ausführlich nachlesen.

Was geschieht mit einem jungen Mann seelisch, der zuschauen muss, wie sein Freund enthauptet wird? Wie sehr hasst ein solcher Mann den Menschen, der dafür verantwortlich ist? Über diese Fragen wird seit Generationen nachgedacht.

Mit viel Freude habe ich über Friedrichs Beziehung zu Voltaire und seine glücklichen Zeiten in Rheinsberg gelesen in den Jahren nach Kattes Hinrichtung und vor Friedrichs Krönung. Hier auch entstand Friedrichs "Antimachiavell", in dem er das Idealbild eines den moralischen Grundsätzen folgenden Fürsten beschreibt. Oster lässt nicht unerwähnt, dass dieser "Antimachivell" niemals ein Aufruf zum Pazifismus war.

Wie sehr sein Vater Friedrich II. letztlich prägte, zeigt sich, nach dem seiner Thronbesteigung als seine Truppen nach Schlesien marschierten und dort eine halbe Million Soldaten und noch einmal so viele Zivilisten ihr Leben verloren, (vgl.: S. 251).

Wer viel Härte erlebt, geht entweder daran zu Grunde oder wird selbst hart. Preußen lässt grüßen.

Empfehlenswert.
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Rezension:Zug um Zug (Gebundene Ausgabe)

Helmut Schmidt und Peer Steinbrück, fraglos mit die brillantesten Köpfe, die die SPD sich rühmen kann, in ihren Reihen einen exponierten Platz inne zu haben, treffen sich in dem vorliegenden Buch "Zug um Zug" , um aus der ihrer jeweils eigenen Sicht, hochaktuelle Themen aus Politik, Gesellschaft und sozialem Gemeinwesen dem geneigten Leser näher zu bringen.


Dabei vergessen sie nicht über das Funktionieren unserer Elite nachzudenken, über die Verantwortung dieser Funktionsträger zu diskutieren, um dann die Folgen bei entsprechendem Fehlverhalten aufzuzeigen.

Über Helmut Schmidt, dem Hanseat altehrwürdiger Schule möchte ich hier nur eins sagen, die Kenntnis seiner eindrucksvollen Vita muss ich nicht besonders erwähnen, die meisten Deutschen kennen sie.


Hervorheben möchte ich die Tatsache, dass er einer der ganz wenigen Persönlichkeiten der Bundesrepublik Deutschland ist, der über die Grenzen aller Parteien, aller Gesellschaftsschichten und aller intellektuellen Kontroversen höchsten Respekt genießt, ja geradezu geliebt und verehrt wird, eine Tatsache, die der äußerlich eher kühl wirkende Hamburger vermeintlich nur ungerne hört.

Zudem sehen die meisten Deutschen in ihm eine moralische Instanz, die glaubwürdige Werte des Miteinanders anmahnt, Werte, die in unserer heutigen Zeit längst verloren gegangen zu sein scheinen.

Als "Elder-Statesman" wird sein Rat weltweit geschätzt, nicht zuletzt durch seinen scharfen Verstand, seine brillanten Analysen und seine schonungslose Offenheit, die ihn nicht um den Brei reden lässt, sondern stets versucht den Kern des Problems darzustellen.

Auch Peer Steinbrück ist Hanseat, ein Hanseat der alten Schule, ebenfalls ein brillanter Kopf und schon deshalb Helmut Schmidt nicht unähnlich. Doch beide verbindet noch Vieles mehr. Ihr Studium der Volkswirtschaft, die gleichen politischen Ziele, die beide am besten in der SPD vertreten sehen, ihre mitunter nicht unproblematische Beziehung zu dieser Partei und jeweils eine selbstbewusste Persönlichkeit hat sie zu Freunden werden lassen, obschon sie aus unterschiedlichen Generationen stammen und völlig unterschiedliche Lebenserfahrungen gemacht haben.

