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Rezension:Kluge Mädchen: Oder wie wir wurden, was wir nicht werden sollten (Sonderausgabe) (Gebundene Ausgabe)

Dieses sehr schöne und dabei hochinformative von Antonia Meiners herausgegebene Buch mit einem Vorwort von Senta Berger befasst sich mit der Entwicklung der jungen Mädchen von 1900 bis heute. Das Buch ist untergliedert in die Kapitel:
1900-1918 Die gute Partie oder der eigene Weg

1919-1932 Kurze Röcke, kurze Haare, kurze Freiheit

1933-1945 Blond und brav zum BDM

1946-1961 Nach dem Chaos in die heile Welt

1989- heute Die Qual der Wahl
Zu Beginn jedes Kapitels erfährt man im Rahmen einer Zeitblende die wichtigsten Eckdaten der jeweiligen Zeitperiode und hat Gelegenheit sich in Texte unterschiedlicher Art (auch Briefe und Tagebuchauszüge) im Hinblick auf Mädchenverhalten einzulesen, um auf diese Weise einen Überblick über die Erwartungshaltungen an junge Mädchen und über das Fühlen und Denken dieser Mädchen in den letzten elf Jahrzehnten zu erhalten.

Begeistert haben mich die vielen Fotos der weiblichen Teenager, einst junge Mädchen genannt. Zu Beginn des Jahrhunderts besaßen diese Mädchen einen Liebreiz, den gleichaltrige Teenager heute nicht mehr besitzen, vielleicht weil man ihnen bereits im Kindesalter die geistige Unschuld raubt.

1908, also vor etwas mehr als 100 Jahren, gewährte Preußen als eines der letzten Länder des Deutschen Reiches Frauen die Zulassung zum Universitätsstudium. In Österreich durften die Frauen bereits seit 1900 Medizin und Pharmazie studieren. Frauen, die in jenen Tagen studierten, waren die Ausnahme, noch dachte man daran, dass Frauen Hausfrauen werden sollten und junge bürgerliche Mädchen besuchten deshalb Haushaltsschulen für höhere Töchter.

Man hat Gelegenheit aus dem Tagebuch Marlene Dietrich zu lesen. Die Einträge stammen von 1913-18 und zeigen, dass sie ein Mädchen war, das seiner Zeit offenbar schon weit voraus gewesen ist. Sie schreibt am 4.2.1914: "Ich hatte einen Riesenkrach mit Mutti. Als sie sagte, wenn ich mit so vielen Pennälern ginge, wäre ich mannstoll. Erstens "treibe" ich mich nicht mit Jungen "rum" und zweitens wäre die Freundschaft mit Bekannten- man braucht sich ja nicht gleich zu lieben- noch lange nicht mannstoll. Ich werde immer erst darauf gestoßen, in allen harmlosen Dingen etwas Schlimmes zu sehen,"(Zitat. S.25).

Die Zwanziger Jahre zeigen die allmähliche Veränderung im Denken von jungen Mädchen, die nun keine langen Kleider mehr tragen müssen, sich freier bewegen können und dies auch tun, keineswegs nur körperlich, sondern auch mental. Die kurze Phase der Freiheit endete mit dem Nationalsozialismus und dessen rigiden Vorstellungen im Hinblick auf das, was aus jungen Mädchen einmal werden sollte. Fürchterlich war die Ideologie der BDM-Mädchen. Der Anteil der weiblichen Studenten wurde bei den Nazis übrigens auf 10% beschränkt. Das sagt viel aus über das menschenverachtende braune Gesindel. Der Psychopath aus Braunau unterstrich:"Es gibt doch nichts Schöneres, als sich ein jung Ding zu erziehen: Ein Mädchen mit achtzehn, zwanzig Jahren ist biegsam wie Wachs. Einem Mann muss es möglich sein, jedem Mädchen einen Stempel aufzudrücken. Die Frau will es auch nicht anders!" (Zitat: S.53)

Ein Brief vom mutigsten Mädchen des letzten Jahrhunderts von Sophie Scholl an ihren Freund Fritz Hartnagel kann man lesen und einen Auszug aus dem Tagebuch von Anne Frank. Solche Mädchen waren den Nazis ein Dorn im Auge.

Junge Mädchen zu Ende des Krieges und auch in den 1950er Jahren sind ein weiteres Thema. Damals war es ähnlich wie in der NS-Zeit noch immer verpönt, sich zu schminken. Alles ändert sich mit Conny und Peter, mit Elvis und den Halbstarken. Von da an war nichts mehr so wie es war. Es scheint wie ein Anknüpfen an die Freiheit der 20er Jahre. Mit großem Interesse habe ich über die Zeit zwischen 1962-1988 gelesen und die modischen Finessen jener Jahre mit Vergnügen nachvollzogen. Durch die Frauenbewegung änderte sich alles. Die Möglichkeiten für junge Mädchen sind heute so vielfältig wie nie. Diese Tatsache freut mich jeden Tag und es freut mich auch diese Tatsache im vorliegenden Buch bestätigt zu bekommen.

Klug ist ein Mädchen dann, wenn es seinen Weg geht und sich keinen Stempel aufdrücken lässt. Daran hat sich in allen Zeiten nichts geändert. Sophie Scholl war eines der klügsten Mädchen des letzten Jahrhunderts, auch wenn ihr Weg direkt zum Fallbeil geführt hat.

Empfehlenswert.

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