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Rezension: Cancel Culture- Demokratie in Gefahr- Kolja Zydatiss

 



Der Autor dieses aufschlussreichen Buches befasst sich in seinem Werk mit der Unkultur des gezielten Stummschaltens rechtlich von der Meinungsfreiheit gedeckter Meinungen, der sogenannten "Cancel Culture". Dabei wird anhand von ausgewählten Beispielen aus unterschiedlichen Lebensbereichen, die Intoleranz und Brutalität der "Cancel Culture" dokumentiert, die, so Zydatiss, in selbstermächtigter Weise Menschen sozial ausstoße, materiell entrechte und sie nicht selten sogar vernichte.
 
Dem Autor geht im Buch vor allem darum, zu hinterfragen, wer diese Antidemokraten sind. Dabei teilt er sein Werk in drei Teile ein: 

Teil 1 behandelt dabei die neue Kultur des Ausgrenzens und Stummschaltens; Teil 2, die Treiber der "Cancel Culture". Teil 3 verdeutlicht, weshalb durch die "Cancel Culture" die Demokratie in Gefahr ist. 

Wie in Teil 1 an konkreten Beispielen verdeutlicht wird, sind es u.a. Wissenschaftler, Sportler, Journalisten, Politiker, Autoren, Künstler, Unternehmer und Geistliche, die mundtot gemacht werden. Konsequenzen seien u.a. klärende Gespräche, die Betroffene unter Druck setzen sollen, Ausladungen und Absagen von Veranstaltungen, Ausgrenzung im beruflichen Umfeld, Kampagnen in den sozialen Medien, Jobverlust, Beschädigung des Privateigentums als auch im Extremfall körperliche Angriffe.

Als heikle Themen nennt Zydatiss u.a. Rechtspopulismus, (Trans-)-Gender, Islam, Rassismus, Migration, Klimawandel und Corona. Zum Fallstrick könnten alberne Witze, auch unüberlegte Likes in den sozialen Medien werden, zudem private Kontakte zu unliebsamen Personen, (selbst sachlich) vorgetragene Kritik an der Regierungspolitik, auch völlig unbegründete Beschuldigungen sexuellen Fehlverhaltens. 

Der Autor spricht von einem Meinungsklimawandel. Die eventuell maßgeblichsten Aspekte des heutigen gesellschaftlichen Klimas seien die Tatsache, dass immer mehr Menschen fürchten müssen, mundtot gemacht zu werden. Damit einhergehend verarme das Meinungs- und kulturelle Angebot zunehmend. Zydatiss hält fest, dass wir in der "Cancel-Culture" leben und diesen Begriff durchaus als Epochenbezeichnung verwenden können. 

Zudem erlebten wir gerade einen Sieg der Gesinnung über rationale Urteilsfähigkeit. Dabei legten lautstarke Minderheiten fest, was gesagt und überhaupt zum Thema werden darf. Ziel der "Cancel-Culture" sei nicht der Diskurs, also das Aufeinandertreffen verschiedener Meinungen, sondern die Verengung des Meinungsraums. Zensorische Aktivisten wollten anderen Menschen vorschreiben, welche Werke und Veranstaltungen sie konsumieren dürfen und welche nicht. Es sei das Klima der Angst, die Personen dazu veranlassen solle, Selbstzensur zu üben. Es werde gelöscht, gesperrt und angezeigt. 

Im 2. Teil liest man dann von den Treibern der "Cancel Culture" und liest in diesem Zusammenhang, dass die künftige Bildungselite von einer tiefen Illiberalität geprägt sei wie empirische Studien zeigten. Auch wird dargelegt, weshalb die Bürger immer unzufriedener werden. Hier auch wird erwähnt, dass immer mehr Tabus und Denkverbote verbreitet werden und die vorherrschende "progressive" Ideologie (tendenziell die Interessen und Prioritäten der Gebildeten und Wohlhabenderen) widerspiegele, nicht jedoch der breiten Masse. 

Im dritten Teil dann geht es darum, den Mund aufzumachen und sich der "Cancel-Culture" entgegenzustellen. Für Zydatiss sagt die Einstellung gegenüber der "Cancel-Culture" viel darüber aus, wie man zur Demokratie grundsätzlich steht. Das freie Wort sei ein starkes Werkzeug, um das Handeln der Mächtigen zu kontrollieren und sie zur Rechenschaft zu ziehen. Die Meinungsfreiheit sei inhärent emanzipativ. Ohne Meinungsfreiheit stirbt das Leben, so Zydatiss. Künstlern müsse erlaubt sein, zu provozieren, Gefühle zu verletzen, alles in Frage zu stellen und zu verspotten. Es seien die Meinungen, die in Auseinandersetzungen der eigenen komplett entgegenstehen, die zum Klärungsprozess beitragen, sei es uns zu einer neuen Sichtweise bringen oder uns zur Schärfung unserer Argumente verhelfen. 

Aus eigenen Erfahrungen im Internet, kann ich Kolja Zydatiss nur zustimmen. Er ist kein Schwarzmaler, übertreibt nicht. Die Intoleranz gegenüber freier Rede ist enorm und so macht sich bei vielen Angst breit, überhaupt noch ein Wort zu sagen, um nicht den Terror zu erleben, der dann droht, wenn man Intoleranten ungewollt oder beabsichtigt auf die Füße tritt. Wir gehen katastrophalen Zeiten entgegen, wenn der "Cancel Culture" nicht der Garaus gemacht wird. Die Beispiele des Autors zeigen, dass es jeden treffen kann. 

Maximal empfehlenswert 

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 Helga König