Peer Steinbrück hat das wichtige Finanzministerium in der Finanzkrise 2008 inne gehabt und mit klugen Entscheidungen und schnellem Handeln bewiesen, dass er für jedes hohe Amt im Politikbetrieb der Bundesrepublik Deutschland befähigt ist, auch zum Amt des Bundeskanzlers, wo seine fundierten volkswirtschaftlichen Kenntnisse eine nicht zu unterschätzende Hilfe bei der Bewältigung der aktuellen Schuldenkrise sein könnte.
Das Gespräch dieser beiden überzeugten Sozialdemokraten schlägt von daher einen weiten Bogen, beginnend mit der globalen Veränderung der Machtverhältnisse, sowohl politisch als auch ökonomisch, wobei beide überzeugte Europäer sind und für sie das Allgemeinwohl von größter Bedeutung ist.
Dies ist die erste Aufgabe eines Politikers und deshalb würden sie vom Volk gewählt, so die beiden Herren. In krassem Gegensatz hierzu handeln die profitgierigen Investmentbanker und es wird allerhöchste Zeit, dass die demokratischen Regierungen diese Finanzjongleure wieder an die Leine legen, um sie in politische Rahmenbedingungen einzubinden, darin besteht absoluter Konsens zwischen Helmut Schmidt und Per Steinbrück. Jedoch nicht nur Kritik wird in diesem Buch angebracht, sondern es werden auch konstruktive Lösungsansätze zur Bewältigung der Krisen aufgezeigt, deren Umsetzung vielleicht schon nach der nächsten Bundestagswahl Realität werden könnte.
Dies ist ein wirklich lesenswertes Buch, zweier kluger Köpfe, das durch den unendlichen Erfahrungsschatz eines der bedeutendsten Politiker, aber auch eines hochgeschätzten Publizisten bereichert ist. Zukunftsperspektiven werden durch einen möglichen Kanzlerkandidaten dargelegt, wobei man beim Lesen nicht vergessen darf, für welche Partei das Herz der beiden Diskutanten schlägt.
Empfehlenswert.

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Rezensionen:Die 1950er Jahrgänge und ihre Soldatenväter (Gebundene Ausgabe)

Die Journalistin Sabine Bode hat mit "Nachkriegskinder- Die 1950er Jahrgänge und ihre Soldatenväter" ein Buch vorgelegt, das ich mit großem Interesse gelesen habe. Bode lotet in ihrer Arbeit die Erfahrungen die Jahrgänge 1946 bis 1960 mit ihren Eltern, hauptsächlich den Vätern aus.

Bevor ich mich mit dem Inhalt des Buchs befasst habe, las ich auf dem Buchdeckel die Sätze: "Doch in den Familien der Nachkriegskinder ging es engherzig zu. Die Unbeschwertheit von Kindern passte nicht in eine Gesellschaft, auf der Kriegserlebnisse und Erfahrungen von Gefangenschaft, Vertreibung und Schuld lasteten." Die beiden Sätze ließ ich zunächst auf mich wirken und begann über meine frühe Kindheit in den 1950er Jahren nachzudenken.

Mit meinen Eltern hatte ich viel Glück, denn sie schenkten mir viel Wärme und Geborgenheit. Durch die Kriegerlebnisse waren beide ganz gewiss traumatisiert und gerade deshalb schätzten sie es, wenn ich mit meinen kleinen Freunden und Freundinnen Leben ins Haus brachte. Mein Vater wurde von all meinen Freunden geliebt, weil er anders war als ihre Soldatenväter. Er prügelte nie und sprach mit Erwachsenen und Kindern stets sehr liebevoll, hatte Verständnis für die Nöte anderer. Bei einem solchen Vater wird man nicht zur Trotztochter.

Die Nazis und ihr Tun waren ihm zutiefst zuwider, meiner Mutter, die Tochter eines Sozialdemokraten, übrigens auch. Traumatisiert waren meine Eltern, weil mein Vater unmittelbar nach dem Krieg als kaum 19 jähriger die Nazi-Wahrheit in Bergen-Belsen mit Entsetzen vor Augen geführt bekam und meine Mutter im Osten als Vierzehnjährige dem Tod und Vergewaltigungen direkt ins Auge blicken musste.

Gnadenlose Erziehungsmethoden wie Bode sie anführt, habe ich gottlob in meinem Elternhaus nicht erlebt, aber bei Freundinnen und Freunden gesehen, die von ihren pervertierten Vätern halbtot geprügelt wurden, weil diese Kriegsväter durch den Krieg verroht waren. In meinen Augen waren es Ungeheuer.

Meine Freunde lebten in pausenloser Angst und Schrecken, berichteten Horrorgeschichten. Dass im Haus und im Garten meiner Eltern zumeist mehr als 10 Kinder spielten, weil sie sich dort frei bewegen konnten, freute mich, das Einzelkind, das auf diese Weise mit Wahlgeschwistern aufwuchs.

Bode schreibt in ihrem Buch von "parentifizierten Kindern". Das sind Kinder, die ihr ganzes Leben hindurch der Liebe ihrer Eltern hinterherlaufen, in der Hoffnung, doch noch ein wenig Zuneigung zu erringen, (vgl.: S.22). Solche Menschen kennen ich Zuhauf in meiner Generation. Das, was Bode diesbezüglich schreibt, stimmt.

Bode schreibt des Weiteren von den abwesenden Vätern, die von morgens 7 Uhr bis abends 7. Uhr arbeiteten und nie über die Zeit als sie Soldaten waren sprachen, offenen Gesprächen keinen Raum gaben. Ich kenne Menschen, die heute noch nicht wissen, was ihre Väter und Großväter im Krieg getrieben haben, weil sie nur mit deren Genehmigung oder der Genehmigung durch Berliner Testament erbberechtigter Mütter von staatlichen Stellen Auskunft erhalten. Sie leben also noch heute in Unklarheit. Meine Eltern berichteten schon früh über das, was sie im Krieg erlebt hatten und machten mich zur Pazifistin.

Bode schreibt von prügelnden Vätern, von Macho-Vätern. Vielleicht waren es genau diese Väter, die in der Töchtergeneration die Frauenbewegung auslösten.. Ich vermute es fast.

Neben Berichten von Kindern aus jenen Tagen, legt Bode auch immer wieder Interviews vor, die Lesern, die mit der Zeit und Problematik nicht vertraut sind, einen guten Einblick verschaffen.

Während ich lese, fragte ich mich immer wieder, weshalb in allen Gesellschaftsschichten, selbst im Bildungsbürgertum die Männer in der Regel solche verrohten Ungeheuer waren? War es das Töten im Krieg, das sie so hatte werden lassen? Oder war es die Gehirnwäsche durch die Nazis?

Bode lässt in ihrem Buch keine Facette aus, auch nicht die Kinderdressur in der Nachkriegszeit und nennt, wie bereits in einem anderen ihrer Bücher das Buch über Kinderdrill von Johanna Haarer, das viele Müttern als Ratgeber heranzogen.

Ich danke Gott, dass ich von solchen Eltern verschont geblieben bin, wie sie durch Bode immer wieder vorgestellt werden.

PS: Entschuldigen Sie meine eingeflochteten, persönlichen Erinnerungen, doch das Buch hat mit persönlich stark berührt und Erlebtes erneut wachgerufen, hauptsächlich die vielen Kinderschreie im Sommer bei geöffneten Fenstern im ganzen Ort. Einfach furchtbar.

Empfehlenswert, weil sehr erhellend.

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Rezensionen:Sahibs, Sklaven und Soldaten. Geschichte des Menschenhandels rund um den Indischen Ozean (Gebundene Ausgabe)

Michael Mann ist der Autor dieses packend geschriebenen Buches über die Geschichte des Menschenhandels rund um den indischen Ozean.

Rechtlich gesehen ist ein Sklave ein Mensch, der in das Eigentum eines anderen Menschen übergeht und jederzeit veräußerbar ist. Dabei gelten der Sklave und die Sklavin vielfach als Sache. Gleichwohl können sie auch, je nach kulturellem und sozialem Kontext juristisch als Person verstanden werden, (vgl.: S.10).

Der "Rome Final Act" (17.7.1998), der vom Internationalen Gerichtshof von Den Haag verabschiedet wurde, sieht in Sklaverei einen Akt gegen die Menschlichkeit. Deshalb auch fällt Sklaverei unter die Rechtssprechungsgewalt des Gerichtshofs.

Selten wurde mit Sklaven so brutal umgegangen wie auf den Plantagen der Inseln der Karibik, denn Sklaven waren billige Arbeitskräfte, die nicht im Überfluss vorhanden waren und mit denen schonend umgegangen werden musste.

In den Anrainerregionen des Indik, konnten Sklaven seitens des Haushaltsvorstandes jederzeit freigelassen und in die Gesellschaft entlassen werden. Dies war in der Karibik offenbar nicht möglich.

Weil ein permanenter Mangel an Arbeitskräften und an Sklaven herrschte, produzierte Sklaverei auch den Handel mit Sklaven.

Das Buch beginnt mit der Darstellung des Menschenhandels im 16. Jahrhundert und endet im frühen 20. Jahrhundert. Thematisiert wird zunächst die Sklaverei im Indischen Ozean oder Indik, die Sklaverei auf der Arabischen Halbinsel und im östlichen und südlichen Afrika, in Südasien und Südostasien. In der Folge wird ausführlich man über den Sklavenhandel zu Lande und zu Wasser informiert und wird schließlich faktenreich über die Abschaffung des Sklavenhandels und der Sklaverei in Kenntnis gesetzt.

Das Werk bietet die Möglichkeit sich einen Überblick über Rechtshintergrund, Rechtspraxis, Lebenswirklichkeiten, Arbeitswelten, gesellschaftliche Verankerungen, kulturelle Ausprägungen und Kampagnen zur Abschaffung von Sklavenhandel und Sklaverei im Indischen Ozean zu verschaffen.

Ein Buch, das man lesen sollte, um zu begreifen, weshalb die Menschenrechte eine so essentielle Errungenschaft für uns alle sind.
Empfehlenswert.

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Rezension:Paradies in schwerer Zeit - Künstler und Denker im Exil in Pacific Palisades (Gebundene Ausgabe)

Dr. Thomas Blubacher porträtiert in seinem Buch Künstler, Schriftsteller, Theatermacher, Musiker und Philosophen, die in der Zeit zwischen 1933 und 1945 im amerikanischen Exil in der Nähe von Hollywood neue Arbeitsmöglichkeiten zu finden suchten.

Es geht dabei um einen Ort mit dem Namen "Pacific Palisades". Dort nämlich fanden viele Persönlichkeiten aus Literatur, Kunst und Wissenschaft Zuflucht und nannten dieses Exil "Weimar unter Palmen", nicht zuletzt weil einige der wichtigsten Exponenten des Kulturlebens der Weimarer Republik zusammentrafen, das aufgrund der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 ein brutales Ende gefunden hatte.


Man erfährt zunächst Näheres über die Exilbedingungen, die die USA damals an die Emigranten stellte und hat dann Gelegenheit mit den Lebensgeschichten dieser Personen näher zu befassen.


Diese berührenden Geschichten sind mittels Fotos illustriert. Es ist allerdings unmöglich auf die einzelnen Porträts näher einzugehen. Zur Sprache gebracht werden u.a. die Geschichten von Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Ludwig Marcuse, Erich Maria Remarque, Berthold Brecht und Helene Weigel, Thomas und Katja Mann, Heinrich und Nelly Mann, Vicky Baum, Fritz Lang, Alfred Döblin, Franz Werfel und Alma Mahler-Werfel, Lion und Marta Feuchtwanger und vielen anderen mehr.


Freisler hatte übrigens die Schwester Remarques ermorden lassen und zwar mit den Worten "Ihr Bruder ist uns leider entwischt, sie aber werden uns nicht entwischen". Der Schriftsteller von "Im Westen nichts Neues", dessen 1929 erschienenes Buch in den ersten anderthalb Jahren 3, 5 Millionen mal weltweit verkauft worden war, musste akzeptieren, dass die Nazis es 1933 ins Feuer warfen und dass ihm die Staatsbürgerschaft aufgrund dieses Antikriegsbuches aberkannt wurde.


Das Buch dokumentiert, dass im Nazideutschland für Intellektualität und Kultur kein Platz war. Welche Folge das hatte, machen die 50 Millionen Toten in der Zeit der Nazi-Herrschaft deutlich. Dies sollten wir uns täglich bewusst machen.

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Rezension:Die großen Pioniere und ihre Expeditionen (Gebundene Ausgabe)

"Der Atlas der Entdeckungen" ist in meinen Augen ein ideales Weihnachtsgeschenk für heranwachsende, interessierte Menschen, die sich für die Geschichte der großen Pioniere und ihre Expeditionen begeistern können.

Dieses reich bebilderte Buch enthält eine Fülle von kleinen informativen Texten sowie detaillierten Karten und Abbildungen, die dokumentieren wie die großen Pioniere einst reisten.
Untergliedert ist der Atlas in die Teile:

-Antike bis 1500

-Von 1500 bis 2000

-Die letzten Grenzen

Sehr anschaulich erfährt man Näheres zu den Entdeckungsreisen Alexanders des Großen, zu den römischen Expeditionen nach Afrika, zur "Geographike" des Ptolemäus, über die Portugiesen an Afrikas Westküste, über Vasco da Gama, über den Vertrag von Tordesillas, über Vespucci in Südamerika, über Pedro A. Cabral, über Magellan auf den Philippinen, über Expeditionen in den Regenwald, über Hernán Cortés u.a. mehr.

Der Atlas ist ein Nachschlagewerk, das kein Detailwissen vermittelt, sondern einen groben Überblick verschafft und aufgrund der vielen Bilder sowie des Kartenmaterials dem Leser das Gefühl gibt, bei den Entdeckungsreisen mit dabei gewesen zu sein. Mit einem Wort, hier geht es um Abenteuer im Kopf, die bekanntlich die wahren Abendteuer sein sollen.


Ich habe einige Bücher aus der "Edition Erdmann" gelesen, die sich ausführlich mit Entdeckungsreisen längst vergangener Tage befassen. Wer einen schnellen Überblick haben möchte, sollte eher zum vorliegenden Atlas greifen. Allerdings macht dieses Buch neugierig auf weitere Infos, die man sich dann in den einzelnen Reisebeschreibungen der Entdecker, wie erwähnt, beschaffen kann.
Empfehlenswert.

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Rezension:Das europäische Geschichtsbuch: Von den Anfängen bis ins 21. Jahrhundert (Gebundene Ausgabe)

DAS EUROPÄISCHE GESCHICHTSBUCH - Von den Anfängen bis ins 21. Jahrhundert ist eine europäische Initiative von Frédérice Delouche. Die 15 Autoren kommen aus 13 Ländern Europas. Eingeteilt ist das Buch in 13 Kapitel, denen ein Vorwort des Herausgebers und ein Vorwort des Verlegers und Grundbetrachtungen mit dem Titel "Wesenszüge Europas" sowie Fragen an die europäische Geschichte vorangehen.

Die einzelnen Kapitel mit jeweils zahlreichen Untergliederungen sind in folgende Themenbereiche gegliedert:

-Von Tundra zu Tempel (Ur- und Frühgeschichte- 4. Jahrhundert v. Chr.)

-Das römische Weltreich (6. Jahrhundert v. Chr. -5. Jahrhundert n. Chr.)

-Das Byzantinische Reich und das Abendland (6. -11 Jahrhundert)

-Das christliche Europa im Mittelalter (11.-13. Jahrhundert)

-Die Renaissance- Krise und Aufbruch (14.-15. Jahrhundert)

-Begegnung mit der Welt (15. -18. Jahrhundert)

-Reformation und Absolutismus (16. Und 17. Jahrhundert)

-Die Aufklärung und die Ideen der Freiheit (1700-1815)

-Europa auf dem Weg zur Moderne (Das 19. Jahrhundert)

-Auf dem Weg zur Selbstzerstörung (1900-1945)

-Von der Teilung zur Öffnung (1945-1985)

-Rückkehr und Verwandlung Europas (1985-2011)

Im Rahmen der Grundbetrachtungen möchte ich die Gedanken hervorheben, die die sprachliche Vielfalt als Ursache der Zersplitterung hinterfragt. 43 Sprachen werden in Europa gesprochen und es werden drei Schriftsysteme verwendet, die alle auf Konsonanten-Systemen beruhen. Das sollte man sich bewusst machen.

Das Buch beginnt mit der Thematisierung der ersten Menschen in Europa, den Neandertalern und den Cro-Magnon-Menschen, berichtet von der so genannten neolithischen Revolution und den großen steinzeitlichen Grabbauten, wie etwa den Megalith-Denkmälern in Frankreich, England, Irland und Malta, um sich dann mit der Metallzeit und dem damaligen Handel im Mittelmeerraum zu befassen. Man ist erstaunt, zu welch künstlerischen Hochleistungen man zu jenen Zeiten schon in der Lage war. So wurde ein "Kultwagen" im Gräberfeld von Hallstatt ausgegraben, der an den Kunstfertigkeiten unserer Vorfahren keine Zweifel lässt.

Im Rahmen der Darstellung der griechischen Kolonisation wird Heraklit in einem Spezialmerkkasten hervorgehoben und dessen wichtigste Gedanken kurz erläutert. In der klassischen Antike dann ist es Perikles und die Verfassung Athens, die betont werden. Später liest man Näheres zu den Sophisten und der Wahrheit.

Es ist natürlich unmöglich das gesamte Buch hier in Kurzform wiederzugeben. Das allein würde 5 Seiten und mehr beanspruchen. Mein Eindruck ist der, dass alle wesentlichen geschichtlichen Sachverhalten und das Denken in den verschiedenen Epochen sehr gut dargestellt worden sind. Die 250 Abbildungen und das Kartenmaterial vervollständigen die Texte.

Vor einigen Jahren kaufte ich mir die 20 bändige Ausgabe "Welt- und Kulturgeschichte" der ZEIT, die ich immer noch zu schätzen weiß und habe einige Textvergleiche vorgenommen, um zu sehen, ob im vorliegenden Buch auf alles Wesentliche eingangen worden ist, was die europäische Geschichte anbelangt.

Mein Eindruck ist, dass es gut gelungen ist, unsere europäische Geschichte facettenreich bis zum heutigen Tag zu beleuchten und Zusammenhänge herzustellen, aus denen sich die besser Zeitläufte begreifen lassen. Wir müssen uns mit der europäischen Vergangenheit auseinandersetzen, um in der Zukunft ein vereintes Europa möglich zu machen. Fehler gilt es aufzuspüren und zu analysieren, um sie zukünftig zu meiden. 50 Millionen Tote im 2. Weltkrieg solten uns zu denken geben.

Ein gutes Buch, das ich gerne empfehle.

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Rezension:Ritter auf dem Meer. Seemacht und Seewesen zur Zeit der Kreuzzüge (Gebundene Ausgabe)

Dieses Buch von Georg-Michael Fleischer ist in drei große Abschnitte gegliedert:

1. Teil: Die Seemacht am Mittelmeer von den Ursprüngen bis zu den Kreuzzügen

2. Teil: Seemacht und Seegeltung im Gang der Geschichte (1096-1291)

3. Teil: Seewesen im Mittelalter
Für die Entwicklung als gemeinsamer kulturgeographischer Lebensraum war die Eroberung des Meeres als Lebensader der Kommunikation und des wirtschaftlichen sowie kulturellen Austauschs der verschiedenen Völker unerlässlich. Man wird im Buch mit dem Ursprung aller Seefahrt vertraut gemacht, liest von der bronzezeitlichen Mittelmeerschifffahrt, den Griechen, Puniern, Römern, sprich der Seefahrt in der Antike und hier auch von dem Kampf um die Vorherrschaft zwischen Karthago und Rom.

Thematisiert werden die byzantinische und die arabische Seemacht und zur Sprache gebracht wird auch wie italienischen Fischerhäfen zur Seemacht aufstiegen. Die Rede ist von Amalfi, Pisa, Genua und Venedig.Doch es werden auch Seestädte in Frankreich und Spanien beleuchtet, auf die Normannen in Italien und Sizilien eingegangen und auch über die Geißel der Meere- die Piraten ist Aufschlussreiches zu Papier gebracht worden.

Im zweiten Teil hat man zunächst Gelegenheit Näheres über den ersten Kreuzzug (1096-1099) zu erfahren. Hier liest man auch über Antiochia, der Stadt, die für die Kreuzfahrer zu einer Schlüsselstellung für den Zug ins Heilige Land wurde. Man erfährt des Weiteren über die Eroberung der Levantehäfen, über die Seegefechte des zweiten Kreuzzuges (1147-1149), über den dritten Kreuzzug (1188-1292) sowie den vierten Kreuzzug (1202-1204) Erhellendes und wird hier ausgiebig über die Entstehung der venezianischen Flotte unterrichtet. Auch die dann noch folgenden Kreuzzüge machen deutlich, dass es sich bei den Kreuzzügen letztlich um Seefahrergeschichten handelte.

Man lernt deshalb auch die Schiffe der Kreuzfahrerzeit kennen und erfährt etwas über die Pferdetransporte während der Kreuzzüge, um schließlich mit dem mediterranen Seewesen im Hochmittelalter vertraut gemacht zu werden. Hier wird dann die Handels-und zivile Schifffahrt fokussiert, denn ungeachtet aller kriegerischen Konflikte, sei es zwischen den Europäern und den Muslimen im Kampf um das Heilige Land, der italienischen Seestädte untereinander oder zwischen dem normannischen Sizilien, Byzanz, Genua und Venedig und den anderen Auseinandersetzungen im Mittelmeerraum, die man im Buch kennenlernt, florierte der Handel der Europäer mit der Levante, mit Ägypten und mit Nordafrika, (vgl.: S. 163).

Aufgeklärt wird man über die Grundzüge der Entwicklung des mittelalterlichen Seerechtes, das einstige Seeversicherungswesen, der übrigens ersten Sachversicherung, über die Seesignale, über Navigation, Seekarten und über das Lotsenwesen.

Schlussendlich liest man noch über die Pilgerfahrten zwischen 1150-1450 nach Jerusalem, über das Leben in damaligen Zeiten an Bord und hier auch über die medizinische Versorgung.

Ein spannendes Buch über die Beschwerlichkeiten längst vergangener Zeiten als Männer aufgrund von Gier, Abenteuerlust und überzogenen religiösen Ideen am liebsten eines werden wollten: Ritter auf dem Meer.
Empfehlenswert.

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Rezension:Die Macht der Bilder: Amerikanische Präsidenten und ihre Inszenierung (Gebundene Ausgabe)

National Geographik zeigt in die "Die Macht der Bilder" die besten Aufnahmen der Präsidentenfotografen aus den letzten 50 Jahren. Diese Fotografen sind am Ende des Buches aufgelistet und man erfährt hier auch Wissenswertes zu ihrer jeweiligen beruflichen Karriere.

Bei den Fotografen handelt es sich um: Cecil Stoughton, Yoichi Okomoto, Ollie Atkins, David Hume Kennerly, Michael Evans, David Valdez, Bob McNeely, Eric Draper und Pete Souza.

Die Fotos werden von Texten begleitet, die einen guten Eindruck von der Welt der Präsidentenfotografen vermitteln. Pete Souza ist verantwortlich für drei weitere Fotografen, vier Bildredakteure, einen Fotoarchivar und einen Spezialisten für Videoaufnahmen. Er begleitet Präsident Obama 7 Tage die Woche auf all seinen Wegen.

Die erste Fotografie von einem amtierenden amerikanischen Präsidenten war ein Kabinettsfoto. Aufgenommen wurde es 1846. Gezeigt wird Präsident James K. Polk und dessen Kabinett. Man erfährt, dass in den frühen Tagen der Fotografie die Bilder ausnahmslos Daguerreotypien positive, einem Spiegelbild ähnliche Bilder waren, die man auf versilberten Kupferplatten einfing, die zuvor chemisch behandelt wurden, damit sie empfindlich auf Licht reagierten.

Man liest in der Folge Wissenswertes über die technischen Fortschritte in der Fotografie und immer wieder Näheres zu dem Procedere, das den Bildern, die im Buch gezeigt werden, vorausging.

Obschon mit all den Bildern natürlich Geschichten erzählt werden und Imagepflege betrieben wird, habe ich mir diese Aufnahmen dennoch mit großer Neugierde angesehen und versucht, hinter die offizielle Inszenierung zu blicken. Dabei ist mir von allen im Buch gezeigten Präsidenten Obama der liebste, weil er spürbar viel Seele besitzt. Ein gutherziger, nachdenklicher, analytischer Mensch, eine Person mit sogenannter "professioneller Intelligenz", einer der wenigen Ausnahmemenschen, der es gewiss nicht einfach hat.

Es macht Freude die Bilder, die ihn zeigen, zu betrachten und ihn mit anderen Präsidenten zu vergleichen. Nicht jeder war ein Alphamann. Er ist es, ohne Zweifel.

Empfehlenswert.

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